Kredite und Anlagen

Sie wollen bei einer Bank im EU-Ausland einen Kredit aufnehmen? Wie erklären Ihnen die gesetzlichen Vorgaben und was es mit Immobilien- und Fremdwährungskrediten auf sich hat. Zudem gehen wir auf die Gefahren von Forex-Handel und binären Optionen ein.   

Worauf Sie bei Krediten aus dem EU-Ausland achten sollten

Denken Sie daran, dass der Vertrag in einer anderen Sprache verfasst ist! Auch die Beratung wird im Zweifel in einer Fremdsprache erfolgen. Unterschreiben Sie den Vertrag nur dann, wenn Sie den Inhalt wirklich verstanden haben. Wenn Sie bei einer Bank im EU-Ausland einen Kreditvertrag abschließen, ist in der Regel ausländisches Recht anwendbar. Dank der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie gelten einige gesetzliche Vorgaben jedoch EU-weit, darunter unter anderem:

  • Informationen über die Laufzeit des Kredits
  • Informationen über den Gesamtkreditbetrag
  • Informationen über den effektiven Jahreszins
  • Informationen über den Sollzinssatz
  • Verbot von Lockzinssätzen
  • Angabe von Vertragskosten
  • Aushändigung eines Tilgungsplans (wenn vom Kunden verlangt)
  • Aushändigung eines standardisierten Formblatts, das alle wichtigen Informationen zum Kredit enthält
  • Klarer Hinweis über den Anbieter (Kreditgeber oder Kreditvermittler)
  • Angabe der Provision, die bei einer Kreditvermittlung berechnet wird
  • Vierzehntägiges Widerrufsrecht

 

Bedenken Sie: Diese EU-Vorgaben gelten in der Regel nicht für Kredite zur Immobilienfinanzierung. 

Unseriöse Kreditangebote

Im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken, gibt es immer wieder unseriöse Angebote für Kredite. Kreditgeber sind angebliche Privatpersonen aus dem Ausland. Eine Bonitätsprüfung ist nicht erforderlich.

Nimmt man ein solches Angebot an, werden plötzlich zusätzliche Kosten berechnet, in manchen Fällen Gebühren von ausländischen Ministerien. Zahlt man, fallen weitere Kosten an, beispielsweise für Anwälte, Banken usw. Die Kreditsumme bekommen die Verbraucher jedoch nie zu sehen.

Tipp

Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen ein Kredit ohne Bonitätsprüfung angeboten wird. Ein weiteres Indiz für einen Betrug ist, wenn Ihnen noch vor der Auszahlung der Kreditsumme Kosten berechnet werden, auf die Sie zuvor nicht hingewiesen worden sind.

Immobilien- und Fremdwährungskredite

Für Immobilienkredite gelten EU-weit einheitliche Regeln. Bei Fremdwährungskrediten lauert dagegen das Wechsel- und Währungsrisiko.

Sonderfall Immobilienkredite

Immobilienkredite belaufen sich oftmals auf fünfstellige Summen. Die Tilgungszeit kann sich auf mehrere Jahrzehnte erstrecken. Nicht selten geraten Verbraucher in finanzielle Nöte, weil sie die Rückzahlung der Kreditraten überfordert. Überlassen Sie daher nichts dem Zufall. Wenn Sie den Inhalt des Vertrages nicht verstehen, sollten Sie einen Dolmetscher zur Beratung mitnehmen und eine beglaubigte Übersetzung des Vertrages anfertigen lassen.

In Deutschland steht Verbrauchern bei Immobilienkrediten ein vierzehntägiges Widerrufsrecht zu. So können Sie den Vertrag auflösen. Die Frist beginnt in der Regel mit dem Abschluß des Vertrages. Wenn die Bank Sie nicht korrekt über Ihr Widerrufsrecht belehrt, ist die Frist sogar länger. Im Ausland haben Sie dieses Recht oftmals nicht.

Seit März 2016 gelten EU-weit folgende einheitliche Regelungen für Immobilienkredite:

  • Das Europäische standardisierte Merkblatt (ESIS). Es enthält unter anderem Informationen zu den Hauptmerkmalen des Kredits, wie den Kreditbetrag, Laufzeit, Kreditart, Art der Verzinsung, Zinsfestschreibung und Sicherheiten. Zudem steht darin der Zinssatz, die Höhe der einzelnen Raten.
  • Berechnung des effektiven Jahreszinses.

Verbraucher sollen so in die Lage versetzt werden, die Produkte EU-weit besser vergleichen zu können.

