Pflege im Ausland: Chancen, Rechte und Risiken
Die Pflege im Ausland kann für manche deutschen Senioren und Seniorinnen aus unterschiedlichen Gründen eine passende Alternative zu einem Pflegeplatz in Deutschland darstellen. Worauf Sie bei der Suche achten sollten und welche Fallstricke es gibt.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Gründe für die Pflege im Ausland können vielfältig sein: Beispielsweise günstigere Kosten einer Pflegeeinrichtung, klimatische Bedingungen eines Landes oder Angehörige, die noch im Heimatland leben.
- Innerhalb der EU haben Sie auch einen Anspruch auf Pflegegeld, wenn Sie im Ausland leben. Pflegesachleistungen nach dem ausländischen Standard, wie stationäre Pflege im Ausland können vom ausländischen Versicherungsträger übernommen und mit der deutschen Pflegekasse abgerechnet werden.
- Bei der Suche nach geeigneten Einrichtungen bieten auch immer wieder Vermittler ihre Dienste an. Gerade bei der Online-Suche sind das häufig die ersten Treffer. Oftmals schalten die Anbieter entsprechende Werbung. Hier sollten Sie beachten, dass unter Umständen Vermittlungsgebühren anfallen können.
- Prüfen Sie vor der Entscheidung die Vertragsbedingungen genau! Vor allem: Wer ist Vertragspartner? Welche Leistungen sind im Vertrag enthalten? Welche Kosten werden in Rechnung gestellt? Kann das Pflegeheim den Vertrag kündigen, wenn sich die Gesundheit verschlechtert? Welche Regelungen gelten im Todesfall?
Gründe für die Pflege im Ausland
Für die Pflege sind neben den beliebten Urlaubsländern wie Spanien, Portugal oder Griechenland, vor allem (süd-)osteuropäische Länder wie Polen, Bulgarien, Ungarn, Tschechien, die Slowakei oder Kroatien gefragt. In diesen Ländern gibt es mittlerweile Pflegeheime, die speziell auf deutschsprachige Pflegebedürftige ausgelegt sind. Auch Länder außerhalb Europas, wie zum Beispiel Thailand, bieten Pflegeplätze speziell für Interessierte aus dem Ausland an.
Mögliche Gründe, warum die Pflege im Ausland attraktiv sein kann:
- Kosten: Pflegeeinrichtungen im Ausland sind oft günstiger als in Deutschland.
- Pflegequalität und besondere Leistungen: Viele Einrichtungen bieten eine hochwertigere, individuellere Pflege, oft mit besonderen Zusatzleistungen und Therapien, zu günstigen Preisen.
- Wartezeiten in Deutschland: Lange Wartezeiten auf Pflegeplätze in Deutschland können ein Umzugsmotiv sein.
- Verfügbares Fachpersonal: In einigen Ländern kommt auf eine bestimmte Anzahl von Bewohnern in Pflegeeinrichtungen mehr Pflegepersonal.
- Familie im Ausland: Wer pflegebedürftig wird, ist oft auf die Unterstützung von Angehörigen angewiesen. Wenn diese im Ausland leben, kann ein Umzug sinnvoll sein.
- Klimatische Bedingungen: Viele Senioren möchten ihren Lebensabend in einem wärmeren Klima verbringen.
Diese Rechte haben Pflegebedürftige und ihre Familien bei Pflegeleistungen im EU-Ausland
- Beratung durch die Krankenkassen und Pflegekasse: Welche Leistungen werden übernommen, welche nicht? Klären Sie, ob die deutsche Krankenversicherung greift oder eine Zusatzversicherung nötig ist.
- Der Pflegegrad sollte in Deutschland beantragt werden, idealerweise, bevor man ins Ausland geht.
Herausforderungen bei der Pflege im Ausland
Die Anpassung an eine neue Kultur kann für deutsche Seniorinnen und Senioren schwierig sein. Viele müssen sich nicht nur an eine neue Sprache gewöhnen, sondern auch an unterschiedliche Gepflogenheiten und Bräuche. Folgende Herausforderungen können bei der Pflege im Ausland auf Sie zukommen:
- Sprachbarrieren können zu Kommunikationsproblemen und Missverständnissen bei der medizinischen Versorgung führen.
- Begrenzter Anspruch auf Leistungen: Nicht alle Pflegeleistungen, die in Deutschland übernommen werden, sind auch im Ausland erstattungsfähig.
- Rechtliche und organisatorische Hürden: Unterschiedliche gesetzliche Regelungen und Verwaltungsprozesse können zu Problemen führen. Insbesondere in Bezug auf die Finanzierung und die Anerkennung von Pflegeleistungen kann es rechtliche und bürokratische Hürden geben. Siehe unten.
- Suche nach einer geeigneten Pflegeeinrichtung: Hier ist eine sorgfältige Vorbereitung wichtig, etwa durch Beratung und Erfahrungsberichte.
