Kreuzfahrt abgesagt wegen Corona: Welche Rechte haben Passagiere?

Während viele Kreuzfahrten auf dem Meer bis Jahresende abgesagt sind, haben die Veranstalter von Flusskreuzfahrten, vor allem in Europa, ihren Betrieb teilweise wieder aufgenommen. Doch welche Rechte gelten, wenn die Kreuzfahrt aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt oder verschoben wird, oder wenn die gebuchten Landausflüge nicht wie geplant stattfinden können?

Grundsätzlich gilt: Bei einer Kreuzfahrt handelt es sich immer um eine Pauschalreise.

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Auswärtiges Amt rät von Kreuzfahrten ab

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie rät das Auswärtige Amt derzeit von Kreuzfahrten ab. Ausnahmen gelten für:

  • Flusskreuzfahrten innerhalb der Europäischen Union, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.
  • Kreuzfahrten, die von einem deutschen Hafen aus starten und ohne Zwischenstopp in einem deutschen Hafen enden.

Häufig gestellte Fragen: Kreuzfahrt & Corona

In solch einem Fall muss Ihnen der Reiseveranstalter den vollständigen Reisepreis erstatten oder Ihnen einen Gutschein anbieten.

Sollte aufgrund der Corona-Pandemie die Mindest-Teilnehmerzahl nicht erreicht und die Kreuzfahrt aus diesem Grund abgesagt werden, muss der Reiseveranstalter Sie entsprechend informieren und Ihnen den Reisepreis innerhalb von 14 Tagen erstatten.

Für Reisen, die vor dem 8. März 2020 gebucht und aufgrund der Corona-Pandemie storniert wurden, darf der Reiseveranstalter Ihnen einen Gutschein anbieten. Sie haben die Wahl, ob Sie den Gutschein annehmen oder ob Sie eine Erstattung des Reisepreises möchten.

Haben Sie den Gutschein angenommen und wird dieser nicht bis 31. Dezember 2021 eingelöst, muss der Reiseveranstalter Ihnen den Reisepreis ab diesem Datum zurückzahlen.

Erfahren Sie mehr zum Thema Gutschein-Lösung in Deutschland und in anderen EU-Ländern.

Wenn Sie Ihre Kreuzfahrt absagen möchten, können Sie dies bis zum Abreisetag tun. Allerdings werden meist Stornogebühren fällig.

Sie können die Reise aber auch auf eine andere Person übertragen. Das müssen Sie dem Kreuzfahrtveranstalter jedoch spätestens 7 Tage vor Reisebeginn mitteilen. Dieser darf Ihnen die möglicherweise hierdurch entstandenen Zusatzkosten berechnen.

Bei unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen können Sie die Kreuzfahrt kostenlos stornieren. Allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, ob Corona-Reisewarnungen als unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände seitens der Gerichte anerkannt werden.

Darüber hinaus liegt ein aktuelles Urteil des Amtsgerichts Frankfurt vor, das besagt, dass es nicht zwingend einer Reisewarnung bedarf, um kostenfrei stornieren zu können.

Ob andere Gericht sich dieser Linie anschließen und ob höhere Instanzen dies bestätigen bleibt abzuwarten.

Weitere Informationen zu Reise-Stornos finden Sie unter Coronavirus in Europa: Welche Rechte habe ich auf Reisen?

Wenn Sie Ihre Kreuzfahrt auf einen späteren Termin umbuchen möchten ist das so, als ob Sie die Reise absagen würden.

Daher ist es durchaus möglich, dass Sie Umbuchungsgebühren bezahlen müssen. Schauen Sie in die Vertragsbedingungen und sprechen Sie mit dem Reiseveranstalter. Denn gerade in Corona-Zeiten verhalten sich viele Kreuzfahrtveranstalter oft kulant.

Nein. Sie müssen keine Umbuchung akzeptieren. Können Sie die Reise zu dem neuen Datum nicht antreten, muss der Reiseveranstalter Ihnen die Wahl zwischen der Erstattung des Reisepreises oder der Annahme eines Gutscheines lassen.

Die reine Angst an Corona zu erkranken reicht nicht aus, um den Vertrag zu kündigen, genauso wenig wie die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe.

Sie können Ihren Vertrag zwar bis zum Abreisetag kündigen, müssen aber mit Stornogebühren rechnen.

Veränderte Reisebedingungen während der Kreuzfahrt

Sind Sie bereits an Bord und werden die Landausflüge abgesagt, können Sie den Reisepreis entsprechend mindern. Reklamieren Sie unmittelbar, am besten schriftlich, entweder beim benannten Vertreter vor Ort oder beim Kreuzfahrtveranstalter.

Setzen Sie sich nach Ihrer Rückkehr mit dem Kreuzfahrtveranstalter in Verbindung und machen Sie die Minderung schriftlich geltend. Achtung: Sie haben dazu maximal zwei Jahre Zeit.
 

Veränderte Bedingungen vor Reiseantritt

Anders ist es, wenn Sie bereits vor Reiseantritt wussten, dass wesentliche Bestandteile der Kreuzfahrt nicht stattfinden können, weil Sehenswürdigkeiten geschlossen sind oder Häfen nicht angelaufen werden können.

