Widerruf beim Onlinekauf

Das Internet bietet große Vorteile: Man kann seine Ware rund um die Uhr bequem online bestellen und nach Hause liefern lassen. Ärgerlich nur, wenn der bestellte Artikel nicht gefällt. Wir klären Sie über Ihr Widerrufsrecht auf.

Stand der Informationen : November 2018

Widerruf bei Onlinekäufen: Formen und Fristen

Das bestellte Produkt gefällt Ihnen nicht? Dann haben Sie bei Online-Einkäufen in der EU 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen. Diese Frist beginnt beim Online-Kauf, sobald der Empfänger die Ware erhalten hat und wenn der Händler den Verbraucher ordnungsgemäß informiert hat. Wenn der Händler den Verbraucher nicht oder nicht ordnungsgemäß informiert hat, verlängert sich die Widerrufsfrist auf ein Jahr und 14 Tage, gerechnet ab dem Tag des Erhalts der Ware.

Der Käufer trägt die Kosten für die Rücksendung, es sei denn, der Händler übernimmt die Rücksendekosten freiwillig.

Wie kann ich widerrufen?

  • Widerruf durch Rücksendung? Achtung – ein Widerruf allein durch die Rücksendung der Ware ist nicht mehr möglich. Auch die Verweigerung der Annahme der Ware reicht damit nicht mehr aus.
  • Der Verbraucher kann den Widerruf wie bisher per E-Mail, Fax oder schriftlich erklären.
  • Muster-Widerrufsformular: Der Händler kann dem Verbraucher ein Muster-Widerrufsformular zur Verfügung stellen, mit dem der Verbraucher den Widerruf erklären kann. Der Verbraucher ist aber nicht verpflichtet, dieses Formular zu verwenden.
  • Mündlicher Widerruf: Neu ist, dass der Verbraucher den Widerruf auch mündlich erklären kann. Ein mündlich erklärter Widerruf ist im Nachhinein jedoch nur schwer beweisbar.

Unser Tipp dür den Widerruf nach einem Onlinekauf

Schauen Sie sich den Zustand der Ware sofort an, wenn die Lieferung bei Ihnen ankommt und reklamieren Sie notfalls!

Machen Sie den Kurierdienst sofort auf eventuelle Schäden aufmerksam und vermerken Sie diese auch auf dem Annahmeschein.

Reklamieren Sie zudem schriftlich beim Händler, dass das Produkt beschädigt bei Ihnen ankam oder nicht dem entsprach, was Sie bestellt hatten. Bitten Sie ihn weiterhin um die Reparatur der Ware oder den Umtausch gegen ein neues Produkt. Sie selbst können ihm auch eine angemessene Frist setzen.

Nutzung der Ware: Darf ich sie ausprobieren?

Nach wie vor ist es möglich, die Ware nach Erhalt auf ihr korrektes Funktionieren zu prüfen. Gerade dies soll das Widerrufsrecht ja ermöglichen. Im Gegensatz zum Einkauf im Geschäft besteht beim Online- und Versandhandel schließlich nicht die Möglichkeit, die Ware bereits vor Vertragsschluss eingehend zu prüfen, also anzufassen, anzuprobieren etc.

Der Händler ist damit beispielsweise nicht berechtigt, nach der Rücksendung einer Jacke einen Teil des Kaufpreises mit der Begründung einzubehalten, dass der Verbraucher die Jacke anprobiert habe und sie dadurch nicht mehr neuwertig sei.

Andererseits ist der Händler sehr wohl berechtigt, Wertersatz zu verlangen, wenn der Verbraucher die Ware vor der Rücksendung nicht nur prüft, sondern normal verwendet hat, wenn das Kleid beispielsweise auf einer Feier getragen wurde und Gebrauchsspuren sichtbar sind. Allerdings besteht ein solcher Wertersatzanspruch nur dann, wenn der Händler den Verbraucher schon bei der Bestellung auf diese Konsequenz hingewiesen hat.

Eine Ausnahme besteht zudem bei Produkten wie Strom, Gas und Wasser, da Sie diese schließlich nach erfolgter Nutzung nicht mehr zurückgeben können.

