Brexit: Was ändert sich für Verbraucher?

Beim Referendum am 23. Juni 2016 haben 52 Prozent der Briten für den Brexit gestimmt. Nach zahlreichen Verschiebungen ist das Vereinigte Königreich (England, Schottland, Wales und Nordirland) am 31. Januar 2020 um Mitternacht MEZ aus der EU ausgetreten. Welche Folgen hat das für Verbraucher?

Aktueller Brexit-Stand

30. Dezember 2020: Handelspakt

Das britische Unterhaus hat dem Brexit-Handelspakt zugestimmt.

28. Dezember 2020: Handelspakt - die Formalien

Die EU-Botschafter stimmten für die vorläufige Anwendung des Handelspaktes ab 1. Januar 2021. Die vorläufige Anwendung des Handelspaktes ist erforderlich, da für eine Ratifizierung durch das Europaparlament noch in diesem Jahr die Zeit fehlt. Die Ratifizierung soll im Januar 2021 erfolgen.  


24. Dezember 2020: Handelspakt zwischen UK und EU wurde geschlossen.

Inhalte des Abkommens

1. Keinen Zoll
Es wird keine gegenseitigen Zölle auf die Einfuhr von Waren geben. Außerdem gibt es keine Mengenbeschränkungen für Importe. Die Formalitäten für Import und Export sollen so einfach wie möglich gehandhabt werden.

2. Fairer Wettbewerb
Das Vereinigte Königreich passt sich an die EU-Standards in Sachen faire Wettbewerbsbedingungen an. Damit verbunden ist ein hohes Schutzniveau in Sachen Umwelt, Sozial- und Arbeitnehmerrechte, staatliche Beihilfen.

3. Fangrechte für EU-Fischer in UK-Gewässern
Es gibt eine 5,5-jährige Übergangsphase. In dieser werden die Fangrechte für EU-Fischer um 25 Prozent gekürzt. Ab Juni 2026 soll dann Jahr für Jahr über die Fangquoten mit dem Vereinigten Königreich verhandelt werden.

4. Finanzdienstleistungen
Bei diesem Thema wird weiter verhandelt. Die Frage soll allerdings bis März 2021 geklärt werden. Das Ziel des Vereinigten Königreichs: Zugang zum EU-Markt.

5. Verkehr
Dauerhafte Anbindung an den Luft-, Straßen-, Schienen- und Seeverkehr. Das bedeutet zum Beispiel die gegenseitige Nutzung von Flughäfen und ein nicht eingeschränkter Speditions-Verkehr.

6. Energie und Klima
Die Vereinbarungen zum Energie-Handel laufen weiter. Das Vereinigte Königreich und die EU möchten in Sachen Windparks in der Nordsee zusammenarbeiten.

7. Soziale Sicherungssysteme
Gewährleistung sozialer Rechte (Krankenversicherung, Renten, Sozialleistungen) für Menschen, die nach dem 1. Januar 2021 in die EU oder ins Vereinigte Königreich umziehen.

8. Sicherheit
Zusammenarbeit bei der Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung.

9. Beteiligung an EU-Programmen
Das Vereinigte Königreich beteiligt sich weiterhin an folgenden EU-Programmen: Forschungsprogramm Horizon Europe, Forschungs- und Ausbildungsprogramm Euratom, Kernfusionsreaktorprojekt Iter, Erdbeobachtungssystem Kopernikus, Satellitenüberwachungssystem SST.

10. Konfliktlösungen
Es wurde ein Konfliktlösungsmechanismus zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU vereinbart. Der sogenannte gemeinsame Partnerschafts-Rat kontrolliert die Umsetzung des Abkommens und bespricht strittige Fragen mit dem Vereinigten Königreich und der EU.

Darüber hinaus gibt es Durchsetzungs- und Streitbeilegungs-Mechanismen. Bei Verstößen gegen das Abkommen können sowohl das Vereinigte Königreich als auch die EU sektorenübergreifende "Vergeltungsmaßnahmen" durchführen, also auch Maßnahmen, die Bereiche betreffen, die nicht vom Streit betroffen sind.

Informationen zu den Inhalten des Brexit-Deals finden Sie auf der Internetseite der Europäischen Kommission.

Brexit-Helplines
 

Sie können als Privatperson Ihre Anfragen gerne weiterhin über unser Online-Formular einreichen.

