Dropshipping: Streckengeschäfte in der EU

Lesezeit: 7 Minuten

Europaweit im Internet einkaufen erfreut sich gerade in Corona-Zeiten großer Beliebtheit. Das wissen auch viele Online-Händler.

Doch nicht alle Shopbetreiber haben ein eigenes Lager, sondern lassen die Ware von einem anderen Unternehmen direkt an den Kunden liefern.

In einem solchen Fall spricht man von einem Streckengeschäft (auch: Streckenhandel, Dropshipping, Direkthandel).

Doch was ist Dropshipping? Worauf muss ich achten? Ist Dropshipping erlaubt? Und wo können Gefahren liegen?

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Zusammenfassung: Dropshipping (Streckengeschäft)

  • Dropshipping wird auch als Streckengeschäft, Direkthandel, Fulfillment, Streckenhandel oder Direktversand bezeichnet.
     
  • Der Shop, bei dem Sie die eigentliche Bestellung aufgegeben haben, übernimmt beim Streckengeschäft nur die Bestellannahme und Abrechnung. Die Ware wird Ihnen hingegen direkt vom Hersteller oder Großhändler geliefert.
     
  • Dropshipping unterliegt denselben Regelungen, wie ein Einkauf in jedem anderen Online-Shop auch. Dabei ist es unerheblich, ob der Händler im EU-Ausland sitzt oder seine Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt ausrichtet.
     
  • Sie können beim Direkthandel auch von Ihrem 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machen. Dieses gilt europaweit. Jedoch wird die Ausübung Ihrer gesetzlichen Rechte aufgrund der Gestaltung dieses Geschäftsmodells oftmals erschwert bzw. faktisch unmöglich gemacht.
     
  • Bei Streckengeschäften kann es zu langen Lieferzeiten, hohen Rücksendekosten, Lieferschwierigkeiten und Zusatzkosten kommen. Vor allem dann, wenn der Lieferant in einem Land außerhalb der EU sitzt.

Video: Dropshipping in der EU

Dropshipping: Was ist das?

Das Prinzip beim Dropshipping ist folgendes:

Sie bestellen bei einem Online-Händler. Die Ware erhalten Sie jedoch nicht vom Händler selbst, sondern direkt vom Hersteller oder Großhändler.

Der Shop, bei dem Sie die Bestellung aufgegeben haben, übernimmt nur die Bestellannahme sowie die Abrechnung und spart sich somit die Bereiche Logistik und Lagerhaltung. Mit der eigentlichen Ware kommt der Online-Händler nicht in Kontakt.

Sehr oft ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, dass es sich um Dropshipping handelt. Erst wenn das Päckchen ankommt und die Absende-Adresse von der Adresse des Verkäufers abweicht, können Sie erkennen, dass es sich um Dropshipping handelt.

Beispiel

Sie kaufen Schuhe bei einem Online-Händler. Der Händler hat kein eigenes Lager und leitet die Bestellung an seinen Lieferanten weiter.

Der Lieferant kümmert sich dann um die Verpackung und den Direktversand zu Ihnen.

Wie kann man Dropshipping erkennen?

  • Auf der Webseite werden die Waren häufig mit vermeindlichen Rabatten angeboten. Zudem sind die Waren angeblich nur für eine kurze Dauer zum reduzierten Preis erhältlich, jedoch sind die niedrigeren Preise in Wahrheit meist dauerhaft erhältlich.
     
  • Die Zusammenstellung der auf der Webseite angebotenen Produkte ist meistens ungewöhnlich und wechselt häufig. So werden z. B. Kosmetika und Gartendeko zeitgleich auf einer Website angeboten.
     
  • Oft finden Sie in der Widerrufsbelehrung keine Rücksendeadresse oder diese wird Ihnen nur auf Nachfrage mitgeteilt und liegt außerhalb der EU.
  • Auf vielen dieser Seiten findet sich kein Impressum.
     