Widerruft ein Verbraucher seinen Vertrag, nachdem er bereits Gas, Wasser oder Strom konsumiert hat, muss hierfür grundsätzlich Wertersatz geleistet werden, da diese Ware nicht zurückgegeben werden kann. Über diese Konsequenz muss der Händler den Verbraucher allerdings korrekt informieren.

Ausnahmen, in denen kein Widerruf möglich ist

Achtung: Bei bestimmten Online-Verträgen haben Sie kein Widerrufsrecht. Hier erfahren Sie, welche Ausnahmen gelten.

Das Widerrufsrecht gilt nicht:

  • für bestimmte Produkte: CDs oder DVDs, deren Versiegelung geöffnet wurde, verderbliche Waren (z. B. Medikamente oder Lebensmittel, Zeitungen und Zeitschriften etc.)
  • für Waren, die von Privatpersonen verkauft wurden (z. B. auf Auktionsplattformen)
  • für Sonderanfertigungen, d. h. speziell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten und nicht aus leicht zusammensetzbaren Einzelteilen angefertigt. Kriterium ist, ob die Ware leicht zum selben Preis an eine andere Person verkauft werden könnte.
  • für Ware, die nach der Lieferung untrennbar mit anderen Gütern vermischt wird, beispielsweise Heizöl.


Beim Download digitaler Ware (Musik, Apps, E-Books) wird dem Verbraucher im Grund zwar ein Widerrufsrecht eingeräumt, dieses kann jedoch schon vor Ablauf der Widerrufsfrist erlöschen, und zwar wenn:

  1. Der Händler mit der Ausführung des Vertrages begonnen hat, also in der Regel, wenn der Händler die digitale Ware bereitstellt und dem Verbraucher so den Download ermöglicht.

  2. Der Verbraucher sich ausdrücklich damit einverstanden erklärt hat, dass der Händler mit der Vertragsausführung vor Ablauf der Widerrufsfrist beginnt.

  3. Der Verbraucher bestätigt hat, dass ihm bewusst ist, dass sein Widerrufsrecht erlischt, sobald der Händler mit der Vertragsausführung beginnt.

Widerruf bei Dienstleistungen

Die Widerrufsfrist beginnt mit Vertragsschluss und sobald der Händler den Verbraucher über dessen Recht belehrt hat. So kann auch die Anmeldung bei einer Online-Partnerbörse, die Registrierung auf einer Online-Modeldatenbank oder die Bestellung eines kostenpflichtigen Premium-Services für ein E-Mail-Postfach widerrufen werden. Aber Vorsicht: Das Widerrufsrecht kann vorzeitig erlöschen.

Dies ist nach dem neuen Recht unter folgenden Voraussetzungen der Fall:

  • Der Verbraucher stimmt der Ausführung der Dienstleistung ausdrücklich zu.
  • Der Verbraucher bestätigt seine Kenntnis darüber, dass sein Widerrufsrecht erlischt, sobald der Händler die Dienstleistung vollständig erbracht hat. Bei Verträgen über digitale Inhalte (z. B. Download von Musik) gilt dies sobald der Unternehmer mit der Übertragung begonnen hat.
  • Neu ist, dass wenn der Händler die Dienstleistung vollständig erbracht hat, es nicht mehr darauf ankommt, ob der Verbraucher den Preis für die Dienstleistung zu diesem Zeitpunkt bereits bezahlt hat.

Die Rechte der Verbraucher werden bei der Bestellung von Dienstleistungen über Internetseiten aus dem EU-Ausland durch die neue, europaweite Regelung gestärkt.

Dienstleistung bereits in Anspruch genommen?

Der Verbraucher hat z. B. Profile auf einer Partnerbörse durchblättert? Falls er sein Widerrufsrecht geltend macht, muss er in diesem Fall dem Händler gegebenenfalls Wertersatz leisten, und zwar in Höhe des Wertes der bereits in Anspruch genommenen Dienstleistung.

Dies gilt nur dann, wenn der Verbraucher ausdrücklich verlangt, dass die Ausführung der Dienstleistung schon vor Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist beginnt. Voraussetzung ist, dass er dies auf einem dauerhaften Datenträger, z. B. auf Papier oder in einer E-Mail erklärt. Außerdem muss der Unternehmer ihn vor Vertragsschluss über das Widerrufsrecht und die hier beschriebene Teilzahlungspflicht belehrt haben.