Zudem gelten jetzt in vielen Bereichen EU-Mindeststandards:

  • Eine mindestens siebentägige Bedenkzeit bzw. ein Widerrufsrecht von mindestens sieben Tagen.
  • Informationen, beispielsweisezu den Kosten, zur Tilgungs- und Zinslast. Die Informationen müssen zudem anhand eines repräsentativen Beispiels erläutert werden.
  • Zwingende Prüfung der Kreditwürdigkeit.
  • Verbot von sog. Koppelungsgeschäften (Bislang haben Banken die Kreditverträge oft zwingend mit Produkten verbunden, welche die Verbraucher gar nicht benötigten, wie zum Beispiel Girokonten, Lebens- oder Restschuldversicherungen. Achtung: Banken können die Kredite nach wie vor mit anderen Produkten „bündeln“, wenn das für Verbraucher sinnvoller und günstiger ist als Produkte einzeln zu erwerben.
  • Erleichterte Regeln zu vorzeitigen Kreditrückzahlungen.
  • Strengere Aufsicht über die Anbieter von Baukrediten.

Fremdwährungskredite

Kredite in Schweizer Franken waren zeitweise sehr lukrativ. Deutsche Verbraucher, die einen Kredit benötigten und von deutschen Banken keinen erhielten, versuchten Ihr Glück im Ausland. Günstige Angebote gab es von österreichischen Banken. Deutsche Verbraucher hatten die Hoffnung, von einem steigenden Eurokurs zu profitieren. Denn wenn der Euro gestiegen wäre, wäre die Kreditsumme günstiger gewesen. Tatsächlich kam es genau andersherum und Verbraucher waren plötzlich mit zahlreichen Problemen konfrontiert.

Die Risiken von Fremdwährungskrediten:

  • Der Verbraucher trägt das Wechsel- und das Währungsrisiko: Der Verbraucher muss einen höheren Betrag zurückzahlen, wenn die Währung, in welcher der Kredit geführt wird, an Wert gewinnt.
  • Zudem besteht ein Zinsrisiko, weil sich die Zinsen der Währung, in welcher der Kredit geführt wird, anders entwickeln können als die Zinsen des Euro.
  • Der Kredit muss oft am Ende der Vertragslaufzeit zurückgezahlt werden. Man spricht von der Endfälligkeit des Kredits. Währungs- und Wechselrisiken wirken sich deswegen umso gravierender aus.
  • Vor der Endfälligkeit zahlt der Verbraucher in einen Sparplan (sog. Tilgungsträger). Infolge der Finanzkrise haben viele dieser Tilgungsträger an Wert verloren.
  • Insbesondere durch die Aufwertung des Franken in den letzten Jahren haben sich Fremdwährungskredite erheblich verteuert.

    Für Fremdwährungskredite gelten seit März 2016 neue Regeln:

    • Verbraucher haben das Recht, den Kredit in eine andere Währung zu wechseln. Das gilt, wenn der Wert der noch zu zahlenden Raten durch eine Kurserhöhung steigt (in Deutschland 20%).
    • Die Bank muss den Verbraucher warnen, wenn durch Kursschwankungen der Wert der noch zu zahlenden Raten um mindestens 20% steigt.

    Bedenken Sie: Fremdwährungsprodukte waren und sind nach wie vor Risikoprodukte

    Forex-Handel und Binäre Optionen

    Bei einigen ausländischen Kapitalanlagen droht der Totalverlust. Worauf Sie achten sollten.

    Tagesgeldkonten und klassische Sparbriefe bringen heutzutage kaum noch Zinsen. Doch wie kann man für sein Alter vorsorgen und Erspartes gewinnbringend anlegen? Hilfe versprechen reißerische Werbeanzeigen im Internet.

    In diesen wird beispielsweise von einem glücklichen Rentner berichtet, der über ein Anlageprodukt in kürzester Zeit zum Millionär wurde. Beworben werden gerne hochspekulative Anlagen wie binäre Optionen, Finanzderivate oder Forex-Produkte. Zusätzlich wird mit Bonuszahlungen gelockt. Untermauert wird das Ganze von vermeintlich professionellen Vermittlern, die hohe Gewinne versprechen. Viele der Anbieter haben ihren Sitz im EU-Ausland, z. B. in Zypern oder Malta.

