Urlaubszertifikate und Timeshare-Verträge

Timeshare. Das bedeutet übersetzt so viel wie geteilte Zeit. Und genau darum geht es bei diesen Verträgen: um die Nutzung eines Ferienappartements für einen bestimmten Zeitraum. Dabei wird zwischen Verträgen mit kurzer und langer Laufzeit unterschieden.

Stand der Informationen : September 2019

Wichtiger Reisehinweis für Gran Canaria-Urlauber

Der große Rubbel-Urlaubsärger

Kurz- und Langzeitverträge


Zu den kurzfristigen Verträgen zählen timeshare-ähnliche Produkte wie Urlaubszertifikate, Urlaubsgutscheine, Unterkunftsreservierungen, VIP-Zertifikate, Gutscheine sowie Voucher mit oder ohne Holiday-Plus-Mitgliedschaft. Hierbei kaufen Verbraucher das Recht, ein Ferienappartement für einen bestimmten Zeitraum zu nutzen. Die Vertragslaufzeit liegt oft bei einem Jahr oder weniger. In diesem Fall gilt die EU-Timeshare-Richtlinie nicht, die u. a. Vorschriften über vorvertragliche Informationen, zum Widerrufsrecht und zum Anzahlungsverbot beinhaltet.

Zu den langfristigen Verträgen zählen u. a. Teilzeitnutzungsverträge, bei denen Verbraucher das Recht erwerben, Ferienappartements für bestimmte Zeiträume zu nutzen, aber auch Verträge über langfristige Urlaubsprodukte wie beispielsweise Mitgliedschaften in Ferienclubs. Als Clubmitglied können die Verbraucher ihren Urlaub in bestimmten Hotelanlagen zu einem ermäßigten Preis verbringen. Die Vertragslaufzeit liegt bei mehr als einem Jahr. Diese Verträge fallen daher unter die EU-Timeshare-Richtlinie.

Kurzzeitverträge - Laufzeit bis zu einem Jahr:
Urlaubszertifikate, Urlaubspakete & Co.


Vor allem im Bereich der Kurzzeitverträge sind einige Unternehmen tätig, die Verbraucher mit zweifelhaften Methoden zum Abschluss eines Vertrages drängen. Methoden, die seitens der Verbraucher häufig als Betrug empfunden werden.

Bestes Beispiel: Gran Canaria. Hier werden Verbraucher mit Sätzen wie "Wir verkaufen kein Timeshare, sondern nur Urlaub" zum Kauf von Urlaubsgutscheinen, Unterkunftsreservierungen, VIP-Zertifikaten, Gutscheinen oder Vouchern gedrängt.

Die Masche: Losgewinn, Taxifahrt und Hotelführung

Die Masche ist immer die gleiche: Urlauber werden auf Gran Canaria, in Puerto de Mogán oder Playa del Inglés, auf der Straße angesprochen und erhalten ein Rubbellos. Wie der Zufall es will: Das Los ist ein Gewinn; entweder eine Reise, ein T-Shirt oder ein Handy. Um den Gewinn einzulösen, müssen die Urlauber nur an einer „kurzen“ Führung durch eine Luxushotelanlage teilnehmen. Das Taxi in das 30 Kilometer entfernte Hotel steht schon bereit. Dort angekommen werden die Verbraucher in Verkaufsgesprächen, die zwischen drei und sieben Stunden dauern, überredet, oft sogar gedrängt, einen Vertrag für den Aufenthalt in einem Luxusappartement abzuschließen.

Diese Verträge tragen klingende Namen wie Gutschein, Urlaubspaket, Unterkunftsreservierung, VIP-Zertifikat, Voucher mit oder ohne Holiday-Plus-Mitgliedschaft oder einfach nur Urlaubszertifikat, wie wir den Vertrag im weiteren Verlauf des Textes bezeichnen werden.

