Checkliste für Schönheitsoperationen im Ausland

Wer eine kosmetische Behandlung plant, zum Beispiel Zahnersatz, eine Haartransplantation, eine Nasenkorrektur oder eine Fettabsaugung, stößt bei seiner Recherche sicher auch auf Angebote im europäischen Ausland.

Doch woher weiß man, ob die ausländische Klinik die gewünschte Qualität bietet? Und was sollte man grundsätzlich vor einer Schönheitsoperation beachten?

Unsere Checkliste hilft bei der Vorbereitung.

Die Gründe für eine Schönheitsoperation im Ausland können vielfältig sein: ein attraktiver Preis, ein schneller Termin, ein scheinbar guter Ruf oder die Möglichkeit, die OP mit einem Urlaub zu verbinden.

Doch bei der Suche nach der richtigen Klinik ist Vorsicht geboten. Im Internet finden sich unzählige Angebote für chirurgische Eingriffe im europäischen Ausland, vor allem aus Polen, Tschechien und der Türkei. Die häufig in deutscher Sprache verfassten und gesponserten Webseiten sind in den Suchmaschinen weit oben platziert. Geworben wird mit Rabattaktionen, All-Inclusive-Paketen, den besten Ärzten, Vorher-Nachher-Fotos und 5-Sterne-Bewertungen. Solche Anzeigen sollte man von vornherein mit großer Skepsis betrachten!

Doch wie findet man eine seriöse Klinik oder einen guten Arzt/eine gute Ärztin im Ausland und wie vermeidet man Pfusch und hohe Folgekosten?

Die folgende Checkliste zeigt Ihnen wichtige Kriterien und Aspekte auf und soll Ihnen die Entscheidungsfindung erleichtern.

Wichtig bei der Suche nach einer Schönheitsklinik im Ausland

  • Lassen Sie sich niemals von aggressiver Werbung (z. B. in Social Media), Rabattcodes oder Influencern beeinflussen!
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn Sie zu einer schnellen Entscheidung gedrängt werden, z. B. um von einem begrenzten Rabattangebot zu profitieren, ist das meist ein schlechtes Zeichen.
  • Achten Sie bei den Internetauftritten der Kliniken und Praxen auf wichtige Informationen wie Impressum, Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB), Rücktrittsrecht, genaue Aufschlüsselung der Kosten.  
  • Ein Hinweis auf eine seriöse Klinik kann das ISO-Zeichen (International Standardisation Organisation) sein. Mehr dazu weiter unten. 
  • Achten Sie auf die fachliche Qualifikation der Ärztin oder des Arztes. Oft werden Lebensläufe online gestellt, aber selten Zeugnisse. Fragen Sie im Zweifelsfall nach. Wichtig: Die Bezeichnung „Schönheitschirurg“ allein sagt noch nichts aus.
  • Der Arzt oder die Ärztin sollte über die nötige Erfahrung verfügen, regelmäßig auf seinem Gebiet operieren und eine hohe Anzahl an OPs vorweisen können.
  • Im Internet tummeln sich viele Vermittler, die nicht immer auf den ersten Blick als solche erkennbar sind. Vermittler erhalten Provisionen von Kliniken und wollen daher in erster Linie Behandlungen verkaufen. Mehr zu den Vermittlern.
  • Einige Vermittler und Kliniken bieten Reisepakete an (z. B. Flug, Hotel, Transfer zur Klinik etc.). Achten Sie in den AGB darauf, ob es sich um vermittelte Einzelleistungen (meist der Fall) oder um eine Pauschalreise handelt. Letztere hätte den Vorteil, dass bei Transport- oder Unterkunftsproblemen Ansprüche gegen den Reiseveranstalter geltend gemacht werden können. Mehr dazu hier.
  • Prüfen Sie, ob es für die Klinik und den Arzt Bewertungen von anderen Patienten gibt. Online-Bewertungen können natürlich auch gefälscht sein, sind aber ein nützlicher zusätzlicher Baustein bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung.