    Verbraucher, die sich bei uns gemeldet haben, investierten teilweise fünfstellige Summen und berichteten von folgenden Problemen:

    • Verluste über 20.000 €
    • Die Empfehlung eines Kundenberaters, die größtmögliche Summe zu investieren. Nur dann würde sich Investition verdoppeln. Tatsächlich sank der Betrag im Folgenden auf einen Bruchteil. Von ursprünglich 2.800 € blieben nur noch 50 € übrig.
    • Es waren nur Einzahlungen auf das Broker-Konto möglich, jedoch keine Abbuchungen. Kunden konnten folglich nur zusehen, wie der investierte Betrag stetig schrumpfte, ohne etwas tun zu können.
    • Die Internetseite des Anbieters war plötzlich offline, so dass der Verbraucher keinen Zugriff mehr auf sein Broker-Konto hatte.
    • Einem Verbraucher wurde die Nutzung seines Broker-Kontos mit der Begründung verwehrt, dass der Roboter (eine Software, die an Ihrer Stelle automatisch handelt) abgeschaltet worden ist.

     

    Solche Erfahrungen mussten auch Verbraucher in Frankreich machen. Die französische Generaldirektion Wettbewerb und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) hat daher eine Informationskampagne über die Risiken dieser Anlageprodukte gestartet.

    In Deutschland veröffentlichte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)Meldungen und Warnungen zu Anbietern von Finanzdienstleistungen, die ohne Erlaubnis in Deutschland tätig sind.

     

    Was Sie tun sollten, bevor Sie Ihr Geld in unkonventionelle Anlagen investieren:

     

    • Seien Sei misstrauisch bei Angeboten, die zu schön sind, um wahr zu sein
    • Erkundigen Sie sich bei der BaFin, ob der Anbieter über eine Zulassung verfügt. Das Gesetz verlangt, dass ein Unternehmen, das in Deutschland Finanzdienstleistungen anbietet, eine schriftliche Erlaubnis der BaFin benötigt. Wird der Anbieter in Deutschland ohne Erlaubnis tätig, macht er sich strafbar (§§ 32, 54 KWG). Aber Achtung: Die Erlaubnis der BaFin ist nicht notwendig, wenn das Unternehmen über eine Erlaubnis eines anderen EU-Staats verfügt. Erkundigen Sie sich bei der BaFin.
    • Beachten Sie, dass Produkte wie Finanzderivate, binäre Optionen, das Indizes Anleihen-Trading sowie Rolling Spot Forex auch wenn sie seriös gehandelt werden, immer hoch spekulativ, riskant und komplex sind. Die Produkte sind nicht standardisiert. Ihre Eigenschaften können sich daher von Anbieter zu Anbieter unterscheiden.

     

    Was Sie tun sollten, wenn Sie bereits Geld investiert haben und eine Beschwerde gegen den Anbieter haben:

     

     Fall 1: Der Anbieter verfügt über eine Zulassung:

    • Melden Sie Ihren Fall der BaFin. Die BaFin beaufsichtigt und überwacht Institute und Unternehmen im Finanzsektor und hat die Möglichkeit, Maßnahmen im Allgemeininteresse gegenüber Anbietern einzuleiten, deren Geschäftspraktiken gegen geltendes Recht verstoßen.
    • Zur Durchsetzung Ihrer individuellen Rechte können Sie sich an eine Schlichtungsstelle wenden: Wenn der Anbieter im EU-Ausland bzw. Norwegen oder Island seinen Sitz hat, können Sie sich an uns, das EVZ Deutschland, wenden.

    Fall 2: Der Anbieter verfügt über keine Zulassung:

    • Melden Sie den Fall der BaFin. Die BaFin beaufsichtigt und überwacht Institute und Unternehmen im Finanzsektor und hat die Möglichkeit, Maßnahmen im Allgemeininteresse gegenüber Anbietern einzuleiten, deren Geschäftspraktiken gegen geltendes Recht verstoßen.
    • Wenden Sie sich an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft, damit eine strafrechtliche Prüfung durchgeführt werden kann.

    Glossar

    Der Begriff stammt aus der Computerwelt: 0 oder 1. Verlust oder Gewinn. Anleger spekulieren darauf, ob z. B. der Preis von Aktien, Währungen oder Rohstoffen in einem bestimmten Zeitraum steigt oder fällt. Liegt der Anleger mit seiner Spekulation richtig, macht er einen Gewinn. Liegt er falsch, kann das eingesetzte Geld komplett verloren gehen.

    Ist die Abkürzung für Foreign Exchange Market, auf Deutsch: Devisenmarkt. Auf dem Devisenmarkt werden ausländische Währungen an- und verkauft.

    Derivare ist lateinisch und bedeutet ableiten oder abhängen. Preis und Wertentwicklung eines Derivats hängen von der Entwicklung eines anderen Finanzproduktes, dem sogenannten Basiswert ab. Basiswerte können z. B. Aktien, Rohstoffe oder Wertpapiere sein. Die Anleger spekulieren darauf, ob der Preis des Basiswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums steigt oder fällt.