Coronavirus: Abgesagte Großveranstaltungen - Gutschein oder Geld zurück?

Zahlreiche Veranstaltungen in Europa müssen aufgrund des Coronavirus abgesagt oder verschoben werden: von den Olympischen Spielen über die Fußball-EM und den Eurovision Song Contest bis hin zu Konzerten, Festivals und Besuchermessen.

Veranstalter in Deutschland dürfen Verbauchern zunächst einen Gutschein ausstellen, wenn ein Event Corona-bedingt ausfällt. Lässt sich dieser bis Ende 2021 nicht einlösen, kann eine Auszahlung verlangt werden. Ein entsprechendes Gesetz ist seit dem 20. Mai 2020 in Kraft. In anderen europäischen Ländern besteht schon länger eine Gutschein-Regelung.

Mein Event fällt aus: Welche Rechte habe ich? - Eine Übersicht nach Land

Ihr Konzert in Prag, Theaterbesuch in Amsterdam oder Fußballspiel in Barcelona können aufgrund der Coronakrise nicht stattfinden? Um Unternehmen zu entlasten, haben einige Länder in Europa eine Gutschein-Lösung eingeführt. Statt Geld zurück bekommen Verbraucher hier einen Wertbon. Was in Ihrem Fall gilt, hängt davon ab, in welchem Land der Veranstalter bzw. Tickethändler seinen Sitz hat. Ein Überblick.

Belgien: Gutschein für Ersatztermin

In Belgien darf der Veranstalter seinen Kunden einen Gutschein für einen späteren Termin anbieten. Der neue Termin muss innerhalb eines Jahres stattfinden.

Wer am neuen Termin verhindert ist, muss einen Nachweis vorlegen und kann dann sein Geld zurückbekommen.

Wird die Veranstaltung letztlich doch abgesagt, muss der Verbraucher den bezahlten Betrag innerhalb von drei Monaten zurückbekommen.

Deutschland: Gutschein oder Auszahlung Ende 2021

In Deutschland dürfen Veranstalter Gutscheine ausstellen statt den Ticketpreis zu erstatten, wenn ein Event aufgrund des Coronavirus ausfallen muss. Ein entsprechendes Gesetz ist seit dem 20. Mai 2020 in Kraft.

Das neue Gesetz gilt für Veranstaltungstickets, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden. Der Gutschein muss so hoch sein wie der volle Eintrittspreis und muss auch etwaige Vorverkaufsgebühren erfassen. Für den Verbraucher dürfen keine Kosten für Austellung und Übersendugn des Gutscheins keine Kosten entstehen.

Das Gestz beinhaltet eine Härtefallklausel: Sollten Sie Ihre Lebenshaltungskosten (wie beispielsweise Miete) nicht mehr bezahlen können, dann dürfen Sie eine Auszahlung des Gutscheins in Geld verlangen.

Auch wenn Sie den Gutschein bis zum 31. Dezember 2021 nicht eingelöst haben, können Sie eine Auszahlung verlangen.

Die Gutscheine sind nicht gegen eine Insolvenz des Veranstalters abgesichert. Der Verbraucher trägt also das Risiko.

Beachten Sie auch, dass auf dem Gutschein vermerkt sein muss, dass er im Zuge der Covid19-Pandemie ausgestellt wurde. Zusätzlich muss die Information enthalten sein, dass der Inhaber die Auszahlung des Gutscheins verlangen kann, wenn ein Gutschein für ihn unzumutbar ist oder er ihn bis zum 31. Dezember 2021 nicht eingelöst hat.

Frankreich: Gutschein & Alternativ-Event

Anbieter in Frankreich dürfen für abgesagte Veranstaltungen Gutscheine ausgeben. Und zwar dann, wenn dem Kunden zwischen dem 1. März 2020 und dem 15. September 2020 mitgeteilt wird, dass das Event nicht stattfinden kann oder der Ticketbesitzer in diesem Zeitraum von sich aus storniert.

Die Gutscheine sind 18 Monate lang gültig. Zudem muss der Veranstalter dem Kunden eine Alternative für das ausgefallene Event anbieten. Ist diese Alternative günstiger als das ursprüngliche Ticket, bekommt der Verbraucher die Differenz in Form eines Gutscheins.

Die Gutscheine sind gegen die Insolvenz des Veranstalters abgesichert.

Löst der Verbraucher den Gutschein nicht innerhalb der Gültigkeitsdauer von 18 Monate ein, kann er danach den Geldbetrag zurückfordern.

