Mit Schiff und Fähre durch Europa

Auch auf Schiffen kann man durch Europa reisen. Doch wie steht es um die Verbraucherrechte zum Beispiel auf Fähren und worauf muss ich achten? Wir klären auf.

Stand der Informationen : Dezember 2018

Fahrgastrechte

Sie reisen im See- und Binnenschiffsverkehr der EU? Das gilt bei Annullierungen, Verspätungen und Beschwerden.

Für welche Schiffsfahrten gelten die EU-Fahrgastrechte?

Die folgenden Informationen gelten, wenn Sie mit Personenverkehrsdiensten im See- oder Binnenschiffsverkehr reisen, deren Einschiffungshafen in der EU liegt. Liegt nur der Ausschiffungshafen (Ankunftshafen) in der EU, muss es sich um einen Beförderer aus der EU handeln.

Ausgenommen davon sind Fahrten mit Schiffen,

  • die zur Beförderung von maximal zwölf Fahrgästen zugelassen sind,

  • deren Besatzung aus höchstens drei Personen besteht oder eine Gesamtstrecke von weniger als 500 m zurücklegen,

  • die Ausflugs- oder Besichtigungstouren machen,

  • die ohne Maschinenantrieb fahren oder bei denen es sich um historische Fahrgastschiffe handelt, die für eine Beförderung von maximal 36 Fahrgäste zugelassen sind.

Verspätung und Annullierung

Welche Informationen und ab wann muss der Schiffsbetreiber den Verbraucher im Falle von Verspätung oder Annullierung der Überfahrt in Kenntnis setzen?

Spätestens 30 Minuten nach der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit muss der Beförderer oder Terminalbetreiber die Fahrgäste über Annullierungen oder Verspätungen informieren. Werden daraufhin Anschlüsse verpasst, sollte der Beförderer oder Terminalbetreiber den Passagieren alternative Anschlüsse nennen.

Diese Regelung gilt nicht für Kreuzfahrten. Hier gilt das Pauschalreiserecht.

Wenn der Beförderer davon auszugehen hat, dass sich die Abfahrt um mehr als 90 Minuten über die fahrplanmäßige Abfahrtszeit hinaus verzögert oder die Abfahrt annulliert wird, sollten den Fahrgästen in angemessenen Umfang kostenlos Imbisse, Mahlzeiten oder Erfrischungen angeboten werden. Sollte ein Aufenthalt von einer oder mehreren Nächten oder sogar eine Verlängerung des geplanten Aufenthalts notwendig sein, ist zusätzlich angemessene Unterbringung an Bord oder an Land bereitzustellen, sofern das praktisch durchführbar ist.

Ausnahmen: Die Ansprüche auf Hilfeleistungen entstehen jedoch nicht, wenn Witterungsbedingungen den sicheren Schiffsbetrieb beeinträchtigten oder ein Reisender selbst die Verzögerung verschuldet hat.

Alternative Beförderung

Bei voraussichtlicher Verspätung von mehr als 90 Minuten oder Annullierung können Sie wählen zwischen:

  1. anderweitiger Beförderung zum Ziel der Reise, und zwar ohne Aufpreis, unter vergleichbaren Bedingungen und zum frühestmöglichen Zeitpunkt, oder

  2. der Erstattung des Fahrpreises und gegebenenfalls zum frühestmöglichen Zeitpunkt kostenlose Rückfahrt zum ursprünglichen Abfahrtsort. Die Erstattung sollte durch eine Überweisung des Geldes binnen sieben Tagen erfolgen oder, mit Zustimmung des Fahrgastes, durch Gutscheine oder andere Dienstleistungen.

Ausnahmen: Die Ansprüche auf Hilfeleistungen entstehen jedoch nicht, wenn Witterungsbedingungen den sicheren Schiffsbetrieb beeinträchtigten oder ein Reisender selbst die Verzögerung verschuldet hat.


Entschädigung durch Fahrpreisnachlass

Sie können eine Entschädigung von mindestens 25 % des Fahrpreises verlangen, und zwar bei einer Verspätung von mindestens:

  • 1 Std. bei einer Fahrtdauer von bis zu 4 Std.

  • 2 Std. bei  einer Fahrtdauer von mehr als 4 Std. bis zu 8 Std.

  • 3 Std. bei einer Fahrtdauer von mehr als 8 Std. bis zu 24 Std. oder

  • 6 Std. bei einer Fahrtdauer von mehr als 24 Std.

Bei mehr als doppelter Verspätung beträgt die Entschädigung 50 % des Fahrpreises. Handelt es sich um eine Hin- und Rückfahrt, erfolgt die Berechnung auf Grundlage des halben Fahrpreises.

Ausnahmen: Die Ansprüche auf Hilfeleistungen entstehen jedoch nicht, wenn Witterungsbedingungen den sicheren Schiffsbetrieb beeinträchtigten oder ein Reisender selbst die Verzögerung verschuldet hat.

Frist für Beschwerden

Fahrgäste müssen Beschwerden beim Schiffsbetreiber innerhalb von zwei Monaten nach der tatsächlichen oder geplanten Durchführung des Verkehrsdienstes einreichen. Der Beförderer oder Terminalbetreiber muss innerhalb eines Monats nach Eingang der Beschwerde mitteilen, ob der Beschwerde stattgegeben wurde, ob sie abgelehnt wurde oder ob sie noch bearbeitet wird.

Eingeschränkte Mobilität


Sie benötigen wegen Alter, Behinderung oder Verletzung spezielle Hilfe? Schiffsbetreiber dürfen diese in der Regel nicht verweigern.

Mobilitätshilfen und Sicherheitsvorschriften

In der Regel müssen Betreiber und Veranstalter der Schiffsreisen dafür sorgen, dass sowohl an Bord als auch am Hafen kostenlose Mobilitätshilfen bereitstehen. Dies gilt allerdings nur, wenn die betroffenen Passagiere den entsprechenden Bedarf bei Abschluss des Beförderungsvertrags bzw. mindestens 48 Stunden vor Abfahrt mitteilen. Weiterhin müssen sich die Passagiere zum vorgegebenen Zeitpunkt an den entsprechenden Kontaktpunkten einfinden.

Eine Weigerung darf nur erfolgen, um geltenden Sicherheitsanforderungen zu entsprechen und wenn wegen der Bauart des Schiffes oder der Infrastruktur und Einrichtung des Hafens ein sicheres Ein- oder Ausschiffen oder eine sichere Beförderung behinderter Menschen nicht möglich ist. In diesem Fall müssen alle Anstrengungen unternommen werden, eine Beförderungsalternative zu finden.

Begleitpersonen und -hunde

Sollten eine Begleitperson im Personenverkehrsdienst dabei helfen, solche Barrieren zu überwinden oder die Sicherheitsvorkehrungen zu erfüllen, so kann diese Begleitperson das Fahrgastschiff kostenlos nutzen.

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