Antworten auf Fragen zu den künftigen Beziehungen zwischen der EU und UK beantworten unter anderem die Europe Direct Informationszentren kostenlos unter folgender Nummer: 00 800 6 7 8 9 10 11.

Die Brexit-Hotline für Unternehmer erreichen Sie unter:  030 340 6065 61 oder per Mail unter brexit@buergerservice.bund.de

Ausführliche Informationen zu den Helplines gibt die Europäischen Kommission.

Brexit - Was ist das?

Das Wort Brexit steht für „British Exit“ und meint den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Das Vereinigte Königreich wird im weiteren Textverlauf aus Gründen der besseren Lesbarkeit als Großbritannien  bezeichnet und besteht aus England, Schottland, Wales und Nordirland.

Als harter Brexit wird der Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union, dem europäischen Binnenmarkt und aus der Zollunion bezeichnet, aber auch der Austritt Großbritanniens aus der EU ohne einen Vertrag.

Bei einem weichen, geordneten oder Deal-Brexit tritt Großbritannien ebenfalls aus der EU aus, doch Themen wie Freihandelsabkommen, Zölle sowie die Nordirlandfrage sind geregelt.

    Was will Großbritannien mit dem Brexit erreichen?

    • Keine Zuwanderung aus der EU, kein freier Personenverkehr,
    • Erlass von eigenen, britischen Gesetzen,
    • Betreiben einer von der EU unabhängigen Handelspolitik,
    • Abschluß eigene Handelsverträge mit Drittländern,
    • keine Beitragszahlung an die EU.

    Brexit: Was ändert sich bei Reisen nach Großbritannien?

    Wer per Schiff, Flugzeug, Bus oder Bahn nach Großbritannien reist hat Rechte, die er bislang aufgrund der EU-Gesetzgebung geltend machen konnte. So gibt es zum Beispiel bei Bahnverspätungen unter bestimmten Voraussetzungen eine Erstattung des Ticketpreises oder bei Flugreisen eine Ausgleichszahlung.

    Viele dieser Rechte bleiben auch nach dem Brexit bestehen, weil diese bereits in britisches Recht überführt wurden. Wir erklären Ihnen welche Rechte Sie haben und worauf Sie bei Reisen nach Großbritannien achten sollten.

    Achtung: Welche Vorschriften in Zeiten der Corona-Pandemie gelten, erklären wir Ihnen auf unserer Corona-Seite

    Derzeit ist die Einreise für EU-Bürger mit Personalausweis und Reisepass bis zum 30. September 2021 möglich.

    Ab dem 1. Oktober 2021 ist die Einreise nur noch mit einem gültigen Reisepass möglich.

    Wer einen "settled" oder "pre-settled" Status hat, kann noch bis 31. Dezember 2025 mit seinem Personalausweis ins Vereinigte Königreich einreisen.

    Gleiches gilt für Inhaber der Grenzgängerberechtigung (frontier worker permit) und für "S2-Healthcare-Visitors".

    Für die Überseegebiete gelten andere Regelungen. So ist beispielsweise für die Reise auf die Virgin Islands ein Reisepass oder ein vorläufiger Reisepass erforderlich, der mindestens 6 Monate über die Aufenthaltsdauer hinaus gültig sein muss. 

    Ein Visum ist für kurzzeitige Aufenthalte, die bis zu 6 Monaten dauern dürfen, nicht nötig.

    Das gilt auch für Studierende, die nicht länger als 6 Monate bleiben möchten. 

    Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der britischen Regierung sowie auf der Seite des Auswärtigen Amts.

    Der Hund muss mit einem Microchip gekennzeichnet sein. Darüber hinaus benötigt er einen EU-Heimtierausweis (blauer Tierpass), der von Tierärzten ausgestellt wird oder eine amtliche Veterinärbescheinigung eines Drittlandes.

    Außerdem muss der Hund gegen Tollwut geimpft sein. Auch wird eine Bandwurmbehandlung benötigt, die frühestens 120 Stunden vor Reiseantritt erfolgen darf.

    Informieren Sie sich rechtzeitig bei Ihrem Tierarzt.

    Achtung: Wenn Sie sich nicht an die Vorschriften halten, riskieren Sie, dass Ihr Hund 4 Monate unter Quarantäne gestellt wird, oder ihm die Einreise verweigert wird, wenn Sie auf dem Seeweg eingereist sind. Sämtliche damit zusammenhängende Kosten gehen dann zu Ihren Lasten.

