Haartransplantation im Ausland – worauf ist zu achten?

Erblich bedingter Haarausfall betrifft laut Statistiken allein in Deutschland mehr als zehn Millionen Menschen und kann zu erheblichen psychischen Belastungen führen. Für viele ist daher eine Haartransplantation eine interessante Option.

Wer eine Behandlung im europäischen Ausland in Erwägung zieht, sollte diese sorgfältig planen und sich umfassend informieren. Wir helfen bei der Vorbereitung und klären über Fallstricke auf.

Die Behandlungen im EU-Ausland, insbesondere Polen und Ungarn, sowie Drittstaaten wie die Türkei sind in der Regel wesentlich günstiger als in Deutschland.

Wer unter Haarausfall mittleren Typs leidet, zahlte nach unseren Internetrecherchen für eine Haartransplantation in Deutschland um die 6800 €, in Polen ca. 5200 €, in Ungarn etwa 3400 € und in der Türkei nur 2400 €.

An Qualität und Erfahrung muss es dabei nicht mangeln. Befinden sich im Ausland doch einige Kliniken, die sich auf Haartransplantationen spezialisiert haben.

Vor allem Istanbul in der Türkei ist bekannt für seine große Anzahl an Haartransplantationskliniken mit modernster Technik. Und die hohe Konkurrenz sowie die niedrigen Löhne wirken sich preissenkend aus.

Anbieter aus dem Ausland werben auch mit all-inclusive-Paketen: Neben der Behandlung können diese die Anreise, Unterkunft und Betreuung beinhalten.

Die Haartransplantation im Ausland hat jedoch zwei Nachteile: Erstens ist es nicht einfach, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden.

Und zweitens: sollte eine Nachbehandlung nötig werden, ist oftmals eine erneute Anreise ins jeweilige Land notwendig.

Was spricht für und was gegen eine Haar-OP im Ausland?

ProContra

Günstigere Preise

Seriosität schwer überprüfbar

Experten auf ihrem Gebiet, mit Erfahrung

lange Anreise

All-inclusive-Pakete

persönliches Arztgespräch vor Ort meistens erst am Tag der Operation

Klinikaufenthalt kann mit Urlaub verbunden werden

Sprachprobleme können auftreten

 

Evtl. erneute Auslandsreise zur Nachbehandlung notwendig

Intransparente Webseiten erschweren die Wahl einer seriösen Haartransplantationsklinik

Über Suchmaschinen im Internet findet man zahlreiche Anbieter, die in deutscher Sprache für Haartransplantationen im Ausland werben. Darunter sind Kliniken, Vermittler und Klinikfinder.

Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland hat sich einige Internetseiten näher angesehen und stellte fest, dass oftmals nicht vollständig informiert wird.

Wer ist der Anbieter?

Auf den ersten Blick ist oft nicht klar, ob es sich um einen Vermittler oder eine Klinik handelt. Im Zweifelsfall findet man diese Information in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Internetseiten. Es wird dringend empfohlen, diese zu lesen.

Was sind die Risiken?

Fast alle Seiten informieren über die angewandten Techniken z. B. DHI, FUE, FUE-Saphir (mehr dazu weiter unten). Auch der Ablauf wird fast immer beschrieben.

Was oft fehlt, sind Informationen über mögliche Risiken der Operation.

Wie viel kostet eine Transplantation?

Auch feste Preise sucht man auf den Internetseiten meist vergeblich. Es werden nur ungefähre Angaben gemacht, „ab-Preise“, Preise pro Graft oder Paketpreise. Um einen Preis zu ermitteln, muss zunächst immer eine Haaranalyse durchgeführt werden.

Kann man der Klinik wirklich vertrauen?

Auf den Internetseiten sind auch Qualitätssiegel zu finden. Bei diesen handelt es sich jedoch in der Regel nicht um staatliche Zertifizierungen. Die Aussagekraft der Siegel bleibt fraglich und die Prüfkriterien unklar. Teilweise werden Qualitätssiegel auf Basis von Kundenbewertungen vergeben, was gefälschte Erfahrungsberichte ermöglicht.

Die Rolle der Vermittler für Haartransplantationen bleibt oft unklar

Vermittler, wie z. B. "Qunomedical", "Medical Fly" oder "Beauty Travels 24" führen mit Ihnen Erstgespräche durch, helfen Ihnen bei der Auswahl von Chirurgen und organisieren Ihren Aufenthalt in der ausländischen Klinik.

Welche Aufgaben die Vermittler genau übernehmen, erfährt man nicht immer aus den Erstinformationen auf den Websites, sondern oft erst in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Teilweise bleiben die Angaben aber unklar. So heißt es beispielswiese auf der Homepage eines Vermittlers:

Der Heilungsprozess der Haartransplantation wird von uns 1 Jahr lang ohne zusätzliche Kosten begleitet.

