Was ist der Unterschied zwischen gesetzlicher Gewährleistung und Garantie?

Lesezeit: 6 Minuten

Bei jedem Einkauf, egal ob im Elektronikgeschäft oder beim Online-Shopping, haben Sie als Käuferin oder Käufer einen Anspruch auf einen funktionierenden Artikel.

Die gesetzliche Gewährleistung regelt im Falle von defekter oder mangelhafter Ware, welche Pflichten der Händler erfüllen muss.

So haben Sie unter anderem einen Anspruch auf Umtausch und Reparatur. In einigen Fällen können Sie sogar das Geld zurückverlangen.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Gewährleistung und erklären den Unterschied zur Garantie.

Gewährleistung: Das ändert sich für Verbraucher in 2022

  • Update-Pflicht und Gewährleistung für digitale Güter (z. B. Smartphone, Laptop, Tablet, Software, E-Books, Bilddateien).
  • Beweislastumkehr in Deutschland verbraucherfreundlicher umgesetzt (Erhöhung von sechs auf zwölf Monate).
  • Verbraucherinnen und Verbraucher können selbst entscheiden, ob sie bei einem Mangel eine Ersatzlieferung (Umtausch) oder Nachbesserung (Reparatur) möchten.

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Zusammenfassung: Garantie und Gewährleistung

  • Die Gewährleistung ist Kunden gesetzlich zugesichert und greift immer dann, wenn die Ware nicht fehlerfrei funktioniert oder nicht der Beschreibung entspricht.
  • Sollten Sie innerhalb der ersten zwölf Monate einen Defekt oder Mängel feststellen, können Sie den Artikel problemlos beim Händler / Verkäufer reklamieren.
  • Nach Ablauf der zwölf Monate kommt es zu einer Beweislastumkehr. Dann müssen Sie beweisen, dass der Schaden bereits von Anfang an vorhanden war.
  • Die Gewährleistungsrechte gelten EU-weit.
  • Die Gewährleistungsfrist beträgt bei Neuware mindestens 2 Jahre. Auf Gebrauchtwaren haben Sie mindestens 1 Jahr Gewährleistung.
  • Bei der Garantie handelt es sich um eine freiwillige Leistung des Händlers (Händlergarantie) oder des Herstellers (Herstellergarantie). Diese können die Dauer und die Bedingungen frei bestimmen.
  • Selbst wenn Sie ein Garantieversprechen vom Hersteller oder Händler erhalten, die Gewährleistungsrechte bleiben weiterhin bestehen.

Was ist Gewährleistung?

Die gesetzliche Gewährleistung (Mängelhaftung) ist Ihr Recht, ein gekauftes Produkt im Falle eines Mangels beim Händler umtauschen oder reparieren zu lassen.

Die Gewährleistungsrechte gelten bei allen Kaufverträgen zwischen einem Verbraucher und einem gewerblichen Verkäufer.

Demnach haben Sie ein Recht darauf, dass die gekaufte Ware beim Erhalt fehlerfrei und vollständig ist.

Sollte das nicht der Fall sein, können Sie Ihren Anspruch auf Gewährleistung gegenüber dem Verkäufer geltend machen.

Wie funktioniert die Gewährleistung?

In der Regel haftet der Verkäufer, von dem Sie die Ware gekauft haben. Das gilt auch dann, wenn der Händler die Ware schon mangelhaft von seinem Lieferanten oder dem Hersteller erhalten hat.

Ist der gekaufte Artikel defekt oder liegt ein Mangel vor, greifen die gesetzlichen Gewährleistungsrechte.

Danach können Sie vom Verkäufer entweder eine Ersatzlieferung (Umtausch) oder Nachbesserung (Reparatur) verlangen.

Kann der Händler die Ware weder reparieren noch ersetzen oder weigert er sich, den Mangel zu beseitigen, können Sie entweder die Ware zurückgeben und das Geld zurückverlangen oder den Preis mindern.

Wichtig

Sollte ein Mangel innerhalb der ersten zwölf Monate auftreten, können Sie diesen problemlos beim Verkäufer reklamieren.

Dieser muss Ihnen ein funktionierendes und fehlerfreies Produkt zur Verfügung stellen (Austausch / Umtausch) oder den Mangel beseitigen (Reparatur).

Nach den zwölf Monaten findet dann eine Beweislastumkehr statt. Heißt: Sie müssen beweisen, dass der Defekt bereits bei Auslieferung vorlag. Das ist in den meisten Fällen ohne Gutachter jedoch kaum möglich.

Was ist der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung?

Verbraucherinnen und Verbraucher haben EU-weit mindestens zwei Jahre lang einen gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung.

Häufig erhalten Sie beim Einkauf zusätzlich ein Garantieversprechen vom Hersteller oder Verkäufer. Dies erfolgt jedoch auf freiwilliger Basis.

Die Garantie-Bedingungen bestimmt der Verkäufer oder Hersteller selbst, wohingegen die Gewährleistungsrechte gesetzlich vorgeschrieben sind.