    Hier erhalten Sie weitere Informationen zur Einreise mit Haustieren.

    Speisen, Getränke, Hotelzimmer und finanzielle Entschädigung: Das steht Flugpassagieren dank einer EU-Verordnung bei Flugverspätung, Flugausfall und Nichtbeförderung zu.

    Voraussetzung dafür ist, dass die Flüge in der EU, Island, Norwegen oder der Schweiz starten. Oder dass sie auf einem Flughafen in der EU, Island, Norwegen oder der Schweiz landen und die Fluggesellschaft ihren Sitz in einem EU-Land hat.

    Ab dem 1. Januar 2021 gilt folgendes:

    • Für Flüge aus dem Vereinigten Königreich gelten die bestehenden Fluggastrechte weiter.
    • Für in der EU zugelassene Fluggesellschaften gelten die Fluggastrechte weiter für Flüge von der EU nach UK.
    • Für in der EU zugelassene Fluggesellschaften gelten die Fluggastrechte weiter für Flüge aus UK in die EU.

    Auf der Seite der britischen Regierung erhalten Sie weitere Informationen zu den Reisebestimmungen.

    Gemäß der britischen Regierung bleiben die bisherigen Fahrgastrechte für Zugreisen auch nach dem Brexit bestehen.  Die EU-Gesetzgebung wurde in britisches Recht überführt. Wer also den Hochgeschwindigkeitszug Eurostar nutzt, kann weiterhin seine Ansprüche geltend machen.

    Die Bahngastrechte gelten für:

    • Grenzüberschreitende Bahnfahrten Europa - Großbritannien, z. B. Paris - London
    • Grenzüberschreitende Bahnfahrten Großbritannien - Europa, z. B. London - Paris
    • Bahnfahrten innerhalb Großbritanniens,  z. B. London - Newcastle

    Dabei ist es unerheblich, ob mit einem Bahnunternehmen aus Großbritannien oder aus der EU gefahren wird.

    Achtung: Private Bahnunternehmen haben mitunter andere Konditionen:

    Der Autoreisezug "Le Shuttle / Eurotunnel" wird auch nach dem Brexit fahren.

    Wer durch den Eurotunnel reist, kann also auch nach dem Brexit das bestehende Beschwerdeverfahren des Eurotunnel-Betreibers nutzen.

    Nach Informationen der britischen Regierung bleiben die aus der EU bekannten Rechte von Fährpassagieren, die nach Großbritannien und wieder zurückreisen, nach dem Brexit bestehen. Diese wurden in britisches Recht überführt.

    Weitere Informationen zu Ihren Rechten bei Fährüberfahrten.

    Informationen zum Reiserecht bei Schiffsreisen von und nach Großbritannien finden Sie auch auf der Internetseite der britischen Regierung.

    Ja. Wurde die Reise in Deutschland angeboten, gilt der Insolvenzschutz nach deutschem Recht. Wurde die Reise nur in Großbritannien angeboten, gilt britisches Recht.

    Der Insolvenzschutz ist in der europäischen Pauschalreise-Richtlinie geregelt. Da es sich um eine Richtlinie handelt, muss diese in das jeweilige Landesrecht umgesetzt werden.

    Infolgedessen gilt UK-Recht für in UK angebotene Pauschalreisen. Daran wird sich auch nach dem Brexit nichts ändern. 

    Es sei denn, der britische Gesetzgeber hebt die Regelungen irgendwann einmal auf.

    Die Europäische Union hat die Roaming-Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen innerhalb der EU abgeschafft.

    Telefonieren, SMS versenden und Surfen kostet im EU-Ausland, Norwegen, Island und Liechtenstein genau so viel wie zu Hause (Roam like at home).

    Diese Regelung entfällt für das Vereinigte Königreich nach dem 31. Dezember 2020.

    Allerdings haben viele deutsche Netzbetreiber zurzeit laufende Roaming-Verträge mit britischen Netzbetreibern.

    Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass diese Verträge nach der Übergangsphase aufgelöst werden sollen.

    Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica (O2), 1 & 1 gaben gegenüber der Deutschen Presseagentur an, bis auf Weiteres nichts an den bestehenden Verträgen ändern zu wollen.