Was genau darunter zu verstehen ist, ob z. B. Nachbehandlungen oder Reisekosten übernommen werden, geht auch aus dem Kleingedruckten nicht hervor. 

Wichtig: Der eigentliche Behandlungsvertrag wird mit der Klinik vor Ort geschlossen.

Von Vermittlern abzugrenzen sind Internetseiten, die lediglich die Suche nach Kliniken ermöglichen, z. B. "Flymedi" oder "Top Hair Clinic".

Beratung als Alternative zum Internet

Vertrauen Sie nicht blind den Versprechungen und Kundenbewertungen auf den Internetseiten der Vermittler und Kliniken.

Um sicherzugehen, dass Sie eine seriöse Haartransplantationsklinik im Ausland finden, sollten Sie auch das Gespräch mit Ihrem Hausarzt und einem Dermatologen suchen.

Auch das Europäische Verbraucherzentrum kann Sie bei grenzüberschreitenden Fragen beraten. 

Da die Haartransplantation keine Kassenleistung ist, helfen die Krankenkassen in der Regel nicht weiter.

Nützliche Tipps zur Vorbereitung einer Schönheitsoperation im Ausland finden Sie in unserer Checkliste.

Wenn etwas schief geht. Was ist mit Schadensersatz?

Inwieweit bei einer misslungenen Haar-OP Schadensersatzansprüche bestehen, hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. dem Inhalt des Vertrages, dem anwendbaren Recht, der Nachweisbarkeit eines Behandlungsfehlers etc.

Wichtig: Schadensersatzansprüche können in der Regel nur gerichtlich durchgesetzt werden.

Mehr zum Thema Schadensersatz bei Schönheitsoperationen. 

Fazit: Haar-OP im Ausland

Haartransplantationen sind im Ausland oft günstiger als in Deutschland, aber es gibt auch Unwägbarkeiten. Vor der Entscheidung für eine Haartransplantation im EU-Ausland ist daher eine gründliche Recherche erforderlich.

Verbraucher sollten sicherstellen, dass sie eine Klinik mit erfahrenen Ärzten wählen. Prüfen Sie, welche Behandlung Sie laut Vertrag erwarten können.

Halten Sie bei Unklarheiten Rücksprache mit dem Vermittler oder der Klinik. Klären Sie auch, ob der angegebene Preis der Endpreis ist.

Erkundigen Sie sich nach den Risiken der Operation. Denken Sie daran, dass Sie für Nachbehandlungen voraussichtlich zurück zur Klinik ins Ausland reisen müssen.

Wenn Sie den Inhalt des Vertrages nicht verstehen, sei es, weil er in einer Fremdsprache abgefasst oder unklar formuliert ist, ist es ratsam, vom Abschluss des Vertrags Abstand zu nehmen.

Welche Methoden der Haartransplantation gibt es?

Unter Haartransplantation versteht man die Verpflanzung von Eigenhaar. Dazu werden zunächst testosteronresistente Haarwurzeln benötigt. Diese befinden sich in den Spenderbereichen der Kopfhaut, meist am Hinterkopf. Die Haarwurzeln (Follikel) werden entnommen und an den kahlen Stellen wieder eingepflanzt.

Dazu gibt es verschiedene Verfahren. Die wichtigsten sind


FUE-Technik (Follicular Unit Extraction)

Aus der Kopfhaut werden kleine Hautstücke (sogenannte follikuläre Einheiten, die drei bis vier Follikel enthalten) entnommen und zunächst in einer Lösung aufbewahrt, um sie mit Nährstoffen zu versorgen. Bei der anschließenden Behandlung werden mit Stahlklingen Mikroeinschnitte im Empfängerbereich vorgenommen. Dadurch werden Mikrokanäle eröffnet. In diese werden die entnommenen Follikel eingesetzt.


FUE-Saphir-Technik

Diese Technik funktioniert ähnlich wie die FUE-Technik. Anstelle von Stahlklingen werden Saphirklingen für die Mikroschnitte im Empfängerbereich verwendet. Die Saphirklingen sind dünner und schärfer. Dadurch soll die Kopfhaut weniger verletzt werden.


FUT-Technik (Follicular Unit Transplantation)

Bei dieser Methode wird ein längerer Kopfhautstreifen entnommen, aus dem im Labor die zu transplantierenden Haare einzeln entnommen und implantiert werden.


DHI-Technik 

Bei dieser Technik werden die Follikel bei der Entnahme in die Spitzen von so genannten Implementernadeln oder Choi-Nadeln eingebracht und sofort in die kahlen Stellen eingepflanzt. Im Gegensatz zu anderen Behandlungen werden sie nicht außerhalb des Körpers mit Nährstoffen versorgt.

Die DHI-Technik wird heute häufig für die Haartransplantation von Augenbrauen oder Barthaaren eingesetzt.

 

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