Coronavirus in Europa: Welche Rechte habe ich auf Reisen?

Stand der Informationen: 8:15 Uhr

Das Coronavirus hat sich mit großer Geschwindigkeit auf der ganzen Welt ausgebreitet. Vor allem die EU-Mitgliedstaaten Frankreich, Italien und Spanien hat die Pandemie besonders schwer getroffen.

Viele Urlauber stellen sich in Anbetracht der Corona-Krise die Frage, ob sie ihren Urlaub überhaupt noch antreten oder stornieren sollen. Doch: Werden die Kosten für Flugtickets oder Urlaubsreisen erstattet?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da es immer davon abhängt, ob eine Pauschalreise oder eine Individualreise gebucht wurde. Für alle Fälle gilt: Informieren Sie sich rechtzeitig und regelmäßig über die aktuelle Lage.

Doch nicht nur Reisen und Flüge werden abgesagt oder verschoben. Auch zahlreiche Veranstaltungen sind davon betroffen: Von der UEFA Europameisterschaft über Konzerte, Festivals bis hin zu Buch- und Automessen. Antworten auf die häufigsten Fragen zu Ihren Rechten finden Sie auf unserer Seite: Coronavirus & abgesagte Events.

Darüber hinaus ruft die Coronavirus-Pandemie auch Betrüger auf den Plan. Auf unserer Seite Vorsicht Falle erklären wir Ihnen die Maschen und wie Sie sich schützen können.

Coronavirus / Covid-19: Die aktuelle Lage

Weltweite Reisewarnung


Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland, da mit zunehmenden Einschränkungen im Reiseverkehr sowie mit weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Beschränkung des öffentlichen Lebens gerechnet werden muss.

Das Risiko, dass die Rückreise wegen der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr angetreten werden kann, ist aktuell hoch.

Die weltweite Reisewarnung gilt voraussichtlich bis Ende April.

Reisewarnung für Frankreich

In Frankreich wurde eine landesweite Ausgangssperre verhängt. Diese gilt voraussichtlich bis 15. April 2020. Die Häuser dürfen nur noch verlassen werden, um zur Arbeit zu gehen (wenn man kein Homeoffice machen kann), um einen Arzt oder eine Apotheke aufzusuchen oder um einzukaufen. Sport im Freien ist weiterhin erlaubt, aber nur alleine, max. 1 Stunde am Tag und nur noch 1 x täglich.

Die Ausgangssperre wird von der Polizei kontrolliert. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Strafe von 135 Euro rechnen. Jede Person, die sich außerhalb ihrer Wohnung aufhält, muss ein Ausweisdokument sowie eine Bescheinigung mit sich führen. Wer zur Arbeit fährt, benötigt die "Attestation de l'employeur". Wer das Haus privat verlässt, die "Attestation individuelle".

Dazu gibt es auf der Webseite des französischen Innenministeriums das entsprechende Formular (in französischer Sprache). Auch handschriftliche Formulare sind erlaubt.

Informationen zum Thema: Coronavirus in der deutsch-französischen Grenzregion stellt das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V. zur Verfügung.

Reisewarnung für Spanien

In Spanien wurde die Ausgangssperre bis voraussichtlich 11. April 2020 verlängert.

Die spanische Regierung hat angeordnet, dass alle Hotels in Spanien ab spätestens dem 26. März 2020 geschlossen werden. Einige Reiseveranstalter haben bereits darauf reagiert und organisieren alternative Rückreisen.

Wenn Sie sich zur Zeit in Spanien aufhalten, kontaktieren Sie umgehend Ihren Reiseveranstalter. Können Sie ihn nicht erreichen, nehmen Sie Kontakt zu einer deutschen Auslandsvertretung in Spanien auf.

Wenn Sie auf dem Landweg reisen, benötigen Sie Papiere, in denen Sie angeben, dass Sie sich auf der Heimreise nach Deutschland befinden.

Nähere Informationen finden Sie auf der Website der deutschen Botschaft in Spanien. Dort gibt es auch Musterschreiben und Übersetzungshilfen für entsprechende Papiere.

Weitere Informationen des Auswärtigen Amts zum Coronavirus in Spanien.

