Geplante Zahnbehandlung im EU-Ausland - worauf es ankommt

Zahnbehandlungen gehören zu den Behandlungen, die gerne im Ausland durchgeführt werden, insbesondere Eingriffe wie Zahnaufhellung oder Implantate.

Länder wie Ungarn, Polen und Tschechien, in denen Mieten, die Materialkosten und die Löhne niedriger sind, gehören zu den beliebtesten Zielen des Zahntourismus.

Ärzte und Kliniken locken zudem mit Schnupperpaketen und All-Inclusive-Angeboten.

Doch worauf sollte man bei der Auswahl achten, wann ist eine Genehmigung der Krankenkasse notwendig und welche Kosten werden übernommen? 

Das Wichtigste

  • Klären Sie zunächst mit Ihrer Krankenkasse, ob die Kosten für die geplante Zahnbehandlung übernommen werden. Fragen Sie auch, ob Ihre Kasse Kooperationen mit Ärzten/ Kliniken im Ausland unterhält. 
  • Achten Sie bei der eigenständigen Recherche auf die Qualifikation und Erfahrung des Zahnarztes im Ausland.
  • Wählen Sie Zahnärzte, die eine Sprache sprechen, mit der Sie sich gut verständigen können.
  • Lassen Sie sich in einem persönlichen Gespräch über die Behandlung, die angewandten Methoden und mögliche Nebenwirkungen aufklären.
  • Lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag machen und erkundigen Sie sich, welche Leistungen (z. B.  Knochenaufbau) und Kosten noch hinzukommen können.
  • Erkundigen Sie sich, wie eine eventuelle Nachbehandlung abläuft. Ist eine erneute Reise ins Ausland notwendig oder kann diese bei Ihrem Zahnarzt in Deutschland durchgeführt werden?

Unterscheidung zwischen medizinischer und kosmetischer Zahnbehandlung

Zunächst ist zwischen medizinisch notwendigen und rein kosmetischen Behandlungen zu unterscheiden.

Medizinisch notwendig sind Zahnbehandlungen, wenn sie der Verhütung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten dienen. Dazu gehören zum Beispiel die Entfernung harter Zahnbeläge, Füllungen oder Zahnersatz.

Kosmetische Behandlungen sind z. B. Zahnaufhellung (Bleaching), Zahnverklebungen (Veneers), eine Aligner-Therapie (transparente Zahnschienen) oder Zahnschmuck.

Wann werden Zahnbehandlungen im Ausland von der Krankenkasse bezahlt?

Nur medizinisch notwendige Behandlungen, die im Rahmen der Regelversorgung anerkannt sind, werden von der Krankenkasse übernommen. Kosmetische Zahnbehandlungen werden nicht bezahlt.

Die Regelversorgung beim Zahnersatz bezieht sich auf medizinisch notwendigen Zahnersatz, der vom Gesetzgeber als ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Therapie anerkannt ist.

Fehlt ein Zahn, kann die Lücke mit verschiedenen Methoden versorgt werden. Als Regelversorgung ist eine Brücke aus Nichtedelmetall vorgesehen. Die Krankenkasse beteiligt sich dann mit einem Festzuschuss, in der Regel von 60 Prozent der Kosten.

Wünscht ein Patient eine Leistung, die über die Regelversorgung hinausgeht, muss er die Mehrkosten selbst tragen. Entscheidet er sich zum Beispiel für eine Keramikkrone oder ein Zahnimplantat, erhält er genau den Zuschuss, den er für die Regelversorgung bekommen hätte.

Für die Kostenerstattung gelten die gleichen Regeln wie bei einer Behandlung im Inland. Grundsätzlich werden die Kosten bis zu der Höhe übernommen, die bei einer entsprechenden Behandlung bei einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt in Deutschland entstanden wären.

Freie Zahnarztwahl in Europa

Für gesetzlich Versicherte gilt das Prinzip der freien Arztwahl: Sie können sich sowohl in Deutschland als auch in einem anderen EU-Mitgliedstaat, der Schweiz und den EWR-Staaten (Island, Liechtenstein und Norwegen) behandeln lassen.