Hier haben Sie die Wahl. Entweder Sie akzeptieren die geänderten Reisebedingungen oder Sie treten innerhalb der vom Kreuzfahrtveranstalter festgelegten Frist vom Vertrag zurück. In einem solchen Fall ist das sogar kostenlos möglich.

Allerdings darf der Reiseveranstalter Ihnen als Ersatz eine neue Kreuzfahrt anbieten. Diese müssen Sie nicht annehmen, wenn Sie nicht wollen.

Laut Branchenverband, der Cruise Lines International Association, dürfen Reisende weltweit nur noch an Bord, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen können. Diese Regelung gilt für Schiffe ab 250 Passagieren. Bei Schiffen mit einer geringeren Passagierkapazität obliegt es dem Kreuzfahrt-Veranstalter, ob er einen negativen Covid-19-Test verlangt oder nicht.

Kontaktlose Temperaturmessungen werden auf den meisten Schiffen durchgeführt.

Diese Frage richtet sich einerseits nach den Vorgaben des jeweiligen Veranstalters. Informieren Sie sich im Vorfeld beim Veranstalter über mögliche Einschränkungen.

Zum anderen richtet sich diese Frage danach, welche Zielhäfen das Schiff ansteuert. Die verschiedenen Staaten haben sehr unterschiedliche Regelungen darüber erlassen, welche Regionen als Risikogebiete gelten und welche Einreisebeschränkungen bestehen.

Informieren Sie sich vorab beim Auswärtigen Amt über die zum Reisezeitpunkt geltenden Regelungen in den jeweiligen Staaten.

  • Es gelten die üblichen Abstandsregeln von 1,50 Meter.
  • Um die Abstandregelungen einzuhalten, dürfen nicht alle Kabinen belegt werden.
  • In öffentlichen Bereichen muss eine Maske getragen werden.
  • Anstelle von Buffets, werden auf zahlreichen Schiffen Speisen und Getränke am Tisch serviert.
  • Teilweise sind die öffentlichen Toiletten geschlossen. Es sind die Toiletten in der Kabine zu benutzen.
  • Häufig dürfen nur Personen an einem Tisch sitzen, die sich eine Kabine teilen.

Um eine weitere Ausbreitung des Covid-19-Virus einzudämmen, hat die Europäische Union zusammen mit Healthy GateWays Leitlinien für Kreuzfahrten erstellt.

Das hängt von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Kreuzfahrtveranstalters ab. Wer sich nicht an die Corona-Vorschriften hält, und trotz Ermahnungen die Regeln missachtet, kann unter anderem auf Anordnung des Kapitäns des Schiffes verwiesen und der Reisevertrag gekündigt werden.

Zusatzkosten für einen Rückflug, übernimmt das Kreuzfahrtunternehmen normalerweise nicht.

Bei einem Covid-19-Verdacht wird der betroffene Patient in einer dafür vorgesehenen Kabine isoliert, versorgt und schnellstmöglich an Land gebracht. Enge Kontaktpersonen werden zur Sicherheit der anderen Passagiere ebenfalls isoliert.

Allgemeine Kreuzfahrt-Tipps

Trinkgeld ist eine freiwillige Leistung. Wenn Ihnen der Veranstalter das Trinkgeld vom Bordkonto abbucht, ohne Sie vorher zu fragen, wehren Sie sich! Das ist nämlich laut eines Urteils des Oberlandesgericht Koblenz nicht erlaubt.

Allerdings geben die meisten Kreuzfahrt-Betreiber Empfehlungen hinsichtlich der Höhe eines angemessenen Trinkgelds.

Durch den so genannten „Sicherungsschein“ für Pauschalreisen sind Sie gegen die Zahlungsunfähigkeit des Kreuzfahrtveranstalters geschützt. Dieser muss sich hierbei bei einer Bank oder einer Versicherung gegen Insolvenz absichern.

Die Bank oder die Versicherung kann ihre Haftung aber für alle bei ihr versicherten Veranstalter pro Geschäftsjahr auf insgesamt 110 Millionen Euro begrenzen.

Warnung

Das Unternehmen „KreuzfahrtSafari“ mit Sitz in Berlin nutzt Sicherungsscheine eines früheren Geschäftspartners. Da zwischen beiden Parteien kein Vertrag mehr besteht, sind die Sicherungsscheine nicht gültig. Buchen Sie nicht bei diesem Unternehmen!

Elektrisch erhitzbare Geräte wie Föns oder Bügeleisen sowie Messer mit Klingen über sieben Zentimeter Länge sind normalerweise untersagt.

Reklamieren Sie sofort beim Reiseveranstalter, denn dieser ist dafür verantwortlich, dass Ihre Reise keine Mängel aufweist. Daher muss der Kreuzfahrtveranstalter Ihnen auch den entstandenen Schaden ersetzen.

Wenden Sie sich zuerst an den Kreuzfahrtveranstalter und versuchen Sie, das Problem selbst zu lösen.

Wenn der Kreuzfahrtveranstalter nicht reagiert und seinen Sitz in einem anderen EU-Land, Island, Norwegen oder dem Vereinigten Königreich hat, dann können Sie sich kostenlos an uns wenden. Nutzen Sie hierzu unser Online-Beschwerdeformular.

Hat der Kreuzfahrtveranstalter seinen Sitz in Deutschland, können Sie sich an die Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes wenden.