    Das heißt, es werden keine zusätzlichen Roaming-Gebühren fällig.

    Wenn die Netzbetreiber allerdings eines Tages die Verträge kündigen, könnten für Reisende aus anderen EU-Ländern, die sich in Großbritannien aufhalten, wieder Roaming-Gebühren anfallen. 

    Gültige nationale, internationale oder EU-Führerscheine werden im Vereinigten Königreich auch nach dem 1. Januar 2021 anerkannt.

    Weitere Informationen rund ums Autofahren im Vereinigten Königreich gibt es auf der Internetseite der UK-Regierung.

    Finanzen & Versicherungen: Was muss ich nach dem Brexit beachten?

    Wie Sparer künftig im Falle einer Bankenpleite abgesichert sind, ist derzeit unklar. Bislang sind 85.000 britische Pfund (entspricht ca. 100.000 Euro) pro Sparer über die EU-Einlagensicherung abgesichert.

    Wird das britische Pfund weiter abgewertet, ist mit einer weiteren Absenkung des Schutzniveaus zu rechnen.

    Bislang ist geplant, dass die EU-Einlagensicherung mit dem Brexit entfällt und durch ein ähnliches, britisches Prinzip ersetzt wird. 

    Nicht-EU-Länder der Eurozone müssen im 5-Jahres-Turnus die Währungsparität in Bezug auf die Einlagensicherung gegenüber dem Euro Prüfen. UK muss dies 2021 wieder tun. 

    Wer sein Geld in britischen Pfund angelegt hat und es nicht zwingend benötigt, sollte keine übereilten Verkaufsentscheidungen treffen.

    Denn ein überstürzter Verkauf könnte bei fallendem Kurs zu Verlusten führen.

    Anleger, die Ihr Geld bei der Bank of Scotland angelegt haben, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Denn: Die Bank of Scotland ist Mitglied der deutschen Einlagensicherung.

    Achtsamkeit bei Investitionsgeschäften

    Auch bei Investitionsgeschäften sind Vorsicht und Wachsamkeit geboten. Der Brexit könnte nämlich Unternehmen auf den Plan rufen, die sich in betrügerischer Absicht die Ängste der Inhaber von Finanzprodukten zu Nutze machen.

    Sei es, um vermeintlich vertrauenswürdige Finanzprodukte zu verkaufen oder um die Inhaber von Finanzprodukten dazu zu bringen, ihre Geldanlagen zu verkaufen, die sie sinnvollerweise noch behalten hätten.

    Was muss ich bei Krediten beachten?

    Eine Zeit lang war es gang und gäbe, Kredite in Großbritannien aufzunehmen. Die Unsicherheit der Kreditnehmer wird nun teilweise ebenfalls ausgenutzt. Einige Unternehmen drängen dazu, umzuschichten.

    Doch wer aus eigenem Antrieb kündigt, kommt meist nicht kostengünstig aus dem Vertrag. Provision und Abschlussgebühren sind nämlich normalerweise nicht erstattungsfähig.

    Mitunter steckt auch hier eine Betrugsmasche dahinter: Unseriöse Unternehmen wollen an Finanzdaten und Ausweiskopien kommen.

    Weitere Infos zum Thema Geld & Brexit gibt es bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

    Brexit: Was passiert mit meiner Lebensversicherung?

    Wer eine Lebensversicherung in Großbritannien abgeschlossen hat, sollte beim Versicherer nachfragen, welche Maßnahmen hinsichtlich des Brexits getroffen wurden, sofern er noch nicht seitens der Versicherung darüber informiert wurde.

    Die meisten Versicherungsunternehmen haben inzwischen Tochterunternehmen oder Niederlassungen in Luxemburg, Deutschland oder Frankreich gegründet und die Verträge auf diese übertragen.

    Es gilt infolgedessen europäisches Recht. Die betroffenen Kunden wurden nach Bekanntwerden der Brexit-Pläne darüber informiert, dass ihre Verträge auf diese Niederlassungen übergehen.

    Wer nicht informiert wurde: Nachfragen!

    Wurden die Verträge bereits in ein anderes EU-Land übertragen, ist die Kündigung eine ungünstige Option, weil diese mit hohen finanziellen Verlusten verbunden ist.

    Wurden die Verträge noch nicht in ein anderes EU-Land übertragen, könnte man auf den Gedanken kommen, der Übertragung zu widersprechen. Doch das könnte mitunter unerfreuliche Konsequenzen haben.