  • Oft ist die Webseite des Onlineshops mit Shopify, Wix, BigCommerce oder einem anderen Dienst zur Erstellung von Online-Shops gestaltet. Den Hinweis auf einen dieser Anbieter finden Sie häufig in der Fußzeile. Viele der Dropshipping-Webseiten sind nach demselben Baukastenmodell aufgebaut.

Tipps für einen erfolgreichen Online-Einkauf

  • ​​​​​Nicht in Vorleistung gehen: Leisten Sie keine Vorauskasse (z. B. per Überweisung). Ist der Kauf auf Rechnung nicht möglich, dann empfehlen wir Zahlung per Kreditkarte, Lastschriftverfahren oder über einen Zahlungsdienstleister, der Käuferschutz anbietet.
     
  • Kundenrezensionen prüfen: Lesen Sie sich Kunden-Bewertungen durch und machen Sie eine kurze Internetrecherche zum Händler. Geben Sie den Namen des Verkäufers oder des Online-Shops + die Stichworte „Bewertung“ oder „Erfahrung“ in eine Suchmaschine ein. Seien Sie kritisch bei den Bewertungen auf der eigenen Seite des Onlineshops. Diese konnen manipuliert sein.
  • Prüfen Sie die Händler-Informationen: Sehen Sie sich die Kontaktdaten des Online-Händlers im Impressum oder in den AGB an. Sind diese vollständig? Dann können Sie die Anschrift mithilfe von Online-Kartendiensten überprüfen. Befindet sich der Shop in einem Wohngebäude in der Innenstadt, könnte das ein Indiz dafür sein, dass der Verkäufer kein eigenes Lager betreibt und es sich um Dropshipping handelt.
  • Vertragsbedingungen: Lesen Sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen. So können Sie vielleicht herausfinden, in welches Land Retouren zu senden sind. Und der in den AGB angegebene Gerichtsstand lässt oft erkennen, wo der Lieferant seinen Sitz hat. Machen Sie einen Suchlauf mit STRG + F und suchen Sie nach Schlagworten wie Rücksendung, Kosten, Transportkosten.
  • Preisvergleich: Vergleichen Sie vor dem Kauf die Preise der Mitbewerber. Ist das Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist Vorsicht geboten.
  • Gehen Sie bei Markenprodukten auf die Original-Marken-Seite und vergleichen Sie die Preise. So lässt sich einschätzen, ob der Preis realistisch ist.
  • Lassen Sie sich Zeit bei der Bestellung: Online-Händler setzen ihre Kunden oftmals künstlich mit Verknappung unter Druck, um deren Kaufentscheidung zu beeinflussen. Beispiel: „Nur noch wenige Artikel verfügbar“.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn es für ein Produkt nur positive Bewertungen gibt.
  • Werden lange Lieferzeiten angegeben, kann dies ebenfalls ein Hinweis auf Dropshipping sein.

Dropshipping: Die Vor- und Nachteile für Verbraucher

VorteileNachteile (Risiken)
oft günstigere PreiseZusatzkosten (Zoll)
vielfältigeres Angebot möglichggf. niedrige Produktqualität
Kunden haben dieselben Rechte, wie bei einem "normalen" Online-ShopWare / Produkt erfüllt nicht EU-Standards
 Häufig verlangen Händler die Rücksendung der Ware ins Nicht-EU-Ausland (hohe Rücksendekosten)
 Preis- / Leistung nicht im Verhältnis
 schwierige Kontaktaufnahme bei Fragen oder Problemen
 Für Kunden ist es nicht erkennbar, ob es sich um Dropshipping handelt (keine Kennzeichnungspflicht).
 Aufgrund der Gestaltung des Geschäftsmodells ist es für Verbraucher schwierig bis unmöglich Ihre Rechte in der Praxis durchzusetzen.
 Lieferengpässe, lange Lieferzeiten bis hin zur Nichtlieferung

 

Manche Shops / Webseiten gehen nach kurzer Zeit offline und sind dann nicht mehr abrufbar. Der Händler ist dann nicht mehr erreichbar.
 sehr günstige Preise gehen oft mit Produktion unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen einher

Welche Probleme können beim Dropshipping auftreten?

  • Lange Lieferzeiten: Je nachdem, aus welchem Land und auf welchem Versandweg die Ware verschickt wird, ist mit langen Lieferzeiten zu rechnen. Vor allem Containerfrachten übers Meer können lange dauern.
  • Lieferengpässe: Obwohl eine Bestellung noch möglich ist, kann es sein, dass die Ware beim eigentlichen Lieferanten bereits ausverkauft ist. Das Geld wird dennoch sofort abgebucht.
  • Zusatzkosten: Bisher war die Einfuhr von Sendungen mit einem Bestellwert von bis zu 22 Euro aus einem Drittland außerhalb der EU von der Mehrwertsteuer befreit. Diese Freigrenze gilt nicht mehr. Für alle Warenimporte in die EU wird ab dem ersten Euro die Einfuhrumsatzsteuer fällig. Ab einem Gesamtwert von 151 Euro kommen zusätzlich noch Zollkosten obendrauf.
  • Unseriöses Dropshipper: Wie in jeder Branche gibt es auch beim Dropshipping schwarze Schafe. Diese werben beispielsweise mit Originalware, liefern aber Fälschungen, etwas komplett anderes, minderwertige Qualität, unpünktlich oder gar nicht.
  • Hohe Rücksendekosten: Die Rücksendekosten, zum Beispiel im Falle eines Widerrufs, können schnell den Warenwert übersteigen. Vor allem dann, wenn verlangt wird, dass die Ware in ein Land außerhalb der EU versendet werden muss.

Widerrufsrecht: Kann ich meine Bestellung bei Streckengeschäften zurückgeben?

Ja. Beim Dropshipping gilt das 14-tägige Widerrufsrecht. Dieses Recht gilt in allen EU-Mitgliedstaaten, wenn Sie Ware online bestellen. Dies gilt auch, wenn der Händler die Ware aus dem Nicht-EU-Ausland versenden lässt oder selbst seinen Sitz außerhalb der EU hat.

Das heißt: Sie können den Kaufvertrag innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt und ohne Angabe von Gründen widerrufen. Nach Erklärung des Widerrufs müssen Sie die bestellte Ware innerhalb von 14 Tagen zurückschicken. Folgende Probleme können auftreten:

  • In der Widerrufsbelehrung des Verkäufers ist keine Rücksendeadresse genannt. Vorsicht: Schicken Sie die Ware nicht einfach an die auf dem Paket genannte Adresse zurück. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, kann dies zu Problemen führen, den Kaufpreis zurückzubekommen. Im Zweifelsfall fragen Sie am besten vor der Bestellung beim Verkäufer nach der Rücksendeadresse.
  • Der Verkäufer verlangt von Ihnen die Rücksendung der Ware direkt an den Lieferanten außerhalb Europas.

Ist dies der Fall, kann das unter Umständen sehr kostspielig werden.

Vor allem dann, wenn Sie laut Vertrag die Rücksendekosten zu tragen haben. 

Grundsätzlich ist es zulässig, die Rücksendekosten auf den Käufer abzuwälzen. Der Händler muss Sie jedoch vor dem Kauf darüber informieren. Durch die erforderliche Rücksendung ins Nicht-EU-Ausland entstehen oft unerwartete Mehrkosten. Daher ist es aus Verbraucherschutzgesichtspunkten fraglich, ob in Dropshipping-Fällen die Übernahme der hohen Rücksendekosten durch den Käufer zumutbar ist. Zudem ist es für Sie beim Kauf oft nicht erkennbar, dass es sich um Dropshipping handelt.

Immer wichtig: Werfen Sie  vor der Bestellung einen Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder fragen Sie im Zweifelsfall nach. In manchen Fällen geben die AGB oder Widerrufsbelehrung bereits Hinweise zur Rücksendeadresse und den Rücksendekosten.

Wenn Sie im Voraus bezahlt haben, kann es in der Praxis vorkommen, dass Sie zwar ein Recht auf Rückerstattung haben, der Geldbetrag aber nicht oder nur schleppend erstattet wird.

Das lässt sich vermeiden, indem Sie schon bei der Auswahl des Händlers die Bezahlmethode als wichtiges Kriterium berücksichtigen.

Bevorzugen Sie Kauf auf Rechnung oder Zahlung per Kreditkarte. Hier müssen Sie erst bezahlen, wenn die Ware geliefert wurde oder können im schlimmsten Fall das Geld über Chargeback zurückholen.

Wichtig

Der Händler muss Sie darüber informieren, wenn der Lieferant in einem Nicht-EU-Land sitzt und welche Kosten dadurch auf Sie zukommen können.

Werden Sie bei der Anlieferung von Extrakosten überrascht, können Sie die Paketannahme verweigern und den Kaufpreis vom Händler zurückverlangen.

Gewährleistung bei defekter Ware: Welche Rechte habe ich?

Geht die Ware kaputt, können Sie EU-weit zwei Jahre lang vom Händler Ersatz (Umtausch) oder die Reparatur verlangen (Gewährleistung).

In der Praxis kommt es jedoch vor, dass Verbrauchern auch diese Rechte verweigert oder ihre Ausübung unmöglich gemacht wird, z. B. weil der Verkäufer nicht mehr zu erreichen ist. Dann besteht nur noch die Möglichkeit den Anspruch gerichtlich geltend zu machen. Hierbei besteht jedoch immer ein gewisses Risiko den Prozess gar nicht oder nur teilweise zu gewinnen, weil man eventuell die geforderten Beweise nicht erbringen kann.

Muss ich ein beschädigtes Paket annehmen?

Sie können die Annahme verweigern, wenn bereits von außen sichtbar ist, dass die Ware durch den Transport beschädigt wurde.

Machen Sie Fotos des Schadens und dokumentieren Sie die Beschädigung auf dem Frachtbrief.

Somit können Sie nachweisen, dass die Ware beschädigt ankam.

Dann bitten Sie den Zusteller um einen Durchschlag des Frachtbriefs und lassen die Ware zurückgehen.

Wird der Schaden erst nach dem Auspacken sichtbar, sollten Sie sich umgehend an den Online-Händler wenden und – wie oben beschrieben – von Ihren Gewährleistungsrechten Gebrauch machen.

Was kann ich tun, wenn die Dropshipping-Bestellung nicht ankommt?

Wenden Sie sich umgehend an den Online-Händler, wenn der vereinbarte Liefertermin nicht eingehalten wurde und fordern sie ihn zur Lieferung auf. Zu diesem Zweck stellen wir Ihnen ein Musterschreiben zur Verfügung.

Download:  Musterschreiben Nachfrist (14 KB).

Lässt der Händler die von Ihnen gesetzte Frist ebenfalls verstreichen, ohne dass die Lieferung erfolgt ist, können Sie vom Vertrag zurücktreten und den Kaufpreis zurück verlangen. Hierbei hilft unser Musterschreiben.

Download:  Musterschreiben Rücktritt (14 KB).

Reagiert der Online-Händler innerhalb einer angemessenen Frist nicht und haben Sie mit Kreditkarte bezahlt, können Sie bei Ihrer Bank ein Chargeback veranlassen.

Auch Zahlungen per Lastschrift lassen sich zurückbuchen. Ebenso bieten einige Zahlungsdienstleister einen Käuferschutz an.

Fazit:

Wenn Sie denken, dass der Shop bei dem Sie bestellen wollen Dropshipping betreibt, müssen Sie abwägen, ob Sie die Risiken, die entstehen können hinnehmen möchten.

Denn: Dropshipping ist nicht verboten. Und wenn der Preis gut und die Ware in Ordnung ist, dann lassen sich über Streckengeschäfte Schnäppchen machen.

Aber informieren Sie sich im Vorfeld auf jeden Fall über die Zusatzkosten, die Ihnen aus der Dropshipping-Lieferung entstehen können, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.