Die Verkäufer drängen auf Unterschrift

Die unseriösen Anbieter sprechen immer von einem einmaligen Sonderangebot. Gültigkeit: Nur heute. Der anfangs sehr hohe Preis wird so lange nach unten korrigiert, bis die Urlauber tatsächlich an ein einmaliges Schnäppchen glauben. Zudem wird häufig behauptet, dass Prominente in genau dieser Hotelanlage ihre Ferien verbringen. Die Gesprächspartner sind sehr freundlich und erscheinen vertrauenswürdig, was viele Verbraucher daran hindert, das Verkaufsgespräch frühzeitig zu beenden. Denn es ist schwer, sich den aggressiven Verkaufspraktiken zu entziehen.

Zeit, den Vertrag in Ruhe durchzulesen, das Angebot in Ruhe durchzurechnen oder eine Nacht darüber zu schlafen gibt es nicht. Äußern die Urlauber ihr Misstrauen, zerstreut es der Gesprächspartner geschickt. Bringt das nicht den gewünschten Erfolg, kommen neue Verkäufer hinzu. Das Drama beginnt dann meist von vorn: weitere Stunden Gespräche. So vergeht viel Zeit, in denen die Opfer oft nichts zu trinken oder zu essen bekommen.

Sofortige Bar-, EC- oder Kreditkartenzahlung

Viele Opfer, die sich Rat und Hilfe beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland holen, berichten, dass sie am Ende des Verkaufsgesprächs total erschöpft gewesen seien und aus Verzweiflung oder Angst den Vertrag unterschrieben hätten.

Ist die Unterschrift erst einmal geleistet, wird es ernst: Die Anbieter verlangen eine sofortige Anzahlung von circa 1.000 Euro, manchmal auch die ganze Summe. Diese kann bei über 5.000 Euro liegen. Haben die Urlauber nicht das passende Zahlungsmittel zur Hand, kann es passieren, dass sie persönlich zum Geldautomaten geleitet werden. In manchen Fällen ist es sogar schon vorgekommen, dass Verbraucher von ihrem Partner getrennt wurden: Während einer mit dem Mitarbeiter des Unterkunftsanbieters zurück ins Hotel fährt, um das passende Zahlungsmittel zu holen, wird der andere vor Ort festgehalten. Dann wird gezahlt: in bar, mit EC- oder per Kreditkarte.

Keine Chance, den Vertrag zu beenden

Sollten die Verbraucher glauben, sie könnten sich den Vertragsabschluss noch einmal überlegen oder den eben erst abgeschlossenen Vertrag sogar beenden: Fehlanzeige. Denn diese Verträge sehen kein Stornierungs-, Kündigungs-, Rücktritts- oder Widerrufsrecht vor.

Bekunden die Urlauber gegenüber dem Verkäufer ihre Absicht, sich vom Vertrag lösen zu wollen, werden sie oft mit Anrufen, SMS oder WhatsApp-Nachrichten "bombardiert".


Damit müssen Verbraucher nach der Vertragsunterzeichnung rechnen

Die Erfahrungen der Verbraucher

  • Die Unterkünfte können erst nach Bezahlung sämtlicher Raten im Internet aufgerufen werden, d. h. die Urlauber sehen vorher nicht, welche Hotels zur Wahl stehen.

  • Die gewünschte Unterkunft ist zum gewünschten Zeitraum nicht verfügbar.

  • Die gewünschte Unterkunft ist zu keinem Zeitpunkt verfügbar.

  • Die Gutscheine können nicht aktiviert werden.

  • Die Unterkunftsgutscheine können nur aktiviert werden, wenn sich die Verbraucher dazu verpflichten, vor Ort noch einmal an einer Verkaufsveranstaltung teilzunehmen.

  • Eine Buchung der Unterkunft ist nicht möglich. Der Buchungszeitraum endet. Die Gültigkeit des Gutscheines erlischt. Und da das Appartement nicht gebucht werden konnte, ist das bezahlte Geld verloren.
  • Haben die Verbraucher es wider Erwarten geschafft, die gewünschte Unterkunft zu buchen, kann es vorkommen, dass sie vor Ort zum Abschluss eines langfristigen Vertrages gedrängt werden.

