Auf Pauschalreise durch Europa

Kakerlaken im Zimmer? Baustelle statt Pool? Insolvenz des Reiseveranstalters, des Hotels oder der Airline? Zug- oder Flugverspätung? Dank der EU haben Verbraucher Rechte, wenn bei einer Pauschalreise etwas schief läuft.

Stand der Informationen : Mai 2019

Was ist eine Pauschalreise?


Der besondere Schutz der Pauschalreiserichtlinie gilt zum Beispiel, wenn Verbraucher ...

  • eine Reise gebucht haben, die als Pauschalreise verkauft oder beworben wurde.

  • eine Kreuzfahrt gebucht haben.

  • ein vorgefertigtes Gesamtpaket aus mindestens zwei Reiseleistungen zu einem Gesamtpreis gekauft haben, z. B. eine Musicalreise mit Bahnfahrt, Hotel und Eintrittskarte.

    Beispiele für Reiseleistungen:

    • Beherbergung (Hotel, Pension ...)
    • Beförderung (Flug, Bus, Bahn, Schiff ...)
    • Vermietung PKW oder Motorrad
    • touristische Leistungen (Ausflüge, Eintrittskarten ...), die mindestens 25 % des Reisepreises ausmachen oder ein wesentliches Merkmal der Reise sind oder als solches beworben werden.

  • eine Tagesreise mit einem Wert von mehr als 500 Euro erworben haben.

  • mindestens zwei Reiseleistungen getrennt voneinander ausgewählt haben und das Reisebüro diese zu einem Gesamtpaket mit Gesamtpreis zusammenfasst, z. B. Flug und Hotel.

  • auf einem Buchungsportal mindestens zwei Reiseleistungen individuell ausgewählt und diese online, in Echtzeit, zu einem Gesamtpaket zusammengefasst haben ("Dynamic Packaging").

  • auf einer Internetseite eine Reiseleistung gebucht haben, z. B. den Flug, dann über einen Link auf die Seite eines anderen Anbieters weitergeleitet werden, bei dem sie die nächste Reiseleistung buchen, z. B. das Hotel. Beide Buchungen müssen innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Das erste Unternehmen hat den Namen, die Zahlungsdaten sowie die e-Mail-Adresse der Reisenden an das zweite Unternehmen weiterzuleiten. ("Click-through-Buchung").

Welche Rechte haben Verbraucher bei Pauschalreisen?

Den Reisemangel sofort beim Reiseveranstalter reklamieren

Bei einem Reisemangel können Verbraucher vom Reiseveranstalter die Beseitigung des Mangels verlangen. Ein Reisemangel liegt vor, wenn die vertraglich vereinbarte Leistung gar nicht, unvollständig oder schlecht erbracht wurde.

Beispiele: Das Zimmer mit Meerblick zeigt auf den Hinterhof. Das Buffet ist in kürzester Zeit leer gegessen, wird aber nicht mehr bestückt. Pauschalreisende sollten sich in solchen oder ähnlichen Fällen unverzüglich beim Reiseveranstalter (Reiseleitung vor Ort) beschweren, sich den Reisemangel schriftlich bestätigen lassen und dessen Beseitigung verlangen.

Achtung: Bloße Unannehmlichkeiten z. B. eine lange Warteschlange am Buffet, ist kein Reisemangel und berechtigt nicht zu einer Entschädigung bzw. zu einer Reisepreisminderung.

Falls der Reiseveranstalter den Reisemangel nicht behebt, beheben kann oder nicht erreichbar ist, sollten sich die Pauschalreisenden so schnell wie möglich, auch wenn die Frist 2 Jahre beträgt, nach Ende des Urlaubs, schriftlich an den Reiseveranstalter wenden und Ihre Ansprüche geltend machen.

Sie können z. B. eine Reisepreisminderung verlangen. DieKemptener Reisemängeltabelle gibt Anhaltspunkte wie hoch die Reisepreisminderung ausfallen könnte, ist aber nicht verbindlich. Pauschaltouristen können sich auch beim Reisebüro beschweren, das die Reklamation an den Veranstalter weiterleitet.

Insolvenzschutz bei Pauschalreisen

Bei Pauschalreisen sind die Reisenden gegen die Insolvenz des Pauschalreiseveranstalters geschützt. Wurde die Reise noch nicht angetreten, erhalten die Verbraucher ihr Geld zurück. Sind die Reisenden bereits vor Ort, ist ihre Heimreise gesichert, sofern diese Teil der Pauschalreise ist.

Bei Zahlungsunfähigkeit der Airline oder des Hotels muss der Reiseveranstalter die Urlauber auf seine Kosten auf einen anderen Flug bzw. auf ein anderes Hotel umbuchen, sofern Flug bzw. Hotel Teil des Pauschalreisevertrages sind.

Bei Click-through-Buchungen sind Pauschalreisende sowohl gegen die Insolvenz des Buchungsportals, das in diesem Fall zum Reiseveranstalter wird, als auch gegen die Insolvenz der Airline und des Hotels geschützt.

Stornierung einer Pauschalreise

Wenn die Verbraucher ihren Urlaub nicht antreten können, dürfen sie ihre Buchung bis zum Abreisetag stornieren. Meist werden dafür Stornokosten fällig. Das gilt auch für Buchungen im Internet, denn es gibt kein 14-tägiges, kostenloses Widerrufsrecht wie z. B. bei Online-Käufen.

