Der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung

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Bei jedem Einkauf, egal ob im Elektronikgeschäft, beim Supermarkt um die Ecke oder beim Online-Shopping, gehen Sie als Verbraucher einen Kaufvertrag ein. Kommt es zu einem solchen Vertrag, gibt es einige Pflichten, an die sich Käufer und Verkäufer halten müssen.

Zusammenfassung: Garantie und Gewährleistung

  • Die Gewährleistung ist Kunden gesetzlich zugesichert und greift immer dann, wenn die Ware nicht fehlerfrei funktioniert oder nicht der Beschreibung entspricht.
  • Sollten Sie innerhalb der ersten 6 Monate einen Defekt oder Mängel feststellen, können Sie den Artikel problemlos beim Händler / Verkäufer reklamieren.
  • Nach Ablauf der 6 Monate kommt es zu einer Beweislastumkehr. Dann müssen Sie beweisen, dass der Schaden bereits von Anfang an vorhanden war.
  • Die Gewährleistungsrechte gelten EU-weit.
  • Die Gewährleistungsfrist beträgt bei Neuware mindestens 2 Jahre. Auf Gebrauchtwaren haben Sie mindestens 1 Jahr Gewährleistung.
  • Bei der Garantie handelt es sich um eine freiwillige Leistung des Händlers (Händlergarantie) oder des Herstellers (Herstellergarantie). Diese können die Dauer und die Bedingungen frei bestimmen.
  • Selbst wenn Sie ein Garantieversprechen vom Hersteller oder Händler erhalten, die Gewährleistungsrechte bleiben weiterhin bestehen.

Was ist Gewährleistung?

Die gesetzliche Gewährleistung (Mängelhaftung) ist Ihr Recht, ein gekauftes Produkt im Falle eines Mangels beim Händler umtauschen oder reparieren zu lassen. Die Gewährleistungsrechte gelten bei allen Kaufverträgen zwischen einem Verbraucher und einem gewerblichen Verkäufer.

Demnach haben Sie ein Recht darauf, dass die gekaufte Ware beim Erhalt fehlerfrei und vollständig ist. Sollte das nicht der Fall sein, können Sie Ihren Anspruch auf Gewährleistung gegenüber dem Verkäufer geltend machen.

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Was ist ein Mangel?

Eine Ware ist immer dann mangelhaft, wenn sie kaputt ist, nicht der Beschreibung entspricht, nicht die handelsübliche Qualität aufweist oder sich nicht für die übliche oder vereinbarte Verwendung eignet.

Beispiel für einen Mangel

Sie kaufen eine neue Waschmaschine im Geschäft. Nach der Installation stellt sich jedoch heraus, dass die Trommel defekt ist und nicht richtig schleudert. Sie können die Waschmaschine also nicht normal verwenden.

In diesem Fall können Sie von Ihren gesetzlichen Gewährleistungsrechten Gebrauch machen und den Mangel beim Händler reklamieren.

Was bedeutet Beweislastumkehr?

In Deutschland liegt die Beweislast innerhalb der ersten sechs Monate ab Erhalt der Ware beim Verkäufer. In diesem Zeitraum muss der Händler beweisen, dass die Ware bei Übergabe fehlerfrei war.

Nach Ablauf der sechs Monate kommt es zu einer sogenannten Beweislastumkehr. Dann müssen Sie beweisen, dass die gekaufte Ware von Beginn an mangelhaft war.

In der Praxis ist das ohne ein Sachverständigen-Gutachten meist nur schwer möglich ist.

Die Fristen für die Beweislastumkehr variieren von Land zu Land. Sie muss allerdings mindestens sechs Monate betragen.

In Frankreich zum Beispiel wurde die Frist für die Beweislastumkehr verbraucherfreundlicher umgesetzt und liegt die gesamten zwei Jahre beim Verkäufer.

Wie funktioniert die Gewährleistung?

In der Regel haftet der Verkäufer, von dem Sie die Ware gekauft haben. Das gilt auch dann, wenn der Händler die Ware schon mangelhaft von seinem Lieferanten oder dem Hersteller erhalten hat.

Ist der gekaufte Artikel defekt oder liegt ein Mangel vor, greifen die gesetzlichen Gewährleistungsrechte.

Danach können Sie vom Verkäufer entweder einen Austausch oder eine Reparatur verlangen - ihm also die Chance auf Nachbesserung geben.