    So könnten die Versicherungsgesellschaften beispielsweise die Verträge von EU-Bürgern nach dem Brexit kündigen, die noch in Großbritannien verblieben sind. Und damit wäre man als Kunde schlecht bedient.

    Eine Checkliste, worauf Sie bei Lebensversicherungen in UK achten sollten (in Englisch), finden Sie auf der Webseite der EIOPA (Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung). 

    Unterschiede könnte es vielleicht bei der Insolvenz-Absicherung geben. Siehe hierzu einen Artikel der Stiftung Warentest.

    Ob es Beschränkungen für Bargeld, sogenannte Bargeldobergrenzen gibt, ist bislang nicht bekannt.

    Allerdings gibt es inzwischen Regelungen zur Bargeldmitnahme. 

    Nach Informationen der UK-Regierung müssen Personen, aus der EU ins Vereinigte Königreich einreisen, Bargeldbeträge über 10.000 Euro anmelden.

    Die Anmeldung kann 72 Stunden vor Reisebeginn erfolgen. Weitere Informationen zur Ein- und Ausfuhr von Bargeld gibt es auf der Internetseite der UK-Regierung.

    SEPA ist die Abkürzung für Single European Payment Area. Was auf Deutsch soviel bedeutet wie: Einheitlicher Europäischer Zahlungsverkehrsraum. Ein System, das zum Ziel hat, grenzüberschreitende Überweisungen und Abbuchungen für Verbraucher zu vereinfachen.

    SEPA beschränkt sich aber nicht nur auf Euro-Länder, sondern geht weit darüber hinaus. In Ländern außerhalb der Euro-Zone arbeitet das SEPA-System mit nationalen Zahlungssystemen zusammen. Mit Großbritannien besteht ebenfalls eine solche Zusammenarbeit. Es ist geplant, diese Zusammenarbeit auch nach dem 31.12.2020 fortzusetzen. SEPA-Überweisungen sind also auch nach dem 1. Januar 2021 möglich.

    Allerdings könnte es sein, dass die SEPA-Bearbeitungs-Gebühren steigen werden, denn das Vereinigte Königreich gehört weder zur EU noch zum EWR und unterliegt somit nicht der EU-Preisverordnung.

    Übrigens: Von einer SEPA-Überweisung profitiert man heute auch nur dann, wenn Ausgangs- und Empfänger-Konto in Euro geführt werden. Sonst fallen Geldwechselgebühren zum Tageskurs an. Da diese Gebühren stark schwanken, lohnt es sich, Informationen bei der Hausbank einzuholen, bevor man eine Überweisung einstellt.

    Was Sie bei der Gesundheitsversorgung beachten sollten

    Gesetzliche Krankenversicherung

    Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) behält während der Übergangsphase (01.02.2020 bis 31.12.2020) ihre Gültigkeit. Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen kostenlos zur Verfügung gestellt.

    Auch nach dem 1. Januar 2021 behält die seitens der deutschen Krankenkassen ausgestellte Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) sowie die Provisorische Ersatzbescheinigung (PEB) bei vorübergehenden Aufenthalten, zum Beispiel für Urlaube, im Vereinigten Königreich im bisherigen Format ihre Gültigkeit.

    Mit der Versicherungskarte können Sie während ihres Urlaubs in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und im Vereinigten Königreich zum Arzt gehen und bekommen die gleichen Leistungen wie Bürgerinnen und Bürger des jweiligen Reiselandes.

    Achten Sie beim Arztbesuch in Großbritannien darauf, dass der Arzt dem "National Health Service" angehört. Denn dann übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die medizinisch notwendige Versorgung. Ob die EHIC ihre Gültigkeit auch nach der Übergangsphase behält, bleibt abzuwarten.

    Dennoch empfehlen wir den Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung, da über die EHIC nur ungeplante Notfallbehandlungen und Unfälle abgedeckt werden. Außerdem erstatten die Krankenkassen ggf. nicht den kompletten Betrag zurück.

    Ausführliche Informationen finden Sie auf der Internetseite der deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA).


    Private Krankenversicherung

    Für alle, die privat krankenversichert sind, ändert sich nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union voraussichtlich nichts. Die private Krankenversicherung ist weltweit gültig. Sie gilt folglich auch in Großbritannien.