Beispiel für die Suche nach einer zugelassenen Klinik

Die nationale französische Krankenversicherung (l'assurance maladie) bietet z. B. ein Gesundheitsverzeichnis an, in dem nach zugelassenen Ärzten und Kliniken in Frankreich gesucht werden kann, auch für Schönheitsoperationen.

annuairesante.ameli.fr

Vor Vertragsabschluss für eine Schönheits-OP

  • Wenn es zeitlich und finanziell möglich ist, vereinbaren Sie vorab ein Beratungsgespräch in der ausländischen Klinik. Das Gespräch sollte vom behandelnden Arzt in einer Sprache geführt werden, die Sie verstehen. Ein Dolmetscher kann helfen. Auf jeden Fall sollte die Klinik für das Erstgespräch eine Videosprechstunde anbieten. Das kann hilfreich sein, sollte aber nicht das einzige Beratungsgespräch bleiben. Finger weg von ausschließlichen Beratungen per WhatsApp-Chat oder ähnlichem. 
  • Es sollte selbstverständlich sein, dass auch eine Vertrauensperson am Beratungsgespräch teilnehmen kann. Wenn die Klinik damit nicht einverstanden ist, spricht das gegen die Seriosität.
  • Sie sollten genau über die anfallenden Kosten informiert werden. Dies gilt nicht nur für den eigentlichen kosmetischen Eingriff selbst, sondern auch für eventuelle Anzahlungen (Kaution), Nachbehandlungskosten etc.
  • Lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben, am besten in Ihrer Sprache.
  • Klären Sie auch, ob Sie ein Rücktrittsrecht haben. Und ob eine eventuelle Anzahlung erstattet wird, wenn Sie es sich anders überlegen oder der Termin von der Klinik abgesagt wird. Mehr dazu weiter unten.
  • Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob die Kosten erstattet werden. Kosmetische Eingriffe werden in der Regel nicht übernommen. Das kann auch für Kosten gelten, die bei der Behandlung von Komplikationen entstehen. Für privat und gesetzlich Versicherte können unterschiedliche Regelungen gelten.
  • Sie sollten verständlich und mit schriftlicher Dokumentation über den Ablauf der Operation, aber auch über die verwendeten Materialien, z. B. bei Brustoperationen aufgeklärt werden. 
  • Der Arzt sollte sich für Ihre Beweggründe für eine Schönheitsoperation interessieren, auf Ihre Vorstellungen eingehen und Ihnen Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. Er sollte Sie über Risiken und Komplikationen aufklären und, wenn es aus medizinischer Sicht nicht ratsam ist, von der Operation abraten.
  • Bei der Beratung sollten Ihnen auch Vorher-Nachher-Fotos gezeigt werden. So bekommen Sie einen Eindruck von der Ästhetik des Arztes/der Ärztin und ein realistisches Bild von bereits durchgeführten Eingriffen.
  • Klären Sie, ob die Klinik eine Nachsorge vor Ort anbietet. Oder ob evtl. eine Nachsorge in Deutschland in einer anderen Klinik möglich ist bzw. eine Kooperationsvereinbarung besteht.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre persönlichen Daten nicht missbraucht werden. Mehr dazu weiter unten.
  • Prüfen Sie alle Angaben, bevor Sie den Vertrag unterschreiben!

Wichtig während der Behandlung

  • Achten Sie darauf, dass die behandelnden Ärzte alle wichtigen Informationen, Maßnahmen und Ergebnisse in Ihre Patientenakte eintragen. Sie haben das Recht auf Auskunft und Einsicht in Ihre Akte. Die Klinik darf Ihnen dies nicht verweigern.
  • Im Idealfall erfolgt die Behandlung in einer Sprache, die Sie verstehen, zum Beispiel in Deutsch oder Englisch.
  • Machen Sie ein Gedächtnisprotokoll über die Beratungen und Behandlungen. Wer hat was zugesagt? Wurde auf Risiken hingewiesen? Wenn ja, auf welche? Welche Behandlungen wurden an welchem Tag und von wem durchgeführt?