Wie funktioniert der Versand beim Widerruf?


Auch der EU-weite Versand beinhaltet viele Fragen: Wer kommt für die Kosten auf? Wer haftet wofür? Welche Fristen gelten?

Muss der Händler nach Widerruf die Hinsendekosten erstatten?

Dies sind die Versandkosten, die beim ersten Versand der Ware an den Verbraucher entstehen. Der Händler ist verpflichtet, diese Hinsendekosten zu erstatten. Dies gilt allerdings nur für die Kosten eines Standardversands. Entscheidet sich ein Verbraucher bei der Bestellung für eine teurere Versandart, zum Beispiel für einen Expressversand, müssen diese Mehrkosten nicht erstattet werden.

Wer trägt die Rücksendekosten?

Nach neuem Recht trägt der Verbraucher die Rücksendekosten. Erforderlich ist aber, dass der Händler den Verbraucher bei der Bestellung hierüber korrekt informiert hat. Die bisherige Regelung entfällt, wonach beim Kauf von Waren über einem Wert von 40 Euro grundsätzlich der Händler die Rücksendekosten tragen musste. Selbstverständlich haben Händler aber nach wie vor die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis die Rücksendekosten zu übernehmen.

Wer haftet bei der Rücksendung zum Händler?

Der Händler trägt die Gefahr der Rücksendung der Ware.

Wann muss der Verbraucher die Ware zurücksenden?

Der Verbraucher muss die Ware spätestens innerhalb von 14 Tagen nach Erklärung des Widerrufs zurücksenden. Bislang musste nur „paketfähige“ Ware zurückgesendet werden, bei großen und sperrigen Produkten wie Waschmaschinen musste der Händler selbst den Rücktransport organisieren. Nun muss der Verbraucher auch nicht paketfähige Ware zurücksenden, zum Beispiel indem er eine Spedition beauftragt.

Wann muss der Händler den Kaufpreis zurückerstatten?

Das neue Recht setzt dem Händler eine vierzehntägige Höchstfrist für die Erstattung des Kaufpreises. Nach altem Recht hatte der Händler hierfür maximal 30 Tage Zeit. Nach dem neuem Recht kann der Händler den Kaufpreis jedoch auch nach Ablauf der 14 Tage so lange einbehalten, bis der Verbraucher einen Beleg über die Rücksendung der Ware an die hierfür angegebene Adresse vorgelegt hat.

Kann der Verbraucher einen solchen Nachweis nicht erbringen, darf der Händler den Geldbetrag bis zum Eingang der Ware in seinem Betrieb einbehalten. Dieses Zurückbehaltungsrecht des Händlers besteht jedoch nicht, wenn sich der Händler zuvor bereit erklärt hat, die Ware beim Verbraucher abzuholen.

Weitere nützliche Tipps

Schicken Sie das Produkt am besten originalverpackt und als Paket zurück, wenn Sie es doch nicht wollen!

Wenn Sie das Produkt zum Händler zurückschicken, weil Sie den Kaufvertrag widerrufen wollen, trägt dieser zwar grundsätzlich das Risiko für etwaige Transportschäden.

  • Dennoch sind auch Sie dazu verpflichtet, das Produkt bei Rücksendung ordnungsgemäß zu verpacken. Ansonsten werden Sie haftbar gemacht, wenn es dabei beschädigt wird.
  • Es empfiehlt sich auch, die Ware in der Originalverpackung zurückzuschicken, denn ansonsten könnte der Händler eventuell Entschädigung dafür verlangen, dass er die Ware nicht mehr zum Originalpreis verkaufen kann.
  • Versenden Sie auch kleinere Gegenstände am besten als Paket und nicht als Päckchen, damit Sie einen Einlieferungsschein erhalten. Mit diesem lässt sich im Zweifelsfall beweisen, dass das Paket auch tatsächlich zurückgeschickt wurde.
  • Bewahren Sie den Einlieferungsschein langfristig auf.
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