    Das heißt, dass die Kosten für die medizinisch notwendige Versorgung seitens der privaten Krankenkassen übernommen werden. Allerdings muss der Aufenthalt im Ausland zeitlich begrenzt sein, in der Regel auf einen Monat.

    Eine Auslandskrankenversicherung ist somit nicht unbedingt erforderlich. Um auf Nummer sicher zu gehen: Fragen Sie vor Ihrem Großbritannien-Aufenthalt nach, welche Leistungen die private Krankenversicherung übernimmt.

    Worauf muss ich bei Einkäufen im Ladengeschäft achten?

    Wer in Großbritannien im Laden kauft, kauft nach britischem Recht. Daran wird sich nach dem Brexit auch nichts ändern. Ist die Ware defekt, können Verbraucher vom Händler Reparatur oder Ersatz verlangen. Bei Neuwaren: In England, Wales und Nordirland 6 Jahre lang. In Schottland 5 Jahre lang.

    In Großbritannien gilt die gleiche Beweislastumkehr wie in Deutschland. Das heißt, Verbraucher müssen in den ersten 6 Monaten nach Erhalt der Ware nicht nachweisen, dass diese von Anfang an fehlerhaft war. Die Fristen zur Beweislastumkehr basieren auf einer EU-Richtlinie, die in britisches Recht umgesetzt wurde. 

    Ein Recht, im Laden gekaufte Ware bei Nichtgefallen einfach umzutauschen, gibt es in Großbritannien nicht.

      Worauf muss ich beim Online-Shopping achten?

      • Wenn der britische Händler regelmäßig nach Deutschland liefert und seine Tätigkeit somit auf Deutschland ausrichtet, gilt deutsches Recht. Das wird auch nach dem Brexit so bleiben. Sie können also auch weiterhin bei defekter Ware vom Händler Reparatur oder Ersatz verlangen. Bei Neuwaren: 2 Jahre lang.
         
      • Beweislastumkehr nach deutschem Recht: Sie müssen in den ersten 6 Monaten nach Erhalt der Ware nicht nachweisen, dass diese von Anfang an fehlerhaft war. Daran ändert sich auch nach dem Brexit nichts.
         
      • Wenn Ihnen die gelieferte Ware nicht gefällt, können Sie Ihre Bestellung ohne Angabe von Gründen widerrufen und die Erstattung des Kaufpreises gegen Rücksendung der Ware zu verlangen. Hierbei gilt eine Frist von 14 Tagen, gerechnet ab Eingang der Ware. Daran wird sich auch nach dem Brexit nichts ändern.

      Hinweis

      Wenn Sie in einem englischen Online-Shop bestellen, der sein Angebot ausschließlich auf britische Kunden ausgerichtet hat, gilt britisches Recht.

      Dank des Handelsabkommens werden in beide Richtungen (Waren nach UK, Waren in die EU) keine Importzölle erhoben. Es gibt auch keine Mengenbeschänkrungen.

      Allerdings ist es durchaus möglich, dass die Unternehmer an die Verbraucher mit Mehrwert-Steuer-Forderungen herantreten, je nach welchem Incoterm die Ware bestellt wurde. 

      Außerdem müssen UK-Unternehmen Zollerklärungen ausfüllen bzw. der Spediteur füllt diese aus. Die Kosten für diese Formalitäten werden häufig an die Besteller weitergegeben. 

      Weitere Informationen (in englischer Sprache) gibt es auf der Internetseite der Europäischen Kommission (rechte Spalte).

      Die Geoblocking-Verordnung verbietet europäischen Online-Händlern Kunden aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit, ihres Wohn- oder Unternehmenssitzes zu diskriminieren.

      Das gilt auch für Online-Händler aus Drittländern, die ihre Waren in der Europäischen Union verkaufen. Deutsche Verbraucher können also auch nach dem Brexit von der Geoblocking-Verordnung profitieren. Ein deutscher Kunde, der in einem englischen Online-Shop bestellen möchte, darf nur nach dessen ausdrücklicher Zustimmung auf die deutsche Seite des Shops weitergeleitet werden. Ihm darf auch der Zugriff auf die englische Seite nicht verwehrt werden.

      Aber Achtung: Der Händler darf frei entscheiden, in welche Länder er liefert und in welche nicht. Es kann also durchaus sein, dass der britische Händler nicht mehr nach Europa liefert. 

