EU-Fluggastrechte: Gepäck

Die Mitnahme von Gepäck auf Flugreisen ist oft eingeschränkt. Die Regelungen der Airlines können voneinander abweichen. 

Stand der Informationen: Dezember 2015

Werfen Sie zur Sicherheit einen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airline, mit der Sie als nächstes reisen wollen.

Wie groß darf das Handgepäck sein?

Fluggesellschaften können Gewicht, Größe und Menge des Handgepäckes beschränken. Dabei weichen die Vorschriften der einzelnen Airlines oft voneinander ab.

Im Juni 2015 haben sich die großen Airlines darauf geeinigt, einheitliche Maße für Handgepäck einzuführen. Das Kabinengepäck soll künftig nur noch 55x35x20 cm groß sein und damit etwa 40 % weniger Platz für Kleidung, Laptop und andere Utensilien bieten.

Erkundigen Sie sich am besten vor Abflug, ob Ihre Airline sich dieser Regelung angeschlossen hat. Denn wenn Sie mit zu großem Handgepäck fliegen möchten, könnten Sie nachzahlen müssen.

Was darf ins Handgepäck?

An allen Flughäfen der EU, in Norwegen, Island und in der Schweiz dürfen nur noch kleine Flüssigkeitsmengen im Handgepäck mitgeführt werden. Ob Zahnpasta, Wasserflasche oder Handcreme – maximal 100 ml sind pro Produkt erlaubt. Außerdem müssen sie in getrennten Behältern transportiert werden und die wiederum in einer durchsichtigen, wiederverschließbaren Plastiktüte mit einem Fassungsvermögen bis zu einem Liter.

Eine ausführliche Liste häufiger Fragen zur Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck können Sie auf der Seite des Bundesministerium des Inneren nachlesen.

Passagiere, die eventuell während des Fluges auf Medikamente zurückgreifen müssen, sollten sich dies im Vorfeld von ihrem Arzt bescheinigen lassen. So gibt es keine Probleme beim Boarding.

Was darf nicht ins Handgepäck?

Im Handgepäck sind etwa Waffen, spitze oder scharfe Gegenstände, Spreng- und Brandstoffe verboten. Im aufgegebenen Gepäck dürfen Sie beispielsweise Spreng- und Brandstoffe nicht transportieren. Die vollständige Liste können Sie auf den Internetseiten der Bundespolizei nachlesen.

Schärfere Kontrollen von Handgepäck an EU-Flughäfen

Angesichts der jüngsten Terroranschläge Anfang Januar werden seit 1. März 2015 verschärfte Handgepäckkontrollen an EU-Flughäfen durchgeführt. Die EU-Kommission hat mit der Durchführungsverordnung 2015/187 in Bezug auf Handgepäckkontrollen intensivere Prüfungen elektrisch betriebener Gegenstände beschlossen. Hierdurch sollen neue Verstecke für Sprengstoffe aufgedeckt werden.

Beschädigtes oder verlorenes Gepäck

Was tun, wenn Ihr Gepäck auf dem Flug beschädigt wurde oder gar nicht erst ankommt? Das Montrealer Übereinkommen (MÜ) regelt, welche Entschädigungsansprüche Sie gegenüber Luftfahrtunternehmen haben.

  • Bei der Berechnung des entstandenen Schadens kommt es auf den Wert der Gegenstände zum Zeitpunkt der Beschädigung bzw. des Verlustes an. Nur bei nagelneuen Gegenständen wird der Neupreis erstattet.
  • Der Passagier muss beweisen, welche Gegenstände beschädigt wurden bzw. verloren gingen und welchen Wert sie hatten.
  • Im Montrealer Übereinkommen ist eine Haftungshöchstgrenze der Airline von umgerechnet rund 1.445 Euro* (Stand März 2015) festgelegt.
  • Viele Airlines sehen kleinere Schäden als unbedeutend an – der Passagier müsse sie beim Flugtransport in Kauf nehmen.

* Genau genommen beträgt der Höchstbetrag 1.131 Sonderziehungsrechte (SZR). Hier finden Sie den aktuellen Umrechnungskurs.

Was zu tun ist und wie Sie zu Ihrem Recht kommen, erklärt Ihnen Schritt für Schritt unsere Broschüre: Fluggastrechte - Clever Reisen.

Bekomme ich Zahnbürste und Unterhose ersetzt?

enn das Gepäck verspätet ankommt, dürfen betroffene Passagiere Notkäufe tätigen – allerdings sollten Sie sich vorher erkundigen, was die Airline unter notwendigen Gütern versteht. Ob Zahnbürste oder Unterhose, bewahren Sie immer die Rechnungen der Noteinkäufe auf, um die Ausgaben dokumentieren zu können.

Häufig zahlen die Unternehmen jedoch Standardtagessätze: Alle betroffenen Passagiere erhalten in diesem Fall pro Tag eine bestimmte Summe, und zwar bis zu einer maximalen Anzahl an Tagen. Diese Entschädigungssumme sehen die Airlines dann als endgültig an, unabhängig vom tatsächlichen Schaden.

Woran muss ich noch denken?

  • Melden Sie den Gepäckverlust sofort am Lost-Luggage-Schalter und füllen Sie einen sog. PIR (Property Irregularity Report) aus.
  • Sollten Sie eine Gepäckversicherung abgeschlossen haben, melden Sie sich mit dem Beleg sofort bei Ihrem Versicherer!
  • Fertigen Sie noch vor der Reise eine Liste aller Dinge an, die sich in Ihrem Koffer befinden – und bewahren Sie die Kaufbelege auf!
  • Kennzeichnen Sie Ihr Gepäckstück deutlich. Geben Sie Telefonnummern und Adressen an, unter denen Sie in nächster Zeit erreichbar sind.
  • Kümmern Sie sich sofort: Nur 7 Tage beträgt die Frist, um Gepäckschäden zu melden, 21 Tage bei Verspätungen.

Wie lange habe ich Zeit, um der Fluggesellschaft den Schaden zu melden?

  • Schäden am aufgegebenen Gepäck müssen innerhalb von sieben Tagen nach Empfang dem Luftfahrtunternehmen schriftlich angezeigt werden (Art. 21 des MÜ).
  • Falls das Gepäck verspätet eintrifft, muss die Verspätung innerhalb von 21 Tagen nach dessen Eintreffen schriftlich gemeldet werden.
  • Bei Gepäckverlust ist die Einhaltung einer Frist nicht zwingend, aber empfehlenswert.

Tipp

Überlegen Sie sich, welche Gegenstände Sie in den Koffer packen, der am Check-in aufgegeben wird. Denn aufgrund der Haftungsbegrenzung ist unwahrscheinlich, vollen Ersatz für Geld, Schmuck, Schlüssel, elektronische Geräte und andere wertvolle Gegenstände zu erhalten.

Welche Rechte Sie haben, wenn Ihr Gepäck beschädigt, verspätet oder gar nicht ankommt, erklärt auch unsere Broschüre:

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