- Entfernung: Die Anreise zu den Pflegeheimen kann für Angehörige zeitaufwendig sein, insbesondere wenn sie in Deutschland wohnen.
- Emotionale Distanz: Für manche Senioren kann es emotional belastend sein, in einem anderen Land und in einer fremden Umgebung zu leben, fernab von Familie und Freunden.
- Unterschiedliche Standards: Nicht alle Einrichtungen haben den gleichen Qualitätsstandard, daher ist eine sorgfältige Auswahl wichtig.
- Unterschiede im Pflegeansatz: Die Pflegekultur kann sich von der in Deutschland unterscheiden. Das kann für einige Pflegebetroffene und Angehörige gewöhnungsbedürftig sein.
Die Suche nach einer geeigneten Pflegeeinrichtung
Es gibt Unternehmen, die sich auf die Vermittlung von Plätzen in ausländischen Pflegeheimen spezialisiert haben. Achtung, hier fallen in der Regel Vermittlungsgebühren an!
Davon zu unterscheiden sind Vermittlerplattformen, die die Möglichkeit anbieten, mehrere Pflegeheime zu vergleichen und mit diesen Kontakt aufzunehmen.
Viele Seniorenheime im Ausland bieten auf ihren Internetseiten Infos in deutscher Sprache an. Das Leistungsangebot ist sehr unterschiedlich – neben dem klassischen Seniorenheim und betreutem Wohnen sind oft auch Kurzzeitaufenthalte wie Gesundheits- und Kuraufenthalte oder Probewohnen möglich. Solche Kurzaufenthalte können auch dazu dienen, das Angebot der einzelnen Einrichtungen kennenzulernen. Ergänzende Informationen über bestimmte Einrichtungen können auch Bewertungen im Internet ergeben.
Diese Fragen sollten Sie vorher klären
Welche Art von Pflege wird bereitgestellt? (zum Beispiel vollstationär oder betreutes Wohnen)
- Wie und in welchen Intervallen wird gezahlt?
- Welche Gebühren fallen an, und sind zusätzliche Kosten für spezielle Leistungen zu erwarten?
Wie viele Pflegekräfte sind für die Anzahl der Bewohner zuständig? Gibt es Fachkräfte für spezielle Bedürfnisse?
Dazu gehören die Ausbildung, mögliche Zusatzausbildungen sowie Fortbildungen.
Gibt es regelmäßige Arztbesuche? Wie wird die Medikamentenversorgung sichergestellt?
Werden Mahlzeiten individuell angepasst? Gibt es spezielle Diäten für bestimmte Gesundheitszustände (zum Beispiel für Diabetiker)?
- Wie sieht ein typischer Tag oder Woche aus? Gibt es eine gemeinsame Freizeitgestaltung?
- Welche sozialen Aktivitäten und Programme werden angeboten, um die Bewohner zu beschäftigen? Fallen hierfür zusätzliche Kosten an?
- Sind die Zimmer und Gemeinschaftsbereiche modern und komfortabel? Gibt es Einzel- oder Mehrbettzimmer? Können Partnerinnen und Partner gemeinsam wohnen?
- Dürfen eigene Möbel oder persönliche Gegenstände mitgebracht werden?
Gibt es regelmäßige Berichte über den Gesundheitszustand der Bewohnerinnen und Bewohner? Wie können Angehörige den Kontakt halten?
Welche Besuchszeiten gelten, und wie wird der Besuch von Angehörigen geregelt?
Gibt es ein Notrufsystem und wie schnell kann im Falle eines medizinischen Notfalls reagiert werden?
Gibt es Erfahrungsberichte oder Empfehlungen von anderen Angehörigen?
Möglicherweise bietet die Einrichtung einen Kurzzeit-Aufenthalt an, damit Seniorinnen und Senioren sich mit dem Angebot vor Ort vertraut machen können.
- Wie sind die ordentlichen Kündigungsfristen?
- Kann eine Einrichtung den Vertrag kündigen, wenn sich der Zustand des Patienten verschlechtet oder aus einem anderen Grund?
- Enden der Vertrag und die Zahlungsverpflichtung mit dem Tod des Pflegebedürftigen?

Vertragliche Aspekte der Pflegeeinrichtungen
Haben Sie eine oder mehrere geeignete Einrichtungen ins Auge gefasst, sollten Sie die vertraglichen Bedingungen genau unter die Lupe nehmen. Fordern Sie daher nach Möglichkeit bereits vor weiteren Gesprächen, Besuchen oder einem Probewohnen einen Mustervertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) in deutscher Sprache an.
In der Praxis zeigt sich jedoch: Auf den Webseiten finden sich oft keine AGB. Und Vertragsdokumente werden erst nach persönlichen Gesprächen oder Aufenthalten – kurz vor der Unterschrift – übergeben.
