Fluggastrechte - Ihr Anspruch auf Entschädigung

Die Rechte von Passagieren sind in der EU-Fluggastrechteverordnung festgelegt. Hierbei greifen Regelungen und Bestimmungen im Falle einer Flugverspätung oder dem Ausfall eines Fluges sowie bei beschädigtem oder verloren gegangenem Gepäck. Wir geben einen Überblick, wann Sie Anspruch auf Entschädigung haben und wie Sie diesen gegenüber der Airline geltend machen können.

Stand der Informationen : Oktober 2019

Fluggastrechte bei Flugverspätung


Die Fluggastrechte gelten:

  • für alle Passagiere, die von einem Flughafen in der EU abfliegen.

  • für alle Passagiere, die auf einem Flughafen in der EU landen, wenn die Airline ihren Sitz in der EU hat.

Flugverspätung bei Abflug (am Startflughafen)

Verspätung Flugstrecke Anspruch auf Entschädigung
mind. 2 Stunden bis 1.500 km Betreuungsleistungen*
mind. 3 Stunden über 1.500 km (Flug innerhalb der EU) Betreuungsleistungen*
mind. 3 Stunden zwischen 1.500 und 3.500 km (Flug von der EU in einen Drittstaat oder zurück) Betreuungsleistungen*
mind. 4 Stunden über 3.500 km (Flug von der EU in einen Drittstaat oder zurück) Betreuungsleistungen*
mind. 5 Stunden Unabhängig von der Flugstrecke Erstattung des Ticketpreises oder Umbuchung

Flugverspätung bei Ankunft (am Zielflughafen)

Verspätung Flugstrecke Anspruch auf Entschädigung
mind. 3 Stunden bis 1.500 km 250 Euro
mind. 3 Stunden zwischen 1.500 und 3.500 km (Flug von EU in einen Drittstaat oder zurück) 400 Euro
mind. 3 Stunden über 3.500 km (Flug innerhalb der EU) 400 Euro
mind. 3 Stunden über 3.500 km (Flug von EU in einen Drittstaat oder zurück) 300 Euro *
mind. 4 Stunden über 3.500 km (Flug von EU in einen Drittstaat oder zurück) 600 Euro


Fluggastrechte bei Flugausfall

Der Flug wurde annulliert und Sie wissen nicht, was Sie jetzt tun können? Bei Flugausfall haben Sie die Wahl zwischen der Erstattung des Ticketpreises oder einer anderweitigen Beförderung zum Zielort.

Hinzu kommt ein Anspruch auf Entschädigung. Festgelegt sind die Fluggastrechte in einer entsprechenden EU-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 261/2004). Diese gelten...

  • für alle Passagiere, deren Flug von einem Flughafen in der EU startet,

  • für alle Passagiere, deren Flug auf einem Flughafen in der EU landet, wenn die Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU hat.

a) Anspruch auf Erstattung des Ticketpreises

Falls der Fluggast darauf verzichtet, sich mit einem anderen Flugzeug oder Verkehrsmittel zum Zielort befördern zu lassen, muss ihm die Airline den vollständigen Ticketpreis erstatten.

Außerdem hat er, je nach Flugstrecke, einen Anspruch auf Entschädigung:

Flugstrecke Anspruch auf Entschädigung
unter 1.500 km 250 Euro
zwischen 1.500 und 3.500 km 400 Euro
über 3.500 km 600 Euro


b) Anspruch auf anderweitige Beförderung

Entscheidet sich der Fluggast für einen Alternativflug, wird der Ticketpreis nicht erstattet. Ihm steht jedoch eine Entschädigung zu, deren Höhe von der Flugstrecke und dem Ausmaß der Flugverspätung am Zielort abhängt:

Verspätung Flugstrecke Entschädigungsleistung
unter 2 Stunden unter 1.500 km 125 Euro
unter 3 Stunden zwischen 1.500 und 3.500 km 200 Euro
unter 4 Stunden über 3.500 km 300 Euro

 

Ist der Flug jedoch zwecklos geworden, müssen bereits zurückgelegte Abschnitte des Fluges erstattet werden. 

Wenn der Ersatzflug um mehr als zwei Stunden später als ursprünglich geplant startet, hat die Fluggesellschaft auf eigene Kosten dafür zu sorgen, dass die Passagiere verpflegt werden.