Weitere Reisehinweise für das Ausland

Ausgangssperre in Belgien

Belgien hat eine Ausgangssperre vom 18. März bis einschließlich 5. April 2020 verhängt. Die Menschen sollen zuhause bleiben, außer um zur Arbeit zu gelangen oder zu anderen notwendigen Zwecken, zum Beispiel für den Einkauf, zur Apotheke oder zum Arzt, zur Post oder zur Bank oder um anderen Menschen zu helfen.

Die Läden und Märkte sind geschlossen, mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Tierfutterhandel, Buchhandlungen und Tankstellen.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln sollen die Regeln zur sozialen Distanzierung sichergestellt werden. Zudem ist der ÖPNV reduziert.

Grenzübertritte zu touristischen Zwecken sind bis zum 5. April 2020 verboten. Deutsche dürfen aber nach Deutschland ausreisen.

Reisewarnung für Italien

Italien hat die Aussgangssperre bis 13. April verlängert.

Das Auswärtige Amt rät von nicht erforderlichen Reisen nach Italien ab. Bei Aufenthalten in Italien sollten die Reisen auf das Notwendigste beschränkt werden. Darüber hinaus ist eine Selbsterklärung über die Notwendigkeit mitzuführen.

Betroffene Italien-Urlauber können sich bei Fragen an die Telefonnummer 1500 wenden. Die Nummer ist innerhalb Italiens wählbar.

Für die Region Lombardei wurde die Hotline 800 894545 eingerichtet (nur lokal erreichbar).

Weitere Informationen des Auswärtigen Amts zum Coronavirus in Italien.

Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich

Österreich hat wieder Grenzkontrollen eingeführt. Wenn Sie nach Österreich reisen möchten, benötigen Sie einen medizinisch nachgewiesenen negativen Test auf das Coronavirus, der nicht älter als vier Tage ist.

Pendler sind von dieser Regel ausgenommen.

Reisen Sie mit dem Flugzeug nach Österreich, müssen Sie sich zwei Wochen lang in häusliche Quarantäne begeben.

Weitere Informationen sowie eine Vorlage für die ärztliche Bescheinigung stellt das österreichische Bundesministerium für Inneres zur Verfügung.

Einreiseverbot in die USA

Die USA haben ein Einreiseverbot verhängt. Das entsprechende Präsidialdekret gilt seit dem 13. März 2020.

Personen, die sich 14 Tage vor ihrer Einreise in die Vereinigten Staaten in Deutschland oder in einem anderen Teil des Schengen-Raums aufgehalten haben, dürfen nicht in die USA einreisen.

Die Einreise ist nur noch für Personen möglich, die

  • US-Bürger sind.
  • einen ständigen legalen Aufenthalt in den USA (Green Card) haben.
  • als Familienangehörige eines US-Staatsbürgers oder einer Person mit einem ständigen legalen Aufenthalt in den USA gelten wie Ehegatten, Eltern, Kinder oder Geschwister unter 21 Jahren.
  • Diplomaten oder Mitarbeiter einer internationalen Organsiation sind.

Weitere Informationen des Auswärtigen Amts zu USA-Reisen.

Ein Paar läuft mit Gepäckstücken über einen Steg in Richtung Meer. Im Hintergrund sind kleine Wohnbungalows aus Stroh zu sehen.

Online Broschüre: Auf Pauschalreise durch Europa

Dank der EU haben Reisende, die eine Pauschalreise gebucht haben, Rechte, z. B. wenn die Reise abgesagt wird oder Mängel aufweist. Wir erklären die Rechtslage kurz und knapp.

Dateigröße: 2,1 MB

Coronavirus: Ihre Rechte im Rahmen einer Pauschalreise

Sie haben eine Pauschalreise gebucht, wenn Sie mindestens zwei Hauptreiseleistungen, zum Beispiel Flug und Hotel, als ein Paket gebucht und bezahlt haben. Zu den Pauschalreisen zählen auch Kreuzfahrten sowie Tagesreisen, die mehr als 500 Euro kosten.

Corona-Krise: Kann ich meine Pauschalreise kostenlos stornieren?

Viele Gerichte akzeptieren Reisewarnungen des Auswärtigen Amts als außergewöhnlichen Umstand. Wie es sich im Falle des Coronavirus verhält, ist noch nicht geklärt.

