Gewährleistung und Garantie

Die gesetzliche Gewährleistung gilt EU-weit zwei Jahre lang ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie die Ware erhalten. Bei Gebrauchtware dürfen die Gewährleistungsansprüche ein Jahr nicht unterschreiten. Zusätzlich besteht häufig auch ein Anspruch auf Garantie. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Leistung, die Händler oder Hersteller freiwillig anbieten können.

Die gesetzliche Gewährleistung

Die gesetzliche Gewährleistung gilt bei allen Kaufverträgen zwischen einer Privatperson und einem beruflichen oder gewerblichen Verkäufer. Bei neuen Produkten haben Sie zwei Jahre lang Gewährleistungsrechte, beginnend mit dem Erhalt der Ware. Für Gebrauchtware kann eine kürzere Haftungsdauer vereinbart werden, aber sie darf ein Jahr nicht unterschreiten.

In der Regel haftet der Verkäufer, von dem Sie die Ware gekauft haben. Das gilt auch dann, wenn der Händler die Ware schon mangelhaft von seinem Lieferanten oder dem Hersteller erhalten hat.

Ist Ihr bestellter Artikel derfekt oder liegt ein Mangel vor, können Sie von Ihren Gewährleistungsrechten Gebrauch machen. In solch einem Fall können Sie vom Verkäufer entweder eine Reparatur oder eine Ersatzlieferung verlangen - ihm also die Chance geben, nachzubessern. Geht beides nicht, weil zum Beipsiel der Aufwand oder die Kosten zu hoch sind, dann haben Sie das Recht, den Kaufpreis zu mindern oder vom Vertrag zurückzutreten und Ihr Geld zurückverlangen.

  • Lassen Sie sich nicht an Dritte verweisen und bestehen Sie darauf, dass sich der Verkäufer um die Mängelbeseitigung kümmert.
  • Weigert sich der Händler von Beginn an, die mangelhafte Ware zu reparieren oder auszutauschen oder wurde bereits zweimal erfolglos versucht das Problem durch Reparatur oder Austausch zu lösen, haben Sie ebenfalls die Möglichkeit vom Kaufvertrag zurückzutreten und die Rückerstattung der Kosten einzufordern.

Gewährleistung bei Gebrauchtwagen: Was ist abgedeckt?

Gerade bei Gebrauchtwagen wird oft versucht, die Gewährleistung komplett auszuschließen. Doch der Verkäufer haftet mindestens ein Jahr lang für Mängel an dem Fahrzeug. Diese Regelung gilt jedoch nur bei einem Kauf zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer, nicht zwischen zwei Privatpersonen.

Achtung: Viele Händler nutzen diese Ausnahme und verkaufen Gebrauchtfahrzeuge nur als Vermittler im Namen des privaten Eigentümers.

Wann ist die Ware mangelhaft?

Eine Ware ist mangelhaft, wenn sie nicht der Beschreibung entspricht oder sich nicht für die übliche oder vereinbarte Verwendung eignet.

Beispiel: Sie kaufen ein Navigationsgerät, von dem im Laden behauptet wird, dass es Karten aller europäischen Länder hat. Nach der Installation stellt sich jedoch heraus, dass das Kartenmaterial nur für Westeuropa verfügbar ist. Sie können das Navigationsgerät also nicht wie vereinbart verwenden.

Das Produkt ist ebenso fehlerhaft, wenn es nicht die handelsübliche Qualität aufweist oder nicht so funktioniert, wie ein Käufer es von der Ware erwarten darf. Haben Sie sich zum Beispiel in einem Möbelhaus einen Schrank gekauft, der sich nicht aufbauen lässt, weil die Montageanleitung fehlerhaft ist, wird dies auch dem Verkäufer als Mangel angelastet (bekannt unter der "Ikea-Klausel").

Was bedeutet Beweislast?

In Deutschland liegt die Beweislast innerhalb der ersten sechs Monate ab Erhalt Ihrer Lieferung beim Verkäufer. Während diesem Zeitraum muss der Händler beweisen, dass die Ware bei Übergabe fehlerfrei war. Nach diesen sechs Monaten, müssen Sie beweisen, dass die gekaufte Ware von Beginn an mangelhaft war, was in der Praxis ohne Sachverständigen-Gutachten nur schwer möglich ist.

Die Fristen für die Beweislastumkehr variieren von Land zu Land. In Frankreich wurde diese verbraucherfreundlicher umgesetzt und liegt die gesamten zwei Jahre beim Verkäufer.

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Der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung

Wie bereits erwähnt, haben Sie EU-weit zwei Jahre lang einen gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung. Zusätzlich erhalten Sie beim Einkauf häufig noch ein Garantieversprechen vom Hersteller oder Verkäufer. Dies erfolgt jedoch auf freiwilliger Basis. Die Garantie-Bedingungen bestimmt der Verkäufer oder Hersteller selbst, wohingegen die Gewährleistungsrechte im Gesetz festgeschrieben sind.

Gerade bei teuren Elektronikgeräten schließen viele Käufer eine zusätzliche kostenpflichtige Garantieverlängerung ab, um sich im Schadensfall abzusichern. Allerdings sollte jede Garantie einen wirklichen Zusatznutzen gegenüber der gesetzlichen Gewährleistung haben, damit sie sich lohnt. Hier gilt es zu vergleichen.

Beispiel

Ein Smartphone-Hersteller gibt Ihnen ein Jahr Garantie auf sein Gerät. Das Smartphone geht jedoch nach eineinhalb Jahren kaputt. Es handelt sich dabei offensichtlich um einen Produktionsfehler. Nun weigert sich der Verkäufer, das Gerät zu reparieren oder auszutauschen, weil die Garantie abgelaufen ist. Hier greift jedoch die zweijährige gesetzliche Gewährleistung, die unabhängig von einer Garantie gilt.

Die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche haben nichts mit der freiwilligen Garantieerklärung des Herstellers zu tun und bestehen daher weiter. Der Verkäufer kann durch eine einjährige Garantie des Herstellers Ihre gesetzlichen Gewährleistung nicht umgehen.

Während der Garantiezeit können Sie Ihre Gewährleistungsrechte gegenüber dem Verkäufer geltend machen, ohne dass dieser Sie wegen der Garantie an den Hersteller verweisen könnte.


Garantie oder Gewährleistung?

Sie können bei einem Mangel selbst wählen, ob Sie Ihre Rechte aus dem Garantieversprechen oder der Gewährleistung geltend machen wollen. Wenn Sie also vom Verkäufer die Reparatur fordern und sich auf Ihre Rechte aus der gesetzlichen Gewährleistung berufen, darf der Verkäufer nicht einfach ablehnen und Sie an den Hersteller verweisen, der Ihnen eine Garantie gegeben hat. Der Verkäufer muss sich selbst um die Reparatur oder den Austausch kümmern. Lassen Sie sich nicht beirren!