Wird der Abflug auf den folgenden Tag verschoben, können Passagiere die Unterbringung in einem Hotel und den Transport dorthin verlangen. Außerdem müssen die Fluggäste die Möglichkeit haben, Angehörige über die Flugverspätung in Kenntnis zu setzen.

Trotz Flugausfall: Wann besteht kein Anspruch auf Entschädigung?

Ob dem Passagier eine Entschädigung zusteht, hängt auch davon ab, wann der Kunde über den Flugausfall informiert worden ist. Keine Entschädigung gibt es, wenn folgendes vorliegt:

Benachrichtigung des Fluggastes Alternative Beförderung bei Abflug Alternative Beförderung bei Ankunft
7 bis 14 Tage vorher max. 2 Std. früher max. 4 Std. später
0 bis 7 Tage vorher max. 1 Std. früher max. 2 Std. später

 

Beispiel: Die Fluggesellschaft informiert den Passagier drei Tage vorher, dass der Abflug um eine halbe Stunde vorverlegt wurde und das Flugzeug sein Ziel dennoch erst eine Stunde später als geplant erreichen wird. In diesem Fall steht dem Reisdenen keine Entschädigung zu.

Anders wäre es, wenn der Flug verschoben wird und der Passagier dadurch vier Stunden später ankommen würde. Dann steht die Airline in der Pflicht, dem Reisenden eine Ausgleichszahlung zu leisten.

Ansprüche auf Entschädigung geltend machen


Über unser kostenloses Selbsthilfe-Tool "So helfen Sie sich selbst" oder das Beschhwerdeformular der Airline können betroffene Passagiere ihren Anspruch auf Entschädigung bei Flugverspätung, Flugausfall oder Gepäckverlust gegenüber der Fluggesellschaft einfordern.

So kommen Sie zu Ihrem Recht

  • Nehmen Sie zuallererst selbst mit der Fluggesellschaft Kontakt auf und machen Sie dort Ihre Ansprüche geltend.

  • Bewahren Sie Belege für Hotel-, Taxi- oder Verpflegungskosten auf, die aufgrund von Flugverspätung, Flugausfall oder Nichtbeförderung entstanden sind. So können Sie ihre Forderungen belegen.

  • Bei Gepäckverlust sollten Sie die Kaufbelege der Gegenstände vorlegen können, die sich in Ihrem Koffer befanden.

  • Fordern Sie noch am Flughafen von Mitarbeitern der Fluggesellschaft eine schriftliche Bestätigung für die Flugverspätung, den Flugausfall oder die Nichtbeförderung, möglichst unter Angabe des konkreten Sachverhaltes. Falls Ihnen das verweigert wird, bitten Sie Mitreisende um eine schriftliche Bestätigung der Situation.

  • Sollten Sie ein Online-Beschwerdeformular einer Airline ausfüllen, so machen Sie davon sicherheitshalber einen Screenshot.

  • Wenn die Airline Ihre (berechtigten) Ansprüche nicht innerhalb von zwei Monaten nach Kontaktaufnahme erfüllt hat, empfehlen wir Ihnen zunächst den Weg der außergerichtlichen Streitbeilegung.

Außergerichtliche Streitbeilegung

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp)

Viele Fluggesellschaften haben sich freiwillig der söp angeschlossen. Als Fluggast können Sie Ihre Streitigkeit online bei der söp einreichen, die eine einvernehmliche Lösung zwischen Fluggast und Airline herbeiführt. Wenn die Fluggesellschaft nicht Mitglied bei der söp ist, so können Sie sich im Falle einer grenzüberschreitenden Streitigkeit an uns wenden.

Europäisches Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland

Das EVZ Deutschland hilft Verbrauchern bei Beschwerden gegen Airlines, die ihren Sitz in einem anderen EU-Land haben. Das ist z. B. der Fall, wenn ein deutscher Kunde Ärger mit einer irischen Airline oder ein französischer Kunde mit einer deutschen Fluggesellschaft hat.

Luftfahrt-Bundesamt (LBA)

In allen Mitgliedstaaten gibt es eine Beschwerdestelle für Fluggastrechte, deren Aufgabe darin besteht, die Einhaltung der Rechte von Fluggästen zu wahren – in Fällen von Flugausfall, Flugverspätung und Nichtbeförderung (Verordnung (EG) Nr. 261/2004) – und für die Fluggastrechte von Reisenden mit eingeschränkter Mobilität zu sorgen (Verordnung (EG) Nr. 1107/2006).