  • Möchten die Opfer den Vertrag beenden, bekommen sie eine Absage. Die Begründung: Es gäbe kein Widerrufs-, Rücktritts-, Kündigung- oder Stornierungsrecht.

Was Verbraucher sonst noch wissen sollten

  • Liegt die Vertragslaufzeit bei einem Jahr oder darunter, sind die Verbraucher nicht durch die EU-Timeshare-Richtlinie geschützt. Diese regelt u. a. das Widerrufsrecht, das Anzahlungsverbot sowie die vorvertraglichen Informationspflichten.

  • Der Urlaub ist nicht immer überteuert, aber auch nicht unbedingt ein Schnäppchen. Die Rechnung, ohne Verpflegung, sieht nämlich folgendermaßen aus: Eine Pauschalreise nach Gran Canaria kostet im August pro Woche circa 695 Euro pro Person im Appartement mit Übernachtung im 4 Sterne-Hotel, Flug und Transfer. Die Urlaubszertifikate liegen im Schnitt bei 1.250 Euro pro Woche für 4 Personen. Das wären 312 Euro pro Woche und Person, ohne Flug und ohne Transfer. Der Flug kommt auf 290 Euro pro Person, die Transferkosten auf 74 Euro. Macht 676 Euro. Ein Preisvorteil des Urlaubszertifikats von 19 Euro.

    Das Problem: Oft sind, wenn überhaupt, nur 3-Sterne-Unterkünfte buchbar. Und diese sind schon ab 556 Euro pro Person und Woche mit Flug und Transfer zu bekommen.

  • Die Zertifikatsinhaber können die Vorteile einer Pauschalreise nicht nutzen. Pauschalreisende sind z. B. gegen die Insolvenz des Reiseveranstalters geschützt: Wurde die Reise noch nicht angetreten, bekommen sie ihr Geld zurück. Sind sie bereits vor Ort, ist ihre Heimreise gesichert. Und sollten Airline oder sogar das Hotel Insolvenz anmelden, muss der Reiseveranstalter die Feriengäste auf einen anderen Flug bzw. auf ein anderes Hotel umbuchen. Darüber hinaus können Pauschaltouristen Reisemängel bei der Unterkunft geltend machen und ggf. ein Teil ihres Geldes zurückverlangen. Anders für Verbraucher mit Urlaubszertifikaten: Bei Problemen mit der Unterkunft gilt das Mietrecht des jeweiligen Landes.

Raus aus dem Kurzzeitvertrag: Das können die Verbraucher tun

Wer aus seinem Urlaubszertifikats-Vertrag heraus möchte, muss mit Schwierigkeiten rechnen, da diese Verträge normalerweise keine Beendigungsmöglichkeiten vorsehen.

Die Verbraucher sollten auf jeden Fall versuchen, das bereits gezahlte Geld zurück zu bekommen. Die größten Chancen haben diejenigen, die mit Kreditkarte bezahlt haben. Denn dann kann eine Zahlungsreklamation (ein sogenanntes Chargeback) beim Kreditkartenunternehmen bzw. bei der Bank eingestellt werden. Achtung: Die Fristen, innerhalb derer die Zahlungsreklamation beim Kreditkartenunternehmen oder bei der Bank eingehen muss, sind unterschiedlich.

Eines ist aber allen gemein: Um ein Chargeback zu veranlassen, ist ein Widerruf erforderlich. Denn obwohl der Vertrag kein Widerrufs-, Kündigungs-, Stornierungs- oder Rücktrittsrecht vorsieht, ist in einem Großteil der Fälle ein Widerruf auf Grundlage der Verbraucherrechte-Richtlinie möglich.

Zur Formulierung des Widerrufs genügt folgender Satz: "Hiermit widerrufe ich den Vertrag Nr. ... vom ..." Der Widerruf muss innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsunterzeichnung beim Unterkunftsanbieter eingehen. Der Versand sollte per eMail mit Versand- und Lesebestätigung erfolgen, um nachweisen zu können, dass der Widerruf auch tatsächlich verschickt wurde. 

