Autokauf im EU-Ausland

Ein neuer schicker Wagen muss her, aber die Suche nach einem passenden Angebot oder Schnäppchen gestaltet sich schwieriger als gedacht? Dann sind Sie eventuell einer von zahlreichen Verbrauchern, die wahrscheinlich schon darüber nachgedacht haben, die Autosuche ins Ausland zu verlagern.

Aber Vorsicht! Sie sollten zuerst prüfen, ob Anbieter und Angebot seriös sind. Wir raten vor allem bei günstigen Angeboten, die zu schön sind um wahr zu sein, zur Vorsicht.

Tipps zum Autokauf

  • Achten Sie bei der Internetrecherche auf ein vollständiges Impressum des Verkäufers. Es sollte die vollständige Postanschrift, der Geschäftsführer, eine Festnetznummer, E-Mail-Addresse und evtl. Steuer- und Registernummer vorhanden sein.
  • Leisten Sie nie eine Anzahlung und kaufen Sie das Auto erst nach einer ausgiebigen Untersuchung und Probefahrt. Gerade im Bereich des Online-Kaufs mit Versand über Speditionsunternehmen gibt es viele betrügerische Anbieter. Lesen Sie hier über die Tricks der Betrüger.  
  • Vereinbaren Sie mit dem Verkäufer einen Gebrauchtwagencheck. Bestenfalls durch eine unabhängige Werkstatt oder einen unabhängigen Sachverständigen.
  • Lesen Sie den Kaufvertrag aufmerksam durch und unterschreiben Sie nur, wenn Sie alles verstanden haben. Falls möglich, lassen Sie sich eine Übersetzung anfertigen. Auf Ihrem Kaufvertrag sollten der Firmenname und Firmenstempel zu finden sein. Genauso sollte eine Aussage über die Mehrwertsteuer getroffen werden (auch wenn keine berechnet wird).
  • Achten Sie darauf, dass die Angaben zum Käufer und Verkäufer richtig und vollständig sind.
  • Lassen Sie sich eine Rechnung aushändigen.
  • Vergleichen Sie die Daten mit denen im Personalausweis des Verkäufers und den Angaben in den Fahrzeugpapieren. Wenn Sie das Fahrzeug von einem Händler kaufen, sollte dieser belegen können (Vollmacht oder Kaufvertrag), dass er vom letzten Eigentümer (laut Fahrzeugpapieren) zum Verkauf berechtigt ist.
  • Achten Sie darauf, dass die Fahrzeugdokumente vollständig sind, insbesondere die, die Sie für die Zulassung in Deutschland benötigen. Das Scheckheft sollte ebenfalls vorhanden sein. Anhand dessen können Sie prüfen, welche Inspektionen gemacht wurden.

Merkblätter zum Autokauf

Mit Klick auf die folgenden Länder können Sie sich Infoblätter als pdf-Datei herunterladen. Zu den restlichen EU-Ländern sowie Norwegen finden Sie Merkblätter in englischer Sprache auf unserer englischen Webseite.

Gebrauchtwagenkauf im EU-Ausland

Auch im EU-Ausland gibt es Gewährleistungsrechte. Denken Sie dennoch über eine zusätzliche Garantie nach.

Die Gewährleistungsrechte gelten für alle Mängel, die beim Kauf bestanden haben, auch wenn sie sich erst später zeigen. Liegt ein Gewährleistungsfall vor, können Sie sich innerhalb von zwei Jahren nach dem Kauf auf Ihre Rechte berufen. Ansprechpartner für die Reparatur (oder den Austausch) des Fahrzeugs ist allein der Verkäufer. Dieser kann bei Gebrauchtwagenverkäufen allerdings die Gewährleistung auf ein Jahr beschränken. Dies muss im Kaufvertrag festgehalten werden. Wichtig: Nicht jeder Defekt am Auto ist ein Mangel, für den Gewährleistungsrechte gelten. Altersbedingter Verschleiß wird zum Beispiel nicht als Mangel angesehen. Außerdem ist zu beachten: Tritt der Defekt mehr als sechs Monate nach dem Fahrzeugkaufauf, muss der Käufer beweisen, dass dieser schon zum Zeitpunkt der Übergabe des Fahrzeugs vorhanden war.

Wer im EU-Ausland einen Gebrauchwagen kauft, muss keine Mehrwertsteuer bezahlen. 

Was ist zu tun, wenn die Reparatur anfällt?

Tritt während der Gewährleistungsfrist ein Mangel auf, muss sich der Käufer zuallererst an den Verkäufer wenden.

Repariert der Käufer das Fahrzeug selbst bzw. lässt es auf eigene Faust in einer Werkstatt reparieren, kann dies zum Verlust seiner gesetzlichen Gewährleistungsrechte führen.