In Deutschland ist das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) die offizielle Beschwerde- und Durchsetzungsstelle. Das LBA nimmt Anzeigen von Passagieren entgegen, die den Verstoß einer Fluggesellschaft gegen die entsprechenden EU-Verordnung feststellen. Bei einem nachgewiesenen Verstoß kann das LBA ein Bußgeld verhängen. Bei der Durchsetzung individueller Ansprüche ist es jedoch den Passagieren nicht behilflich.


Ihre Fluggastrechte bei außergewöhnlichen Umständen


Wenn der Flugausfall oder die Flugverspätung außergewöhnlichen Umständen geschuldet ist, haben Sie keinen Anspruch auf Entschädigung gegenüber der Airline. Auch bei Pauschalreisen gelten besondere Regelungen.

Solch außergewöhnliche Umstände können beispielsweise sein:

  • Streik

  • außerordentlich schlechte Wetterbedingungen (z. B. Unwetter)

  • Sicherheitsrisiken

  • unerwartete Flugsicherheitsmängel

  • politische Instabilität


Wenn sich der Flug aus solchen Gründen verspätet oder ausfällt, dürfen Fluggesellschaften Sie dennoch nicht im Stich lassen.

Flugverspätung wegen außergewöhnlichem Umstand

Verspätet sich der Flug aufgrund eines außergewöhnlichen Umstands, muss Ihnen eine kostenlose Betreuung bereitgestellt werden (d. h. Mahlzeiten, Erfrischungen sowie zwei Telefonate, Faxe oder E-Mails). 

Ansprüche gelten jedoch nur bei folgender Reichweite und Flugverspätung beim Abflug:

Flugstrecke Verspätung
Kurzstrecke bis 1.500 km mehr als 2 Stunden
Mittelstrecke 1.500 km bis 3.500 km mehr als 3 Stunden
Langstrecke mehr als 3.500 km mehr als 4 Stunden


Sollte Ihr Flug erst am nächsten Morgen starten, ist Ihnen eine Übernachtung im Hotel anzubieten.

Wer die Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer Flugverspätung von mindestens fünf Stunden kostenlos vom Flug zurücktreten und den Preis zurückverlangen.

Flugausfall bei außergewöhnlichem Umstand

Wird der Flug aufgrund eines außergewöhnlichen Umstands gestrichen, muss die Fluggesellschaft alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen, damit Fluggäste an ihr Ziel kommen. Es muss eine Umbuchung auf eine andere Fluggesellschaft vorgenommen werden, sofern dies möglich ist. Alternativ kann auch ein Abflug von einem benachbarten Flughafen oder eine Ersatzbeförderung mit Bus oder Bahn arrangiert werden.

Die Umbuchung sollte immer durch oder in Absprache mit der Airline geschehen. Wenn Reisende auf eigene Faust und ohne Absprache mit der Fluggesellschaft umbuchen, können sie keine Erstattung der Kosten verlangen.

Eine Betreuung wie oben beschrieben steht Reisenden auch bei Flugausfall zu.

Wer die Möglichkeit auf einen Ersatzflug nicht in Anspruch nehmen möchte, kann bei einem Flugausfall vom Beförderungsvertrag zurücktreten, d. h. er kann sein Ticket zurückgeben und erhält den Preis erstattet. Zusätzliche Kosten dürfen hierfür nicht berechnet werden.

Technische Mängel sind kein außergewöhnlicher Umstand

Nicht als außergewöhnlicher Umstand anerkannt werden im Allgemeinen technische Mängel an Flugzeugen. Der EuGH entschied, dass Fluggesellschaften auch bei solchen Defekten an betroffene Passagiere eine Entschädigung zahlen müssen. Das gilt bei allen technischen Problemen, die im normalen Betrieb der Airline anfallen, jedoch nicht bei Rückruf einer Maschine durch den Flugzeughersteller.

Im September 2015 hat der EuGH diese Entscheidung in einem weiteren Urteil bekräftigt. Es sei normal, dass Fluggesellschaften mit solcher Art von unvorhergesehenen technischen Problemen klar kommen müssten. Passagieren steht bei solch einer Flugverspätung ein Anspruch auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro zu.


Tipps für den Streikfall

  • Informieren Sie sich, ob Ihr Flug betroffen ist.

