Fluggastrechte - Ihr Anspruch auf Entschädigung

Die Rechte von Passagieren sind in der EU-Fluggastrechteverordnung festgelegt. Hierbei greifen Regelungen und Bestimmungen im Falle einer Nichtbeförderung des Fluggastes, einer Flugverspätung oder bei Flugausfall. Wir geben einen Überblick, wann Sie Anspruch auf Entschädigung haben und diesen gegenüber der Airline geltend machen können.

Seitenruder eines Flugzeugs auf dem die EU-Flagge abgebildet ist.

Online-Broschüre: EU-Fluggastrechte

Ihr Flug wurde gestrichen oder hatte Verspätung? Ihr Reisegepäck wurde beschädigt oder ist verloren gegangen? Dank der EU haben Sie Rechte, falls bei der Flugreise etwas schief geht.

Wir erklären Ihnen welche und wie Sie diese gegenüber der Airline durchsetzen.

Dateigröße: 1,1 MB

Für wen gelten die EU-Fluggastrechte?

Die EU-Fluggastrechte gelten ...

  • für alle Passagiere, die von einem Flughafen in der EU abfliegen.
  • für alle Passagiere, die auf einem Flughafen in der EU landen, wenn die Airline ihren Sitz in der EU hat.

Anspruch auf Entschädigung bei Verspätung

Der Anspruch auf Entschädigung (=Ausgleichszahlung) richtet sich immer nach der verspäteten Ankunftszeit am Zielflughafen.

Beispiel 1: Anspruch auf Entschädigung

Familie Meyer fliegt von Stuttgart nach Rom. Die planmäßige Ankunftszeit beträgt 12 Uhr. Das Flugzeug hebt mit deutlicher Verspätung in Stuttgart ab und erreicht ihr Reiseziel mit einer Verspätung von mehr als 3 Stunden um 15:15 Uhr. Laut EU-Fluggastrechteverordnung hat Familie Meyer in diesem Fall einen Anspruch auf Entschädigung.

Beispiel 2: Kein Anspruch auf Entschädigung

Familie Günther fliegt von Berlin nach Paris. Die Ankunft ist für 17.30 Uhr geplant. Die Maschine hebt verspätet in Berlin ab und erreicht ihr Ziel mit einer Verspätung von weniger als 3 Stunden um 19.30 Uhr. In diesem Fall hat Familie Günther keinen Anspruch auf Entschädigung.

250 Euro Entschädigung

Mindestens 3 Stunden Flugverspätung bei Kurzstreckenflügen (bis einschließlich 1.500 km).

400 Euro Entschädigung

Mindestens 3 Stunden Flugverspätung bei Mittelstreckenflügen (zwischen 1.500 und 3.500 km).

600 Euro Entschädigung

Bei über 3 Stunden Flugverspätung bei Langstreckenflügen außerhalb der EU (ab 3.500 km). Bei rein innereuropäischen Flügen maximal 400 Euro Entschädigung. Liegt die Verspätung zwischen 3 bis 4 Stunden, kann die Airline die Entschädigung um 50% kürzen.

Betreuungsleistungen bei Flugverspätung

Kommt es beim Abflug zu Verzögerungen, haben Sie das Recht auf kostenlose Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit sowie Anspruch auf zwei kostenlose Telefonate, Faxe oder E-Mails.

Findet der eigentliche Flug aufgrund der zu großen Verspätung erst am nächsten Tag statt, steht Ihnen, wenn notwendig, zudem eine kostenlose Hotelunterbringung mit Transfer (Hin- und Rücktfahrt) zu.

Die Betreuungsleistungen sind von der Wartezeit im Verhältnis zur planmäßigen Abflugszeit und von der Flugstrecke abhängig.

Der Anspruch besteht bei einer ...

  • Abflugverspätung von mindestens 2 Stunden und einer Flugstrecke bis zu einschließlich 1.500 km.
  • Abflugverspätung von mindestens 3 Stunden und einer Flugstrecke von mehr als 1.500 km innherhalb des EWR*.
  • Abflugverspätung von mindestens 3 Stunden und einer Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km.
  • Abflugverspätung von mindestens 4 Stunden, egal wie lange die Flugstrecke ist.

* EWR: Der Europäische Wirtschaftsraum besteht aus allen EU-Mitgliedstaaten, Island, Norwegen und Liechtenstein.

Entschädigung bei Flugausfall

Fällt der Flug aus haben Sie einen Anspruch auf Betreuungsleistungen (siehe Betreuungsleistungen bei Flugverspätung) und können zwischen der Erstattung des vollständigen Flugpreises oder einer anderweitigen Beförderung zum Zielort wählen. Darüber hinaus haben Sie im Regelfall einen Anspruch auf Entschädigung.

Wurde Ihr Flug um mehrere Stunden vorverlegt, gilt dies laut Rechtsprechung als Annullierung. Deshalb haben Sie auch in solchen Fällen Anspruch auf Ausgleichszahlung.

250 Euro Entschädigung

Flugstrecke bis einschließlich 1.500 km

400 Euro Entschädigung

Flugstrecke von mehr als 1.500 km innerhalb des EWR*

400 Euro Entschädigung

Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km bei allen anderen Flügen

600 Euro Entschädigung

Bei allen nicht oben genannten Flügen

Außergewöhnliche Umstände

Ist der Flugausfall oder die Flugverspätung außergewöhnlichen Umständen geschuldet, haben Reisende keinen Anspruch auf Entschädigung. Die Fluggesellschaft muss jedoch alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen, damit Fluggäste an ihr Ziel kommen. Es muss eine Umbuchung auf eine andere Airline vorgenommen werden, sofern dies möglich ist. Alternativ kann auch ein Abflug von einem benachbarten Flughafen oder eine Ersatzbeförderung mit Bus oder Bahn arrangiert werden.

