Ausnahmen

Eine Airline muss nicht zahlen, wenn Ausfall oder Verspätung außergewöhnlichen Umständen geschuldet sind.

Stand der Informationen: Dezember 2015

Solch außergewöhnliche Umstände können beispielsweise sein:

  • Streik
  • außerordentlich schlechte Wetterbedingungen
  • Sicherheitsrisiken
  • unerwartete Flugsicherheitsmängel
  • politische Instabilität

Wenn sich der Flug aus solchen Gründen verspätet oder ausfällt, dürfen Fluggesellschaften Sie dennoch nicht im Stich lassen. 

Verspätung

Verspätet sich der Flug aufgrund eines außergewöhnlichen Umstands, muss Ihnen eine kostenlose Betreuung bereitgestellt werden (d. h. Mahlzeiten, Erfrischungen sowie zwei Telefonate, Faxe oder E-Mails). 

Ansprüche gelten jedoch nur bei folgender Reichweite und Verspätung beim Abflug: 

Flugstrecke Verspätung
Kurzstrecke bis 1.500 km Mehr als zwei Stunden
Mittelstrecke 1.500 km bis 3.500 km Mehr als drei Stunden
Langstrecke mehr als 3.500 km Mehr als vier Stunden

 

Sollte Ihr Flug erst am nächsten Morgen starten, ist Ihnen eine Übernachtung im Hotel anzubieten.

Wer die Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer mindestens fünfstündigen Verspätung kostenlos vom Flug zurücktreten und den Preis zurück verlangen.

Annullierung

Wird der Flug aufgrund eines außergewöhnlichen Umstands gestrichen, muss die Fluggesellschaft alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen, damit Fluggäste an Ihr Ziel kommen. Es muss eine Umbuchung auf eine andere Fluggesellschaft vorgenommen werden, sofern dies möglich ist. Alternativ kann auch ein Abflug von einem benachbarten Flughafen oder eine Ersatzbeförderung mit Bus oder Bahn arrangiert werden.

Die Umbuchung sollte immer durch oder in Absprache mit der Fluggesellschaft geschehen. Wenn Reisende auf eigene Faust und ohne Absprache der Fluggesellschaft umbuchen, können sie keine Erstattung der Kosten verlangen.

Eine Betreuung wie oben beschrieben steht Reisenden auch im Fall der Flugannullierung zu.

Wer die Möglichkeit auf einen Ersatzflug nicht in Anspruch nehmen möchte, kann bei einer Flugannullierung vom Beförderungsvertrag zurücktreten, d.h. er kann sein Ticket zurückgeben und erhält den Preis erstattet. Zusätzliche Kosten dürfen hierfür nicht berechnet werden.

Tipps für den Streikfall

  • Informieren Sie sich, ob Ihr Flug betroffen ist.
  • Setzen Sie sich mit Ihrer Fluggesellschaft, bzw. Ihrem Reiseveranstalter in Verbindung, um frühzeitig abzuklären, ob eine alternative Beförderung in Betracht kommt.
  • Sofern Ihnen nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird: finden Sie sich rechtzeitig am Flughafen ein, denn vielleicht kann Ihr Flieger doch schneller als erwartet starten oder Ihnen eine Alternative angeboten werden.
  • Fordern Sie die Ihnen zustehenden Betreuungsleistungen von Ihrer Fluggesellschaft.
  • Heben Sie Quittungen Ihrer Ausgaben auf. Die Betreuungsleistungen müssen Ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Sollte dies trotz Nachfrage nicht geschehen, können Sie diese anschließend der Fluggesellschaft in Rechnung stellen.

Besonderheiten bei Pauschalreisen

Wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben und Ihr Flug stark verspätet ist oder gestrichen wurde, können Sie Ihre Rechte nach der Fluggastrechte-Verordnung gegenüber der Airline geltend machen.

Oder Sie richten Ihre Ansprüche gegen den Reiseveranstalter - dann gilt das Pauschalreiserecht. Das müssen Sie allerdings innerhalb eines Monats nach dem im Vertrag vereinbarten Reiseende tun. Dagegen verjähren die Rechte aus der Fluggastrechte-Verordnung erst nach drei Jahren - zumindest nach deutschem Recht.

Was besser für Sie ist? Kommt ganz darauf an: Nach der Fluggastrechteverordnung bekommen Sie eine festgelegte Entschädigung je nach Dauer der Verspätung und Flugstrecke. Vom Veranstalter der Pauschalreise erhalten Sie einen gewissen Prozentsatz des Gesamtreisepreises. Beispiel: Wenn Sie eine Pauschalreise für 4 Personen nach Kuba gebucht haben und der Flug drei Stunden verspätet ist, erhalten Sie eine Entschädigung pro Person von 600 €.

Entschädigung nach Pauschalreiserecht lohnt sich vor allem, wenn die Reise sehr teuer war. Sie können sich aber auf jeden Fall erst einmal an den Veranstalter wenden und später dann an die Fluggesellschaft. Allerdings kann es sein, dass die Fluggesellschaft von Ihrer Entschädigung die Summe abzieht, die Sie bereits vom Reiseveranstalter erhalten haben.

 

Weiterführende Informationen zu Ihren Rechten und wie Sie diese durchsetzen, bietet Ihnen unsere Broschüre: Fluggastrechte - Clever reisen.

 

 

Technische Mängel sind kein außergewöhnlicher Umstand

Nicht als außergewöhnlicher Umstand anerkannt werden im Allgemeinen technische Mängel an Flugzeugen. Der EuGH entschied, dass Fluggesellschaften auch bei solchen Defekten an betroffene Passagiere eine Entschädigung zahlen müssen. Das gilt bei allen technischen Problemen, die im normalen Betrieb der Airline anfallen, jedoch nicht bei Rückruf einer Maschine durch den Flugzeughersteller.

Im September 2015 hat der EuGH diese Entscheidung in einem weiteren Urteil bekräftigt. Es sei normal, dass Fluggesellschaften mit solcher Art von unvorhergesehenen technischen Problemen klar kommen müssten. Fluggäste haben bei solchen Verspätungen deswegen ein Anrecht auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro.

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