Gerade bei teuren Elektrogeräten, zum Beispiel bei Smartphones, Laptops oder Waschmaschinen, schließen viele Käufer eine zusätzliche kostenpflichtige Garantie ab, um sich im Schadensfall abzusichern.

Allerdings sollte jede Garantie einen wirklichen Zusatznutzen gegenüber der gesetzlichen Gewährleistung haben, damit sie sich lohnt. Hier gilt es zu vergleichen.

Unterschiede: Garantie und Gewährleistung

  GewährleistungGarantie
gesetzlich vorgeschriebenjanein
Laufzeit bei Neuwaremind. 24 Monatemeist 12-24 Monate
Laufzeit bei Gebrauchtwaremind. 12 Monateeventuell Restgarantie (ab Erstkaufdatum)
Beweislastumkehrnach 12 Monaten-
Rechte gegenüberHändlerHändler oder Hersteller

Beispiel

Ein Smartphone-Hersteller gibt Ihnen ein Jahr Garantie auf sein Gerät. Das Smartphone geht jedoch nach eineinhalb Jahren kaputt.

Es handelt sich dabei offensichtlich um einen Produktionsfehler. Nun weigert sich der Verkäufer, das Gerät zu reparieren oder auszutauschen, weil die Garantie abgelaufen ist.

Hier greift jedoch die zweijährige Gewährleistung, die unabhängig von einer Garantie gilt.

Die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche haben nichts mit der freiwilligen Herstellergarantie zu tun und bestehen weiterhin.

Während der Garantiezeit können Sie die Gewährleistungsrechte gegenüber dem Verkäufer geltend machen, ohne dass dieser Sie wegen der Garantie an den Hersteller verweisen könnte.

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Unser kostenloses Online-Tool bietet alle Informationen rund um das Thema Garantie und Gewährleistung.

Was ist ein Mangel?

Eine Ware ist immer dann mangelhaft, wenn sie kaputt ist, nicht der Beschreibung entspricht, nicht die handelsübliche Qualität aufweist oder sich nicht für die übliche oder vereinbarte Verwendung eignet.

Beispiel für einen Mangel

Sie kaufen eine neue Waschmaschine im Geschäft. Nach der Installation stellt sich jedoch heraus, dass die Trommel defekt ist und nicht richtig schleudert. Sie können die Waschmaschine also nicht normal verwenden.

In diesem Fall können Sie von Ihren gesetzlichen Gewährleistungsrechten Gebrauch machen und den Mangel beim Händler reklamieren.

Beweislastumkehr bei der Gewährleistung in Deutschland verbessert

Seit Januar 2022 liegt die Beweislast innerhalb der ersten zwölf Monate ab Erhalt der Ware beim Verkäufer. In diesem Zeitraum muss der Händler beweisen, dass die Ware bei Übergabe fehlerfrei war.

Nach Ablauf der zwölf Monate kommt es zu einer sogenannten Beweislastumkehr. Dann müssen Sie beweisen, dass die gekaufte Ware von Beginn an mangelhaft war.

In der Praxis ist das ohne ein Sachverständigen-Gutachten meist nur schwer möglich ist.

Die Fristen für die Beweislastumkehr variieren von Land zu Land.

In Frankreich wurde die Frist für die Beweislastumkehr verbraucherfreundlicher umgesetzt und liegt die gesamten zwei Jahre beim Verkäufer.

Tipps zur Gewährleistung

  • Sie können bei einem Mangel selbst wählen, ob Sie Ihre Rechte aus der Garantie oder Gewährleistung geltend machen wollen.
  • Wenn Sie vom Verkäufer eine Reparatur fordern und sich auf die Rechte aus der gesetzlichen Gewährleistung berufen, darf dieser nicht einfach ablehnen und Sie an den Hersteller verweisen, der Ihnen eine Garantie gegeben hat.
  • Der Verkäufer muss sich selbst um die Reparatur oder den Austausch kümmern.

  • Sie haben einen Anspruch auf Preisminderung oder können die Ware zurückgeben und Ihr Geld zurückverlangen, wenn sich der Händler weigert, die mangelhafte Ware zu reparieren oder auszutauschen oder bereits zweimal erfolglos versucht hat, den Mangel zu beheben.

Ein Jahr Gewährleistung beim Gebrauchtwagenkauf

Vor allem beim Gebrauchtwagenkauf wird oft versucht, die gesetzliche Gewährleistung zu umgehen. Kaufen Sie einen Gebrauchten bei einem gewerblichen Händler, haftet dieser mindestens ein Jahr lang für Mängel am Fahrzeug.

Kommt es jedoch zu einem Kaufvertrag zwischen zwei Privatpersonen, kann der Verkäufer die Mängelhaftung vertraglich ausschließen.

Vorsicht

Es kommt immer wieder vor, dass Autohändler die Käuferin oder den Käufer im Kaufvertrag als Händler bezeichnen. Werfen Sie daher immer einen genauen Blick in den Vertrag.

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