Timesharing-Verträge & Urlaubszertifikate

Sie träumen davon in einem für Sie zur Verfügung stehenden Ferienappartement, zum Beispiel auf Gran Canaria, einige Wochen nach Lust und Laune die Seele baumeln zu lassen. Dann passen Sie auf, dass dieser Traum nicht zum Albtraum wird.

Zahlreiche Verbraucher sind bereits in eine fieße Abzockmasche von unseriösen Timesharing-Anbietern getappt. Die Masche ist fast immer die gleiche: Rubbellos, "Hauptgewinn", Taxifahrt und ein mehrstündiges Verkaufsgespräch.

Unser Tipp: Nicht unterschreiben! Keine Anzahlung leisten!

Definition: Was ist Timesharing?

Timesharing bedeutet so viel wie Teilzeitnutzungsrecht. Und genau darum geht es bei diesen Verträgen: um die Nutzung eines Ferienappartements für einen bestimmten Zeitraum. Dabei wird zwischen timeshare-ähnlichen Kurzzeitverträgen (Vertragslaufzeit bis zu einem Jahr) und Langzeitverträgen (Vertragslaufzeit mehr als ein Jahr) unterschieden.

Was wird in der EU-Timeshare-Richtlinie geregelt?

Um die Rechte der Verbraucher zu stärken, hat die Europäische Union die EU-Timeshare-Richtlinie verabschiedet. Diese gilt für Teilzeitnutzungsverträge (zum Beispiel Ferienappartements) und langfristige Urlaubsprodukte (zum Beispiel Club-Mitgliedschaften) mit einer Mindestvertragslaufzeit von mehr als einem Jahr sowie für Tauschverträge.

Die Richtlinie wurde in das jeweilige nationale Recht umgesetzt. Beispiel: Für Verträge, die auf Gran Canaria abgeschlossen wurden, gilt normalerweise spanisches Recht.

    So schützt Sie die EU-Timeshare-Richtlinie:

    • Recht auf Information über Vertragsinhalte,
    • Kündigungsrecht für langfristige Urlaubsprodukte, zum Beispiel Club-Mitgliedschaften.

    Kurzzeitverträge (Laufzeit bis zu 1 Jahr)

    Zu den kurzfristigen Verträgen zählen timeshare-ähnliche Produkte wie Urlaubszertifikate, Urlaubsgutscheine, Unterkunftsreservierungen, VIP-Zertifikate, Gutscheine sowie Voucher mit oder ohne Holiday-Plus-Mitgliedschaft. Hierbei kaufen Verbraucher das Recht, ein Ferienappartement für einen bestimmten Zeitraum zu nutzen.

    Die Vertragslaufzeit liegt oft bei einem Jahr oder weniger. In diesem Fall gilt die EU-Timeshare-Richtlinie nicht.

    Vor allem im Bereich der Kurzzeitverträge sind einige Unternehmen tätig, die Verbraucher mit zweifelhaften Methoden zum Abschluss eines Vertrages drängen. Methoden, die seitens der Verbraucher häufig als Betrug empfunden werden.

    Beispiel

    Auf Gran Canaria werden Verbraucher mit Sätzen wie "Wir verkaufen kein Timeshare, sondern nur Urlaub" zum Kauf von Urlaubsgutscheinen, Unterkunftsreservierungen, VIP-Zertifikaten, Gutscheinen oder Vouchern gedrängt.

    Häufige Fragen zu Kurzzeitverträgen

    Die Unterkünfte können erst nach Bezahlung sämtlicher Raten im Internet aufgerufen werden. Vorher können die Urlauber nicht sehen, welche Hotels zur Auswahl stehen.

    Viele Verbraucher haben die Erfahrung gemacht, dass die gewünschte Unterkunft zu keinem oder nicht zum gewünschten Zeitraum zur Verfügung stand.

    Es kommt häufig vor, dass Urlaubsgutscheine nicht aktiviert werden können. Wer seinen Unterkunftsgutschein aktivieren möchte, muss sich in vielen Fällen dazu verpflichten, vor Ort noch einmal an einer Verkaufsveranstaltung teilzunehmen.

    Liegt die Vertragslaufzeit bei einem Jahr oder darunter, sind die Verbraucher nicht durch die EU-Timeshare-Richtlinie geschützt. Diese regelt unter anderem das Widerrufsrecht, das Anzahlungsverbot sowie die vorvertraglichen Informationspflichten.

    Der Urlaub ist nicht immer überteuert, aber auch nicht unbedingt ein Schnäppchen. Die Rechnung, ohne Verpflegung, sieht nämlich folgendermaßen aus:

    Eine Pauschalreise nach Gran Canaria kostet im August pro Woche circa 695 Euro pro Person im Appartement mit Übernachtung im 4 Sterne-Hotel, Flug und Transfer.

