Tipps: Checkliste

Kosten, Qualität, Sprachbarrieren, Nachbehandlung... Wenn Sie sich im europäischen Ausland behandeln lassen wollen, sollten Sie die Vor- und Nachteile genau abwägen.

Stand der Informationen: November 2016

Die größere Entfernung zum Behandlungsort könnte mit einer langen und stressigen An- und Rückreise verbunden sein. Und falls die Behandlung nicht an einem Tag abgeschlossen werden kann, ist sicherlich auch noch die Unterbringung erforderlich. Das kann sich durchaus als zusätzliches Erschwernis und besondere Belastung erweisen.

Da sich die medizinischen Standards innerhalb der Europäischen Union generell angeglichen haben, lässt eine preisgünstigere Behandlung keineswegs auf schlechtere Qualität und damit ein größeres Behandlungsrisiko schließen.               

In aller Regel müssen die Kosten für die Reise, Verpflegung und ggf. Übernachtungen aus eigener Tasche bezahlt werden. Bei der Kalkulation sollten Sie realistisch sein, denn nur so lassen sich die Ihnen letztlich entstehenden Gesamtkosten ermitteln.

Zwar verfügt inzwischen so manche ausländische Arztpraxis über einen Internetauftritt auch in deutscher Sprache. Das ist gewiss hilfreich, wenn es darum geht, sich einen allerersten Eindruck zu verschaffen, bedeutet allerdings noch nicht automatisch, dass auch im Behandlungszimmer für eine reibungslose Verständigung gesorgt ist. Der Beantwortung dieser Frage kommen Sie durch ein Telefonat oder in einem persönlichen Gespräch mit dem behandelnden Arzt näher.

Nicht zu vergessen: Die Sprache kann auch ein Hindernis bei der späteren Kostenerstattung sein, falls Abrechnungen oder Originalrechnungen nicht auf Deutsch der Krankenkasse vorgelegt werden können. Dann wären – auf Ihre Kosten – Übersetzungen nötig.

Manche gesetzliche Krankenkassen haben Partnerschaftsabkommen mit ausländischen Medizinern, bzw. ausländischen Kliniken. Das bietet Patienten mehr Sicherheit hinsichtlich des qualitativen Standards. Zudem brauchen in der Regel die Behandlungskosten nicht vorgestreckt zu werden, wenn die Krankenkasse direkt abrechnet. Die Kontaktaufnahme zur eigenen Krankenkasse kann sich also lohnen. Neben Empfehlungen aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis gibt es die Möglichkeit, sich in Internetforen zu informieren, was auch sinnvoll ist. Allerdings sollte geprüft werden, ob der Eintrag noch aktuell ist, da die Informationen veraltet sein können. Ferner empfiehlt es sich, die Seriosität des Beitrags zu prüfen. Häufig ist nicht direkt erkennbar, wer den Eintrag verfasst hat; außerdem sind manche Beiträge kurz und einseitig geschrieben. Achten Sie deshalb auf die Länge und die Ausgewogenheit der Darstellung. 

Bevor Sie die Reise antreten, müssen sie den Umfang der Kostenübernahme klären. Bei einem Zahnarztbesuch benötigen Sie einen detaillierten Heil-und Kostenplan des behandelnden Zahnarztes in deutscher Sprache. Ohne vorherige Genehmigung zahlt die Krankenkasse im Nachhinein nichts. Überschreitet die Endabrechnung den bewilligten Betrag, müssen Sie die Differenz selbst tragen. Und Privatleistungen wie Chefarztbehandlung, Ein-Bett-Zimmer usw. müssen Sie immer aus eigener Tasche bezahlen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob sie ein Kooperationsabkommen mit einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus im EU-Ausland geschlossen hat. Dann brauchen Sie die Behandlungskosten nicht vorzustrecken, da die Krankenkasse direkt mit dem Arzt oder der Klinik abrechnet.  

Viele Kliniken, besonders in Osteuropa, bieten auch Wellnessangebote an, was sich positiv auf den Behandlungsverlauf auswirken kann. Auch von einer günstigen Unterkunftsmöglichkeit und günstigen Verpflegungen kann der Patient möglicherweise profitieren. Manche Arztpraxen, Kliniken oder Reiseveranstalter bieten entsprechende Pauschalangebote auf Ihrer Homepage an. Aber auch hier gilt es, genau hinzuschauen. Ein auf den ersten Blick günstiges Angebot kann sich im Nachherein als „teures Vergnügen“ erweisen. Übrigens: Die Krankenkassen haben oft auch hier Kooperationsverträge mit ausländischen Kliniken geschlossen. Dies ist ein Zeichen für einen gesicherten Mindeststandard. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse.

Die Nachsorge kann sich aufgrund der Entfernung als schwierig erweisen. Ein Vorteil ist, dass auch hier ein Kooperationsbestreben zwischen manchen ausländischen Ärzten und heimischen Ärzten besteht. Dies erleichtert die Nachsorge und erspart womöglich eine erneute Reise ins Ausland.

Regress- und Gewährleistungsansprüche können nach einer Behandlung im Ausland zu einem Problem werden.  Sollten Behandlungsfehler aufgetreten sein, können sie versuchen, Ihre Ansprüche über Schlichtungsstellen oder gerichtlich durchzusetzen. Dies setzt aber voraus, dass es im Behandlungsland überhaupt geeignete Schlichtungsstellen gibt. Falls Sie Ihre Ansprüche vor Gericht einklagen müssen wird es noch komplizierter. Ohne rechtliche Vertretung geht das kaum.

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