Italien: Verbraucher müssen Gutschein anfordern

Ein Gesetz vom 27. April 2020 regelt die Lage neu: Statt Geld darf dem Verbraucher nun ein Gutschein angeboten werden, wenn er aufgrund eines öffentlichen Verbots nicht an der Veranstaltung teilnehmen kann. Der Gutschein ist ein Jahr lang ab Ausstellung gültig. Ticketinhaber müssen den Gutschein anfordern und haben dafür 30 Tage Zeit. Die Frist beginnt an dem Datum, an dem die Ausgangssperre (Lockdown) oder ihre Verlängerung angekündigt wurden.

Niederlande: Keine Verpflichtung, den Gutschein anzunehmen

Wird eine Veranstaltung verschoben, bleiben die Tickets für den neuen Termin gültig. Die Veranstaltung muss spätestens 13 Monate nach dem ursprünglichen Termin nachgeholt werden.

Hat ein Verbraucher am Ersatztermin keine Zeit oder wird das Event letztlich komplett abgesagt, darf der Anbieter einen Gutschein statt einer Erstattung in Form von Geld anbieten.

Es besteht keine Pflicht einen Gutschein anzunehmen, auch wenn das von vielen Unternehmen so dargestellt wird. Wenn Sie einen Gutschein ablehnen, haben Sie einen Anspruch auf Rückerstattung der Ticketkosten.

 

Wer sich für einen Gutschein entscheidet, sollte die Gutscheinkonditionen genau prüfen und erst dann zustimmen.

Stimmt der Gutscheinwert mit dem ursprünglichen Kaufpreis überein?

Der Wert des Gutscheins muss dem Wert des ursprünglich gekauften Tickets (inklusive Servicegebühren) entsprechen.

Ist die Gültigkeitsdauer auf dem Gutschein angegeben?

Der Gutschein muss innerhalb von 12 Monaten eingelöst werden und die Gültigkeitsdauer muss auf dem Gutschein angegeben sein.

Beachten Sie, dass Sie nicht gegen eine mögiche Insolvenz des Unternehmens geschützt sind, wenn Sie einen Gutschein annehmen.

Österreich: Teilweise Wertgutscheine

Österreichische Veranstalter dürfen Verbrauchern für Kultur- und Sportveranstaltungen einen teilweisen Wertgutschein anbieten.

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern gibt es hier eine Besonderheit: Die Höhe des Ticketpreises entscheidet, wie die Erstattung ausfällt.

Bei Tickets bis zu einem Wert von 70 Euro kann der Veranstalter einen Gutschein über den gesamten Betrag ausstellen.

Für Tickets, die in einer Preisklasse zwischen 70 und 250 Euro liegen, darf der Veranstalter einen Gutschein in Höhe von 70 Euro ausstellen und den restlichen Betrag auszahlen.

Bei einem Ticketpreis von mehr als 250 Euro muss der Veranstalter 180 Euro, also einen Teilbetrag, ausbezahlen. Der Rest darf als Gutschein ausgestellt werden.

Der Wertgutschein kann bis zum 31. Dezember 2022 eingelöst werden. Sollten Sie ihn bis dahin nicht einlösen, haben Sie einen Anspruch auf Auszahlung des Gutscheinwertes.

Beispiel

Sie haben eine Eintrittskarte für die Wiener Oper im Wert von 150 Euro gekauft. Aufgrund der Corona-Krise musste die Veranstaltung abgesagt werden.

In diesem Fall darf Ihnen der Veranstalter einen Gutschein in Höhe von 70 Euro ausstellen. Die restlichen 80 Euro müssen Ihnen erstattet werden.

Portugal: Ersatztermin höchstens ein Jahr später

Das portugiesische Parlament hat beschlossen, dass Veranstaltungen ab dem 28. Februar 2020, die abgesagt werden mussten, auf einen Ersatztermin verlegt werden.

Der Ersatztermin soll höchstens ein Jahr später stattfinden Eine Erstattung des Ticketpreises ist nicht möglich.

Statt des neuen Termins kann auch eine Verlegung des Veranstaltungsortes erfolgen (bis zu 50 km vom ursprünglichen Ort).

Spanien: Kaufvertrag über Ticket auflösen

Wird eine Veranstaltung verschoben, kann der Verbraucher den Kaufvertrag für sein Event-Ticket kündigen. Dafür hat er ab Absage des Events 14 Tage Zeit. Er muss ausdrücklich, am besten schriftlich, erklären, dass er den Vertrag auflösen möchte.