  • Setzen Sie sich mit Ihrer Fluggesellschaft, bzw. Ihrem Reiseveranstalter in Verbindung, um frühzeitig abzuklären, ob eine alternative Beförderung in Betracht kommt.

  • Sofern Ihnen nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird: finden Sie sich rechtzeitig am Flughafen ein, denn vielleicht kann Ihr Flieger doch schneller als erwartet starten oder Ihnen eine Alternative angeboten werden.

  • Fordern Sie die Ihnen zustehenden Betreuungsleistungen von Ihrer Fluggesellschaft.

  • Heben Sie Quittungen Ihrer Ausgaben auf. Die Betreuungsleistungen müssen Ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Sollte dies trotz Nachfrage nicht geschehen, können Sie diese anschließend der Airline in Rechnung stellen.

Besonderheiten bei Pauschalreisen

Wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben und Ihr Flug stark verspätet ist oder gestrichen wurde, können Sie Ihre Fluggastrechte gegenüber der Airline geltend machen.

Oder Sie richten Ihre Ansprüche gegen den Reiseveranstalter - dann gilt das Pauschalreiserecht. Das müssen Sie allerdings innerhalb eines Monats nach dem im Vertrag vereinbarten Reiseende tun. Dagegen verjähren die Fluggastrechte aus der Verordnung erst nach drei Jahren - zumindest nach deutschem Recht.

Was besser für Sie ist?

Kommt ganz darauf an: Nach der EU-Fluggastrechteverordnung steht Passagieren eine festgelegte Entschädigung je nach Dauer der Verspätung und Flugstrecke zu. Vom Veranstalter der Pauschalreise erhalten Sie einen gewissen Prozentsatz des Gesamtreisepreises.

Beispiel: Wenn Sie eine Pauschalreise für vier Personen nach Kuba gebucht haben und der Flug drei Stunden Flugverspätung hat, erhalten Sie eine Ausgleichszahlung in Höhe von 600 Euro pro Person.

Entschädigung nach Pauschalreiserecht lohnt sich vor allem dann, wenn die Reise sehr teuer war. Sie können sich aber auf jeden Fall erst einmal an den Veranstalter wenden und später dann an die Fluggesellschaft. Allerdings kann es sein, dass die Airline von der Ausgleichszahlung die Summe abzieht, die Sie bereits vom Reiseveranstalter erhalten haben.


Fluggepäck: Diese Regeln und Bestimmungen gilt es zu beachten


Die Mitnahme von Gepäck auf Flugreisen ist oft eingeschränkt. Die Regelungen der Airlines können voneinander abweichen. 

Werfen Sie daher zur Sicherheit einen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fluggesellschaft, mit der Sie als nächstes reisen wollen.

Wie groß darf das Handgepäck sein?

Fluggesellschaften können Gewicht, Größe und Menge des Handgepäckes beschränken. Dabei weichen die Vorschriften der einzelnen Airlines oft voneinander ab.

Eine gesetzliche Regelung zu den Maßen von Handgepäck gibt es nicht. Es kann daher große Unterschiede je nach Airline geben. Erkundigen Sie sich auf jeden Fall vor dem Flug über die Regelungen bei Ihrer Fluggesellschaft. Fliegen Sie mit zu großem Handgepäck, müssen Sie eventuell nachzahlen.

Was darf ins Handgepäck?

An allen Flughäfen der EU, in Norwegen, Island und in der Schweiz dürfen nur noch kleine Flüssigkeitsmengen im Handgepäck mitgeführt werden. Ob Zahnpasta, Wasserflasche oder Handcreme – maximal 100 ml sind pro Produkt erlaubt. Außerdem müssen sie in getrennten Behältern transportiert werden und die wiederum in einer durchsichtigen, wiederverschließbaren Plastiktüte mit einem Fassungsvermögen bis zu einem Liter.

Eine ausführliche Liste häufiger Fragen zur Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck können Sie auf der Seite des Bundesministerium des Inneren nachlesen.

Passagiere, die eventuell während des Fluges auf Medikamente zurückgreifen müssen, sollten sich dies im Vorfeld von ihrem Arzt bescheinigen lassen. So gibt es keine Probleme beim Boarding.

Beschädigtes oder verlorenes Gepäck

Was tun, wenn Ihr Gepäck auf dem Flug beschädigt wurde oder gar nicht erst ankommt? Das Montrealer Übereinkommen (MÜ) regelt, welchen Anspruch auf Entschädigung Sie gegenüber der Airline haben.

