Nachhaltiger Einkauf: Umweltlabels und Biosiegel erklärt

  Aktualisiert am  12 August 2026

Wie erkenne ich umweltfreundliche Produkte? Welche Umweltsiegel sind dabei vertrauenswürdig? Wir geben einen Überblick über bekannte Nachhaltigkeits-Labels wie den Blauen Engel, den Grünen Knopf, das EU-Ecolabel und mehr. Dabei listen wir nicht nur gängige Siegel in Deutschland auf, sondern auch länderspezifische Labels aus Europa, die Ihnen beim Einkauf im Ausland Orientierung bieten.

Ein Etikett mit der Beschriftung
Wer nachhaltig einkaufen möchte, kann sich an anerkannten Umweltsiegeln orientieren. Sie geben Hinweise auf bestimmte Umwelt- oder Sozialstandards, Herstellungsprozesse und Inhaltsstoffe. (Bild: shutterstock.com/marekuliasz

Welche Versprechen machen Umweltsiegel?

Die Labels sollen komplexe Produkteigenschaften schnell und einfach sichtbar machen. Kundinnen und Kunden erhalten über die Umweltsiegel Informationen über bestimmte Fragen zu Inhaltsstoffen, zum Herstellungsprozess oder zur Lieferkette.

Labels versprechen zum Beispiel:

  • Umweltfreundlichkeit: Das Produkt wurde aus recycelten Materialen hergestellt oder es hat einen geringeren CO2-Abdruck als vergleichbare Artikel.
  • Öko- / Bioprodukt: Bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen wurden umweltschonende Produktionsstandards eingehalten. Das Produkt kam nicht mit chemischen Düngemitteln oder Pestiziden in Kontakt.
  • Fairness: Der Hersteller achtet auf eine angemessene Bezahlung der Arbeiterinnen und Anbieter in der Produktion.
  • Unbedenklichkeit: Das Produkt ist schadstofffrei und somit unbedenklich für die Gesundheit.
  • Engagement für Mensch und Tier: Es gelten vergleichsweise gute Arbeitsbedingungen bei der Herstellung und Tiere werden artgerecht gehalten.

Ein Umweltlabel sagt jedoch nicht automatisch aus, dass ein Produkt insgesamt umweltfreundlich ist. Häufig werden nur bestimmte Eigenschaften oder Aspekte bewertet.

Wie erkenne ich ein vertrauenswürdiges Umweltsiegel?

Ab dem 27. September 2026 gelten strengere Regeln für Nachhaltigkeits- und Umweltsiegel. Unternehmen dürfen dann nur noch mit Siegeln werben, die auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen oder von einer öffentlichen Stelle eingeführt wurden. Reine Eigenlabels oder Selbstverpflichtungen ohne unabhängige Kontrolle und nachvollziehbare Vergabekriterien reichen künftig nicht mehr aus. Das soll Verbraucherinnen und Verbrauchern die Orientierung erleichtern und irreführende Eigenlabels verhindern.

Was können Verbraucher an einem vertrauenswürdigen Umweltsiegel erkennen:

  • Die Aussage über die zertifizierte Produkteigenschaft (z. B. zu 100% aus Recyclingmaterial) wird klar benannt.
  • Die Vergabekriterien lassen sich einfach und schnell prüfen, weil sie zum Beispiel frei zugänglich im Internet nachzulesen sind.
  • Es ist erkennbar, wer das Gütesiegel vergibt.
  • Das Umweltzeichen beruht auf einem anerkannten Zertifizierungssystem oder wurde von einer öffentlichen Stelle eingeführt.
  • Die Gültigkeitsdauer des Siegels oder das Vergabejahr des Labels sind ersichtlich.
  • Ausgezeichnete Produkte werden regelmäßig überprüft.

Welche Umweltsiegel gibt es?

Verbraucherinnen und Verbraucher, die gerne nachhaltige Produkte wählen möchten, können sich an diesen weit verbreiteten Umweltsiegeln orientieren. Sie werden für eine breite Produktpalette vergeben und ihre Kriterien sind einfach und frei zugänglich.

Damit Sie auch beim Einkauf im Ausland den Überblick behalten, haben wir nicht nur deutsche und europaweite Labels in unserer Übersicht, sondern auch einige, die spezifisch für bestimmte europäische Länder gelten.

Label-Suche

Was sich hinter den verschiedenen Labels verbirgt oder welche Gütesiegel es für eine Produktkategorie gibt, erfahren Sie auf diesen Webseiten:

Siegelklarheit ist eine Initiative der Bundesregierung. Die Website bietet eine Siegelsuche mit Bewertungen und Erklärungen der einzelnen Umweltsiegel.