    Die Urlaubszertifikate liegen im Schnitt bei 1.250 Euro pro Woche für 4 Personen. Das wären 312 Euro pro Woche und Person, ohne Flug und ohne Transfer. Der Flug kommt auf 290 Euro pro Person, die Transferkosten auf 74 Euro. Macht 676 Euro. Ein Preisvorteil des Urlaubszertifikats von 19 Euro.

    Das Problem: Oft sind, wenn überhaupt, nur 3-Sterne-Unterkünfte buchbar. Und diese sind schon ab 556 Euro pro Person und Woche mit Flug und Transfer zu bekommen.

    Abzockmasche mit Rubbellosen auf Gran Canaria: "Hauptgewinn", Taxifahrt & Hotelführung

    Die Masche ist immer die gleiche: Urlauber werden auf Gran Canaria, in Puerto de Mogán oder Playa del Inglés, auf der Straße angesprochen und erhalten ein Rubbellos. Wie der Zufall es will: Das Los ist ein Gewinn. Entweder eine Reise, ein T-Shirt oder ein Smartphone.

    Um den Gewinn einzulösen, müssen die Urlauber nur an einer „kurzen“ Führung durch eine Luxushotelanlage teilnehmen. Das Taxi in das 30 Kilometer entfernte Hotel steht schon bereit. Dort angekommen werden die Verbraucher in Verkaufsgesprächen, die zwischen drei und sieben Stunden dauern, überredet, oft sogar gedrängt, einen Vertrag für den Aufenthalt in einem Luxusappartement abzuschließen.

      Keine Anzahlung leisten

      Viele Opfer der Betrugsmasche berichten, dass sie am Ende des Verkaufsgesprächs total erschöpft gewesen seien und aus Verzweiflung oder Angst den Vertrag unterschrieben hätten. Doch ist die Unterschrift erst einmal geleistet, wird es ernst: Die Anbieter verlangen eine sofortige Anzahlung von circa 1.000 Euro, manchmal auch die ganze Summe. Diese kann bei über 5.000 Euro liegen.

      Haben die Urlauber nicht das passende Zahlungsmittel zur Hand, kann es passieren, dass sie persönlich zum Geldautomaten geleitet werden. In manchen Fällen ist es sogar schon vorgekommen, dass Verbraucher von ihrem Partner getrennt wurden: Während einer mit dem Mitarbeiter des Unterkunftsanbieters zurück ins Hotel fährt, um das passende Zahlungsmittel zu holen, wird der andere vor Ort festgehalten. Dann wird gezahlt: in bar, mit EC- oder per Kreditkarte.

      Urlaubszertifkiate: 3 Schritte in den Urlaubsärger

      Kurzzeitverträge: Kann ich Timesharing-Verträge kündigen?

      Die Antwort lautet: Nein. Timesharing-Verträge sehen kein Stornierungs-, Kündigungs-, Rücktritts- oder Widerrufsrecht vor.

      Obwohl der Vertrag kein Widerrufs-, Kündigungs-, Stornierungs- oder Rücktrittsrecht vorsieht, ist in einem Großteil der Fälle ein Widerruf auf Grundlage der Verbraucherrechte-Richtlinie möglich.

      Zur Formulierung des Widerrufs genügt folgender Satz: "Hiermit widerrufe ich den Vertrag Nr. ... vom ..." Der Widerruf muss innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsunterzeichnung beim Unterkunftsanbieter eingehen. Der Versand sollte per eMail mit Versand- und Lesebestätigung erfolgen, um nachweisen zu können, dass der Widerruf auch tatsächlich verschickt wurde.

      Sie sollten auf jeden Fall versuchen, das bereits gezahlte Geld zurückzubekommen. Die größten Chancen haben Sie, wenn per Kreditkarte bezahlt wurde. Denn dann kann eine Zahlungsreklamation (ein sogenanntes Chargeback) beim Kreditkartenunternehmen oder bei der Bank eingestellt werden. Dabei muss der Sachverhalt so genau wie möglich geschildert und der Begriff "Timeshare" ausdrücklich erwähnt werden.

      Achtung: Die Fristen, innerhalb derer die Zahlungsreklamation beim Kreditkartenunternehmen oder bei der Bank eingehen muss, sind unterschiedlich.

      Wenn Sie mit Bargeld oder per EC-Karte mit PIN-Nummer bezahlt haben, sieht es schlecht aus. Normalerweise ist in diesem Fall das Geld weg.

      Haben Sie mit dem Anbieter eine Ratenzahlung vereinbart, sollten keine weiteren Raten mehr bezahlt werden. Auch wenn der Unterkunftsanbieter mit rechtlichen Konsequenzen oder Inkasso droht. So verlieren Sie im schlimmsten Fall lediglich Ihre Anzahlung.