Nach erfolgtem Widerruf sollten die Verbraucher sofort an das Kreditkartenunternehmen bzw. an die Bank schreiben und um die Durchführung des Chargebacks bitten. Dabei muss der Sachverhalt so genau wie möglich geschildert und der Begriff "Timeshare" ausdrücklich erwähnt werden.

Wer mit Bargeld oder per EC-Karte mit PIN-Nummer bezahlt hat, ist schlecht dran. Diese Verbraucher bekommen ihr Geld normalerweise nicht zurück.

Haben die Betroffenen mit dem Anbieter eine Ratenzahlung vereinbart, sollten sie keine weiteren Raten mehr bezahlen. Auch wenn der Unterkunftsanbieter mit rechtlichen Konsequenzen oder Inkasso droht. So verlieren die Opfer im schlimmsten Falle lediglich ihre Anzahlung. Diese kann aber möglicherweise über das Europäische Small Claims Verfahren wieder hereingeholt werden. Einen Versuch ist es wert. Allerdings ist das Europäische Small Claims Verfahren (Bagatellverfahren) in Spanien gebührenpflichtig. Darüber hinaus müssen alle Unterlagen in spanischer Sprache eingereicht werden, was mit zusätzlichen Kosten für die Verbraucher verbunden ist. Übrigens: Auch für das Europäische Small Claims Verfahren ist ein voraus gegangener Widerruf an den Unterkunftsanbieter erforderlich.

Unseriöse Anbieter von Urlaubszertifikaten

Die Namen der Unternehmen wechseln häufig.
Bislang sind folgende Firmen mit oben beschriebenen oder ähnlichen Geschäftspraktiken aufgefallen:

  • Anfi Vacation Club S. L.

  • Anfi Dreams

  • Direkt Travel Global S. L., kurz: DTGlobal SL

  • Enduria Travel S. L. (inzwischen insolvent)

  • Ferienexpert S. L.

  • Liberty Holiday 2017 S. L.

  • Reisemarkt24

  • Vacon Marketing SLU

  • Vacon Travel Service

  • Viajes Vacon

Langzeitverträge - Laufzeit mehr als ein Jahr:
Ferienclub-Mitgliedschaften, Timeshare, Tauschverträge


Manche Urlaubsorte sind so traumhaft schön, dass man immer wieder seine Ferien dort verbringen möchte. Am besten im gleichen Appartement. Vielleicht sogar mehrmals pro Jahr. Warum also keinen Vertrag abschließen, der genau das ermöglicht? Der auch noch unter die EU-Timeshare-Richtlinie fällt, die Verbrauchern einen gewissen Schutz bietet?

Und so werden aus einer Urlaubslaune heraus Teilzeitnutzungsverträge (besser bekannt als Timeshare oder Ferien-Teilzeit-Wohnrecht) oder Verträge für langfristige Urlaubsprodukte (besser bekannt als Rabattclubs, Ferienclub-Mitgliedschaften) abgeschlossen.

Vor Abschluss eines langfristigen Vertrages, sollten Verbraucher folgendes bedenken

  • Wer einen Timeshare-Vertrag abschließt, zahlt zwar einen einmaligen Festbetrag für die Nutzung der Ferienunterkunft, weiß aber nicht, wie sich die jährlich anfallenden Betriebs- und Instandhaltungskosten im Laufe der Zeit entwickeln. Preissteigerungen sind möglich.
  • Werden Baumaßnahmen fällig, um die gute Bewertung der Ferienanlage zu erhalten und weiterhin im Katalog gelistet zu bleiben, werden die Vertragsinhaber häufig an den damit zusammenhängenden Kosten beteiligt.
  • An- und Abreise sowie Verpflegung sind im Preis nicht inbegriffen. Pauschal- oder Individualreisen oder Last-Minute-Buchungen sind oftmals günstiger.
  • Langfristige Timeshare-Verträge sind nur schwer bzw. überhaupt nicht kündbar.
  • Der Weiterverkauf eines Teilzeitnutzungsvertrages oder eines langfristigen Urlaubsproduktes ist, wenn überhaupt, nur unter großen finanziellen Verlusten möglich. Solche Verträge eignen sich daher auch nicht als Kapitalanlage.
  • Grundsätzlich gilt das von den Beteiligten gewählte Recht. Hat der Anbieter seinen Sitz in Spanien, kann er z. B. spanisches Recht wählen. Bei Streitigkeiten wird es dann komplizierter die Ansprüche durchzusetzen als wenn deutsches Recht gelten würde.