  • Bei der Berechnung des entstandenen Schadens kommt es auf den Wert der Gegenstände zum Zeitpunkt der Beschädigung bzw. des Verlustes an. Nur bei nagelneuen Gegenständen wird der Neupreis erstattet.
  • Der Passagier muss beweisen, welche Gegenstände beschädigt wurden bzw. verloren gingen und welchen Wert sie hatten.
  • Im Montrealer Übereinkommen ist eine Haftungshöchstgrenze der Fluggesellschaft von umgerechnet 1.213 €* (Stand: 01/2019).
  • Viele Airlines sehen kleinere Schäden als unbedeutend an – der Passagier müsse sie beim Flug in Kauf nehmen.

* Genau genommen beträgt der Höchstbetrag 1.131 Sonderziehungsrechte (SZR). Hier finden Sie den aktuellen Umrechnungskurs.

Koffer weg: Rückerstattung bei Noteinkäufen

Wenn das Gepäck verspätet ankommt, dürfen betroffene Passagiere Notkäufe tätigen – allerdings sollten Sie sich vorher erkundigen, was die Airline unter notwendigen Gütern versteht. Ob Zahnbürste oder Unterhose, bewahren Sie immer die Rechnungen der Noteinkäufe auf, um die Ausgaben dokumentieren zu können.

Häufig zahlt die Airline jedoch Standardtagessätze: Alle betroffenen Passagiere erhalten in diesem Fall pro Tag eine bestimmte Summe, und zwar bis zu einer maximalen Anzahl an Tagen. Diese Entschädigung sieht die Fluggesellschaft dann als endgültig an, unabhängig vom tatsächlichen Schaden.

Woran muss ich noch denken?

  • Melden Sie den Gepäckverlust sofort am Lost-Luggage-Schalter und füllen Sie den Property Irregularity Report (PIR) aus.
  • Sollten Sie eine Gepäckversicherung abgeschlossen haben, melden Sie sich mit dem Beleg sofort bei Ihrem Versicherer!
  • Fertigen Sie noch vor der Reise eine Liste aller Dinge an, die sich in Ihrem Koffer befinden – und bewahren Sie die Kaufbelege auf!
  • Kennzeichnen Sie Ihr Gepäckstück deutlich. Geben Sie Telefonnummern und Adressen an, unter denen Sie in nächster Zeit erreichbar sind.
  • Kümmern Sie sich sofort: Nur 7 Tage beträgt die Frist, um Gepäckschäden zu melden; 21 Tage bei Gepäckverspätung.

Wie lange habe ich Zeit, um der Fluggesellschaft den Schaden zu melden?

  • Schäden am aufgegebenen Gepäck müssen innerhalb von sieben Tagen nach Empfang der Airline schriftlich angezeigt werden (Art. 21 des MÜ).
  • Falls das Gepäck verspätet eintrifft, muss die Verspätung innerhalb von 21 Tagen nach dessen Eintreffen schriftlich gemeldet werden.

Bei Gepäckverlust ist die Einhaltung einer Frist nicht zwingend, aber empfehlenswert.

Tipp

Überlegen Sie sich, welche Gegenstände Sie in den Koffer packen, der am Check-in aufgegeben wird. Denn aufgrund der Haftungsbegrenzung ist es unwahrscheinlich, vollen Ersatz für Geld, Schmuck, Schlüssel, elektronische Geräte und andere wertvolle Gegenstände zu erhalten.

Reisebegleiter für unterwegs

Mit unserer kostenlosen Online-Broschüre "Mit dem Flugzeug auf Reisen" erklären wir Ihnen Ihre Fluggastrechte kurz und knapp.

Eingeschränkte Mobilität & Behinderung


Personen mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität muss an Flughäfen und an Bord von Flugzeugen geholfen werden, vorausgesetzt, der Flug startet oder endet in der EU.

Grund dafür ist die EU-Verordnung 1107/2006. So dürfen Fluggesellschaften und Reiseveranstalter die Flugbuchung oder den Transport aufgrund von Behinderung oder eingeschränkter Mobilität nicht verweigern.