Verhandeln Sie mit Ihrem Reiseveranstalter und argumentieren Sie mit „unvermeidbaren außergewöhnlichen Umständen“ oder „höherer Gewalt“, also mit Ereignissen, die bei der Buchung nicht vorhersehbar waren. Mit diesem Argument sollte es normalerweise möglich sein, die Reise kostenlos zu stornieren.

Entscheidend ist aber, dass dieser Umstand zum Reisezeitpunkt vorliegt. Wenn Ihre Reise erst in einigen Wochen oder Monaten geplant ist, können Sie nicht ohne Weiteres auf eine kostenfreie Stornierung vertrauen.

Wichtig

Die reine Angst zu erkranken reicht nicht aus, um eine Reise kostenfrei abzusagen.

Pauschalreise zu einem späteren Zeitpunkt: Stornieren oder besser noch abwarten?

Wenn Sie frühzeitig stornieren, sind in der Regel die Stornokosten geringer. Wenn Sie abwarten, sind folgende Szenarien möglich:

  • Die Reise findet statt und die Lage hat sich soweit beruhigt, dass Sie die Reise antreten können. In diesem Fall bleibt alles beim Alten.
  • Die Reise findet statt, Sie möchten diese aber nicht antreten. Dann können hohe Stornokosten auf Sie zukommen.
  • Die Reise wird vom Reiseanbieter storniert. In diesem Fall bekommen Sie ihr Geld zurück.

Sie müssen folglich die Risiken für sich selbst bewerten und entsprechend entscheiden.

Wenn Sie die Reise frühzeitig storniert haben und sich später herausstellt, dass es zum Reisezeitpunkt eine Reisewarnung gegeben hat, stellt sich die Frage, ob Sie Ihre Stornogebühren zurückverlangen können. Schließlich hätten Sie den Reisepreis nicht bezahlen müssen, wenn sie abgewartet und erst später storniert hätten. Rechtlich ist dies bislang nicht eindeutig geklärt. Stornieren Sie die Reise schriftlich, um später einen Nachweis zu haben. Geben Sie die Coronavirus-Pandemie als Storno-Grund an. Außerdem sollten Sie darauf hinweisen, dass Sie im Falle einer andauernden Reisewarnung den vollständigen Reisepreis zurückhaben möchten.

Liegt keine Reisewarnung (mehr) vor, ist es die Kulanzentscheidung des Reiseveranstalters, ob Sie kostenfrei stornieren oder die Reise umbuchen dürfen.

Können Sie Sehenswürdigkeiten nicht besichtigten, die einen wesentlichen Bestandteil der Pauschalreise ausmachen, oder kommt es zu gravierenden Änderungen im Reiseablauf, kann dies ebenfalls einen Grund für einen kostenlosen Reiserücktritt darstellen.

Das kann zum Beispiel bei einer Änderung der Route im Fall einer Kreuzfahrt oder Rundreise der Fall sein. Fragen Sie bei Ihrem Reiseveranstalter nach. Eine wesentliche Änderung liegt auch dann vor, wenn Sie bei Ihrer Einreise zunächst eine 14-tägige Quarantäne antreten müssten.

Sagt hingegen der Reiseveranstalter die Pauschalreise  von sich aus ab, muss er Ihnen den Reisepreis erstatten.

Verlängerter Aufenthalt wegen des Coronavirus: Wer übernimmt die Kosten?

Können Sie nicht zum geplanten Zeitpunkt zurückreisen, weil zum Beispiel der Flug aufgrund des Coronavirus ausfällt, muss der Reiseveranstalter die Kosten für den verlängerten Aufenthalt für bis zu drei Tage tragen.

Was darüber hinaus geht, müssen Sie selbst bezahlen, sofern die Kosten nicht von einer anderen Institution (zum Beispiel Behörden) übernommen werden.

Werden Sie am Urlaubsort unter Quarantäne gestellt, übernehmen in manchen Ländern die Behörden die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten. Das hängt allerdings von den dort jeweils geltenden Gesetzen ab.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie Ihren Reiseveranstalter oder die lokalen Behörden.

Vorzeitiger Reiseabbruch: Bekomme ich mein Geld zurück?