  • Wer einen Langzeitvertrag abschließt, kann die Vorteile wie sie z. B. eine Pauschalreise bietet nicht nutzen. Bei Mängeln können Pauschalurlauber diese nämlich beim Reiseveranstalter geltend machen und z. B. eine Reisepreisminderung verlangen.
  • Die Vertragsinhaber sind nicht gegen eine etwaige Insolvenz des Anbieters von Timeshare-Verträgen, Ferienclub- oder Rabattclub-Mitgliedschaften geschützt.

Der Timeshare-Vertrag (Teilzeitnutzungsvertrag)

Bei Timeshare-Verträgen handelt es sich um Teilzeitnutzungsverträge mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr. Dabei bezahlen Verbraucher eine bestimmte Geldsumme und können dafür eine oder mehrere Übernachtungsunterkünfte für mehr als einen Zeitraum nutzen.

Teilzeitnutzungsverträge können z. B. für Ferienwohnungen, Appartements, Hotelzimmer, Wohnwagen, Wohnmobile oder Hausboote abgeschlossen werden.

Der Tauschvertrag

Wer auch einmal an einem anderen Ort Urlaub machen möchte, kann einen sogenannten Tauschvertrag abschließen. Die Verbraucher bezahlen einen bestimmten Geldbetrag und werden in ein Tauschsystem bzw. in einen Tauschpool aufgenommen. Dort stellen sie ihr Teilzeitwohnrecht vorübergehend zur Verfügung. Sie erhalten im Gegenzug das Nutzungsrecht eines anderen Verbrauchers. Hat z. B. ein Verbraucher ein Teilzeitwohnrecht auf Gran Canaria und möchte gerne einmal nach Teneriffa, kann er mit einem Verbraucher tauschen, der einen Vertrag für ein Appartement in Teneriffa hat.

Mögliche Probleme bei Tauschverträgen

  • In der Hauptsaison stehen vergleichbare Unterkünfte im gewünschten Land nicht immer zur Verfügung.
  • Neben den Mitgliedsbeiträgen zum Tauschsystem können häufig noch Verwaltungsgebühren, Abgaben, Steuern, Freizeitgebühren, Hypothekenrückzahlungen usw. anfallen.

Verträge über langfristige Urlaubsprodukte

Verträge über langfristige Urlaubsprodukte haben eine Laufzeit von mehr als einem Jahr und fallen daher unter die EU-Timeshare-Richtlinie. Bei einem solchen Vertrag bezahlen die Verbraucher eine bestimmte Summe und erhalten dafür das Recht auf Preisnachlässe oder anderweitige Vergünstigungen in Bezug auf eine Unterkunft. Klassisches Beispiel: Verbraucher werden Mitglied in einem Ferien- oder Rabattclub und können als Clubmitglieder ihre Unterkunft zu günstigeren Preisen bekommen.

Wer also immer beim gleichen Anbieter übernachten möchte, könnte über einen solchen Vertrag nachdenken. Allerdings sollte man sich die Vertragsbedingungen im Vorfeld ganz genau ansehen. Manchmal kann es nämlich vorkommen, dass die vergünstigte Übernachtung nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn Frühstück oder Abendessen in der Anlage eingenommen werden. Was dann extra kostet. In einem solchen Fall ist es ein reines Rechenexempel, ob sich ein solcher Vertrag lohnt oder nicht.