Außerdem sind folgende, kostenlose Hilfeleistungen an EU-Flughäfen Pflicht:


Vor dem Flug

Die betroffenen Fluggäste sollen an der Information abgeholt, zum Check-In und durch sämtliche Kontrollen begleitet sowie bis zum Passagierwarteraum betreut werden.

Während des Fluges

Fluggesellschaften müssen z. B. die Beförderung von Rollstühlen oder von Blindenhunden kostenlos anbieten. Zudem muss sich das Bordpersonal darum bemühen, dass Behinderte oder Personen mit eingeschränkter Mobilität einen Sitzplatz nach ihren Bedürfnissen erhalten.

Nach dem Flug

Passagiere erhalten Hilfe, um ihren Anschlussflug zu erreichen oder zum Bus bzw. Taxi zu gelangen. Auch beim Tragen des Gepäcks muss Unterstützung gewährt werden.

Wenden Sie sich an:

  • die Leitung des Flughafens, wenn Sie z. B. Hilfeleistungen nicht erhalten haben, obwohl Sie diese rechtzeitig angemeldet hatten.

  • die Airline, wenn es Probleme beim Flug (Flugverspätung, Überbuchung, Flugausfall), beim Gepäck (Beschädigung, Verspätung, Verlust) oder beim Check-In z. B. eines elektrischen Rollstuhles gab.

  • den Reiseveranstalter, wenn es Probleme bei einer Pauschalreise gab.


Sofern die Leitung des Flughafens oder die Airline nicht innerhalb von 6 Wochen auf Ihr Schreiben reagiert oder Sie sich nicht einigen können, versuchen Sie den Streit außergerichtlich zu lösen.

Wenden Sie sich dazu an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp), sofern die Airline der söp angeschlossen ist. Ist die Fluggesellschaft nicht angeschlossen, wenden Sie sich an die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz

Startet Ihr Flug von Deutschland aus und wurden Sie aufgrund Ihrer eingeschränkten Mobilität benachteiligt, können Sie sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden.

Wichtige Urteile

Annulliert eine Fluggesellschaft einen Flug, muss sie dem Reisenden den kompletten Preis inklusive der an einen Dritten (z. B. Buchungsportal) gezahlten Vermittlungsgebühr erstatten.

Geklagt hatte eine Familie aus Hamburg. Diese hatte über das Online-Portal Opodo Flüge von Hamburg nach Faro gebucht. Durchgeführt werden sollte der Flug von der spanischen Airline Vueling. Die Fluglinie annullierte die gebuchten Flüge und erstattete den Betrag, den die Airline tatsächlich von dem Vermittler Opodo erhalten hatte, nicht aber die Provision in Höhe von knapp 80 Euro, die das Buchungsportal für die Vermittlung erhalten hatte.

Der Europäische Gerichtshof hat nun mit Urteil vom 12.09.2018 (Aktenzeichen EuGH: C-601/17) festgestellt, dass Fluggäste einen Anspruch auf Erstattung der gezahlten Gesamtsumme, also auch der gezahlten Vermittlungsgebühr haben. Dies gilt nur dann nicht, wenn die Fluggesellschaft keine Kenntnis von der Provision hatte.

Laut Europäischem Gerichtshof ist bei der Bestimmung der Höhe der Entschädigung im Fall eines Flugs mit Anschlussflug lediglich die Luftlinienentfernung zu berücksichtigen, die ein Direktflug zwischen dem Start- und dem Zielflughafen zurücklegen würde. Der Umstand, dass die tatsächlich zurückgelegte Flugstrecke wegen des Anschlussflugs die Entfernung zwischen Start- und Zielflughafen übersteigt, hat keine Auswirkungen auf die Berechnung des Ausgleichs.

Wenn eine Fluggesellschaft ihre Kunden über deren Rechte bei Verspätungen und Überbuchungen informiert, dann muss sie dies stets korrekt und ausführlich tun. So untersagte das Landgericht Berlin in einem Urteil vom Oktober 2015 einer Fluggesellschaft irreführende Angaben auf einem Informationsblatt und bemängelte lückenhafte Hinweise, u. a. auf die garantierten Ausgleichszahlungen im Falle von großen Verspätungen.

Wenn Fluggesellschaften in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen darauf hinweisen, dass zur Durchsetzung der EU-Fluggastrechte keine spezialisierten Agenturen hinzugezogen werden dürfen, so ist dies unzulässig. Zu diesem Ergebnis kamen zwei deutsche Gerichtsentscheidungen:

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