Ambulante Zahnbehandlungen sind genehmigungsfrei

Für ambulante medizinische Behandlungen im Ausland benötigen Sie keine Genehmigung Ihrer Krankenkasse (Hintergrund: Patientenmobilitätsrichtlinie), es sei denn, in Ihrem Heimatland wäre eine Genehmigung erforderlich.  In Deutschland ist dies bei der Versorgung mit Zahnersatz der Fall. 

Nicht genehmigungspflichtig sind regelmäßige zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen, Füllungen, Wurzelbehandlungen oder Erkrankungen der Mundschleimhaut.

Der gesetzlich versicherte Patient zahlt seine Rechnung direkt an den ausländischen Zahnarzt und bekommt den erstattungsfähigen Anteil von seiner Krankenkasse erstattet. Um Überraschungen zu vermeiden, ist es in diesen Fällen ratsam, sich vor der Behandlung zu erkundigen, ob und in welcher Höhe die Krankenkasse die Kosten erstattet.

Auch für eine Notfallbehandlung brauchen Sie keine Genehmigung. In diesem Fall sollten Sie aber vor der Behandlung Ihre Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) vorlegen. Diese befindet sich auf der Rückseite Ihrer deutschen Krankenversichertenkarte. Die Behandlung sollte dann über eine aushelfende Krankenversicherung im Behandlungsland abgerechnet werden. Damit soll vermieden werden, dass Sie die Behandlungskosten vorstrecken müssen. Es gelten die Zuzahlungsregelungen des Behandlungslandes.

Stationäre Zahnbehandlung und Zahnersatz sind genehmigungspflichtig

Stationäre Zahnbehandlungen, d.h. Behandlungen in einem Krankenhaus im Ausland, sind genehmigungspflichtig (eine Ausnahme gilt nur bei Notfallbehandlungen).

Eine Genehmigung benötigten Sie auch beim Zahnersatz. Das heißt, wenn Sie eine Behandlung mit Zahnersatz planen, benötigen Sie vorher eine Genehmigung Ihrer Krankenkasse.

Dazu müssen Sie sich von dem Zahnarzt, der die Behandlung durchführt, einen Heil- und Kostenplan in deutscher Sprache ausstellen lassen. Das entsprechende Formular erhalten Sie bei Ihrem Zahnarzt in Deutschland oder bei Ihrer Krankenkasse. Schicken Sie es nach Erhalt an die Zahnärzte im Ausland, die für die Behandlung in Frage kommen. Sie erhalten dann detaillierte Kostenvoranschläge und Angaben zur voraussichtlichen Behandlungsdauer.

Wenn Sie sich für einen Zahnarzt entschieden haben, müssen Sie den Heil- und Kostenplan bei Ihrer deutschen gesetzlichen Krankenkasse einreichen. Dort wird Ihnen mitgeteilt, welche Leistungen übernommen werden.

Tipp:  Wenn Sie den Heil- und Kostenplan erhalten haben, holen Sie eine ärztliche Zweitmeinung ein. Darauf haben Sie Anspruch, wenn Sie gesetzlich versichert sind. Nähere Informationen finden Sie bei der kassenärztlichen Vereinigung.

Probleme bei Zahnbehandlungen im Ausland und wie man sich schützen kann

Patienten haben dem Europäischen Verbraucherzentrum bereits über verschiedene Probleme im Zusammenhang mit Zahnbehandlungen im Ausland berichtet: Kronen passten nicht, Implantate wurden falsch eingesetzt.

Bevor Sie sich für eine Zahnbehandlung im Ausland entscheiden, sollten Sie insbesondere folgende Punkte beachten.
 

  • Unterschiedliche Standards und Gefahr unnötiger Eingriffe

Die Qualität der zahnmedizinischen Versorgung kann je nach Land, Klinik und Erfahrung des Zahnarztes variieren. Niedrigere Standards können zu einer schlechteren Behandlung führen.

Die Standards können sich aber auch einfach von denen in Deutschland unterscheiden. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Zahnärzte mit völlig anderen Systemen arbeiten. Möchte man zum Beispiel später in Deutschland ein Implantat nachschrauben lassen, kann sich herausstellen, dass der Zahnarzt vor Ort nicht über das richtige Werkzeug verfügt.