Der Wiederverkaufsvertrag

ist ein Vertrag zwischen einem Verbraucher und einem Gewerbetreibenden. Diese Verträge fallen unter die EU-Timeshare-Richtlinie. Die Verbraucher werden gegen Zahlung eines bestimmten Geldbetrages durch den Gewerbetreibenden dahingehend unterstützt, ein Teilzeitnutzungsrecht oder ein langfristiges Urlaubsprodukt zu kaufen oder zu verkaufen.

Unseriöse Wiederverkäufer, vermeintliche Notare oder angebliche Staatsanwälte

Neben seriösen Wiederverkäufern nutzen leider auch unseriöse Unternehmen den Wiederverkauf für ihre Zwecke. Denn da es kaum einen Markt für „gebrauchte“ Teilzeitnutzungsrechte oder „gebrauchte“ langfristige Urlaubsprodukte gibt, melden sich die Verbraucher häufig bei Verkaufsbörsen im Internet an, oder sie inserieren in Tageszeitungen. Und das ruft oftmals unseriöse Unternehmen mit den unten  beschriebenen Maschen auf den Plan.

  • Verbrauchern wird von vermeintlich seriösen Wiederverkäufern vorgegaukelt, es gäbe Interessenten, die ihren Vertrag übernehmen wollen. Allerdings müssten vor dem Verkauf noch Steuernachzahlungen oder anderweitige Zahlungen geleistet werden. Vorsicht ist geboten, sobald die Verbraucher in finanzielle Vorleistung gehen sollen. 

  • Angeblich wird der Verkauf über einen Treuhänder abgewickelt, auf dessen Konto eine Bearbeitungsgebühr eingezahlt werden muss. Erst nach Erhalt der Gebühr soll der Kaufpreis auf das Treuhandkonto überwiesen werden.

  • Vermeintlich seriöse Notare wollen den Weiterverkauf des Vertrages abwickeln. Und zwar gegen Zahlung einer Gebühr.

  • Die Verbraucher erhalten Post. Angeblich von der Staatsanwaltschaft. Im Schreiben werden sie dazu aufgefordert, Zahlungen zu leisten, die in Zusammenhang mit der Insolvenz des Timeshare-Unternehmens stehen.

  • Die Verbraucher werden von vermeintlichen Behördenmitarbeitern aufgefordert, Steuernachzahlungen zu leisten. Die Briefbögen sehen aus als stammen sie tatsächlich von einer Behörde.

  • Die Verbraucher bekommen Post an ihre Heimatadresse. Sie werden in den Urlaubsort gelockt. Begründung: Der Vertrag lasse sich vor Ort leichter weiterverkaufen. Meist kommen die Verbraucher aber mit weiteren Verträgen nach Hause, anstatt den bestehenden verkauft zu haben.

Das Problem: Ist das Geld erst einmal bezahlt, ist es verloren, ohne jemals eine Gegenleistung dafür erhalten zu haben!

 

Tipp für den Weiterverkauf

Auf der Internetseite des Timeshare-Dachverbandes, der Resort Development Organisation, gibt es eine Liste mit Weiterverkäufern, so genannte Resale Unternehmen. Diese Resale Unternehmen gehören selbst dem Timeshare-Dachverband an und halten sich an dessen Vorgaben. Sie kümmern sich gegen Zahlung einer Gebühr um den Weiterverkauf von Teilzeitnutzungsrechten bei RDO-Mitgliedsunternehmen. Sie kümmern sich aber auch um den Verkauf von Timeshare-Nutzungsrechten bei Firmen, die dem Verband nicht angehören.


Raus aus dem Teilzeitnutzungsvertrag

Beinhaltet der abgeschlossene Teilzeitnutzungsvertrag kein Kündigungsrecht, wird es schwierig, diesen zu beenden, denn auch die die EU-Timeshare-Richtlinie sieht kein Kündigungsrecht für Teilzeitnutzungsverträge vor.

Der Verhaltenskodex der Resort Development Organisation (Timeshare-Dachverband), sieht hingegen unten genannte Kündigungsmöglichkeiten vor. Allerdings gilt der Verhaltenskodex nur für Unternehmen, die der RDO angehören.