Gerade wenn das Fahrzeug im Ausland gekauft wurde, also nicht in unmittelbarer Nähe, kann sich die Reparatur als problematisch herausstellen. Denn der Käufer muss das defekte Fahrzeug zurück in die Werkstatt des Verkäufers bringen. Zwar trägt der Verkäufer von Gesetz wegen die Kosten für den Transport. In der Praxis muss der Käufer jedoch regelmäßig die Kosten dafür vorstrecken. Zudem bleibt er auf diesen Kosten sitzen, wenn sich herausstellt, dass gar kein Gewährleistungsfall vorliegt (s.o.). Von daher kann eine Gebrauchtwagengarantie durchaus praktisch sein.

Die Gebrauchtwagengarantie

Mit einer Gebrauchtwagengarantie ist die Reparatur des Autos in der Regel auch in der Heimat des Käufers erlaubt. Im Gegensatz zur gesetzlichen Gewährleistung stellt hier jedoch der Garantiegeber die Regeln auf. So sind z. B. die Europa-Garantie, die Car-Garantie oder die A1 Euro-Garantie an Bedingungen geknüpft. Dies gilt sowohl hinsichtlich des Garantieumfangs als auch hinsichtlich der Abwicklung. Um böse Überraschungen zu vermeiden, lohnt es sich, einen Blick in die Garantiebedingungen zu werfen.

 Dort heißt es oft, dass…

  • …der Verbraucher verpflichtet ist, im Schadensfall zunächst den Garantiegeber zu informieren.  Wer das nicht tut, verliert möglicherweise seinen Garantieanspruch.
  • …einige Fahrzeugteile von der Garantie ausgeschlossen sind, z. B. Autobatterie und andere  Verschleißteile.
  • …die Materialkosten nicht in voller Höhe erstattet werden, sondern nur der  Zeitwert. Dieser richtet sich nach Alter bzw. Kilometerstand.

Die Herstellergarantie

Wenn Sie für das gebrauchte Fahrzeug noch eine Herstellergarantie haben, sollten Sie sich vergewissern, ob diese auch im Ausland gilt. Fragen Sie auch nach, ob hierdurch der Garantieumfang eingeschränkt wird.

Neuwagenkauf im EU-Ausland

Beim Autokauf im EU-Ausland bezahlen Sie die Mehrwertsteuer nicht im Herkunftsland, sondern am Ort der Anmeldung.

Achten Sie daher darauf, dass Ihnen das Fahrzeug zum Nettobetrag verkauft wird. In Deutschland müssten Sie dann eine Umsatzsteuererklärung beim Finanzamt abgeben und die deutsche Mehrwertsteuer zahlen. Dies ist  innerhalb von zehn Tagen nach dem Kauf zu erledigen. Reichen Sie bei Ihrem Finanzamt das Formular "Anlage USt 1 B zur Umsatzsteuererklärung für die Fahrzeugeinzelbesteuerung" ein. Im gleichen Zeitraum muss auch die fällige Steuer bezahlt werden. Näheres können Sie hier nachlesen.

Viele Händler weigern sich, ein Fahrzeug ohne Mehrwertsteuer an eine Privatperson zu verkaufen. Der Grund: Sie befürchten, dass das Finanzamt den steuerfreien Export (ohne entsprechende Nachweise) nicht akzeptiert. Der Händler müsste dann die Mehrwertsteuer aus eigener Tasche begleichen. Wird Ihnen also ein Fahrzeug nicht zum Nettopreis verkauft, sollten Sie sich vom Händler schriftlich zusichern lassen, dass dieser Ihnen die Mehrwertsteuer gegen die Zusendung des Exportnachweises (Steuerbescheid und Zulassungsnachweis aus Deutschland) wieder erstattet. Alternativ können Sie dem Händler auch als Sicherheit z. B. einen Scheck in Höhe der MwSt. geben.   

Wann wird ein Fahrzeug steuerrechtlich als neu eingestuft?

  • Wenn es zum Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als 6.000 Kilometer zurückgelegt hat.
  • Wenn die Erstzulassung beim Erwerb noch keine sechs Monate zurückliegt.

Studie zum Autokauf in der EU

Wie Probleme beim grenzüberschreitenden Autokauf vermieden werden können, zeigt auch eine Studie des Netzwerks der Europäischen Verbraucherzentren aus dem Jahre 2015. Untersucht wurde, was beim Kauf, bei der Überführung und bei der Zulassung in den einzelnen EU-Ländern und Norwegen zu beachten ist. Berücksichtigt wurden Gebraucht- und Neuwagen.