Die Verbraucher können ihre Pauschalreise aber auch auf eine andere Person übertragen. Dies ist dem Reiseveranstalter spätestens 7 Tage vor Reisebeginn mitzuteilen. Die Frist kann im Einzelfall aber auch kürzer sein.

Wenn die Reise abgesagt wird, weil die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht wurde, muss der Veranstalter dies den Urlaubern vor Reisebeginn mitteilen.

Auch hier gibt es Fristen:

  • 20 Tage bei einer Reisedauer von mehr als 6 Tagen
  • 7 Tage bei einer Reisedauer von 2 bis 6 Tagen
  • 2 Tage bei einer Reisedauer von weniger als 2 Tagen


Der Reisepreis ist binnen 14 Tagen zu erstatten.

Wird die Reise aufgrund unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände, z. B. Naturkatastrophen abgesagt, muss der Reiseveranstalter die Urlauber informieren und den Reisepreis innerhalb von 14 Tagen zurückzahlen.

Der Reiseveranstalter muss die Kosten für bis zu drei Übernachtungen tragen, wenn er die Pauschalreisenden wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände, nicht nach Hause zurückbefördern kann. Vorausgesetzt: Die Rückbeförderung ist ein Teil der Pauschalreise.

Sind nachträgliche Preiserhöhungen bei Pauschalreisen rechtens?

Der Reisepreis darf bis 20 Tage vor Reisebeginn um 8 % erhöht werden. Aber nur, wenn dies vertraglich vorgesehen ist und z. B. erhöhte Treibstoffkosten, Steuern oder die Wechselkurse dies erfordern. Im Gegenzug haben Pauschalreisende Anspruch auf eine Senkung des Reisepreises, wenn diese Beträge fallen.

Informationspflichten bei Pauschalreisen

Vor Abschluss des Reisevertrages erhalten die Verbraucher ein Informationsblatt, das sie über ihre Rechte als Pauschalreisende informiert.

Hat der Reiseveranstalter die Pauschalreisenden z. B. nicht über Pass- und Visumspflichten oder über gesundheitspolizeiliche Formalitäten informiert und können sie den Urlaub daher nicht antreten, haftet der Reiseveranstalter für die entgangene Leistung.

Zug bei Pauschalreisen

Falls die Bahnfahrt Teil der Pauschalreise ist, der Zug Verspätung hat und die Urlauber aus diesem Grund den Flug verpassen, muss der Reiseveranstalter die Pauschalreisenden auf einen anderen Flug umbuchen. Außerdem haben Pauschalreisende u. U. Anspruch auf eine Reisepreisminderung bzw. eine Entschädigung, wenn der Zug Verspätung hat.

Wenn die Bahnfahrt nicht Teil der Pauschalreise ist, können Urlauber bei Zugverspätungen ab 60 Minuten 25 %, ab 120 Minuten 50 % des Reisepreises vom Bahnunternehmen als Entschädigung verlangen.

Tipp: Immer prüfen, ob "Rail & Fly" oder "Zug zum Flug" tatsächlich Bestandteil der Pauschalreise sind oder nicht!

Hier gibt es weitere Infos zu den Bahngastrechten.

Flug bei Pauschalreisen

Falls der Flug Teil der Pauschalreise ist und die Urlauber mit einer Verspätung von mehr als 4 Stunden abfliegen, können sie i. d. R. ab der fünften Stunde fünf Prozent des Tagesreisepreises pro Stunde Flugverspätung vom Reiseveranstalter verlangen. Dies gilt auch bei außergewöhnlichen Umständen.

Wenn Reisende mit einer Flugverspätung von mindestens 3 Stunden am Zielflughafen ankommen oder der Flug gestrichen wurde, können sie von der Airline eine Entschädigung verlangen. Die Höhe ist von der Flugstrecke abhängig. Dies gilt nicht bei außergewöhnlichen Umständen, z. B. Unwetter.

Tipp: Immer die Airline und den Reiseveranstalter kontaktieren, um die Ansprüche geltend zu machen. Die Airline und der Reiseveranstalter können dann bereits bezahlte Entschädigungen gegeneinander aufrechnen.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Fluggastrechten.

Wann gilt der Schutz der Pauschalreise nicht?

  • Bei Buchung einer einzigen Reiseleistung, z. B. nur den Flug, nur das Hotel.

  • Wenn mehrere Leistungen unabhängig voneinander bei verschiedenen Anbietern gebucht und bezahlt werden. Beispiel: Den Flug bei der Airline, das Hotel im Reisebüro, den Mietwagen direkt bei der Mietwagenfirma.

  • Bei der Buchung von Ferienhäusern oder Ferienwohnungen bei einem Reiseveranstalter.

  • Bei der Vermittlung einer verbundenen Reiseleistung.

  • Eine verbundene Reiseleistung besteht aus mindestens zwei Reiseleistungen, z. B. Flug und Mietwagen, die für ein- und dieselbe Reise gebucht werden, für die aber getrennte Verträge bestehen. Beispiel: Die Verbraucher gehen ins Reisebüro, buchen den Flug und den Mietwagen und erhalten dafür jeweils eine eigene Rechnung. Bezahlen die Reisenden die beiden Rechnungen direkt ans Reisebüro, sind sie gegen dessen Insolvenz geschützt. Aber nicht gegen die der Airline oder der Mietwagenfirma.

Broschüren zum Thema Pauschalreise

Unsere Broschüre "Auf Pauschalreise durch Europa" sowie die Broschüre "Neue Rechte für Reisende" des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz informieren über die Rechte von Pauschalreisenden.

Weitere nützliche Links zum Thema Pauschalreise


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