Auf Pauschalreise durch Europa

Die Pauschalreise ist ein vorgefertigtes Gesamtpaket, welches aus mindestens zwei Reiseleistungen (z. B. Flug und Hotel) besteht. Kreuzfahrten, "Bausteinreisen" und Tagesreisen mit einem Wert von mehr als 500 Euro fallen ebenfalls unter die Begrifflichkeit der Pauschalreise.

Stand der Informationen : April 2019

Welchen Rechte haben Verbraucher bei Pauschalreisen?


Kakerlaken im Zimmer? Baustelle statt Pool? Zug zum Flug verspätet? Dank der EU haben Pauschalreisende bestimmte Verbraucherrechte:

  • Reisende können sich nicht nur beim Reiseveranstalter, sondern auch beim Reisevermittler, z. B. dem Reisebüro, beschweren.

  • Wenn der Reiseveranstalter (Reiseleitung vor Ort) den Reisemangel nicht behebt, beheben kann oder nicht erreichbar ist: Betroffene sollten nach Ende der Reise so schnell wie möglich schriftlich Beschwerde beim Reiseveranstalter einlegen, den Sachverhalt erläutern und eine Reisepreisminderung fordern.

  • Der Reisepreis darf bis 20 Tage vor Reisebeginn um 8 % erhöht werden. Aber nur, wenn dies vertraglich vorgesehen ist und z. B. erhöhte Treibstoffkosten, Steuern oder die Wechselkurse das erfordern. Im Gegenzug kann der Urlauber eine Preissenkung verlangen, falls oben genannte Preise fallen.

  • Tagesreisen, die mehr als 500 Euro kosten, zählen als Pauschalreise.

  • Besserer Schutz bei verbundenen Reiseleistungen: Bezahlen Verbraucher ihre Pauschalreise direkt beim Reisebüro (z. B. Flug und Hotel), sind sie gegen dessen Insolvenz geschützt; nicht aber gegen die der Airline oder des Hotels.

  • Click-Through-Buchungen fallen unter das Pauschalreiserecht. Beispiel: Eine Verbraucherin bucht über ein Buchungsportal eine Reiseleistung, z. B. den Flug, und gelangt über einen Link auf die Seite eines anderen Anbieters. Hier bucht sie innerhalb von 24 Stunden die nächste Leistung, z. B. das Hotel. Das erste Unternehmen muss den Namen, die Zahlungsdaten sowie die E-Mail-Adresse binnen 24 Stunden an das zweite Unternehmen weiterleiten. Bei solchen Verträgen sind Verbraucher sowohl gegen die Insolvenz des Buchungsportals, das in diesem Fall zum Reiseveranstalter wird, als auch gegen die Insolvenz der Airline und des Hotels geschützt.

  • Ansprüche verjähren 2 Jahre nach Reiseende.

Wichtig

Ferienhäuser, die beim Reiseveranstalter gebucht werden, fallen nicht unter das Pauschalreiserecht.


In welchen Fällen greift die Pauschalreiserichtlinie?


In welchen konkreten Fällen die Pauschalreiserichtlinie Verbrauchern hilft, zeigen unsere Beispiele:

a) Der Veranstalter storniert die Reise oder ändert eine wesentliche Reiseleistung

In diesem konkreten Fall können betroffene Verbraucher alternativ die Teilnahme an einer zumindest gleichwertigen anderen Reise bzw. die Erbringung einer zumindest gleichwertigen Reiseleistung verlangen, sofern der Reiseveranstalter hierzu in der Lage ist. Ist die Änderung einer wesentlichen Reiseleistung erheblich, kann vom Vertrag zurückgetreten werden. Verbraucher haben dann Anspruch auf schnellstmögliche Erstattung der bereits gezahlten Beträge. Darüber hinaus können noch Schadenersatzansprüche wegen Nichterfüllung des Vertrages zustehen.

b) Die gebuchte Reiseleistung wird nicht erbracht

Erhält der Reisende statt des zugesicherten Zimmers mit Balkon und Klimaanlage eines ohne Balkon und / oder ist die Klimaanlage defekt, erweist sich der hoteleigene Strand als „Müllhalde“ oder wird als Mietwagen beispielsweise nicht der zugesicherte Jeep, sondern ein Kleinwagen zur Verfügung gestellt, dann muss der Leistungsträger Abhilfe schaffen. Tut er das nicht oder kann er das nicht, haben Verbraucher Anspruch auf eine Minderung des Preises für die Reise. Nach deutschem Recht können Kunden eine angemessene Entschädigung sogar für „nutzlos aufgewendete Urlaubszeit“ geltend machen.

c) Der Veranstalter hat nicht über Visumspflichten informiert

Können Pauschalreisende deswegen die Reise nicht antreten, haftet der Veranstalter für die entgangene Leistung. Die Richtlinie verpflichtet den Pauschalreise-Veranstalter dazu, Verbraucher zu informieren: „über die Pass- und Visumserfordernisse sowie über gesundheitspolizeiliche Formalitäten, die für die Reise und den Aufenthalt erforderlich sind.“

Tipps zur Buchung einer Pauschalreise

 

  • Wenn Sie die Reise nicht antreten können, dürfen Sie die Buchung bis zum Abreisetag stornieren. Meist werden Stornokosten fällig. Das gilt auch für Buchungen im Internet. Sie können die Reise aber auch auf eine andere Person übertragen. Das müssen Sie dem Reiseveranstalter spätestens 7 Tage vor Reisebeginn mitteilen. Die Frist kann im Einzelfall kürzer sein.

  • Bei Beanstandungen wird zwischen Mängeln und Unannehmlichkeiten unterschieden. Ein Reisemangel liegt vor, wenn die vertraglich vereinbarte Leistung gar nicht, unvollständig oder schlecht erbracht wurde. Beispiele: Zimmer mit Meerblick gebucht, Hinterhofblick bekommen. Oder: Das Buffet ist in kürzester Zeit leer gegessen, wird aber nicht mehr aufgefüllt. Warteschlangen am Buffet gelten hingegen als Unannehmlichkeit und berechtigen nicht zu einer Entschädigung.
  • Mängel müssen Sie unverzüglich dem Reiseveranstalter (Reiseleitung vor Ort) melden, sonst können sie später keine Entschädigung verlangen. Ist der Reiseveranstalter nicht erreichbar, reklamieren Sie sofort per Mail oder Fax. Nicht per Telefon, weil Sie die Beschwerde ggfs. nachweisen müssen. Sie können sich auch beim Reisevermittler, z. B. dem Reisebüro oder dem Internetportal beschweren, der ihre Reklamation an den Veranstalter weiterleitet.

  • Konnte oder wollte der Reiseveranstalter während Ihres Urlaubs keine Abhilfe schaffen, müssen Sie Ihre Ansprüche innerhalb von zwei Jahren nach Reiseende geltend machen. Andernfalls verfällt Ihr Anspruch auf Entschädigung.
  • Haben Sie Ihre Pauschalreise im Internet gebucht und sind Fehler bei der Online-Buchung Anlass zu einer Beschwerde, kann Ihnen in grenzüberschreitenden Fällen - etwa dann, wenn der Anbieter, auf dessen deutschsprachiger Internetseite Sie gebucht haben, seinen Firmensitz in den Niederlanden hat - das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland weiterhelfen.


Broschüren

Unsere Broschüre "Auf Pauschalreise durch Europa" sowie die Broschüre "Neue Rechte für Reisende" des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz informieren über die Rechte von Pauschalreisenden.

  • Artikel schließen