Auch ist eine bestimmte Behandlung nicht unbedingt die gleiche wie in Deutschland. So kann es zum Beispiel sein, dass statt Veneers Kronen auf die Zähne gesetzt werden. Dies hat zur Folge, dass statt einer unkomplizierten zahnschonenden Behandlung ein umfangreicher Eingriff durchgeführt wird.

Weitere Probleme könnten sich ergeben, wenn der Zahnarzt im Ausland „sicherheitshalber“ - um spätere Nachsorgebehandlungen zu vermeiden - Eingriffe vornimmt, die gar nicht notwendig wären. Dazu gehört beispielsweise die Entfernung von Nervengewebe aus dem Zahn bei Veneers. Ein anderes Beispiel ist, wenn leicht erkrankte Zähne unnötigerweise mit Kronen statt mit Füllungen versorgt werden.

Diese unnötigen Eingriffe können nicht mehr rückgängig gemacht werden und die Patienten leiden ein Leben lang unter den Folgen. Deshalb sollte man sich bei allen Eingriffen, auch kosmetischen, vorher genau informieren, was und wie es gemacht wird. 

 

  • Sprachprobleme können zu Missverständnissen führen

Sprachbarrieren können die Kommunikation zwischen Patient und Zahnarzt erschweren. Dies kann zu Missverständnissen bezüglich der Behandlung oder der Krankengeschichte des Patienten führen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Patient an anderen Krankheiten leidet oder Medikamente einnimmt.

 

  • Nachsorge ist ungeklärt

Eine angemessene Nachsorge ist nach einer Zahnbehandlung entscheidend. Um spätere Komplikationen zu vermeiden, ist es in vielen Fällen wichtig, so schnell wie möglich einen Implantologen oder Zahnarzt aufzusuchen.

Im Vorfeld sollte geklärt werden, wo die Nachsorge stattfinden kann, beim Zahnarzt im Ausland oder in Deutschland.

 

  • Unvorhergesehene Kosten

Es können zusätzliche Kosten entstehen, die vorher nicht kalkuliert wurden, z. B. Reisekosten, Übernachtungskosten und eventuell notwendige zusätzliche Behandlungen, sei es vor der eigentlichen Behandlung, oder im Nachhinein, z. B. aufgrund von Komplikationen.

 

  • Komplikationen nach der Behandlung

Die Behandlung akuter Notfälle darf vom deutschen Arzt nicht verweigert werden.

Die Nachbesserung von im Ausland angefertigtem Zahnersatz oder von Behandlungsfehlern muss in der Regel durch den ausländischen Zahnarzt erfolgen, da dieser Ihr Vertragspartner ist. (mehr dazu in unseren FAQ).

Ein deutscher Zahnarzt kann die Nachbesserung ablehnen oder als Privatbehandlung durchführen.

Führt ein Zahnarzt in Deutschland die Nachbesserung ohne Zustimmung des Zahnarztes im Ausland durch, bleiben Sie in der Regel auf den Kosten der Nachbesserung sitzen.

 

  • Rechtsstreitigkeiten können sich über Jahre hinziehen

Kommt es zu Komplikationen, sind die rechtlichen und versicherungstechnischen Aspekte komplex, insbesondere bei Behandlungen im Ausland. Die Durchsetzung von Ansprüchen kann schwierig sein. Nicht zuletzt, weil Zuständigkeiten ungeklärt sind und sich Gerichtsverfahren über Jahre hinziehen können.

 

  • Skepsis gegenüber Bewertungen anderer Patienten

Obwohl es generell ratsam ist, sich mit anderen Patienten auszutauschen und nach Erfahrungsberichten zu suchen, ist hier Vorsicht geboten. Viele Foren werden als Werbeplattform für ausländische Kliniken genutzt. Oft liest man nur die Erfahrungen von "begeisterten Patienten“. Sachliche Berichte fehlen.

Weitere Ratschläge für die Vorbereitung einer kosmetischen Behandlung im Ausland finden Sie in unserer Checkliste.

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