      Mit der am 25. Mai 2018 in Kraft getretenen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt erstmals ein einheitliches Datenschutzrecht in allen EU-Ländern.

      Die DSGVO räumt Verbrauchern zahlreiche Rechte hinsichtlich ihrer personenbezogenen Daten ein. Beispiele sind die Rechte auf Information, auf Korrektur und auf Löschung.

      Für Unternehmen bedeutet die DSGVO, dass sie ein hohes Datenschutz-Niveau beim Sammeln, Speichern und Nutzen der Kundendaten gewährleisten müssen. Sonst drohen hohe Bußgelder.

      Während der Übergangsphase gilt die DSGVO in Großbritannien weiter. Dann tritt eine neue nationale UK-DSGVO in Kraft.

      Diese unterscheidet sich nur wenig von der europäischen DSGVO. Der größte Unterschied liegt darin, dass die UK-DSGVO nationale Bereiche aufgreift, die im Rahmen der EU-DSGVO nicht abgedeckt werden, zum Beispiel nationale Sicherheit.

      Durch die Überführung der EU-DSGVO in nationales UK-Recht, gewährleistet Großbritannien auch weiterhin ein angemessen hohes Datenschutz-Niveau, dass einen uneingeschränkten Datenfluss zwischen UK und der EU ermöglicht.

      Für europäische Verbraucher ändert sich wenig. Britische Unternehmen, die in der EU Daten sammeln, speichern oder nutzen, fallen nach dem Brexit weiter unter die DSGVO. Allerdings könnte sich die Durchsetzung der Rechte aus der DSGVO nach einem ungeordneten Brexit schwierig gestalten.

      Weitere Informationen zum Datenschutz in Großbritannien nach dem Brexit.

      Außergerichtliche Streitbeilegung

      Weitere Bearbeitung von Verbraucherbeschwerden gegen UK-Firmen
      Auch nach der Übergangsphase können Sie weiterhin Verbraucherbeschwerden gegen britische Unternehmen über unser Online-Formular einreichen.

      Alternative Streitbeilegung (ADR) / außergerichtliche Streitbeilegung
      Die ADR-Stellen (Schlichtungsstellen) im Vereinigten Königreich können weiterhin von Europäischen Verbrauchern konsultiert werden.

      Hier finden Sie die Adressen zu den Schlichtungsstellen.

      Europäische Plattform zur Online-Streitbeilegung (ODR-Plattform)
      Der Zugang für Schlichtungsstellen aus UK zur Europäischen Plattform zur Online-Streitbeilegung entfällt.

      Verbraucher können über diese Plattform keine Beschwerden mehr gegen Unternehmen aus UK einreichen. Allerdings können Sie die Schlichtungsstellen, wie bereits oben erwähnt, direkt konsultieren.

      Bleiben die Europäischen Gerichtsverfahren nach dem Brexit erhalten?

      Laut Information der britischen Regierung wird es ab 1. Januar 2021 nicht mehr möglich sein, neue Verfahren einzuleiten. Bestehende Verfahren werden aber noch abgeschlossen. Der Europäische Vollstreckungstitel entfällt ebenfalls. 

      Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der britischen Regierung.

      Timeline: Die wichtigsten Brexit-Etappen

      Abschluss Handelspakt EU-UK

      Inhalte: Keine Zölle, fairer Wettbewerb, Fischfangrechte, Finanzdienstleistungen, Verkehrsanbindung, Energie, Klima, soziale Sicherungssysteme, Sicherheit, Beteiligung an EU-Programmen, Konfliktlösungen.

      Beginn der Übergangsphase

      Diese soll bis 31. Dezember 2020 dauern, könnte aber um bis zu 2 Jahre verlängert werden.

      Brexit

      UK tritt um 24:00 Uhr MEZ aus der EU aus.

      Europäisches Parlament billigt Brexit-Vertrag

      Dem Austritt UKs aus der EU steht seitens der EU nichts mehr im Wege.

      Queen unterschreibt Brexit-Vertrag

      Dem EU-Austritt steht seitens UK nun nichts mehr im Wege.

      Oberhaus stimmt dem Gesetz zur Ratifizierung des Brexit-Vertrages zu

      Jetzt fehlt nur noch die Unterschrift der Queen zum Austritt

      Gesetz zur Ratifizierung des Brexit-Abkommens

      wird vom britischen Unterhaus verabschiedet. Die Ratifizierung ist die Voraussetzung dafür, dass UK am 31. Januar 2020 mit einem Deal aus der EU austreten kann.