Kündigungsmöglichkeiten gemäß des RDO-Verhaltenskodex

  • Stirbt einer der Inhaber des Timeshare-Vertrages, kann der überlebende Inhaber seinen Vertrag aufgeben, sofern er dies möchte. Die Erben sind nicht verpflichtet, den Vertrag des Verstorbenen zu übernehmen.

  • Insolvente Inhaber von Timeshare-Verträgen können ihren Vertrag kostenlos zurückgeben.

  • Leidet der Alleininhaber oder einer der Mitinhaber eines Timeshare-Vertrages an einer lang andauernden Krankheit, die in absehbarer Zeit eine Reise ins Urlaubsresort verhindert, kann der Timeshare-Vertrag aufgegeben werden.

  • In allen anderen Fällen kann der Inhaber eines Timeshare-Vertrages diesen jederzeit mit Zustimmung des jeweiligen RDO-Mitgliedsunternehmens aufgeben. Wird eine Rücknahmegebühr fällig, sollte diese nicht höher sein als die laufenden Instandhaltungskosten von 3 Jahren.

 

Tipps der RDO zur Kündigung eines Timeshare-Vertrages

  • Verbraucher, die ihren Timeshare-Vertrag kündigen möchten, sollten zuerst mit ihrem Vertragspartner Kontakt aufnehmen. RDO-Mitglieder haben in der Regel Austrittsvereinbarungen in ihren Verträgen.
  • Bei Problemen mit einem RDO-Mitglied können sich die Verbraucher an das RDO Consumer Department wenden.

  • Bei Problemen mit einem Nicht-RDO-Mitglied, können sich die Verbraucher an die Timeshare Helpline wenden.

  • Verbraucher sollten auf keinen Fall auf Anschreiben oder Anrufe von Unternehmen reagieren, die Kaltaquise betreiben und ohne Aufforderung zu den Verbrauchern Kontakt aufnehmen (so genannte Cold Callers) und ihnen z. B. anbieten, das Nutzungsrecht weiter zu verkaufen.

 

Raus aus dem Vertrag über langfristige Urlaubsprodukte

Beinhaltet der Vertrag über langfristige Urlaubsprodukte kein Kündigungsrecht, kann man versuchen, diesen auf Grundlage der EU-Timeshare-Richtlinie zu beenden. Denn hier gilt: Bei Verträgen über langfristige Urlaubsprodukte mit jährlichen Ratenzahlungen, z. B. Ferienclub-Mitgliedschaften, hat der Verbraucher nach Zahlung der zweiten Rate das Recht, innerhalb von zwei Wochen, nach Erhalt der Aufforderung zur Zahlung der nächsten Rate den Vertrag zu kündigen.

Die EU-Timeshare-Richtlinie


Um die Rechte der Verbraucher zu stärken, hat die Europäische Union die Richtlinie 2008/122/EG vom 14. Januar 2009, besser bekannt als EU-Timeshare-Richtlinie, verabschiedet. Diese wurde europaweit in nationales Recht umgesetzt.

Die wesentlichen Inhalte

  • Teilzeitnutzungsverträge mit einer Mindestlaufzeit von mehr als einem Jahr fallen unter die EU-Timeshare-Richtlinie. Beispiele: Teilzeitwohnrechte für Ferienappartements, Nutzungsrechte für  bewegliche Übernachtungsunterkünfte wie Hausboote oder Wohnwagen.
  • Langfristige Urlaubsprodukte mit einer Mindestlaufzeit von mehr als einem Jahr fallen unter die EU-Timeshare-Richtlinie. Beispiele: Ferienclub-Mitgliedschaften und Discount-Holiday-Club-Mitgliedschaften.

  • Wiederverkaufsverträge fallen unter die EU-Timeshare-Richtlinie.

  • Tauschverträge fallen unter die EU-Timeshare-Richtlinie.