Müssen Sie früher als geplant zurückreisen, können Sie unserer Meinung nach einen Teil des Reisepreises zurückverlangen. Die Höhe hängt von der Zahl der Tage ab, um die Ihre Reise verkürzt wird.

Aber auch hier gilt: Wie die Gerichte diesen Fall letztendlich beurteilen werden, bleibt abzuwarten. Versuchen Sie daher zunächst, mit dem Reiseveranstalter eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Welche Rechte gelten für Individualreisende?

Für individuell zusammengestellte Reisen, wenn Sie zum Beispiel den Flug und das Hotel bei unterschiedlichen Anbietern gebucht und bezahlt haben, gelten andere Regelungen als bei Pauschalreisen.

Es lohnt sich, einen Blick auf die Website des Anbieters zu werfen. Viele Reiseunternehmen bieten aufgrund der Corona-Krise derzeit besondere Stornobedingungen und Umbuchungsregelungen an. Zum Beispiel Lufthansa, Airbnb sowie die Deutsche Bahn.

Flugreisen: Rechte von Individualreisenden

Bei Flugreisen ist es in vielen EU-Ländern von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und von der Kulanz der Airline abhängig, ob sich der Flug kostenfrei stornieren lässt. Verhandeln Sie mit der Fluggesellschaft. Viele zeigen sich in der aktuellen Lage kulant und bieten kostenfreie Umbuchungen oder Stornierungen an.

Achten Sie jedoch bei Umbuchungen darauf, was das Angebot genau beinhaltet. Häufig werden nur die Umbuchungsgebühren erlassen. Kostet dann der alternativ ausgewählte Flug mehr als der ursprünglich gebuchte, müssen Sie die Differenz nämlich selbst tragen.

In Italien und Spanien können Flüge bei höherer Gewalt sogar kostenfrei storniert werden. Sollte das für Ihr jeweiliges Reiseland nicht zutreffen, bekommen Sie in jedem Fall die Steuern und Gebühren des Tickets zurück.

Haben Sie Ihren Flug über ein Buchungsportal gebucht, ist bei Problemen die Airline Ihr erster Ansprechpartner, auch wenn Sie den Ticketpreis direkt an das Buchungsportal bezahlt haben. Wir empfehlen Ihnen dennoch, sich schriftlich an die Airline und an das Buchungsportal zu wenden, wenn die Fluggesellschaft nicht oder nicht in angemessener Zeit reagiert.

Individualreisen: Erstattung des Ticketpreises bei Flugausfall

Wurde Ihr Flug annulliert, muss Ihnen der Ticketpreis erstattet oder die Möglichkeit einer anderweitigen Beförderung zum Zielort, zum Beispiel Bahnfahrt oder Umbuchung des Flugs auf einen späteren Zeitpunkt, angeboten werden.

Bislang ungeklärt ist, ob Sie kostenfrei stornieren können, wenn Sie am Zielort in mehrtägige Quarantäne müssten. Sprechen Sie in diesem Fall mit der Airline und bitten Sie um eine kostenlose Umbuchungs- oder Stornierungsmöglichkeit.

Wichtig

Die Europäische Kommission hat kürzlich Auslegungsrichtlinien zu den europäischen Passagierrechten veröffentlicht. Danach wies sie unter anderem auf folgendes hin:

Stranden Sie über Tage an Ihrem Urlaubs- oder Umsteigeort, muss die Fluggesellschaft Ihnen beistehen. Das bedeutet, dass die Airline Sie auf ihre Kosten angemessen in einem Hotel unterbringen muss, bis Sie nach Hause reisen können.

Diese Auslegungsrichtlinien sind zwar für Gerichte nicht verbindlich, werden aber meist von Richtern bei ihren Urteilen berücksichtigt.

Coronavirus: Handelt es sich um einen außergewöhnlichen Umstand?

Das muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Außergewöhnlich sind die Umstände dann, wenn sie sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn die Airline alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hätte, um den Flug dennoch durchzuführen.

Entscheidet sich die Fluggesellschaft während der Coronavirus-Krise dazu den Flug aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu annullieren, liegen keine außergewöhnlichen Umstände vor. Sie können also weiterhin Ihren Anspruch auf Ausgleichszahlungen geltend machen.

