Fahrgastrechte bei Bahnreisen durch Europa

Egal, ob Sie mit der Bahn ins Ausland reisen oder in Deutschland unterwegs sind: Sollte es während der Zugreise zu Problemen kommen, profitieren Sie von den Fahrgastrechten der Bahn, die in der EU einheitlich geregelt sind.

Anspruch auf Entschädigung bei Zugausfall und -verspätung

Erreichen Sie mit 60 Minuten Verspätung Ihr Reiseziel, muss das Bahnunternehmen 25 Prozent des Fahrpreises erstatten, ab 120 Minuten Verspätung sogar 50 Prozent. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die Entschädigung auch bei höherer Gewalt, zum Beispiel bei Unwetter, Streik oder wenn ein Auto die Gleise blockiert, gezahlt werden muss.

Bietet Ihnen das Bahnunternehmen die Entschädigungssumme in Form eines Gutscheins an, haben Sie die Möglichkeit, auf Auszahlung des Geldbetrages zu bestehen.

Zeichnet sich schon vor Reisebeginn eine Verspätung von über eine Stunde ab, können Sie sogar auf die Fahrt verzichten und sich den Fahrpreis zurückerstatten lassen oder sich auf eine spätere Fahrt umbuchen lassen.

Wichtig

Sollte es zu einer Zugverspätung oder einem Zugausfall kommen, haben Bahnreisende keinen Anspruch auf die Erstattung von Folgeschäden, beispielsweise die Kosten für einen verpassten Flug.

Ausnahme bei Rail & Fly und Pauschalreisen: Hier haben Verbraucher möglicherweise Rechte gegenüber dem Reiseveranstalter.

Wenn eine Übernachtung nötig wird, weil der Zug mit einer Verspätung von über einer Stunde am Ziel ankommen wird, muss Ihnen die Bahn die Übernachtung in einem Hotel inklusive Hin- und Rückfahrt bezahlen sofern dies praktisch möglich ist. Falls kein Hotel angeboten werden kann oder Speisen und Getränke aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen gilt: Quittungen aufbewahren, um den Betrag vom Bahnunternehmen zurückzuverlangen.

Fällt der Zug aus, können Sie sich bei einer Verspätung von mehr als 60 Minuten kostenlos zum Startbahnhof zurückbringen lassen und den vollen Fahrpreis zurückverlangen, wenn die Reise sinnlos geworden ist, zum Beispiel weil ein geplantes Meeting nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Alternativ können Sie sich auf einen anderen Zug umbuchen lassen. Erreicht man den Zielbahnhof trotz der Umbuchung mit 60 bis 119 Minuten Verspätung, besteht ein Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten 50 Prozent.

Vor allem bei längeren Fahrten raten wir Bahnreisenden darauf zu achten, die Fahrkarte zusammenhängend zu buchen. Bei einer Reise von Stuttgart nach Paris ist es daher sinnvoll die Buchung bei einem einzigen Bahnunternehmen vorzunehmen, anstatt ein Bahnticket nach Straßburg zu kaufen und dann in Straßburg einen Fahrschein nach Paris. Verspätungen gelten nämlich nur pro Ticket. Für verpasste Anschlussverbindungen können Sie nur dann Ihre Rechte geltend gemachen, wenn Sie ein Ticket für die gesamte Strecke gekauft haben.

Sie haben bei Zugausfall oder Verspätung ein Jahr Zeit, um Ihre Entschädigungsansprüche gegenüber dem Bahnunternehmen geltend zu machen.

Bei einer Verspätung von mehr als 60 Minuten können Sie die Fahrt abbrechen, sich kostenlos zum Startbahnhof zurückbringen lassen und ...

  • den Betrag für die nicht gefahrene Teilstrecke zurückverlangen.
  • den vollen Fahrpreis zurückfordern, wenn die Reise sinnlos geworden ist, zum Beispiel ein geplanter Termin nicht mehr angetreten werden kann.
  • sich von der Bahn auf einen späteren Zug umbuchen lassen.

Wichtig:

  • Zugnummer notieren,
  • Verspätung dokumentieren (Foto Anzeigetagel) und wenn möglich bestätigen lassen (im Zug, am Info-Schalter, im Reisezentrum),
  • Belege sammeln und gut aufbewahren, zum Beispiel Fahrkarten, Gepäckscheine, Quittungen für Speisen, Getränke, Hotels.

Online Broschüre: Fahrgastrechte Bahn

Dank Europa haben Sie bestimmte Fahrgastrechte bei Bahnreisen. Wir erklären Ihnen welche Rechte Sie genau haben und wie Sie diese durchsetzen können.

Dateigröße: 0,8 MB

Bahnfahrten innerhalb Deutschlands

Die Bahngastrechte sind in der EU einheitlich geregelt und gelten somit auch in Deutschland. Darüber hinaus stehen Ihnen im Nahverkehr weitere Rechte zu.

Ist zu erwarten, dass der Zug mit 20 Minuten Verspätung am Ziel ankommen wird, haben Sie das Recht mit einem anderen, auch höherwertigeren Zug zu fahren, sofern hierfür keine Reservierung nötig ist.

Beträgt die erwartete Verspätung am Zielbahnhof 60 Minuten und die planmäßige Ankunftszeit liegt zwischen 0 Uhr und 5 Uhr, können Sie auf ein Taxi oder ein anderes Verkehrsmittel umsteigen. Bis zu 80 Euro werden erstattet. Voraussetzung hierfür ist, dass die Bahn kein alternatives Transportmittel für die Weiterfahrt zur Verfügung stellt. Das gilt auch, wenn die letzte Zugverbindung des Tages gebucht wurde, der Zug ausfällt und das Reiseziel nicht vor 0 Uhr erreicht wird.