Nach der Schönheitsoperation

  • Reichen Sie bei Kostenübernahme alle notwendigen Unterlagen über die ästhetische Behandlung bei Ihrer Krankenkasse ein, sofern diese die Kosten übernimmt. Wichtig: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen meist keine Kosten für Schönheitsoperationen, da diese in der Regel nicht medizinisch notwendig sind.
  • Dokumentieren Sie das Behandlungsergebnis und den Heilungsverlauf vom ersten Tag an mit Fotos.  
  • Im besten Fall ist die Klinik bzw. der Arzt/die Ärztin bereits Vertragspartner der Krankenkasse, was die Nachbehandlung administrativ erleichtert.

Relevante Ergänzungen

Einige Anbieter von Schönheitsoperationen im Ausland treten als Vermittler/Agentur für Medizintourismus auf, d.h. sie fungieren lediglich als Kontaktstelle zwischen der Klinik und dem Interessenten. Sie übernehmen z. B. die Buchung von Flug und Hotel, die Vereinbarung von Arztterminen oder den Abschluss des Behandlungsvertrages mit der Klinik.

Auf den Webseiten ist nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um eine Klinik oder eine Vermittlungsplattform handelt. Dies sollte aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) hervorgehen. Dort steht auch, welche Leistungen ein Vermittler genau übernimmt. In der Regel fallen für Patienten keine Vermittlungsgebühren an, es kann aber vorkommen, wie das Europäische Verbraucherzentrum herausgefunden hat.

Wichtig: Vermittler sind nicht für die Durchführung der Behandlung verantwortlich! Den eigentlichen Behandlungsvertrag schließen Sie direkt mit der Klinik ab. Das bedeutet, dass Sie sich auch an die Klinik wenden müssen, wenn Sie später reklamieren wollen, z. B. wenn der gewünschte Behandlungserfolg nicht eingetreten ist oder Sie gesundheitliche Beschwerden haben (mehr zu den Rechten bei misslungenen Schönheitsoperationen.

Seriöse Kliniken können, ohne gesetzlich dazu verpflichtet zu sein, das internationale ISO-Zeichen führen. Es weist darauf hin, dass die Qualitätsstandards der Dienstleistungen und des Managementsystems regelmäßig, mindestens alle 5 Jahre, überprüft werden.

Ein ISO-Logo auf der Internetseite allein garantiert noch keine Qualitätsstandards. Denn das Logo könnte "geklaut" sein. Im besten Fall sollte ein Klick auf das Logo zu einem ausgefüllten und unterschriebenen ISO-Zertifikat führen.

Sie haben den Vertrag bereits unterschrieben und es sich nun anders überlegt? 

Bitte beachten Sie, dass es für Verträge über medizinische Dienstleistungen europaweit kein gesetzliches Widerrufsrecht gibt. Auch für andere Dienstleistungsverträge (z.B. Verträge mit Patientenvermittlern) gibt es keine EU-weit harmonisierten Regelungen.

Inwieweit ein Rücktritt nach Vertragsabschluss möglich ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab und sollte vor Vertragsschluss geklärt werden.

Einige Kliniken und Vermittler verlangen bereits vor Abgabe eines Angebots detaillierte Angaben zu Ihren persönlichen Daten, Ihrer Lebenssituation und Ihrem Gesundheitszustand, teilweise ohne gleichzeitig sicherzustellen, dass diese Daten nicht von Dritten genutzt werden können.

Lesen Sie daher die Datenschutzerklärung genau durch und geben Sie keine sensiblen Daten preis, bevor Sie sich nicht von der Seriosität des Unternehmens überzeugt haben.

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