Verkehrsberuhigte Zonen in Italien

Bei der „zona traffico limitato (ZTL)“ ist Vorsicht gefragt es drohen hohe Bußgelder.

Stand der Informationen: April 2018

Verkehrsberuhigte Zonen wurden in fast allen Städten Italiens eingeführt, vor allem in der Toskana (Florenz, Pisa), Sizilien (Palermo), Sardinien aber auch in Rom, Mailand, Neapel, Bologna und Turin. Meist sind sie Anwohnern vorbehalten. Zu bestimmten Uhrzeiten sind sie für fremde Fahrzeuge ohne gebührenpflichtige Sondergenehmigung verboten. 

Die Kontrolle erfolgt per Videoüberwachung. Alle Fahrzeuge ohne entsprechende Genehmigung, die in diese Bereiche hinein- oder herausfahren, begehen eine Ordnungswidrigkeit und erhalten daraufhin einen oder mehrere Bußgeldbescheide (jedes Hinein- und Hinausfahren wird erfasst, was somit sehr schnell teuer werden kann).

Zuletzt belief sich das Bußgeld pro Durchfahrt z. B. in Arezzo auf 95 €, in Rom auf 99 €, in Florenz auf 105 € und in Pisa auf 119 €.

Vorsicht! Verkehrsschilder, die auf diese Zonen hinweisen, sind nicht immer ersichtlich (so können sie z. B. weit oben in unmittelbarer Nähe der Überwachungskameras angebracht sein) und die Beschilderung ist in italienischer Sprache verfasst.

Vor der Reise

  • Informieren Sie sich bereits im Vorfeld nach verkehrsberuhigten Zonen. Einige Städte und Kommunen bieten auf Ihren Webseiten Übersichtskarten zu den Verbotszonen an.
  • Parken Sie Ihr Fahrzeug außerhalb der Innenstadt. Legen Sie den Rest der Strecke zu Fuß zurück oder benutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel.
  • Falls sich Ihr Hotel in einer verkehrsberuhigten Zone befindet, informieren Sie den Hotelbesitzer über die Uhrzeiten, zu welchen Sie hinein- oder herausfahren möchten und nennen Sie ihm Ihr Fahrzeugkennzeichen. So können Verbraucher eine Sondergenehmigung für diese Zone erlangen.

Nach der Ordnungswidrigkeit

In den meisten Fällen erhalten Sie erst Wochen oder Monate später ein Schreiben eines Inkassounternehmens, das durch die italienische Polizei beauftragt wurde.  

Bedenken Sie: Die Polizei muss Ihnen den Bußgeldbescheid innerhalb von 360 Tagen zustellen (Artikel 201 der italienischen Straßenverkehrsordnung). Um diese Frist einzuhalten, ist es ausreichend, dass der Bußgeldbescheid innerhalb dieser Frist versandt wurde, ohne Berücksichtigung des Empfangsdatums. Sobald Sie das Schreiben erhalten haben, können Sie innerhalb einer Frist von 60 Tagen Einspruch erheben.

An folgenden Stellen können Sie den Einspruch einlegen:

  • beim Präfekten, kostenfrei (Formular) 
  • beim Friedensrichter (38 €), an dem Ort, an dem die Ordnungswidrigkeit stattgefunden hat (Fomular)

Legen Sie den Einspruch am besten per Einschreiben mit Rückschein ein (die Formulare gibt es ausschließlich in italienischer Sprache).

Wenn bei Zustellung der Bußgeldforderung bereits mehr als 360 Tage vergangen sind, können Sie auch Einspruch einlegen, um die Verjährung feststellen zu lassen. 

Einspruch und Folgen

  • Wenn Sie Einspruch beim Präfekten einlegen, brauchen Sie bei einer möglichen Verhandlung nicht anwesend zu sein. Wird der Einspruch abgelehnt, so wird das Bußgeld automatisch verdoppelt. Falls Sie nicht beim Präfekten vorsprechen möchten, um Ihren Einspruch zu begründen, empfehlen Ihnen unsere italienischen Kollegen im Formular folgenden Satz durchzustreichen “(Opzionale) Ai fini di un’ulteriore illustrazione dei motivi del ricorso, chiede inoltre di essere personalmente convocato, attraverso avviso all’indirizzo di cui sopra“.
  • Falls Sie beim Friedensrichter Einspruch erheben, müssen Sie persönlich bei einer Verhandlung vorsprechen und sich eventuell durch einen italienischen Anwalt vertreten lassen. Der Richter kann entscheiden, das Bußgeld zu verdoppeln, falls der Einspruch  abgelehnt wird.
  • Jeder Staat entscheidet über die Folgen einer Ordnungswidrigkeit. Falls das Bußgeld nicht beglichen wird, ist es möglich, dass die italienischen Behörden eine Verfolgung in Deutschland beantragen. Unabhängig davon, ob Sie das Bußgeld begleichen sollten oder nicht, kann die Nichtbegleichung eine Erhöhung des Bußgeldes mit sich ziehen.  

Nähere Informationen zu derartigen Bußgeldern bietet die deutsche Botschaft in Italien.

Falls es sich um ein Mietfahrzeug handelt

Bei Anmietung eines Fahrzeugs durch einen Verbraucher, der nicht in Italien lebt, wird die Zustellungsfrist von 360 Tagen unterbrochen, sobald die Mietwagenfirma den Bußgeldbescheid erhält. Die Zustellungsfrist fängt wieder an zu laufen, sobald die Mietwagenfirma der zuständigen Polizei die Kontaktdaten des Verbrauchers genannt hat.

Fragen Sie im Falle eines Einspruchs bei der Mietwagenfirma nach einer Kopie der Daten, die der Polizei übermittelt wurden.

Falls Sie ein Auto gemietet hatten und in Italien lebten, beläuft sich die Zustellungsfrist wie folgt: Die Polizei hat 90 Tage Zeit, um des Bußgeldbescheid an die Mietwagenfirma zuzustellen. Nach Erhalt verfügt die Mietwagenfirma über eine Frist von 60 Tagen, um der Polizei die Kontaktdaten des Fahrers zu übermitteln.

Sobald die Polizei diese erhalten hat, beginnt die Frist wieder von neuem und der Bußgeldbescheid muss dem Verbraucher innerhalb von 90 Tagen zugestellt werden.

Der Autovermieter zahlt die Strafe grundsätzlich nicht; er übermittelt der Polizei lediglich Ihre persönlichen Informationen, damit diese Ihnen den Bußgeldbescheid zustellen kann. Mietwagenfirmen können Ihnen Bearbeitungskosten in Rechnung stellen (bis zu 50 € pro Bußgeld). Gegen diese Praxis können Sie nur schwer vorgehen, denn im unterzeichneten Fahrzeugmietvertrag ist dieser Punkt (meist in italienischer Sprache) bereits festgehalten.  

 

 

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