Dropshipping: Schnäppchen machen - aber zu welchem Preis?

Pressemitteilung vom 31.08.2022 - Inhalte entsprechen den zu diesem Zeitpunkt gültigen Informationen

Sie haben ein T-Shirt entdeckt, das Ihnen gefällt - und noch dazu so billig! Da heißt es sofort zuschlagen. Doch dann wird die Ware wochenlang nicht geliefert. Als sie ankommt, folgt die böse Überraschung: Das Kleidungsstück sieht ganz anders aus als auf den Bildern. Und die Qualität ist extrem schlecht. 

Gut, dass Sie von Ihrem Widerrufsrecht wissen. Doch es gibt kein Rücksendeetikett. Und auf der Webseite ist keine Kontakt-Adresse auffindbar. Und wenn doch, erhalten Sie auf Nachfrage trotzdem keine Informationen zur Rücksendung. Stattdessen ein Gegenangebot: 50 % Rabatt, wenn Sie die Ware behalten.

In diesen Fällen handelt es sich um Dropshipping in seiner unschönsten Form.

Was ist Dropshipping?

Sie bestellen im Online-Handel. Die Ware erhalten Sie jedoch nicht von der Händlerin oder vom Händler selbst, sondern direkt von der Herstellerfirma oder aus dem Großhandel.

Der Shop, bei dem Sie die Bestellung aufgegeben haben, übernimmt nur die Bestellannahme sowie die Abrechnung und spart sich somit die Bereiche Logistik und Lagerhaltung. Mit der Ware kommt das Handelsunternehmen nicht in Kontakt. Somit kann so gut wie jeder Dropshipper werden.

Natürlich ist dieses Modell für die Dropshipper attraktiv, jedoch birgt es für Verbraucher und Verbraucherinnen viele Fallstricke.

Woran erkenne ich Dropshipping?

Dropshipping-Seiten sind oftmals ähnlich aufgebaut, da standardisierte Baustein-Softwares genutzt werden. Sie verkaufen Artikel aus äußerst unterschiedlichen Warengruppen, z. B. Bohrmaschinen und Kuscheltiere und werben mit vermeintlichen Rabatten. Diese Rabatte bestehen jedoch oftmals dauerhaft. 

Außerdem findet sich bei diesen Shops häufig kein Impressum und keine Rücksendeadresse bzw. eine in einem Nicht-EU-Land. 

Sollten Ihnen solche Merkmale auffallen, sollten Sie wachsam sein. Am besten suchen Sie im Internet auf den bekannten Bewertungsplattformen nach den Erfahrungen anderer Kunden mit der Webseite. Die Kundenmeinungen auf der Website selbst sind mit Vorsicht zu genießen, da hier oft nur positive Erfahrungsberichte veröffentlicht werden. Dies gibt Ihnen natürlich kein realistisches Bild des Shops.

Nachteile für Verbraucherinnen und Verbraucher

Häufig sind übermäßig lange Lieferzeiten anzutreffen, zum Teil muss man mehrere Wochen auf die Ware warten. Kommt die Ware dann schließlich an, ist sie qualitativ nicht hinnehmbar oder entspricht nicht der Darstellung auf der Webseite.

Zwar stehen den Käuferinnen und Käufern auch beim Dropshipping das Widerrufsrecht und bei mangelhafter Ware die gesetzlichen Gewährleistungsrechte zu. Die Ausübung dieser Rechte wird den Kundinnen und Kunden jedoch durch die Ausgestaltung des Geschäftsmodells erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht.

Denn es wird entweder keine Rücksendeadresse angegeben, oder aber der Seitenbetreiber verlangt, dass die Ware in ein Nicht-EU-Land zurückgeschickt wird. Was natürlich hohe Portokosten verursacht. Oftmals übersteigen diese Kosten den Kaufpreis.

Somit ist davon auszugehen, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher die Ware behalten, da es für sie günstiger ist, die Ware wegzuwerfen anstatt sie zurückzuschicken. Doch: Nachhaltigkeit sieht anders aus!

Außerdem kann es passieren, dass Dropshipping-Seiten einfach offline gehen, wodurch Verbraucherinnen und Verbraucher nicht einmal mehr mit dem Unternehmen in Kontakt treten können und dann auf ihren Kosten sitzenbleiben.

Ärgerlich ist es auch, wenn die Ware endlich geliefert wird und auch noch Zollkosten verlangt werden. Bei Waren aus Nicht-EU-Ländern wird die Einfuhrumsatzsteuer fällig – und die muss bezahlt werden, um die Ware überhaupt zu bekommen.

Ein veralteter rechtlicher Rahmen

Das derzeit gültige Widerrufsrecht stammt aus einer Zeit, als das Geschäftsmodell Dropshipping unbekannt bzw. bei weitem noch nicht so verbreitet war. Zudem halten sich sehr viele dieser Shops nicht an die bestehenden gesetzlichen Vorgaben: Impressum und Widerrufsbelehrung fehlen oft. Und selbst wenn es Angaben gibt, sind diese häufig unvollständig und intransparent.

„Jedenfalls wenn die von der Impressumsadresse abweichende Rücksendeadresse nicht in der Widerrufsbelehrung angegeben wird, ist eine solches Verlangen aus unserer Sicht bereits jetzt unzulässig. Auch wenn das Unternehmen in der Widerrufsbelehrung angibt, dass die Ware in ein Nicht-EU-Land zurückgeschickt werden muss, ist dies aus verbraucherschutzrechtlichen Gesichtspunkten äußerst fragwürdig. Deshalb sollte sich der Gesetzgeber überlegen, ob es für Unternehmen, die laut Impressum ihren Sitz in der EU haben, nicht eine Pflicht geben sollte, in jedem Fall für die Rücksendung eine Adresse innerhalb der EU zur Verfügung zu stellen. Eine solche klarstellende Regelung wäre unserer Auffassung nach wünschenswert,“ sagt Mareike Köglmeier, Juristin beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. 

Wie kann ich mich schützen?

  • Zahlen Sie mit Kreditkarte. Sollte die Ware nicht ankommen, können Sie ggf. ein Chargeback-Verfahren bei Ihrer Bank einleiten.
     
  • Prüfen Sie die Bewertungen anderer Kunden – nicht nur auf der Seite des Unternehmens!
     
  • Lesen Sie die Vertragsbedingungen – hier wird zum Teil schon darauf hingewiesen, dass die Ware in ein Nicht-EU-Land zurückgeschickt werden soll. Wenn hier überhaupt keine Rücksendeadresse genannt wird, ist Vorsicht geboten! Lieber vor der Bestellung nachfragen, wohin die Rücksendung erfolgen soll.