Augen auf beim Möbelkauf im Internet

Luxusbetten, Designer-Sofas, stilvolle Lampen. Online-Möbelhändler aus dem europäischen Ausland werben auf ihren Internetseiten mit innovativen Möbelstücken zu erschwinglichen Preisen.

Doch nicht immer sind die Angebote seriös: Käufer beschwerten sich beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland über einen mangelhaften Kundenservice, massive Lieferverzögerungen, fehlerhafte Ware oder verweigerte Rückzahlung nach Stornierung.

Das EVZ gibt Tipps, was beim europaweiten Möbelkauf im Internet zu beachten ist.

Mehr Schein als Sein: Nicht vom Internetauftritt blenden lassen

Die Webseiten diverser Online-Möbelhändler aus ganz Europa präsentieren sich vielversprechend.

Hochglanzfotos mit exklusiven Einrichtungsgegenständen. Produktbeschreibungen in mehreren Sprachen. Positive Kundenbewertungen. Auch AGB und Impressumsangaben finden sich.

Doch mit den Verbraucherrechten scheinen es manche Unternehmen nicht immer so genau zu nehmen.

Beispiel: Nach sechs Monaten weder Ware, noch Rückerstattung

Eine Verbraucherin aus Berlin bestellte bei einem spanischen Online-Möbelhändler einen Kleiderschrank für 1007 €. Die Lieferung sollte nach zehn bis zwölf Wochen erfolgen. Die Frist verstrich. In einer E-Mail teilte der Händler mit, dass sich der Schrank noch in der Produktion befinde. Nach drei verschobenen Lieferterminen und sechs Monaten Wartezeit stornierte die Käuferin schließlich ihren Kauf. Eine Rückerstattung lehnte der Online-Händler ab. Angeboten wurde leidglich die Erstattung der Versandkosten in Höhe von 60 €.

Das EVZ konnte erfolgreich intervenieren. Die Verbraucherin erhielt den kompletten Kaufpreis zurück.

Tipps für den Möbelkauf im Internet

  • Nicht blenden lassen von schön gestalteten Webseiten und vollmundigen Versprechungen.
  • Erfahrungsberichte lesen: Lesen Sie vor der Bestellung, welche Erfahrungen andere Kunden mit dem Online-Händler gemacht haben – am besten auf mehreren Bewertungsportalen. Rezensionen auf der Internetseite des Möbelhändlers sollten kritisch hinterfragt werden.
  • Nicht unter Druck setzen lassen: Bei Angaben wie „Nur noch zwei auf Lager“ kann es sich um eine Taktik handeln, um zum schnellen Kauf zu bewegen.
  • Über Widerruf und Rücksendung informieren: Noch vor dem Kauf sollten Sie prüfen, wie im Falle des Widerrufs der Rückversand erfolgen soll (z. B. wenn das Möbelstück nicht gefällt). Wohin muss die Ware geschickt werden? Trägt der Käufer die Rücksendekosten? Bei großen und sperrigen Möbeln kann die Rücksendung sehr teuer werden. Manchmal gehen Online-Händler über die gesetzlichen 14 Tage hinaus und bieten freiwillig ein längeres Widerrufsrecht an.
  • Besondere Regeln für individualisierte Stücke: Das Widerrufsrecht kann ausgeschlossen sein, wenn die Ware genau nach Kundenwunsch zusammengestellt wurde
  • Sichere Zahlungsart wählen: Verbraucher sollten am besten per Kreditkarte oder Lastschrift bezahlen. So kann Abbuchungen im Nachhinein widersprochen werden (z. B. wenn die Ware nicht geliefert wird). Hierfür muss man sich an die Fristen der Banken halten. Sicherheit können auch Zahlungsdienstleister geben, die einen Käuferschutz anbieten.
  • Lange Lieferzeiten einplanen: Immer mehr Online-Händler betreiben Dropshipping, um Lagerkosten zu vermeiden. Das heißt, die Ware wird von einem anderen Unternehmen direkt an den Kunden geliefert. Oft sitzen diese Unternehmen im außereuropäischen Ausland, z. B. in China. Dieses Geschäftsmodell kann zu langen Wartezeiten und hohen Liefer- und Rücksendekosten führen. Fragen Sie vor dem Kauf nach, woher die Ware kommt.
  • Frist setzen und Rücktritt erklären: Wenn die Ware nicht geliefert wird und der Käufer vom Vertrag zurücktreten möchte, ist es zwingend erforderlich, dem Händler zunächst eine Frist zu setzen, bis wann das Möbelstück geliefert werden soll. Wird dieser Termin nicht eingehalten, kann eine volle Rückerstattung verlangt werden.
  • Wenn das Möbelstück kaputtgeht, können sich Verbraucher auf die gesetzlichen Gewährleistungsrechte berufen. Diese gelten in der Regel zwei Jahre lang. Häufig bieten Händler aber eine längere Garantie. Jedoch nur für ausgewählte Produkte und bestimmte Mängel.

Das Europäische Verbraucherzentrum hilft kostenlos, wenn VerbraucherProbleme mit Händlern aus dem europäischen Ausland nicht selbstständig lösen können.

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