  • Bei der Berechnung der Vertragslaufzeit werden die Verlängerungsmöglichkeiten aus dem Vertrag berücksichtigt. Beispiel: Hat der Vertrag eine Laufzeit von 10 Monaten und sieht eine Verlängerungsmöglichkeit um weitere 8 Monate vor, liegt die Vertragslaufzeit bei insgesamt 18 Monaten.

  • Die Timeshare-Richtlinie beinhaltet ein Widerrufsrecht für Teilzeitnutzungsverträge, langfristige Urlaubsprodukte, Wiederverkaufs- und Tauschverträge): Verbraucher können den Vertrag 14 Tage lang ab Vertragsschluss bzw. ab Erhalt des Vertrages kostenlos widerrufen. In dieser Zeit gilt auch ein Anzahlungsverbot. Verbraucher müssen also bei Verträgen, die unter diese Richtlinie fallen, keine sofortige Anzahlung leisten!
  • Widerrufsbelehrung und Fristverlängerung: Die Widerrufsfrist verlängert sich, wenn die Verbraucher nicht ordnungsgemäß auf ihr Widerrufsrecht hingewiesen wurden.
  • Verbraucher erhalten bei Vertragsschluss vorgefertigte Formblätter in ihrer Sprache mit Informationen über die jeweilige Vertragsart und Hinweise zum Widerrufsrecht.
  • Bei langfristigen Urlaubsprodukten wie z. B. Ferienclub-Mitgliedschaften mit jährlichen Ratenzahlungen hat der Verbraucher ab der zweiten Jahresrate das Recht, innerhalb von zwei Wochen nach Zahlungsaufforderung zur Zahlung der nächsten Rate, den Vertrag zu kündigen.

  • Die Timeshare-Richtlinie sieht allerdings kein Kündigungsrecht für Teilzeitnutzungsverträge, Tauschverträge oder Wiederverkaufsverträge vor.
     

Die EU-Verbraucherrechte-Richtlinie


Um europaweit ein hohes Verbraucherschutzniveau zu gewährleisten, hat die Europäische Union die Richtlinie 2011/83/EU vom 25. Oktober 2011, besser bekannt als Verbraucherrechte-Richtlinie, verabschiedet. Diese wurde europaweit in nationales Recht umgesetzt und ist auch für den Erwerb timeshare-ähnlicher Produkte von Bedeutung.

Die wesentlichen Inhalte in Bezug auf timeshare-ähnliche Produkte, wie z. B. Urlaubszertifikate

  • Für Verträge, die außerhalb geschlossener Geschäftsräume geschlossen wurden, gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht ab Vertragsunterzeichnung. Das heißt: Wurden Verbraucher am Strand angesprochen und wurde ihnen ein Urlaubszertifikat verkauft, können sie diesen Vertrag gemäß der Verbraucherrechte-Richtlinie innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung widerrufen. Die Vertragslaufzeit ist dabei unerheblich.

  • Mit der Ausübung des Widerrufsrechts enden die Verpflichtungen der Vertragsparteien. Die Anbieter dürfen also keine weiteren Zahlungen vom Verbraucher mehr verlangen.

  • Die seitens des Verbrauchers bereits bezahlten Gelder sind vom Verkäufer innerhalb von 14 Tagen zurückzuerstatten. Voraussetzung: Es wurde fristgerecht widerrufen.

  • Der Verkäufer muss die Kunden über das bestehende Widerrufsrecht informieren.

Weitere Hilfe in Sachen Timeshare


Um eine Beschwerde gegen ein RDO-Mitgliedsunternehmen (Resort Development Oganisation = Timeshare-Dachverband) einzureichen, können die Verbraucher das RDO Complaint Registration form ausfüllen und an die eMail-Adresse: info@rdo.org senden. Auf der Internetseite der RDO wurde die Mitgliederliste veröffentlicht.

Voraussetzung: Die Verbraucher müssen nachweisen können, dass sie in Eigenregie versucht haben, das Problem mit dem Mitgliedsunternehmen zu lösen.

Nützliche Links zum Thema Timesharing

 

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