      Diese kann aber möglicherweise über das Europäische Small Claims Verfahren wieder hereingeholt werden. Einen Versuch ist es wert. Allerdings ist das Europäische Small Claims Verfahren (Bagatellverfahren) in Spanien gebührenpflichtig. Darüber hinaus müssen alle Unterlagen in spanischer Sprache eingereicht werden, was mit zusätzlichen Kosten für Sie verbunden ist.

      Übrigens: Auch für das Europäische Small Claims Verfahren ist ein vorausgegangener Widerruf an den Unterkunftsanbieter erforderlich.

      Unseriöse Anbieter von Urlaubszertifikaten

      Die Namen der Unternehmen wechseln häufig. Bislang sind folgende Firmen mit oben beschriebenen oder ähnlichen Geschäftspraktiken aufgefallen:

      • Anfi Vacation Club S. L.
      • Anfi Dreams
      • Direkt Travel Global S. L., kurz: DTGlobal SL
      • Enduria Travel S. L. (inzwischen insolvent)
      • Ferienexpert S. L.
      • Liberty Holiday 2017 S. L.
      • Reisemarkt24
      • Vacon Marketing SLU
      • Vacon Travel Service
      • Viajes Vacon

      Timesharing: Langzeitverträge (Laufzeit von mehr als 1 Jahr)

      Bei Teilzeitverträgen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr bezahlen Sie eine bestimmte Geldsumme und erwerben dafür Rechte, um eine oder mehrere Übernachtungsunterkünfte für mehr als einen Zeitraum nutzen. Aufgrund der langen Vertragslaufzeit fallen die Verträge unter die EU-Timeshare-Richtlinie.

      Teilzeitnutzungsverträge können unter anderem für Ferienwohnungen, Appartements, Hotelzimmer, Wohnwagen, Wohnmobile oder Hausboote, aber auch für langfristige Urlaubsprodukte (Clubmitgliedschaften), Tauschverträge und Widerverkaufsverträge abgeschlossen werden.

      Häufige Fragen zu Langzeitverträgen

      Wenn Sie einen Timeshare-Vertrag abschließen, zahlen Sie einen einmaligen Festbetrag für die Nutzung der Ferienunterkunft. Allerdings fallen noch jährliche Betriebs- und Instandhaltungskosten an, die Sie nicht vorhersehen können.

      Werden Baumaßnahmen fällig, um die gute Bewertung der Ferienanlage zu erhalten und weiterhin im Katalog gelistet zu bleiben, werden die Vertragsinhaber zudem häufig an den damit zusammenhängenden Kosten beteiligt.

      Die Kosten für die An- und Abreise sowie Verpflegung sind im Preis nicht inbegriffen. Pauschal-, Individual- oder Last-Minute-Reisen sind oftmals günstiger.

      Langfristige Timeshare-Verträge sind nur schwer beziehungsweise überhaupt nicht kündbar. Hier bedarf es einer individuellen Beratung, welche Rechte und Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen, um aus dem Vertrag raus zu kommen.

      Der Weiterverkauf eines Teilzeitnutzungsvertrages oder eines langfristigen Urlaubsproduktes ist - wenn überhaupt - nur unter großen finanziellen Verlusten möglich. Solche Verträge eignen sich daher auch nicht als Kapitalanlage.

      Grundsätzlich gilt das von den Beteiligten gewählte Recht. Hat der Anbieter seinen Sitz in Spanien, kann er zum Beispiel spanisches Recht wählen. Bei Streitigkeiten wird es dann komplizierter die Ansprüche durchzusetzen als wenn deutsches Recht gelten würde.

      Nein. Als Vertragsinhaber sind Sie nicht gegen eine etwaige Insolvenz des Anbieters von Timeshare-Verträgen, Ferienclub- oder Rabattclub-Mitgliedschaften geschützt.

      Was sind Verträge über langfristige Urlaubsprodukte?

      Verträge über langfristige Urlaubsprodukte haben eine Laufzeit von mehr als einem Jahr und fallen daher unter die EU-Timeshare-Richtlinie. Bei einem solchen Vertrag bezahlen die Verbraucher eine bestimmte Summe und erhalten dafür das Recht auf Preisnachlässe oder anderweitige Vergünstigungen in Bezug auf eine Unterkunft.

      Beispiel

      Sie werden Mitglied in einem Ferien- oder Rabattclub und können als Clubmitglied ihre Unterkunft zu günstigeren Preisen bekommen.