      Neuwahlen in UK

      Boris Johnson (Conservative and Unionist Party) gewinnt die Wahl.

      Erneute Verlängerung der Brexit-Frist seitens der EU gebilligt

      Der Austritt aus der EU soll jetzt spätestens am 31. Januar 2020 erfolgen. Er kann aber auch früher erfolgen, wenn das Austrittsabkommen vorher ratifiziert wird.

      Außerordentliche Parlamentssitzung des britischen Unterhauses

      Das britische Parlament hat eine Verschiebung der Abstimmung über den Nordirland-Brexit-Deal beschlossen und einen Antrag auf Verlängerung der Brexit-Frist bei der EU eingereicht.

      Nordirland-Brexit-Deal mit der EU

      Geändertes Austrittsabkommen seitens des Europäischen Rates gebilligt. Geänderte politische Erklärung seitens des Europäischen Rates genehmigt.

      Mehr Infos zum Nordirland-Deal

      Gesetz über No-Deal-Brexit / Parlamentspause

      Die britische Regierung muss bei der EU eine Verlängerung der Brexit-Frist um drei weitere Monate beantragen, wenn bis zum 19. Oktober 2019 kein Abkommen mit der EU zustande kommt und verabschiedet sich zeitgleich bis 14. Oktober in die von Boris Johnson initiierte Parlamentspause (prorogation).

      Boris Johnson ist neuer Parteivorsitzender der Tories

      Boris Johnson wird als Parteivorsitzender gewählt und übernimmt als neuer Premierminister das Amt von Theresa May.

      Theresa May tritt als Parteichefin der Tories zurück

      Theresa May ist von ihrem Posten als Parteivorsitzende der Conservative and Unionist Party (kurz: Tories) zurückgetreten.

      10. und 11. April 2019: EU-Sondergipfel

      Die EU billigt erneut eine Verschiebung. Die Austrittsfrist läuft jetzt bis zum 31. Oktober 2019 ("Halloween-Brexit").

      Die dritte Abstimmung über den Brexit-Deal scheitert

      In der dritten Abstimmung des Unterhauses über das Austrittsabkommen mit der EU, wurde dieses erneut abgelehnt.

      Verlängerung der Austrittsfrist

      Die EU stimmt einer Verlängerung der Austrittsfrist bis 12. April 2019 zu.

      Großbritannien beantragt Verlängerung der Austrittsfrist

      Großbritannien beantragt einen Aufschub des Brexits. Die Briten möchten die Austrittsfristt auf den 30. Juni 2019 verschieben.

      Britisches Parlament lehnt Brexit-Deal ab

      Das britische Unterhaus hat zum zweiten Mal über das mit der EU verhandelte Austrittsabkommen abgestimmt und dieses erneut abgelehnt.

      Britisches Parlament lehnt Austrittsabkommen ab

      Das Austrittsabkommen wird im britischen Parlament abgelehnt. Die Labour Partei (Opposition) stellt einen Misstrauensantrag gegen Premierministerin Theresa May.

      Billigung des Entwurfs für das Austrittsabkommen

      Die in der Europäischen Union verbleibenden 27 Länder billigen den ausgehandelten Entwurf für das Austrittsabkommen.

      Einigung auf Entwurf des Austrittsabkommens

      Die EU und Großbritannien einigen sich auf einen gemeinsamen Entwurf des Austrittsabkommens.

      Beginn der Brexit-Verhandlungen

      Großbritannien hat offiziell die Austritts-Verhandlungen mit der Europäischen Union aufgenommen.

      Großbritannien beantragt offiziell den Austritt aus der EU

      Der britische Botschafter Tim Barrow übergibt um 13.20 Uhr den "Brexit-Brief" an EU-Ratspräsident Donald Tusk. Hiermit beginnen die offiziellen Verhandlungen zum Brexit.

      Der Brexit ist beschlossen: Die Austrittsverhandlungen können beginnen

      Die beiden Kammern des britischen Parlaments (House of Commons und House of Lords) stimmen dem Brexit zu.

      Referendum: Die Briten stimmen für den EU-Austritt

      Beim Referendum haben 52 % der Briten für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union gestimmt.