Die Web-App Siegelcheck vom NABU gibt ebenfalls kurze Infos und Bewertungen zu Umweltsiegeln. Gibt es auch als kostenlose Smartphone-App mit Fotoerkennung.

Ist ein Label besser als kein Label?

Es ist nicht einfach, sich inmitten der Vielzahl von Gütesiegeln und Labels zurechtzufinden. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher gehen davon aus, dass Produkte mit einem Siegel besser sind als andere. Ein anerkanntes, unabhängiges Umweltzeichen kann ein guter Anhaltspunkt sein. Es bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Produkt insgesamt umweltfreundlicher ist als vergleichbare Produkte ohne Label. Wichtig ist, welche Kriterien dem jeweiligen Label zugrunde liegen. Einige Labels und Gütesiegel halten nicht, was sie versprechen. Bei diesem sogenannten “Greenwashing” werden Kundinnen und Kunden getäuscht.

Es ist leider selten auf den ersten Blick erkennbar, welche ökologischen und sozialen Aspekte ein Label abdeckt und welche nicht. Einige Labels werden nach Kriterien vergeben, die für Kundinnen und Kunden schwer erkennbar sind, oder es fehlt an Transparenz. Die Vergabekriterien müssen oft im Internet nachgelesen werden.

Gerade deshalb hat die Europäische Union die Vorschriften für Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegel verschärft. Mit der EmpCo-Richtlinie, die ab dem 27. September 2026 EU-weit Anwendung findet, sind Umweltsiegel, die weder auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen noch von staatlichen Stellen festgesetzt wurden, unzulässig.

Normen für Umweltsiegel

Die Normenreihe ISO 14000 der Internationalen Organisation für Normung teilt Umweltlabels in verschiedene Typen ein:

Typ 1 Umweltlabels sind freiwillig und werden von unabhängigen Dritten vergeben. Informationen über die Vergabekriterien und ihre Entwicklung sind frei zugänglich. Die Vergabekriterien sind messbar und orientieren sich am gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Ausgezeichnete Produkte oder Dienstleistungen sind innerhalb ihrer Produktgruppe vergleichsweise umweltfreundlich. Diese Labels entsprechen der ISO Norm 14024. Der Blaue Engel oder das EU-Ecolabel sind Beispiele für Typ 1 Umweltzeichen.

Typ 2 Umweltzeichen geben eine Aussage des Herstellers wieder. Dieser verspricht, bestimmte Regeln eingehalten zu haben. Die Zeichen beziehen sich oft nur auf einen oder wenige Gesichtspunkte. Die Rahmenbedingungen für solche Herstellerversprechen beschreibt die ISO 14021.

Solche Herstelleraussagen unterliegen ab dem 27. September 2026 strengeren Vorgaben. Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“ müssen konkret und nachvollziehbar belegt werden.

Beispiel: Einfach nur mit „umweltfreundlich“ zu werben, ist nicht mehr möglich. Es sei denn, die Aussage wird durch konkrete und belastbare Aussagen belegt, etwa: „Wir decken 50 % unseres Energiebedarfs über die hauseigene Solaranlage.“

Typ 3 „Umweltlabels“ nach ISO 14025 geben Umweltinformationen an, sogenannte Umweltprodukterklärungen. Das Zeichen macht jedoch keine bewertende Aussage darüber, ob das Produkt im Vergleich mehr oder weniger umweltfreundlich ist.

Wie gelingt nachhaltiger Konsum?

Ein vertrauenswürdiges Label kann umweltbewussten Menschen den Weg weisen.

Es kann sinnvoll sein, sich vor dem Kauf eines Produkts folgende Fragen zu stellen:

  • Benötige ich das Produkt wirklich? Vielleicht haben Sie schon etwas Ähnliches zu Hause, das den gleichen Zweck erfüllt. Ein defektes Gerät lässt sich vielleicht auch reparieren. Oder aber man kann ein gebrauchtes Gerät kaufen, z. B. ein refurbished-Smartphone.
  • Kann der Kauf warten? Mit der Zeit stellt sich möglicherweise heraus, dass das Produkt doch nicht notwendig ist.
  • Wie intensiv wird der Artikel genutzt werden? Könnten Sie das Produkt zeitweise leihen, von Freunden, Nachbarn, in einem Geschäft oder über das Internet?
  • Entspricht das Produkt meinem Bedarf? Bei einem Laptop wirken sich zum Beispiel die Bildschirmgröße und die Arbeitsleistung auf den Stromverbrauch aus.

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