      Wenn Sie immer beim gleichen Anbieter übernachten möchte, könnten Sie über einen solchen Vertrag nachdenken. Allerdings sollte Sie sich die Vertragsbedingungen im Vorfeld ganz genau ansehen. Manchmal kann es nämlich vorkommen, dass die vergünstigte Übernachtung nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn Frühstück oder Abendessen in der Anlage eingenommen werden. Was dann extra kostet. In einem solchen Fall ist es ein reines Rechenexempel, ob sich ein solcher Vertrag lohnt oder nicht.

      Wie kann ich einen Vertrag über langfristige Urlaubsprodukte kündigen?

      Beinhaltet der Vertrag über langfristige Urlaubsprodukte kein Kündigungsrecht, kann man versuchen, diesen auf Grundlage der EU-Timeshare-Richtlinie zu beenden.

      Denn hier gilt: Bei Verträgen über langfristige Urlaubsprodukte mit jährlichen Ratenzahlungen, zum Beispiel Ferienclub-Mitgliedschaften, haben Sie nach Zahlung der zweiten Rate das Recht, innerhalb von zwei Wochen, nach Erhalt der Aufforderung zur Zahlung der nächsten Rate, den Vertrag zu kündigen.

      Der Wiederverkaufsvertrag

      Wiederverkaufsverträge werden zwischen einem Verbraucher und einem Gewerbetreibenden geschlossen. Aufgrund der Laufzeit von mehr als einem Jahr, fallen solche Verträge unter die EU-Timeshare-Richtlinie. Gegen Zahlung eines bestimmten Geldbetrages werden Sie als Inhaber eines Wiederverkaufsvertrags durch den Gewerbetreibenden dahingehend unterstützt, ein Teilzeitnutzungsrecht oder ein langfristiges Urlaubsprodukt zu kaufen oder zu verkaufen.

      Wiederverkaufsvertrag: Vorsicht vor unseriösen Anbietern

      Leider gibt es in der Branche viele schwarze Schafe, die den Wiederverkauf für ihre Zwecke nutzen. Da es kaum einen Markt für „gebrauchte“ Teilzeitnutzungsrechte oder „gebrauchte“ langfristige Urlaubsprodukte gibt, melden sich Verbraucher häufig bei Verkaufsbörsen im Internet an oder inserieren in Tageszeitungen. Das ruft oftmals unseriöse Anbieter auf den Plan.

      Die Tricks der unseriösen Unternehmen:

      • Verbrauchern wird von vermeintlich seriösen Wiederverkäufern vorgegaukelt, es gäbe Interessenten, die ihren Vertrag übernehmen wollen. Allerdings müssten vor dem Verkauf noch Steuernachzahlungen oder anderweitige Zahlungen geleistet werden.
      • Angeblich wird der Verkauf über einen Treuhänder abgewickelt, auf dessen Konto eine Bearbeitungsgebühr eingezahlt werden muss. Erst nach Erhalt der Gebühr soll der Kaufpreis auf das Treuhandkonto überwiesen werden.
      • Vermeintlich seriöse Notare wollen den Weiterverkauf des Vertrages abwickeln. Und zwar gegen Zahlung einer Gebühr.
      • Die Verbraucher erhalten Post. Angeblich von der Staatsanwaltschaft. Im Schreiben werden Sie dazu aufgefordert, Zahlungen zu leisten, die in Zusammenhang mit der Insolvenz des Timeshare-Unternehmens stehen.
      • Die Verbraucher werden von vermeintlichen Behördenmitarbeitern aufgefordert, Steuernachzahlungen zu leisten. Die Briefbögen sehen aus als stammen sie tatsächlich von einer Behörde.
      • Die Verbraucher bekommen Post an ihre Heimatadresse. Sie werden in den Urlaubsort gelockt. Begründung: Der Vertrag lasse sich vor Ort leichter weiterverkaufen. Meist kommen die Verbraucher aber mit weiteren Verträgen nach Hause, anstatt den bestehenden verkauft zu haben.

      Vorsicht ist geboten, sobald Sie in finanzielle Vorleistung gehen sollen. Haben Sie das Geld erst einmal bezahlt, ist es verloren, ohne jemals eine Gegenleistung dafür erhalten zu haben!

      Weitere Hilfe in Sachen Timeshare

      Um eine Beschwerde gegen ein RDO-Mitgliedsunternehmen (Resort Development Oganisation = Timeshare-Dachverband) einzureichen, können die Verbraucher das RDO Complaint Registration form ausfüllen und an die eMail-Adresse: info@rdo.org senden. Auf der Internetseite der RDO wurde die Mitgliederliste veröffentlicht.

      Voraussetzung: Die Verbraucher müssen nachweisen können, dass sie in Eigenregie versucht haben, das Problem mit dem Mitgliedsunternehmen zu lösen.