Rechte von Passagieren auf Fähren, Binnen- und Meerschiffen sowie auf Kreuzfahrten

Hat die Fähre Verspätung oder wurde die Schifffahrt annulliert, haben Sie einen Anspruch auf Entschädigung. Bei Kreuzfahrten gilt sowohl die Fahrgastrechteverordnung im See- und Binnenschiffsverkehr sowie das Pauschalreiserecht. Auf dieser Seite erklären wir Ihnen Ihre Rechte aus der Fahrgastrechteverordnung.

Die EU-Fahrgastrechte gelten

  • für Schiffsreisen, die in einem Hafen innerhalb der Europäischen Union ablegen
  • für Schiffsreisen, die von einem Hafen außerhalb der Europäischen Union ablegen und in einem Hafen innerhalb der Europäischen Union anlegen, wenn das Schiffahrtsunternehmen seinen Sitz in der EU hat
  • für Kreuzfahrten mit mehr als zwei Übernachtungen an Bord, bei denen noch weitere Dienste angeboten werden. Die Kreuzfahrten müssen in der EU beginnen.


Die EU-Fahrgastrechte gelten nicht

  • für Schiffe, die bis zu 12 Passagiere befördern
  • für Schiffe, deren Besatzung aus maximal 3 Personen besteht
  • für Schiffe, deren einfache Strecke kürzer als 500 Meter ist
  • für zahlreiche historische Schiffe
  • für Ausflugsschiffe, die keine Übernachtung anbieten, oder auf denen sich die Passagiere maximal zwei Nächte lang aufhalten

Annullierte Schifffahrt oder verspätete Abfahrt

Das Schiffs- oder Fährunternehmen muss spätestens 30 Minuten nach der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit alle Fahrgäste über die Annullierung oder Verspätung informieren. Werden daraufhin Anschlüsse verpasst, sollte der Beförderer oder Terminalbetreiber den Passagieren alternative Anschlüsse nennen.

Zeichnet sich bereits im Voraus ab, dass sich die Abfahrt um mehr als 90 Minuten verspätet oder die Fahrt annulliert wird, haben Sie die Wahl zwischen:

  • Weiterfahrt mit einem anderen Schiff ohne Aufpreis zum frühestmöglichen Zeitpunkt und unter vergleichbaren Bedingungen,
  • Erstattung des Fahrpreises und - wenn möglich - kostenlose Rückfahrt zum ursprünglichen Abfahrtsort.

Außerdem haben Sie einen Anspruch auf kostenlose Imbisse oder Erfrischungsgetränke (in angemessenen Umfang). Sollte ein Aufenthalt von einer oder mehreren Nächten notwendig sein, muss zusätzlich eine angemessene Unterbringung an Bord oder an Land inklusive Hin- und Rückfahrt zur Verfügung gestellt werden.

Verspätete Ankunft am Zielhafen: Entschädigung durch Fahrpreisnachlass

Kommen Sie mit Verspätung am Zielhafen an, können Sie eine Entschädigung von mindestens 25 Prozent des Fahrpreises verlangen.

Dabei kommt es auf die Verspätung und planmäßige Fahrtdauer an:

  • 1 Stunde Verspätung bei einer Fahrtdauer von bis zu 4 Stunden,
  • 2 Stunden Verspätung bei einer Fahrtdauer von mehr als 4 bis 8 Stunden,
  • 3 Stunden Verspätung bei einer Fahrtdauer von mehr als 8 bis 24 Stunden,
  • 6 Stunden Verspätung bei einer Fahrtdauer von mehr als 24 Stunden.

Die Entschädigungsansprüche bestehen nicht, wenn es sich um einen außergewöhnlichen Umstand handelt, zum Beispiel wenn Witterungsbedingungen den sicheren Schiffsbetrieb beeinträchtigten. Haben Sie die Verzögerung selbst verschuldet, besteht ebenfalls kein Anspruch auf Entschädigung.

Ansprüche richtig geltend machen

  • Lassen Sie sich Verspätungen oder Annullierungen immer schriftlich vor Ort vom Schiffs- oder Terminalbetreiber bestätigen.
  • Tickets und Belege der Reise aufbewahren.
  • Die Ansprüche müssen innerhalb von zwei Monaten nach der Schiffsreise beim Vertragspartner eingereicht werden - am besten schriftlich!
  • Das Schifffahrtunternehmen oder der Terminalbetreiber haben anschließend einen Monat Zeit, um Stellung zu beziehen, ob der Beschwerde stattgegeben wird, ob diese abgelehnt wurde oder noch in Bearbeitung ist.

Passagiere mit eingeschränkter Mobilität

Schiffsbetreiber dürfen Reisenden, die aufgrund ihres Alters, einer Behinderung oder Verletzung, spezielle Hilfe brauchen diese nicht verweigern.

In der Regel müssen Betreiber und Veranstalter von Schiffsreisen dafür sorgen, dass sowohl an Bord als auch am Hafen kostenlose Mobilitätshilfen bereitstehen. Dies gilt allerdings nur, wenn die in Anspruchnahme einer Hilfeleistung bei Abschluss des Beförderungsvertrags bzw. mindestens 48 Stunden vor Abfahrt mittgteilt wurde. Weiterhin müssen sich die Passagiere zum vorgegebenen Zeitpunkt an den entsprechenden Kontaktpunkten einfinden.

Eine Weigerung darf nur erfolgen, um geltenden Sicherheitsanforderungen zu entsprechen und wenn wegen der Bauart des Schiffes oder der Infrastruktur und Einrichtung des Hafens ein sicheres Ein- oder Ausschiffen oder eine sichere Beförderung behinderter Menschen nicht möglich ist. In diesem Fall müssen alle Anstrengungen unternommen werden, eine Beförderungsalternative zu finden.

Wird eine Begleitperson für eine Reise benötigt, kann diese das Fahrgastschiff kostenlos nutzen. Aber auch hier gilt: Den Bedarf im besten Fall schon bei der Reservierung anmelden.