Kaffeefahrten: Wie Sie sich vor Abzocke schützen

Eine Tagesreise im Bus, Kaffee und Kuchen inklusive, und das zu einem günstigen Preis. Klingt gar nicht schlecht, oder? Leider verstecken sich hinter so genannten Kaffeefahrten in den meisten Fällen Verkaufsveranstaltungen, auf denen Reisenden überteuerte Produkte angedreht werden. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie sich vor der Kaffeefahrt-Abzocke schützen und erhalten praktische Tipps.

Stand der Informationen: September 2019

Was ist eine Kaffeefahrt?

Eine Kaffeefahrt, auch genannt Werbefahrt, kommt als kostengünstige Kurzreise daher. Etwa als Tagesausflug im Bus an ein attraktives Reiseziel. Allerdings dient dies nur als Lockmittel, denn in Wirklichkeit handelt es sich im eine Verkaufsveranstaltung mit zweifelhaften Geschäftspraktiken.

Wie läuft die Abzocke auf Kaffeefahrten ab?

Dass eine Verkaufsveranstaltung mit auf dem Programm steht, nehmen die Teilnehmer in Kauf. Schließlich ist sie zwischen Sektempfang, Mittagessen oder einer Besichtigungstour nur einer von vielen Punkten auf der Agenda. Erst vor Ort wird klar, dass die Werbeveranstaltung den größten Teil des Ausflugs einnimmt und zudem an einem abgelegenen Ort stattfindet.

Die angebotenen Produkte, etwa Heizdecken, Nahrungsergänzungsmittel, Küchengeräte oder weitere Reisen, sind überteuert oder nutzlos. Teilnehmer werden zu stundenlangen Verkaufsgesprächen gezwungen. Das angeblich schmackhafte Mittagsmenü stellt sich als Fertigessen heraus. Das eigentliche Reiseziel wird auch nicht angesteuert oder höchstens kurz. Ganz generell gehören kurzfristige Änderungen mit zur Masche: Das versprochene Geschenk sei nicht mehr verfügbar, die als gratis angepriesen Busfahrt sei nun doch kostenpflichtig und so weiter.

An wen richten sich Kaffeefahrten und wie werben die Veranstalter?

Kaffeefahrten richten sich häufig an Senioren, die über die Zeitung oder durch eine Einladung in der Post auf das Angebot aufmerksam werden. Manchmal wird behauptet, man habe an einem Gewinnspiel teilgenommen und erhalte die Reise sowie weitere Geschenke als Preis. Man solle sich so schnell wie möglich telefonisch zur Reise anmelden.

So schützen Sie sich vor der Kaffeefahrt-Abzocke: Praktische Tipps

Vor der Kaffeefahrt

  • Lesen Sie sich die Teilnahmebedingungen genau durch, bevor Sie den Ausflug buchen. Kommt Ihnen hier etwas komisch vor oder werden Sie gar zur Teilnahme gedrängt? Dann nehmen Sie lieber nicht teil.
  • Wenn Sie sich für die Kaffeefahrt entscheiden: Nehmen Sie wenig Bargeld mit und lassen Sie Kredit- und Bankkarten zu Hause.

Während der Kaffeefahrt

  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Niemand kann Sie zum Kauf eines Produkts oder zur Teilnahme an einer Verkaufsveranstaltung zwingen
  • Sie haben Anspruch auf die bezahlten Leistungen. Der Veranstalter darf sich nicht einfach weigern, Sie im Bus wieder mit zurückzunehmen. Auch auf die versprochene Verpflegung und Geschenke haben Sie Anspruch, auch wenn diese qualitativ oft minderwertig sind.
  • Lassen Sie sich nicht zur Unterschrift eines Kaufvertrags drängen. Lesen Sie sich den Vertrag genau durch. Achten Sie auf das Datum: Unseriöse Verkäufer datieren den Vertrag absichtlich zurück, damit Käufer nicht von ihrem 14-tägigen Widerrufsrecht (Rückgaberecht) Gebrauch machen können. Achten Sie auch darauf, ob die vollständige Adresse des Vertragspartners angegeben ist. Bestehen Sie auf einen Durchschlag beziehungsweise eine Kopie des Vertrags.
  • Manchmal bieten die Veranstalter sogar an, Sie zum nächsten Bankautomaten zu begleiten, damit Sie sofort in bar bezahlen können. Gehen Sie nicht darauf ein!
  • Leisten Sie keine Anzahlungen: In den wenigsten Fällen haben Sie die Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen.
  • Lassen Sie sich vom Verkäufer schriftlich bestätigen, dass das Produkt wirklich die von ihm angepriesenen Eigenschaften hat. Weigert er sich, sollten Sie skeptisch werden.
  • Wenn Sie ein Smartphone dabeihaben: Vergleichen Sie die Preise der angebotenen Produkte mit Preisen im Internet. Oft stellen Sie dabei fest, dass die Produkte vor Ort überteuert sind.

Nach der Kaffeefahrt: Den Kaufvertrag rückgängig machen und das Geld zurückbekommen

Auf Kaffeefahrten zustande gekommene Kaufverträge können Sie widerrufen. Das Bedeutet: Sie haben 14 Tage Zeit, um die Meinung zu ändern, das Produkt zurückzugeben und ihr Geld wiederzubekommen. Viele kennen das vom Online-Shopping. Das Widerrufsrecht gilt immer dann, wenn ein Kaufvertrag außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen wurde. Bei Kaffeefahrten ist das der Fall.

Erklären Sie den Widerruf schriftlich: Wenden Sie sich also per Fax, E-Mail oder Brief an den Vertragspartner und erklären Sie, dass sie vom Kaufvertrag zurücktreten.

Wurden Sie als Reisender nicht ordnungsgemäß über ihr Widerrufsrecht informiert, dann haben Sie sogar ein Jahr und 14 Tage Zeit, um den Widerruf zu erklären.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema Widerruf.

Verkauf von angeblichen Wundermitteln: So bekommen Sie Ihr Geld zurück

Manchmal werden auf Kaffeefahrten „Wundermittelchen“ angeboten, die etwa eine Krankheit heilen sollen. In den meisten Fällen verstoßen die Verkäufer damit gegen das Heilmittelwerbegesetz. Der Kaufvertrag ist dann unwirksam. Der Käufer muss den Kaufpreis entweder gar nicht erst bezahlen oder muss sein gezahltes Geld zurückbekommen. Die Schwierigkeit: Im Zweifelsfall muss der Käufer beweisen können, dass der Verkäufer mit falschen Aussagen geworben hat.

Kaffeefahrten fallen meist nicht unter das Pauschalreiserecht

Bei einer Pauschalreise sind Reisende besonders geschützt und können zum Beispiel die Minderung des Reisepreises fordern. Grundsätzlich spricht man von einer Pauschalreise dann, wenn mindestens zwei verschiedene Reiseleistungen kombiniert werden. Also zum Beispiel eine Busfahrt und eine Hotelübernachtung. Oder eine Busfahrt und der Eintritt zu einer Attraktion. Achtung, auch wenn das zutrifft, fallen Kaffeefahrten meist nicht unter das Pauschalreiserecht. Weitere Bedingungen sind nämlich, dass die Reise mehr als 24 Stunden dauern muss. Oder, bei Tagesreisen von weniger als 24 Stunden, dass sie mindestens 500 Euro gekostet haben muss. Mehr zum Thema erfahren Sie im Artikel "Auf Pauschalreise durch Europa".

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