Beruft sich die Fluggesellschaft hingegen auf außergewöhnliche Umstände, weil die Gegebenheiten am Zielort die Durchführung des Fluges erheblich erschweren oder unmöglich machen, entfällt dieser Entschädigungsanspruch.

Ist ein Gebiet oder eine Region komplett gesperrt, können Sie in der Regel davon ausgehen, dass es sich um einen außergewöhnlichen Umstand handelt.

Der Reiseveranstalter, die Fluggesellschaft oder das Hotel bieten mir einen Gutschein an. Muss ich diesen akzeptieren?

In einigen Fällen bieten Reiseveranstalter, Airlines oder Hotels bei einer Stornierung Gutscheine statt der Erstattung des Reisepreises an. Sie müssen den Gutschein nach deutschem Recht nicht akzeptieren, wenn Sie ein Recht zur kostenfreien Stornierung hatten.

Bietet der Reiseveranstalter den Gutschein aus Kulanz an, kann ein Gutschein eine Lösung sein. Beachten Sie bitte, dass Sie bei einem Gutschein nicht unbedingt gegen die Insolvenz des Veranstalters geschützt sind.

Darüber hinaus müssen nun in einigen Ländern Gutscheine angenommen werden.

Gutscheine: Das gilt in anderen EU-Ländern

In Frankreich dürfen Gutscheine ausgestellt werden. Und zwar für alle Stornos, die zwischen dem 1. März und dem 15. September 2020 durchgeführt werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Reise von Ihnen oder seitens des Unternehmens storniert wird.

Die Regelung gilt u. a. für folgende touristische Angebote:

  • Pauschalreise
  • Hotelreservierung
  • Mietwagen
  • Fahrradverleih
  • Karten für Sportveranstaltungen, Konzerte, Freizeitparks
  • SPA-Behandlungen
  • Skiverleih, Skilift-Pässe


Diese Regelung gilt nicht für:

  • Flüge
  • Bussreisen
  • Zugreisen


Die Gutscheine sind ab Ausstellung 18 Monate lang gültig.

Wenn nach Ablauf der Gültigkeitsdauer der Gutschein nicht eingelöst wurde, können Sie den kompletten Geldbetrag des Gutscheines zurückverlangen. Wurde nur ein Teilbetrag eingelöst, dann erhalten Sie den noch übrigen Gutscheinbetrag zurück.

Wenn Sie den Gutschein annehmen, sind Sie gegen die Insolvenz Ihres Vertragspartners geschützt.

Sollten Sie sich in schwerwiegenden finanziellen Schwierigkeiten befinden, kontaktieren Sie das Unternehmen. Es ist vorgesehen, dass sich eine Kommission aus Verbrauchervertretern um eine vorzeitige Erstattung kümmert, wenn Sie sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden.

Ihrem Vertragspartner gegenüber können Sie sich auf die "Ordonnance Voucher" Nr. 2020-315 vom 25. März 2020 berufen. Weitere Informationen (in französischer Sprache) - siehe unten:

 

Das gilt für Pauschalreise-Stornos in Belgien

Wird eine Pauschalreise zwischen dem 20. März 2020 und dem 20. Juni 2020 storniert, so darf der Reiseveranstalter Ihnen einen Gutschein ausstellen. Sie müssen den Gutschein akzeptieren. Eine Erstattung des Reisepreises erfolgt nicht. Dabei ist es unerherblich, ob Sie selbst oder der Reiseveranstalter die Reise storniert haben.

Der Gutschein muss mindestens 1 Jahr lang gültig sein, den kompletten bezahlten Reisepreis abdecken und keine Zusatzkosten beinhalten. Darüber hinaus muss auf dem Gutschein ausgewiesen werden, dass er aufgrund der Corona-Pandemie ausgestellt wurde.

Wenn Sie den Gutschein annehmen, dann sind Sie im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters geschützt. Sie erhalten dann den vollständigen Reisepreis zurück.

Geregelt ist dies im Ministerialerlasses über die Rückerstattung von stornierten Pauschalreisen vom 19. März 2020.

Das gilt für Pauschalreisen

  • In den Niederlanden dürfen Pauschalreiseveranstalter Gutscheine ausgeben. Sie müssen den Gutschein aber nicht annehmen, wenn Sie nicht möchten. Vorsicht: Im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters ist Ihr Geld aber verloren.
  • Wenn Sie den Gutschein jedoch annehmen, ist dieser 1 Jahr lang gültig. Sie müssen die Reise dann innerhalb eines Jahres buchen. Der tatsächliche Reisetermin kann aber auch später sein.
  • Wenn Sie den Gutschein akzeptieren, sind Sie gegen die Insolvenz des Reiseveranstalters geschützt.
  • Buchen Sie eine Reise, die vom Preis her günstiger ist als der Gutscheinbetrag, erhalten Sie das zuviel bezahlte Geld zurück.
  • Wenn Sie den Gutschein angenommen haben und Ihre Reise aus persönlichen Gründen nicht antreten können, erhalten Sie Ihr Geld zurück. Diese Regelung greift nach 6 Monaten, gerechnet vom Ausstellungsdatum des Gutscheins an.


Das gilt für individuell gebuchte Flüge

In den Niederlanden dürfen Fluggesellschaften Gutscheine ausstellen. Diese Gutscheine müssen für mindestens 12 Monate gelten. Kann der Gutscheinbetrag während dieser Zeit nicht vollständig zum Kauf von Flugtickets genutzt  werden, muss die Airline Ihnen den noch übrigen Gutscheinbetrag erstatten.

Weitere Informationen (in englischer Sprache) gibt es beim Europäischen Verbraucherzentrum Niederlande.

Sonderfall Luxemburg

Luxemburg hat am 18. März 2020 den Krisenzustand ausgerufen. Dieser Status kann normalerweise bis zu drei Monate aufrechterhalten werden. Während dieses Zeitraumes müssen luxemburgische Pauschalreiseveranstalter keine Reisepreise erstatten. Ganz gleich, ob der Pauschalreisevertrag durch den Reisenden oder den Reiseveranstalter storniert wurde. Geregelt ist dies in der großherzoglichen Verordnung (Grand-Ducal) vom 27. März 2020.

Gutscheinregelungen wie aus anderen EU-Ländern bekannt, gibt es bislang keine.

Weitere Informationen finden Sie beim Europäischen Verbraucherzentrum Luxemburg.

 

Kann ich die Hotelreservierung oder das Ferienhaus kostenfrei stornieren?

In zahlreichen EU-Mitgliedstaaten legen die Hotelbetreiber selbst fest, ob die Hotelunterkunft kostenlos storniert werden dürfen, ob Stornogebühren fällig werden oder ob der komplette Betrag bezahlt werden muss. 

Es kommt jedoch immer auf die Rechtslage im jeweiligen Land an. Gleiches gilt, wenn Sie ein Ferienhaus gebucht haben. Auch hier kommt es auf das Mietrecht des Urlaubslandes und die Vertragsbedingungen an.

Haben Sie über ein Buchungsportal gebucht, wenden Sie sich dennoch zuerst an den Vermieter. Bietet dieser keine zufriedenstellende Lösung an, kontaktieren Sie das Buchungsportal. Argumentieren Sie damit, dass dieses einen größeren Einfluss auf den Vermieter habe als Sie selbst und es daher dem Vermieter Vorschläge zur Lösung des Problems unterbreiten solle.

Wenn der Hotelbetreiber Ihnen Geld erstatten müsste und sich weigert, können Sie entweder einen Mahnbescheid beantragen (siehe European Small Claims Procedure) oder den Klageweg beschreiten. Bitte beachten Sie, dass ein Prozessrisiko besteht und Sie eventuell mit weiteren Kosten rechnen müssen.

Kostenlose Stornierung in Spanien möglich

Schauen Sie in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen Ihrer Hotelunterkunft. In Spanien ist es laut Gesetz möglich, das Hotel aufgrund höherer Gewalt kostenfrei zu stornieren. Dies beruht auf den speziellen Regelungen in der jeweiligen Autonomen Gemeinschaft. Im Zweifelsfallen können Sie sich aber auch auf Art. 1105 des spanischen Código Civil (entspricht dem deutschen BGB) berufen.

Stornierungsmöglichkeiten in Italien und Österreich

In Österreich und Italien können Sie sich auf den Wegfall der Grundlage des Vertrags berufen. Ist das im Zielland anders, bitten Sie um einen Gutschein für einen späteren Zeitpunkt. Darauf lassen sich Hotelbetreiber eher ein als auf eine kostenfreie Stornierung.

Muss ich noch offene Reiserechnungen bezahlen?

Wenn Sie eine Reise geplant und diese noch nicht vollständig bezahlt haben, fragen Sie sich bestimmt, ob Sie die offene Rechnung noch begleichen müssen. Grundsätzlich gilt, dass Sie einen Vertrag geschlossen haben und diesen auch erfüllen müssen. Infolgedessen müssen Sie die Rechnung auch bezahlen.

Anders ist es, wenn Sie das Recht zur kostenfreien Stornierung haben. Dann brauchen Sie den offenen Rechnungsbetrag nicht mehr zu begleichen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie Ihren Vertragspartner darüber informiert haben, dass Sie von Ihrem Recht auf kostenfreie Stornierung Gebrauch machen.

Einreiseverbot wegen Coronavirus

Laut dem deutschen Reiserechtsexperten Prof. Dr. Ernst Führich handelt es sich bei einem behördlich verhängten Einreiseverbot um einen Fall von höherer Gewalt. Pauschalreisen und individuell gebuchte Flüge können infolgedessen kostenlos storniert werden.

Sie können bei individuell gebuchten Leistungen gegenüber der Fluggesellschaft auch mit dem Wegfall der Geschäftsgrundlage für den Vertrag argumentieren, wenn Sie auch einen Aufenthalt in dem betroffenen Land geplant hatten. Dies können Sie beispielsweise durch Hotelbuchungen nachweisen.

Wie bei vielen Fragen zum Thema Coronavirus ist auch diese bislang eine ungeklärte Rechtsfrage. Das letzte Wort bei der Auslegung der Gesetze haben die Gerichte.

Ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen seitens der Airline besteht in einem solchen Fall nicht.

Quarantäne im Zielland: Kann ich meine Reise stornieren?

Die Angst, am Zielort in Quarantäne zu kommen, rechtfertigt nicht die kostenfreie Stornierung. Das geht nur dann, wenn es schon sicher ist, dass man in Quarantäne kommt. Bei Reisen, die noch einige Zeit entfernt sind, ist das aber reine Spekulation. Daher heißt es in diesen Fällen: abwarten oder kostenpflichtig stornieren.

Das gleiche gilt, wenn man befürchtet, nach der Rückreise ins eigene Land möglicherweise in Quarantäne zu kommen, weil sich die Regeln während der Reise geändert haben.

Wer einen längeren Aufenthalt wegen einer angeordneten Quarantäne bezahlt, richtet sich nach dem Recht des Aufenthaltsortes. In manchen Ländern kommt der Staat für die zusätzlichen Kosten auf. In vielen Ländern ist diese Frage aber auch noch nicht sicher geklärt.

Wenn Sie eine Reise gebucht haben und sie wegen einer Quarantäne in Deutschland nicht antreten können, ist unklar, ob die deutschen Behörden Ihnen den Reisepreis ersetzen. Setzen Sie sich dafür mit der Behörde, die die Quarantäne angeordnet hat, in Verbindung.

Wann greift meine Reiseversicherung?

Ob der Versicherungsschutz Ihrer Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung greift, hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab.

Epidemien, Pandemien und Terror sind meist von der Versicherung ausgeschlossen. Normalerweise greift die Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung bei Unfällen, schweren Verletzungen (Knochenbrüchen) oder unvorhersehbaren Erkrankungen der versicherten Person.

Erkranken Sie im Ausland, übernimmt normalerweise Ihre Auslandsreisekrankenversicherung die Behandlungskosten. Bitte werfen Sie aber einen Blick in die Geschäftsbedingungen Ihrer Auslandsreisekrankenversicherung.

Manche Versicherer schließen den Versicherungsschutz bei einer Pandemie bezüglich der entsprechenden Krankheit aus. Schauen Sie daher in die Vertragsunterlagen Ihrer Versicherung.

Achtung

Versicherungen verlangen als Nachweis die Vorlage eines ärztlichen Attests. Die reine Angst zu erkranken genügt nicht, um den Versicherungsschutz in Anspruch zu nehmen.