Widerruf beim Onlinekauf

Sie haben ein Produkt online bestellt, das im Nachhinein doch nicht gefällt? Dank der Europäischen Union haben Sie ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Das heißt: Sie können die gekaufte Ware ohne Angabe von Gründen zurückschicken und erhalten Ihr Geld zurück.

Es gibt jedoch Ausnahmen: Reisen, Eventtickets oder Sonderanfertigungen, zum Beispiel ein Fußballtrikot mit Beflockung oder ein Ring mit individueller Gravur, sind vom Widerrufsrecht ausgeschlossen. Wir erklären Ihnen, wie Sie einen Vertrag widerrufen können und worauf Sie achten müssen.

Widerruf beim Onlinekauf: Welche Fristen gelten?

Das Widerrufsrecht bei Online-Einkäufen ist EU-weit einheitlich geregelt. Die 14-tägige Frist beginnt, sobald der Empfänger die Ware erhalten hat. Wenn der Händler den Verbraucher nicht oder nicht ordnungsgemäß in seiner Widerrufsbelehrung über die Rechte informiert hat, verlängert sich die Widerrufsfrist auf ein Jahr und 14 Tage, gerechnet ab dem Tag des Erhalts der Ware.

Wie kann ich einen Vertrag widerrufen?

  • Erklären Sie den Widerruf per E-Mail, Fax oder Post.
  • Grundsätzlich kann der Widerruf auch mündlich erklärt werden, zum Beispiel per Telefon. Aus Beweisgründen ist jedoch die Schriftform zu empfehlen.

Widerruf durch Rücksendung? Achtung: Ein Widerruf allein durch die Rücksendung der Ware ist nicht möglich. Auch die Verweigerung der Warenannahme reicht nicht aus.

Darf ich die Ware vor dem Zurückschicken ausprobieren?

Sie können die Ware nach Erhalt prüfen, um mögliche Defekte oder Schäden auszuschließen. Denn im Gegensatz zum Einkauf im Geschäft besteht bei der Online-Bestellung und dem Versandhandel nicht die Möglichkeit, den Artikel bereits vor dem Kauf eingehend anzuprobieren oder anzufassen.

Der Online-Händler ist jedoch berechtigt, Wertersatz zu verlangen, wenn Sie beispielsweise das bestellte Kleidungsstück auf einer Party getragen haben und Gebrauchsspuren sichtbar sind (Stichwort:  "Zalando Party"). Allerdings besteht ein solcher Wertersatzanspruch nur dann, wenn Sie schon bei der Bestellung über mögliche Konsequenzen informiert wurden.

Bei Strom, Gas und Wasser besteht selbstverständlich kein Widerrufsrecht. Widerruft ein Verbraucher seinen Vertrag, nachdem er bereits Gas, Wasser oder Strom konsumiert hat, muss hierfür grundsätzlich Wertersatz geleistet werden.

Wann muss ich die Ware zurücksenden?

Sie müssen die Ware spätestens innerhalb von 14 Tagen nach Erklärung des Widerrufs an den Online-Händler zurücksenden. Zwar trägt grundsätzlich der Händler das Risiko für etwaige Transportschäden bei der Rücksendung, dennoch sind auch Sie dazu verpflichtet, das Produkt ordnungsgemäß zu verpacken. Ansonsten werden Sie haftbar gemacht, wenn dabei etwas beschädigt wird.

Außerdem empfiehlt es sich, die Ware in der Originalverpackung zurückzuschicken. Kleinere Gegenstände sollten als Paket und nicht als Päckchen aufgegeben werden, damit Sie einen Einlieferungsbeleg erhalten. Mit diesem lässt sich im Zweifelsfall bewesein, dass die Ware tatsächlich zurückgeschickt wurde.

Bei großen und sperrigen Produkten, zum Beispiel Waschmaschinen oder Kühlschränken, müssen Sie ebenfalls den Rücktransport organisieren und - wenn nicht anders möglich - eine Spedition damit beauftragen.

Wer trägt die Rücksendekosten beim Widerruf?

Der Verbraucher muss für die Rücksendekosten aufkommen, unter der Voraussetzung, dass der Unternehmer ihn korrekt darüber informiert hat. Am besten Sie werfen einen Blick in die Widerrufsbelehrung. Selbstverständlich können Online-Händler die Kosten für den Rückversand nach wie vor auf freiwilliger Basis übernehmen.

Gibt es Ausnahmen beim Widerrufsrecht?

Natürlich gilt auch beim Widerrufsrecht das Sprichwort: "Keine Regel ohne Ausnahme". Bei folgenden Online-Verträgen haben Sie kein Widerrufsrecht:
 

  • Produkte, deren Versiegelung geöffnet wurde: CDs, DVDs oder Blu-Rays,
  • Zeitungen und Zeitschriften,
  • Waren, die von Privatpersonen verkauft wurden (z. B. auf Auktionsplattformen),
  • Sonderanfertigungen (z .B. Fußballtrikot mit Beflockung oder individuell gestalteter Schmuck).

Bei Download-Inhalten (Musik, Apps, E-Books oder Videospiele) wird Ihnen im Grunde ein Widerrufsrecht eingeräumt, dieses kann jedoch schon vor Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist erlöschen.

Widerruf bei Dienstleistungen

Bei Dienstleistungen beginnt die Widerrufsfrist mit Vertragsschluss und sobald der Online-Händler Sie über Ihr Recht belehrt hat. So kann auch die Anmeldung bei einer Online-Partnerbörse, die Registrierung auf einer Online-Modeldatenbank oder die Bestellung eines kostenpflichtigen Premium-Services für ein E-Mail-Postfach widerrufen werden. Aber Vorsicht: Das Widerrufsrecht kann vorzeitig erlöschen.

Falls Sie eine Dienstleistung widerrufen möchten, die Sie bereits in Anspruch genommen haben, müssen Sie dem Online-Anbieter gegebenenfalls Wertersatz leisten. Die Höhe richtet sich nach dem Wert der bereits in Anspruch genommenen Leistung.

Erstattung der Hinsendekosten bei Widerruf

Die Kosten, die beim Versand der Ware durch das Unternehmen an den Verbraucher entstehen, sind die Hinsendekosten. Der Händler ist gesetzlich dazu verpflichtet die Kosten für den Standardversand bei einem Widerruf zu erstatten.

Entscheidet sich der Kunde bei einer Bestellung für eine teurere Versandart, zum Beispiel für einen Expressversand, werden nur die Kosten für den Standardversand zurückbezahlt. Die Mehrkosten werden nicht übernommen.