Entschädigung bei Zeitkarten

Für Zeitkarten der Deutschen Bahn AG, zum Beispiel Monatskarte oder Jahreskarte, gelten andere Regelungen. Eine Entschädigung gibt es erst ab mindestens einer Stunde Verspätung.

 

Entschädigung bei Zeitkarten2. Klasse1. Klasse
Zeitkarten im Nahverkehr1,50 Euro2,25 Euro
Zeitkarten im Fernverkehr5 Euro7,50 Euro
BahnCard 10010 Euro15 Euro

Eingeschränkte Mobilität und Behinderung

Reisenden mit eingeschränkter Mobilität oder mit Handicap muss auf Wunsch kostenlose Hilfe angeboten werden.

Das gilt sowohl für Fern-, als auch für Nahverkehrszüge. So müssen Eisenbahnunternehmen und Bahnhofsbetreiber dafür sorgen, dass der Bahnhof, die Bahnsteige, die Fahrzeuge und andere Einrichtungen für Reisende mit eingeschränkter Mobilität zugänglich sind.

Es können zwar besondere Zugangsregelungen gelten (z. B. die Auflage für betroffene Reisende, von einer anderen Person begleitet zu werden), doch diese dürfen in keinem Fall diskriminierend sein. Eisenbahnunternehmen, Fahrkartenverkäufer und Reiseveranstalter informieren übrigens über die Zugänglichkeit und die Zugangsregelungen.

Diese Rechte gelten:

  • Kostenlose Hilfe beim Ein-, Aus- und Umsteigen an Bahnhöfen, an denen Personal vorhanden ist.
  • An Bahnhöfen ohne Personal muss Auskunft darüber gegeben werden, welche Hilfeleistungen vor Ort direkt verfügbar sind und wo sich die nächsten Bahnhöfe mit Personal befinden.
  • Entschädigung ohne Höchstgrenze, falls Mobilitätshilfen oder Spezialausrüstung durch die Schuld der Bahn beschädigt werden oder verloren gehen.

Gepäck weg? Diese Rechte haben Bahnreisende

Sobald der Sie Ihr Gepäck aufgegeben haben, haftet das Bahnunternehmen bei Beschädigung, Verspätung oder Verlust. Daher sollten Sie Ihr erhaltenes Gepäckstück sofort kontrollieren und sich Schäden gegebenenfalls bestätigen lassen.

 

Gepäckverkust

- Höhe des Schadens nachgewiesen: maximal 80 RE* je kg oder maximal 1.200 RE je Gepäckstück

- Höhe des Schadens nicht nachgewiesen: 20 RE je kg oder 300 RE je Gepäckstück

Gepäck beschädigt

- Wertverlust des Gepäcks

- bei Totalschaden: siehe verlorenes aufgegebenes Gepäck

- Frist: Der Fahrgast hat 3 Tage Zeit (nachdem die Beschädigung bemerkt wurde), um seine Rechte geltend zu machen.

Gepäck verspätet

zu zahlen: 14 Tage lang, pro Tag

- Höhe des Schadens nachgewiesen: maximal 0,80 RE je kg oder maximal 14 RE je Gepäckstück

- Höhe des Schadens nicht nachgewiesen: 0,14 RE je kg oder 2,80 RE je Gepäckstück

- Frist: Der Fahrgast hat 21 Tage Zeit, um seine Rechte geltend zu machen.

beschädigtes Handgepäck

- maximal 1.400 RE pro Reisenden, wenn die Bahn am Schaden Schuld ist

* Stand 12/2017: 1 RE (Rechnungseinheit) entspricht 1,19 Euro.

Unfall mit der Bahn: Haftung bei Personenschäden

Falls ein Reisender durch die Schuld des Bahnunternehmens verletzt wird, muss dieses innerhalb von 15 Tagen einen Vorschuss zahlen, der die unmittelbaren wirtschaftlichen Bedürfnisse des Unfallopfers deckt.

Außerdem hat das Unternehmen für den Schaden aufzukommen, der durch die notwendige medizinische Behandlung entstaden ist, zum Beispiel Arzt- und Pflegekosten sowie für finanzielle Einbußen durch die Arbeitsunfähigkeit.

Reisende, die durch einen Unfall mit der Bahn zu Schaden gekommen sind, haben 12 Monate Zeit (nachdem der Schaden bemerkt wurde), um ihre Rechte geltend zu machen.

Beschwerdestellen für Bahnreisende

Sie sind mit der Entscheidung des Bahnunternehmens nicht einverstanden? In solchen Fällen können Sie sich mit Ihrem Anliegen an unterschiedliche Beschwerdestellen richten.

Gab es Probleme mit einem Bahnunternehmen aus dem EU-Ausland, Island oder Norwegen, hilft das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland. Die Juristen des EVZ setzen sich kostenlos für einzelne Verbraucher ein, um ihre Ansprüche geltend zu machen und eine außergerichtliche Lösung mit dem Unternehmen zu finden.

Bei Problemen im Fern- und Nahverkehr ist die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e. V. (soep) zuständig - sofern das Bahnunternhmen ebenfalls Mitglied der soep ist.

    Bei Problemen im Nahverkehr können folgende Schlichtungsstellen weiterhelfen: