Dropshipping: Streckengeschäfte in der EU

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Europaweit im Internet einkaufen erfreut sich gerade in Corona-Zeiten großer Beliebtheit. Das wissen auch viele Online-Händler.

Doch nicht alle Shopbetreiber haben ein eigenes Lager, sondern lassen die Ware von einem anderen Unternehmen direkt an den Kunden liefern.

In einem solchen Fall spricht man von einem Streckengeschäft (auch: Streckenhandel, Dropshipping, Direkthandel).

Doch was ist Dropshipping? Worauf muss ich achten? Ist Dropshipping legal? Und wo können Gefahren liegen?

Zusammenfassung: Dropshipping (Streckengeschäft)

  • Dropshipping wird auch als Streckengeschäft, Direkthandel, Fulfillment, Streckenhandel oder Direktversand bezeichnet.
  • Der Shop, bei dem Sie die eigentliche Bestellung aufgegeben haben, übernimmt beim Streckengeschäft nur die Bestellannahme und Abrechnung. Die Ware wird Ihnen aber direkt vom Hersteller oder Großhändler geliefert.
  • Dropshipping ist legal und unterliegt somit denselben Regelungen, wie ein Einkauf in jedem anderen Online-Shop auch. Dabei ist es unerheblich, ob der Händler im EU-Ausland sitzt oder seine Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt ausrichtet.
  • Bei Streckengeschäften kann es zu langen Lieferzeiten, hohen Rücksendekosten, Lieferschwierigkeiten und Zusatzkosten kommen. Vor allem dann, wenn der Lieferant in einem Land außerhalb der EU sitzt.

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Dropshipping: Was ist das?

Das Prinzip beim Dropshipping ist folgendes:

Sie bestellen bei einem Online-Händler. Die Ware erhalten Sie jedoch nicht vom Händler selbst, sondern direkt vom Hersteller oder Großhändler.

Der Shop, bei dem Sie die Bestellung aufgegeben haben, übernimmt nur die Bestellannahme sowie die Abrechnung und spart sich somit die Bereiche Logistik und Lagerhaltung.

So gesehen überspringt ein Online-Shop durch Dropshipping-Händler ein Glied in der Lieferkette.

Mit der Ware kommt der Online-Händler nicht in Kontakt. Infolgedessen kann er auch die Qualität der Ware nicht überprüfen.

Beispiel

Sie kaufen Schuhe bei einem Online-Händler. Der Händler hat kein eigenes Lager und leitet die Bestellung an seinen Lieferanten weiter.

Der Lieferant kümmert sich dann um die Verpackung und den Direktversand zu Ihnen.

Dropshipping: Die Vor- und Nachteile für Verbraucher

VorteileNachteile (Risiken)
Dropshipping ist legalZusatzkosten (Zoll)
Kunden haben dieselben Rechte, wie bei einem "normalen" Online-Shopggf. niedrige Produktqualität
oft günstigere PreiseWare / Produkt erfüllt nicht EU-Standards
vielfältigeres Angebot möglichPreis- / Leistung nicht im Verhältnis
mit Streckengeschäften lassen sich gute Schnäppchen machenschwierige Kontaktaufnahme bei Fragen oder Problemen
 Für Kunden ist es nicht erkennbar, ob es sich um Dropshipping handelt (keine Kennzeichnungspflicht)

 

Manche Shops / Webseiten gehen nach kurzer Zeit offline und sind dann nicht mehr abrufbar

 

Lieferengpässe, lange Lieferzeiten bis hin zur Nichtlieferung

Welche Probleme können beim Dropshipping auftreten?

  • Lange Lieferzeiten: Je nachdem, aus welchem Land und auf welchem Versandweg die Ware verschickt wird, ist mit langen Lieferzeiten zu rechnen. Vor allem Containerfrachten übers Meer können lange dauern.
  • Lieferengpässe: Obwohl eine Bestellung möglich ist, kann es sein, dass die Ware beim eigentlichen Lieferanten bereits ausverkauft ist. Das Geld wird dennoch sofort abgebucht.
  • Zusatzkosten: Kommt die Ware aus einem Nicht-EU-Land, zum Beispiel aus dem Vereinigten Königreich oder China, wird ab einem Warenwert von 22 Euro Einfuhrumsatzsteuer fällig, ab einem Gesamtwert von 151 Euro werden Zollkosten fällig.
  • Unseriöses Dropshipper: Wie in jeder Branche gibt es auch beim Dropshipping schwarze Schafe. Diese werben beispielsweise mit Originalware, liefern aber Fälschungen, etwas komplett anderes, minderwertige Qualität, unpünktlich oder gar nicht.
  • Hohe Rücksendekosten: Die Rücksendekosten, zum Beispiel im Falle eines Widerrufs, können schnell den Warenwert übersteigen. Vor allem dann, wenn die Ware zur Ihren Lasten in ein Land außerhalb der EU versendet werden muss.

Widerrufsrecht: Kann ich meine Bestellung bei Streckengeschäften zurückgeben?

Ja. Beim Dropshipping gilt das 14-tägige Widerrufsrecht. Dieses Recht gilt in allen EU-Mitgliedstaaten.

Das heißt: Sie können die bestellte Ware innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt und ohne Angabe von Gründen zurückschicken.

Das Problem: Der Händler muss keine inländische Rücksendeadresse angeben.

Es ist daher möglich, dass Sie die Ware direkt an den Lieferanten außerhalb Europas zurückschicken sollen.

Je nachdem, wo dieser sitzt, kann das unter Umständen sehr kostspielig werden.

Vor allem dann, wenn Sie laut Vertrag die Rücksendekosten zu tragen haben. 

Denn es ist zulässig, die Rücksendekosten auf Sie abzuwälzen. Der Händler muss Sie jedoch vor dem Kauf darüber informieren.

Werfen Sie daher vor der Bestellung einen Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder fragen Sie im Zweifelsfall nach.

Wenn Sie im Voraus bezahlt haben, kann es in der Praxis vorkommen, dass Sie zwar das Recht auf Rücksendung haben, der Geldbetrag aber nicht oder nur schleppend erstattet wird.

Das lässt sich vermeiden, indem Sie schon bei der Auswahl des Händlers die Zahlmethode als wichtiges Kriterium berücksichtigen.

Zum Beispiel: Kauf auf Rechnung oder Zahlung per Kreditkarte. Hier können Sie nämlich im schlimmsten Fall das Geld über Chargeback  zurückholen.

Wichtig

Der Händler muss Sie darüber informieren, wenn der Lieferant in einem Nicht-EU-Land sitzt und welche Kosten dadurch auf Sie zukommen können.

Werden Sie bei der Anlieferung von Extrakosten überrascht, können Sie die Paketannahme verweigern und den Kaufpreis vom Händler zurückverlangen.

Gewährleistung bei defekter Ware: Welche Rechte habe ich?

Geht die Ware kaputt, können Sie EU-weit zwei Jahre lang vom Händler einen Ersatz (Umtausch) oder eine Reparatur verlangen (Gewährleistung).

In einigen Ländern sind die Gewährleistungsfristen sogar noch länger.

In Deutschland liegt innerhalb der ersten sechs Monate der zweijährigen Gewährleistungsfrist die sogenannte Beweislast beim Verkäufer.

Das heißt: Wenn innerhalb von sechs Monaten ein Mangel (zum Beispiel ein Riss im Material) auftritt, wird von Gesetzes wegen vermutet, dass der Schaden bereits bei der Warenübergabe vorhanden war.

Möchte der Verkäufer das nicht gegen sich gelten lassen, muss er den entsprechenden Nachweis führen.

Nach Ablauf dieser sechs Monate muss der Käufer beweisen, dass die Ware bereits bei Erhalt mangelhaft war (Beweislastumkehr).

Einfach vom Vertrag zurücktreten und den Kaufpreis zurückverlangen ist nach deutschem Recht nicht möglich.

Anders in Frankreich: Erhalten Sie dort einen Monat nach der Reklamation keine Antwort auf Ihre Beschwerde, können Sie vom Vertrag zurücktreten und Ihr Geld zurückfordern.

Außerdem liegt die Beweislast zwei Jahre beim Verkäufer.

Muss ich ein beschädigtes Paket annehmen?

Sie können die Annahme verweigern, wenn bereits von außen sichtbar ist, dass die Ware durch den Transport beschädigt wurde.

Machen Sie Fotos des Schadens und dokumentieren Sie die Beschädigung auf dem Frachtbrief.

Somit können Sie nachweisen, dass die Ware beschädigt ankam.

Dann bitten Sie den Zusteller um einen Durchschlag des Frachtbriefs und lassen die Ware zurückgehen.

Wird der Schaden erst nach dem Auspacken sichtbar, sollten Sie sich umgehend an den Online-Händler wenden und – wie oben beschrieben – von Ihren Gewährleistungsrechten Gebrauch machen.

Was kann ich tun, wenn die Dropshipping-Bestellung nicht ankommt?

Wenden Sie sich umgehend an den Online-Händler, wenn der vereinbarte Liefertermin nicht eingehalten wurde.

In diesem Fall können Sie eine Ersatzlieferung (setzen Sie eine Lieferfrist) fordern oder verlangen Sie das Geld zurück.

Reagiert der Online-Händler innerhalb einer angemessenen Frist nicht und haben Sie mit Kreditkarte bezahlt, können Sie bei Ihrer Bank ein Chargeback veranlassen.

Auch Zahlungen per Lastschrift lassen sich zurückbuchen. Ebenso bieten einige Zahlungsdienstleister einen Käuferschutz an.

Tipps für einen erfolgreichen Dropshipping-Einkauf

  • Schauen Sie genau hin: Dropshipping ist nicht immer einfach zu erkennen, da es keine rechtliche Verpflichtung gibt, das Geschäftsmodell der Streckengeschäfte extra zu kennzeichnen.
  • Preisvergleich: Vergleichen Sie vor dem Kauf die Preise der Mitbewerber. Ist das Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist Vorsicht geboten.
  • Gehen Sie bei Markenprodukten auf die Original-Marken-Seite und vergleichen Sie die Preise. So lässt sich einschätzen, ob der Preis realistisch ist.
  • Lassen Sie sich Zeit bei der Bestellung: Online-Händler setzen ihre Kunden oftmals künstlich mit Verknappung unter Druck, um deren Kaufentscheidung zu beeinflussen. Beispiel: „Nur noch wenige Artikel verfügbar“.
  • Lassen Sie sich nicht von vermeintlichen Rabatt-Aktionen blenden. Diese laufen häufig dauerhaft.
  • Kundenrezensionen: Lesen Sie sich Kunden-Bewertungen durch und machen Sie eine kurze Internetrecherche zum Händler: Name des Verkäufers oder des Online-Shops + „Bewertung“ oder „Erfahrung“.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn es für ein Produkt nur positive Bewertungen gibt.
  • Prüfen Sie die Händler-Informationen: Sehen Sie sich die Kontaktdaten des Online-Händlers im Impressum oder in den AGB an. Sind diese vollständig? Dann können Sie die Anschrift mithilfe von Online-Kartendiensten überprüfen. Befindet sich der Shop in einem Wohngebäude in der Innenstadt, könnte das ein Indiz dafür sein, dass der Verkäufer kein eigenes Lager betreibt und es sich um Dropshipping handelt.
  • Vertragsbedingungen: Lesen Sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen. So können Sie vielleicht herausfinden, in welches Land Retouren zu senden sind. Und der in den AGB angegebene Gerichtsstand lässt oft erkennen, wo der Lieferant seinen Sitz hat. Machen Sie einen Suchlauf mit STRG + F und suchen Sie nach Schlagworten wie Rücksendung, Kosten, Transportkosten.
  • Werden lange Lieferzeiten angegeben, kann dies ebenfalls ein Hinweis auf Dropshipping sein.
  • Wurde eine Seite mit Shopify, Wix, BigCommerce oder einem anderen Dienst zur Erstellung von Online-Shops erstellt, können Sie davon ausgehen, dass es sich um eine Dropshipping-Seite handelt. Oft findet sich der Hinweis auf einen dieser Anbieter in der Fußzeile.
  • Nicht in Vorleistung gehen: Leisten Sie keine Vorauskasse. Ist der Kauf auf Rechnung nicht möglich, dann empfehlen wir Zahlung per Kreditkarte, Lastschriftverfahren oder über einen Zahlungsanbieter, der Käuferschutz anbietet.
     

Fazit:

Die Entscheidung liegt letztlich bei Ihnen, ob Sie in solch einem Online-Shop bestellen möchten oder nicht.

Denn: Dropshipping ist legal. Und wenn der Preis gut und die Ware in Ordnung ist, dann lassen sich über Streckengeschäfte Schnäppchen machen.

Aber informieren Sie sich im Vorfeld auf jeden Fall über die Zusatzkosten, die Ihnen aus der Dropshipping-Lieferung entstehen können, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.