Verkehrsberuhigte Zonen in Italien (ZTL)

Verkehrsberuhigte Zonen wurden in den meisten Städten Italiens eingerichtet, wie etwa in Bologna, Bozen, Cagliari, Florenz, Pisa, Mailand, Neapel, Palermo, Rom, Turin und vielen mehr. Meist sind sie Anwohnern vorbehalten. Zu bestimmten Uhrzeiten ist die Einfahrt für fremde Fahrzeuge ohne Sondergenehmigung untersagt. Es drohen hohe Bußgelder.

Die Kontrolle erfolgt per Videoüberwachung. Alle Fahrzeuge ohne entsprechende Genehmigung, die in diesem Bereich fahren, begehen eine Ordnungswidrigkeit und erhalten einen oder mehrere Bußgeldbescheide (jedes Hinein- und Hinausfahren wird erfasst). Das Bußgeld liegt, je nach Stadt, bei rund 100 € pro Verstoß.

Vorsicht! Verkehrsschilder, die auf das Fahrverbot hinweisen, sind nicht immer leicht zu erkennen (sie können z. B. weit oben in der Nähe der Überwachungskameras angebracht sein). Auch warnen die meisten Navigationsgeräte nicht vor den Zonen und führen Autofahrer möglicherweise direkt in die ZTL.

Vor der Reise

  • Parken Sie Ihr Fahrzeug außerhalb der Innenstadt. Legen Sie den Rest der Strecke zu Fuß zurück oder benutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel.
  • Falls sich Ihr Hotel in einer verkehrsberuhigten Zone befindet, kann Ihnen das Hotel eine Sondergenehmigung besorgen. Informieren Sie das Hotel vorab über die Uhrzeiten, zu welchen Sie hinein- oder herausfahren möchten und geben Sie Ihr Fahrzeugkennzeichen an.

Weitere Infos zur verkehrsberuhigten Zone in Italien gibt es in dem englischen Flyer ZTL and traffic tickets: How to deal with. Nützliche Infos für Autofahrer in Italien sind in unserer Web-App Mit dem Auto ins Ausland erhältlich.

Nach der Ordnungswidrigkeit

In den meisten Fällen erhalten Sie erst Wochen oder manchmal auch erst Monate später ein Schreiben eines Inkassounternehmens, das durch die italienische Polizei beauftragt wurde. Bedenken Sie: Die Polizei muss Ihnen den Bußgeldbescheid innerhalb von 360 Tagen zustellen (Artikel 201 der italienischen Straßenverkehrsordnung).

Um diese Frist einzuhalten, ist es ausreichend, dass der Bußgeldbescheid innerhalb dieser Frist versandt wurde, ohne Berücksichtigung des Empfangsdatums. Sobald Sie das Schreiben erhalten haben, können Sie innerhalb einer Frist von 60 Tagen Einspruch erheben. Bei Mietwagen gelten andere Fristen (siehe unten).

An folgenden Stellen können Sie den Einspruch einlegen:

  • beim Friedensrichter (Kosten: 38 €), an dem Ort, an dem die Ordnungswidrigkeit stattgefunden hat (Fomular)

Legen Sie den Einspruch am besten per Einschreiben mit Rückschein ein (die Formulare gibt es ausschließlich in italienischer Sprache). Wenn bei Zustellung der Bußgeldforderung bereits mehr als 360 Tage vergangen sind, können Sie auch Einspruch einlegen, um die Verjährung feststellen zu lassen.

Einspruch und Folgen

  • Wenn Sie Einspruch beim Präfekten einlegen, brauchen Sie bei einer möglichen Verhandlung nicht anwesend zu sein.Wird der Einspruch abgelehnt, verdoppelt sich das Bußgeld automatisch. Falls Sie nicht beim Präfekten vorsprechen möchten, um Ihren Einspruch zu begründen, empfehlen Ihnen unsere italienischen Kollegen im Formular folgenden Satz durchzustreichen “(Opzionale) Ai fini di un’ulteriore illustrazione dei motivi del ricorso, chiede inoltre di essere personalmente convocato, attraverso avviso all’indirizzo di cui sopra“.
  • Falls Sie beim Friedensrichter Einspruch erheben, müssen Sie persönlich bei einer Verhandlung vorsprechen und sich eventuell durch einen italienischen Anwalt vertreten lassen. Der Richter kann entscheiden, das Bußgeld zu verdoppeln, falls der Einspruch  abgelehnt wird.
  • Jeder Staat entscheidet über die Folgen einer Ordnungswidrigkeit. Falls das Bußgeld nicht bezahlt wird, ist es möglich, dass die italienischen Behörden eine Verfolgung in Deutschland beantragen. Zuständig für die Vollstreckung ausländischer Bußgeldbescheide in Deutschland ist allein das Bundesamt für Justiz (BfJ). Unabhängig davon, ob Sie das Bußgeld begleichen sollten oder nicht, kann die Nichtbegleichung eine Erhöhung des Bußgeldes mit sich ziehen. 

Weitere Informationen gibt es beim Bundesamt für Justiz.

Falls es sich um ein Mietfahrzeug handelt

Bei Anmietung eines Fahrzeugs durch einen Verbraucher, der nicht in Italien lebt, wird die Zustellungsfrist von 360 Tagen unterbrochen, sobald die Mietwagenfirma den Bußgeldbescheid erhält. Die Zustellungsfrist fängt wieder an zu laufen, sobald die Mietwagenfirma der zuständigen Polizei die Kontaktdaten des Verbrauchers genannt hat. 

Falls Sie ein Auto gemietet hatten und in Italien lebten, beläuft sich die Zustellungsfrist wie folgt: Die Polizei hat 90 Tage Zeit, um den Bußgeldbescheid an die Mietwagenfirma zuzustellen. Nach Erhalt verfügt die Mietwagenfirma über eine Frist von 60 Tagen, um der Polizei die Kontaktdaten des Fahrers zu übermitteln.

Sobald die Polizei diese erhalten hat, beginnt die Frist wieder von neuem und der Bußgeldbescheid muss dem Verbraucher innerhalb von 90 Tagen zugestellt werden.

Der Autovermieter zahlt die Strafe grundsätzlich nicht; er übermittelt der Polizei lediglich Ihre persönlichen Informationen, damit diese Ihnen den Bußgeldbescheid zustellen kann. Mietwagenfirmen können Ihnen Bearbeitungskosten in Rechnung stellen (bis zu 50 € pro Bußgeld).

Gegen diese Praxis können Sie nur schwer vorgehen, denn im unterzeichneten Fahrzeugmietvertrag ist dieser Punkt (meist in italienischer Sprache) bereits festgehalten.  

In unserer Broschüre Mit dem Mietwagen durch Europa erhalten Sie weitere nützliche Hinweise rund um das Mieten eines Fahrzeugs im EU-Ausland.