Der Anbieter darf dem Kunden zunächst einen Ersatztermin oder einen Gutschein anbieten, statt das Geld zurückzuzahlen. Der Verbraucher hat 60 Tage Zeit, das Angebot anzunehmen oder abzulehnen. In letzterem Fall muss er sein Geld zurückbekommen. Die Erstattung muss über den gleichen Weg erfolgen, über den der Kunde bezahlt hat. Entstehende Kosten dürfen ihm nicht in Rechnung gestellt werden.

Häufige Fragen: Veranstaltung abgesagt oder verlegt - Welche Rechte habe ich?

In diesem Fall haben Sie nach deutschem Recht nur die Möglichkeit, einen Gutschein zu verlangen.

Dies gilt für Tickets, die vor dem 8. März gekauft wurden. Die Gutscheine können entweder für eine Nachholveranstaltung oder für ein anderes Angebot des Veranstalters eingelöst werden. Nicht eingelöste Gutscheine werden spätestens Ende 2021 ausbezahlt.

Einige Anbieter ermöglichen es, dass Sie ihr bisheriges Ticket behalten und dieses für den neuen Termin gültig bleibt. Sie können in diesem Fall entscheiden, ob Sie das Ticket behalten oder lieber einen Gutschein haben möchten.

Leider haben Sie in dieser Situation keinen Anspruch auf einen Ersatz. Denn: Die Veranstaltung findet statt. Anders sieht es aus, wenn die Veranstaltung abgesagt wird.

Wenn die Veranstaltung stattfindet, Sie aber aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht mehr daran teilnehmen möchten, besteht kein Anspruch auf einen Ersatz.

Gutschein-Lösungen, die in einigen europäischen Ländern und darunter Deutschland, eingeführt wurden, sollen Event-Veranstalter vor der Pleite zu schützen. Trotzdem kann es sein, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise einige in den Konkurs treiben werden.

In der Praxis stehen bei einer Insolvenz die Chancen für den Verbraucher schlecht, Ansprüche geltend zu machen.

Gutscheine, die im Rahmen der Coronakrise bereits ausgestellt wurden, sind nicht gegen eine Insolvenz des Unternehmens abgesichert.

Wenden Sie sich an den Veranstalter, am besten schriftlich, zum Beispiel per E-Mail. In manchen Fällen übernimmt der Tickethändler die Abwicklung der Erstattung. Kontaktieren Sie im Zweifelsfall beide.

Nein, Sie haben keinen Anspruch darauf, Ausgaben für zum Beispiel Flug, Bahn oder Hotel zurückzubekommen, wenn der Anbieter nicht von sich aus storniert.

Diese Kosten können Sie nur dann zurückbekommen, wenn der Veranstalter den Ausfall des Events zu vertreten hat. Muss eine Veranstaltung aufgrund des Coronavirus abgesagt werden, trifft den Veranstalter keine Schuld.

Allerdings: Einige Unternehmen wie Bahn- oder Flugunternehmen bieten Kunden im Angesicht der Coronakrise Kulanzlösungen an. Beispielsweise können nicht-stornierbare Tarife nun doch storniert oder in Gutscheine umgewandelt werden. Tipp: Fragen Sie nach!

 

Eine Ticketversicherung ist vergleichbar mit einer Reiserücktrittsversicherung. Sie sichert das Risiko ab, dass der Ticketinhaber eine Veranstaltung aus persönlichen Gründen nicht besuchen kann, zum Beispiel aus gesundheitlichen Günden oder aufgrund eines Unglücksfalls.

Wichtig: Lesen Sie sich vor Abschluss einer Ticketversicherung genau durch, in welchen Fällen Sie abgesichert sind!

Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt nur dann, wenn der Reisende selbst erkrankt. Die Angst davor, sich während eines Events anzustecken, reicht nicht aus, um den Ticketpreis zurückzubekommen.

Einige Versicherungen schließen Pandemien in ihren Versicherungsbedingungen aus. Die Weltgesundheitsorganisation hat das Coronavirus als Pandemie eingestuft.

Das bedeutet: Eine Versicherung, die bei Pandemien nicht greift, muss ihnen den Geld für ein aufgrund des Coronavirus abgesagten Events nicht zurückzahlen. Erkranken Sie jedoch selbst und können die Veranstaltung deshalb nicht besuchen, greift die Versicherung sehr wohl.