Kann der Händler die Ware weder reparieren noch ersetzen, weigert er sich dies zu tun oder kommt er Ihrer Aufforderung zur Mängelbeseitigung nicht innerhalb einer angemessenen Frist nach, haben Sie wahlweise einen Anspruch auf Preisminderung oder Sie können den Artikel zurückgeben und den Kaufpreis zurückverlangen.

Wichtig

Sollte ein Mangel innerhalb der ersten sechs Monate auftreten, können Sie diesen problemlos beim Verkäufer reklamieren.

Nach den sechs Monaten findet eine Beweislastumkehr statt. Heißt: Sie müssen beweisen, dass der Defekt bereits bei Auslieferung vorlag. Das ist in den meisten Fällen ohne Gutachter jedoch kaum möglich.

Tipps zur Gewährleistung

  • Sie können bei einem Mangel selbst wählen, ob Sie Ihre Rechte aus der Garantie oder Gewährleistung geltend machen wollen.
  • Wenn Sie vom Verkäufer eine Reparatur fordern und sich auf die Rechte aus der gesetzlichen Gewährleistung berufen, darf dieser nicht einfach ablehnen und Sie an den Hersteller verweisen, der Ihnen eine Garantie gegeben hat.
  • Der Verkäufer muss sich selbst um die Reparatur oder den Austausch kümmern.

  • Weigert sich der Händler von Beginn an, die mangelhafte Ware zu reparieren oder auszutauschen oder wurde bereits zweimal erfolglos versucht das Problem durch Reparatur oder Austausch zu lösen, haben Sie ebenfalls die Möglichkeit vom Kaufvertrag zurückzutreten und die Rückerstattung der Kosten einzufordern.

Gewährleistung beim Gebrauchtwagenkauf: Was bedeutet das?

Vor allem beim Gebrauchtwagenkauf wird oft versucht, die gesetzliche Gewährleistung zu umgehen. Kaufen Sie einen Gebrauchten bei einem gewerblichen Händler, haftet dieser mindestens ein Jahr lang für Mängel am Fahrzeug.

Kommt es jedoch zu einem Kaufvertrag zwischen zwei Privatpersonen, kann der Verkäufer die Mängelhaftung vertraglich ausschließen.

Vorsicht

Es kommt immer wieder vor, dass Autohändler den Käufer, der eigentlich ein Verbraucher ist, im Kaufvertrag als Händler bezeichnen. Werfen Sie daher immer einen genauen Blick in den Vertrag.

Was ist der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung?

Wie bereits erwähnt, haben Sie EU-weit zwei Jahre lang einen gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung. Zusätzlich erhalten Sie beim Einkauf häufig noch ein Garantieversprechen vom Hersteller oder Verkäufer. Dies erfolgt jedoch auf freiwilliger Basis.

Die Garantie-Bedingungen bestimmt der Verkäufer oder Hersteller selbst, wohingegen die Gewährleistungsrechte im Gesetz festgeschrieben sind.

Gerade bei teuren Elektrogeräten, zum Beispiel bei Smartphones, Laptops oder Waschmaschinen, schließen viele Käufer eine zusätzliche kostenpflichtige Garantie ab, um sich im Schadensfall abzusichern.

Allerdings sollte jede Garantie einen wirklichen Zusatznutzen gegenüber der gesetzlichen Gewährleistung haben, damit sie sich lohnt. Hier gilt es zu vergleichen.

Unterschiede: Garantie und Gewährleistung

  GewährleistungGarantie
gesetzlich vorgeschriebenjanein
Laufzeit bei Neuwaremind. 24 Monatemeist 12-24 Monate
Laufzeit bei Gebrauchtwaremind. 12 Monateeventuell Restgarantie (ab Erstkaufdatum)
Beweislastumkehrnach 6 Monaten-
Rechte gegenüberHändlerHändler oder Hersteller

Beispiel

Ein Smartphone-Hersteller gibt Ihnen zwei Jahre Garantie auf sein Gerät. Das Smartphone geht jedoch nach eineinhalb Jahren kaputt.

Es handelt sich dabei offensichtlich um einen Produktionsfehler. Nun weigert sich der Verkäufer, das Gerät zu reparieren oder auszutauschen, weil die Garantie abgelaufen ist.

Hier greift jedoch die 2-jährige Gewährleistung, die unabhängig von einer Garantie gilt.

Die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche haben nichts mit der freiwilligen Herstellergarantie zu tun und bestehen weiterhin.

Während der Garantiezeit können Sie die Gewährleistungsrechte gegenüber dem Verkäufer geltend machen, ohne dass dieser Sie wegen der Garantie an den Hersteller verweisen könnte.

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