Typische Beispiele für außergewöhnliche Unstände sind: Unwetter, Naturkatastrophen, Vogelschlag, defeke Enteisungsanlage, Streiks.

Die Umbuchung sollte immer durch oder in Absprache mit der Airline geschehen. Wenn Sie auf eigene Faust und ohne Absprache mit der Fluggesellschaft umbuchen, können Sie keine Erstattung der Kosten verlangen.

Wer die Möglichkeit auf einen Ersatzflug nicht in Anspruch nehmen möchte, kann bei einem Flugausfall sein Ticket zurückgeben und erhält die Kosten erstattet.

Technische Mängel an Flugzeugen sind laut EuGH kein außergewöhnlicher Umstand. In solchen Fällen haben Passagiere einen Anspruch auf Entschädigung. Das gilt bei allen technischen Problemen, die im normalen Betrieb der Airline anfallen. Bei Rückruf einer Maschine durch den Flugzeughersteller haben Fluggäste keinen Entschädigungsanspruch.

Nichtbeförderung des Fluggastes

Bei Überbuchung sucht die Airline häufig Passagiere, die freiwillig auf ihren Flug verzichten möchten. Geben Sie Ihr Ticket auf, handelt es sich um eine freiwillige Nichtbeförderung. Häufig bieten die Airlines als Anreiz einen Gutschein oder ähnliches an. Darüber hinaus können Sie zwischen folgenden Optionen wählen:

  • Alternativbeförderung zum Zielflughafen, zu vergleichbaren Reisebedingungen und einem für Sie passenden Datum,
  • Erstattung des Reisepreises für das nicht genutzte Ticket, oder
  • eine anderweitige Beförderung zum Zielflughafen zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Findet die Airline bei einer Überbuchung nicht genügend Freiwillige, die auf den Flug verzichten wollen, kann Ihnen die Fluggesellschaft die Beförderung verweigen. Man spricht dann von einer unfreiwilligen Nichtbeförderung.

In diesem Fall haben Sie ...

  • einen Anspruch auf Ausgleichszahlung (siehe Tabelle "Entschädigung bei Flugausfall"),
  • kostenlose Versorgungsleistungen (Mahlzeit und Erfrischungsgetränke im angemessenen Verhältnis zur Wartezeit) und
  • die Wahl zwischen einer anderweitigen Beförderung zum Zielflughafen oder
  • Erstattung des Ticketpreises.

Ansprüche geltend machen

Über unser kostenloses Selbsthilfe-Tool "So helfen Sie sich selbst" oder das Beschhwerdeformular der Airline können Sie Ihren Anspruch auf Entschädigung bei Flugverspätung, Flugausfall oder Gepäckverlust gegenüber der Fluggesellschaft einfordern.

Wie komme ich zu meinem Recht?

Um Ihre Ansprüche geltend zu machen, sollten Sie folgende Schritte befolgen:

  • Airline informieren: Nehmen Sie Kontakt zur Fluggesellschaft auf, um ihre Ansprüche geltend zu machen.
  • Ausgaben dokumentieren: Bewahren Sie Belege für Hotel, Taxi- oder Verpflegungskosten auf, die aufgrund von Flugverspätung, Ausfall oder Nichtbeförderung entstanden sind.
  • Bestätigung einholen: Lassen Sie sich den Flugausfall, die Verspätung oder Nichtbeförderung schriftliche vom Bodenpersonal der zuständigen Airline bestätigen, möglichst unter Angabe des konkreten Sachverhaltes. Verweigert ein Mitarbeiter ein entsprechendes Schriftstück aufzusetzen, dann lassen Sie sich die Situation von anderen Mitreisenden schriftlich bestätigen.
  • Screenshot bei Online-Beschwerde: Wird ein Online-Beschwerdeformular der Fluggesellschaft ausgefüllt, sollten Sie zur Sicherheit ein Screenshot anfertigen.
  • außergerichtliche Streitbeilegung: Weigert sich die Airline die (berechtigten) Ansprüche innerhalb von 2 Monaten zu erfüllen, empfehlen wir zunächst den Weg der außergerichtlichen Streitbeilegung.

Eingeschränkte Mobilität

Personen mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität muss an Flughäfen und an Bord von Flugzeugen geholfen werden, vorausgesetzt, der Flug startet oder endet in der EU. Geregelt werden diese Rechte in der EU-Verordnung 1107/2006. So dürfen Fluggesellschaften sowie Reiseveranstalter und -vermittler die Flugbuchung oder den Transport aufgrund von Behinderung oder eingeschränkter Mobilität nicht verweigern.

Sollte es doch einmal dazu kommen, dass Ihre Buchung aus Sicherheitsgründen abgelehnt wird, können Sie zwischen der vollständigen Erstattung des Ticketpreises oder einer anderweitigen Beförderung zum Endziel wählen.

Kostenlose Hilfeleistungen an EU-Flughäfen

Sie möchten Hilfeleistungen in Anspruch nehmen? Dann müssen diese so früh wie möglich, spätestens 48 Stundenvor dem Flug bei der Fluggesellschaft, dem Flughafenbetreiber, Reisevermittler oder -veranstalter angemeldet werden. Bei einem elektrischen Rollstuhl kommt es häufig auf die eingebaute Batterie an, ob er mitgenommen werden darf oder nicht.

  • Abholung an der Information und Begleitung durch sämtliche Kontrollen (Check-In, Sicherheit, Zoll, Ein- und Ausreise etc.),
  • Hilfe beim Ein- und Ausstieg,
  • Beförderung von Mobilitätshilfen oder anerkannter Blindenhunde,
  • Hilfe im Transit, zum Beispiel bei Anschlussflügen.