Airline-Insolvenz: Wie geht es weiter?

Was tun, wenn die Airline, bei der man seine Flugtickets bereits gebucht hat, pleitegeht?! Erfahren Sie mehr über Ihre Rechte, wenn die Fluggesellschaft Insolvenz anmeldet.

Stand der Informationen: November 2017

Germania-Insolvenz: Was Verbraucher jetzt wissen müssen

Zuletzt aktualisiert: 06.02.2019 / 09:44 Uhr

Erneut steht mit Germania eine deutsche Fluggesellschaft vor dem Aus. Die Airline hat am Montag (04.02.2019) einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt. Laut Germania können sich Pauschalreisende zur Organisation einer Ersatzbeförderung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden. Für Passagiere, die direkt bei Germania gebucht haben, besteht kein Anspruch auf eine Ersatzbeförderung. Was Betroffene jetzt wissen müssen.

Airline insolvent – Was können Verbraucher tun?

Reisende, die direkt bei Germania gebucht haben, werden wohl auf den Kosten sitzen bleiben, da entstandene Forderungsansprüche, die zum Beispiel bei Flugausfall, -verspätung oder Gepäckverlust entstehen, nicht mehr direkt von Germania bedient werden können. Ansprüche können demnach erst mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim zuständigen Insolvenzverwalter angemeldet werden. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Rüdiger Wienberg.

Wieso bleiben Selbstbucher auf den Kosten sitzen?

Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland fordert schon seit Jahren einen Insolvenzschutz für Verbraucher bei Flugbuchungen. Pauschalreisende kommen im Falle einer Insolvenz besser weg als Passagiere, die ihren Flug selbstständig gebucht haben. Grund hierfür ist die EU-Pauschalreiserichtline. Fällt ein Flug aus, muss der Reiseveranstalter, bei dem die Reise gebucht wurde, für eine Ersatzbeförderung sorgen. Für Selbstbucher besteht dieser Anspruch nicht.

Was Betroffene jetzt wissen müssen:

  • Derzeit ist noch nicht bekannt, wie das Insolvenzverfahren durchgeführt wird. Verbraucher sollten sich aber grundsätzlich im Klaren sein, dass es von nun an schwer wird, Geld von der Fluggesellschaft zurückzubekommen. Passagiere insolventer Airlines gehen in den meisten Fällen leer aus.
  • Wurde der Flug selbstständig gebucht, besteht kein Anspruch auf Ersatzbeförderung.
  • Wurde der Flug über sogenannte „Vermittler“, z. B. Reisebüro, Online-Buchungsportal, gebucht, bestehen die Ansprüche nur gegenüber der Airline. Der Vermittler ist in diesem Fall zwar der Ansprechpartner für den Verbraucher, er haftet allerdings nicht selbst. Betroffene sollten trotzdem den Vermittler kontaktieren. Dieser kann die Zahlung möglicherweise erstatten, falls er sie noch nicht an die Airline weitergeleitet hat.
  • Betroffene, die eine Pauschalreise gebucht haben, z. B. Flug und Hotel, können ihre Ansprüche beim Reiseveranstalter geltend machen. Dieser hat dann dafür zu sorgen, dass eine Ersatzbeförderung bereitgestellt wird.
  • Verbraucher, die per Kreditkarte bezahlt haben, sollten ihre Kreditkartenbedingungen auf einen möglichen Insolvenzschutz prüfen.

Was erwartet Reisende insolventer Airlines?


Forderungsansprüche
, die zum Beispiel aufgrund von Flugausfall, -verspätung oder Gepäckverlust entstehen, werden wohl nicht mehr direkt bedient. Diese Ansprüche können erst mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim zuständigen Insolvenzverwalter angemeldet werden. Ob Sie etwas zurückerhalten, hängt von der Masse und der Anzahl der Gläubiger ab.

Wo und wie können Reisende insolventer Airlines ihre Ansprüche geltend machen?

 

  • Haben Verbraucher direkt bei der Airline gebucht, bestehen ihre Ansprüche auf einen Ersatzflug oder Erstattung nur gegenüber der Airline. Kann die Airline diese Ansprüche aufgrund des vorläufigen Insolvenzverfahrens nicht erfüllen, bleibt Verbrauchern nur, auf eine Entschädigung im Insolvenzverfahren zu hoffen.
  • Bei Flügen, die bei sogenannten „Vermittlern“, also z. B. einem Reisebüro oder einem Online-Portal gebucht wurden, ist ebenso die Airline verantwortlich. Ansprechpartner für die Verbraucher ist zwar der Vermittler, dieser bemüht sich bei der Airline jedoch um eine Umbuchung oder Erstattung der Flugtickets. Er haftet allerdings nicht selbst, sondern diese Ansprüche bestehen nur gegenüber der Airline. Auch hier muss der Verbraucher auf das Insolvenzverfahren hoffen, wenn die Fluglinie den Ansprüchen nicht nachkommt.
  • Verbraucher, die eine Pauschalreise gebucht haben, also zum Beispiel Flug und Hotel zusammen, können ihre Ansprüche hingegen beim Reiseveranstalter geltend machen. Dieser hat dafür zu sorgen, dass die Reise stattfindet. Anders als Verbraucher, die Reiseleistungen einzeln buchen, gehen Pauschalreisende kein finanzielles Risiko ein.

    Wichtige Verbraucherhinweise

    Um das Schadensrisiko so klein wie möglich zu halten, beachten Sie bitte folgende Tipps:

    • Vermeiden Sie nach Möglichkeit, Gepäck aufzugeben. Sollte der Koffer verloren gehen, beschädigt werden oder zu spät ankommen, werden Sie höchst wahrscheinlich auf dem Schaden sitzen bleiben.
    • Wird Ihr Flug annulliert, fragen Sie die Airline nach einer Umbuchung. Wenn die Airline eine Umbuchung ablehnt oder Ihnen nicht rechtzeitig antwortet, bleibt Ihnen nur, ein Ersatzflug zu buchen. Diesen müssen Sie zunächst selbst bezahlen. Die Kosten für den Ersatzflug können Sie nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden. Dasselbe gilt auch für Hotelübernachtungen, die wegen Flugverspätungen oder -annullierungen erforderlich werden.
    • Wenn sich Ihr Flug verspätet hat, fragen Sie bei der Airline nach Gutscheinen für Mahlzeiten und Erfrischungsgetränke.

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