Thomas Cook insolvent: Was Reisende jetzt wissen müssen

Der britische Tourismuskonzern Thomas Cook Group plc hat am Montag, den 23.09.2019, Insolvenz angemeldet. Am 25.09.2019 stellten auch die deutschen Töchter Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH und Bucher Reisen & Öger Tours GmbH einen Insolvenzantrag. Pauschalreisende sind grundsätzlich durch eine EU-Richtlinie geschützt, können aber in diesem konkreten Fall nur mit einer anteiligen Entschädigung rechnen.

Stand der Informationen: 10. Oktober 2019


Update: Am 12. November 2019 teilte Thomas Cook mit, dass auch alle Reisen ab dem 1. Januar 2020 abgesagt werden.

Reisende, die eine Pauschalreise über Thomas Cook gebucht haben (z. B. Flug und Hotel in einer Reiseleistung)  

Zunächst ist zu prüfen, wer der Reiseveranstalter ist und ob dieser von der Insolvenz betroffen ist.

Wer ist der Reiseveranstalter?

  • Reisende finden diese Information in den Reisedokumenten / AGB (meist ganz oben)
  • Die Internetseite von Thomas Cook gibt Auskunft darüber, welche Reiseveranstalter in Deutschland vom Insolvenzverfahren betroffen sind. 

Offiziell bestätigt sind die Insolvenzanträge folgender Gesellschaften:

  • Thomas Cook Group plc
  • Thomas Cook GmbH
  • Thomas Cook Touristik GmbH
  • Bucher Reisen & Öger Tours GmbH
  • Thomas Cook Austria AG
  • Thomas Cook Nederland B.V.
  • Thomas Cook France
  • Tour Vital Touristik GmbH
  • Thomas Cook International AG (TCI)
  • Thomas Cook Airlines Balearics

Europaweit sind unzählige Partnerunternehmen von der Thomas-Cook-Pleite betroffen. 

Verbraucher, die unsicher sind, ob sie bei einer ausländischen Tochter von Thomas Cook (bzw. auf deren Internetseite) eine Pauschalreise gebucht haben, können sich kostenlos vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland beraten lassen.

Wenn der Reiseveranstalter nicht von der Insolvenz betroffen ist

Die Reise findet normal statt; allerdings sollte die aktuelle Lage im Auge behalten werden. Fragen sind an den Reiseveranstalter zu stellen, z. B. ob die Insolvenz von Thomas Cook Auswirkungen auf die Reise haben kann. Wenn ja, müssen Verbraucher abwägen, ob sie das Risiko einer Reise eingehen möchten.

Wenn der Reiseveranstalter von der Insolvenz betroffen ist

Betroffene sollten sich schriftlich (per E-Mail reicht aus) beim Reiseveranstalter, Insolvenzverwalter, Versicherer und potentiell bei ihrem Kreditkartenanbieter melden.

  1. Schriftlich den Reiseveranstalter kontaktieren und um die Rückerstattung bereits gezahlter Anteile bitten.
  2. Sobald der Insolvenzverwalter bekannt gegeben ist (z. B. auf der Website von Thomas Cook), sollten dieselben Forderungen auch an diesen gestellt werden.
  3. Wer per Kreditkarte gezahlt hat, kann bei seiner Bank ein sogenanntes Chargeback beantragen. Bankkunden haben allerdings keinen Rechtsanspruch auf die Rückbuchung; eventuell nimmt die Bank diese aber aus Kulanz vor. Auch besteht die Gefahr, dass der  Insolvenzverwalter das Geld wieder zurückfordert.
  4. Pauschalreisende sind über einen Versicherer abgesichert, der für genau solche Insolvenzfälle einspringt. Der Sicherungsschein befindet sich unter den Reiseunterlagen. Der Versicherer sollte ebenfalls schriftlich kontaktiert und um Erstattung der Kosten gebeten werden. Es besteht kein Anspruch auf das Angebot einer neuen Reise. Für Kunden, die über die deutschen Thomas Cook Gesellschaften gebucht haben, wurde als Abwicklungsstelle der Dienstleister KAERA AG genannt: www.kaera-ag.de. Dieser Versicherer haftet nur bis zu einer gesetzlich vorgeschriebenen Gesamtsumme für alle Reisenden von 110 Millionen Euro. Aufgrund der sehr hohen Zahl an Betroffenen muss davon ausgegangen werden, dass diese Summe nicht ausreichen wird. Dann erhalten Reisende nur einen Anteil ihrer Kosten zurückerstattet.

Reisende, die einen Direktflug (bei Thomas Cook oder CONDOR) gebucht haben

  • Kunden, die über Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, werden von der deutschen Tochterfirma CONDOR nicht mehr befördert. Da es sich um einen Direktflug und keine Pauschalreise handelt, haben Reisende keine zusätzliche Insolvenzversicherung; Kosten können nur beim Insolvenzverwalter geltend gemacht werden.
  • Flüge, die direkt bei CONDOR gebucht wurden, finden normal statt. Das Unternehmen erhielt einen staatlichen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebs. Reisende sollten die Lage jedoch weiter im Auge behalten.

Vorsicht vor Betrugsmasche

Thomas Cook warnt auf seiner Website vor betrügerischen E-Mails, die Verbrauchern eine Gelderstattung versprechen. Im Betreff soll "Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise" stehen. Die Schreiben stammen NICHT von Thomas Cook. Kunden werden gebeten, keine persönlichen Daten einzugeben und die E-Mails zu ignorieren und zu löschen.