Das ist nicht ganz ohne Risiko: Wer bereits viel Zeit, Mühe und Emotionen in den Entscheidungsprozess investiert hat, ist unter Umständen weniger kritisch bei der finalen Entscheidung. Umso wichtiger ist es, auf Transparenz zu bestehen und Verträge möglichst frühzeitig einzusehen. Dies ist ein wesentliches Kriterium, um die Seriosität eines Anbieters einschätzen zu können.
Grundsätzlich sollte man nur unterschreiben, wenn man die Vertragsinhalte versteht und damit einverstanden ist. Wenn man sich vor Ort gedrängt fühlt sollten immer alle Alarmglocken läuten.
Achten Sie im Vertrag insbesondere auf folgende Punkte:
Achten Sie darauf, wer der tatsächliche Vertragspartner ist. In der Regel ist das das Pflegeheim selbst. Unter Umständen haben Sie zwei Verträge: einen mit dem Pflegeheim und einen Vermittlungsvertrag. Auch die Frage, welches Recht auf den Vertrag anwendbar ist (zum Beispiel das Recht des Aufenthaltslandes oder deutsches Recht), sollte beachtet werden. Soweit nicht anders vereinbart, gilt das Recht des Staates, in dem die Dienstleistung erbracht wird. Also bei einem Pflegeheim in Polen, gilt polnisches Recht.
Im Vertrag sollten die vereinbarten Leistungen und deren Kosten klar und transparent aufgeführt sein. Prüfen Sie insbesondere:
- Welche Leistungen sind im Basispreis enthalten?
- Gibt es mögliche Zusatzleistungen, die gesondert berechnet werden?
- Unter welchen Bedingungen dürfen Preise erhöht werden? Es wird immer wieder berichtet, dass Pflegeeinrichtungen zusätzliche Kosten erheben, die im Vorfeld nicht klar kommuniziert wurden.
Erkundigen Sie sich, welche medizinische Versorgung vor Ort angeboten wird. Wie wird in Notfällen reagiert? Kann eine palliativmedizinische Versorgung sichergestellt werden? Und wie verändern sich in solchen Fällen die Kosten?
Der Vertrag sollte klare Regelungen enthalten, unter welchen Bedingungen eine Kündigung möglich ist – sowohl durch Sie als auch durch das Pflegeheim. Laut Erfahrungsberichten kommt es manchmal dazu, dass Verträge vom Pflegeheim kurzfristig gekündigt wurden, weil sich der gesundheitliche Zustand verschlechtert hatte. Das kann zu erheblichen Problemen führen, wenn auf die Schnelle eine neue Versorgung organisiert werden muss. Klären Sie also:
- In welchen Situationen kann das Pflegeheim den Vertrag kündigen?
- Welche Unterstützung bietet das Heim im Fall einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes an?
- GIbt es eine Übergangsregelung oder einen Kooperationspartner für weiterführende Pflege, wenn sich der Zustand verschlechtert?
Gerade bei Pflege im Ausland ist der Kontakt zur Familie besonders wichtig. Der Vertrag sollte daher auch regeln, in welchem Umfang Besuche möglich sind. Es gibt Berichte, dass Besuche nur mit mehrtägiger Voranmeldung gestattet wurden.
Gibt es Regelungen für den Fall, wenn der Bewohner oder die Bewohnerin später nicht mehr geschäfts- oder einwilligungsfähig ist? Wie können dann wichtige Entscheidungen, etwa zur medizinischen Versorgung, ohne Verzögerung getroffen werden? Wird beispielsweise die noch in Deutschland erstellte Vorsorgevollmacht akzeptiert?
Wird im Vertrag eine Möglichkeit einer Beschwerde vorgesehen, wenn die Leistungen nicht wie vereinbart erbracht werden?
Der Vertrag sollte eine klare Regelung enthalten, was im Todesfall passiert:
- Wer wird informiert?
- Was geschieht mit den persönlichen Besitztümern?
- Welche Fristen gelten für die Räumung des Zimmers?
- Gibt es eine Zusammenarbeit mit Bestattungsunternehmen, die auf Rückführung des Verstorbenen spezialisiert sind?
Folgende Punkte sollten Sie vor dem Umzug ins Ausland regeln:
- Melden Sie sich bei der zuständigen Meldebehörde (Einwohnermeldeamt) ab. Die Abmeldebescheinigung brauchen Sie gegebenenfalls zum Erledigen wichtiger Formalitäten, wie Beantragung von Versicherungsleistungen im Ausland oder neuen Ausweisdokumenten.
- Braucht es einen Handyvertrag für das Pflege-Land?
- Prüfen Sie Versicherungen auf Auslandsschutz oder kündigen Sie diese, wenn Sie diese nicht mehr benötigen.
- Bankkonten pürfen und gegebenenfalls ein Konto im Zielland eröffnen.
- Erteilen Sie der Post einen Nachsendeauftrag.
- Abmeldung von Energieversorgern und Abos, sowie Kündigung von Mitgliedschaften in Vereinen im Heimatland.
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