Immobilien- und Fremdwährungskredite

Für Immobilienkredite gelten EU-weit einheitliche Regeln. Bei Fremdwährungskrediten lauert dagegen das Wechsel- und Währungsrisiko.

Stand der Informationen: Oktober 2016

Sonderfall Immobilienkredite

Immobilienkredite belaufen sich oftmals auf fünfstellige Summen. Die Tilgungszeit kann sich auf mehrere Jahrzehnte erstrecken. Nicht selten geraten Verbraucher in finanzielle Nöte, weil sie die Rückzahlung der Kreditraten überfordert. Überlassen Sie daher nichts dem Zufall. Wenn Sie den Inhalt des Vertrages nicht verstehen, sollten Sie einen Dolmetscher zur Beratung mitnehmen und eine beglaubigte Übersetzung des Vertrages anfertigen lassen.

In Deutschland steht Verbrauchern bei Immobilienkrediten ein vierzehntägiges Widerrufsrecht zu. So können Sie den Vertrag auflösen. Die Frist beginnt in der Regel mit dem Abschluß des Vertrages. Wenn die Bank Sie nicht korrekt über Ihr Widerrufsrecht belehrt, ist die Frist sogar länger. Im Ausland haben Sie dieses Recht oftmals nicht.

Seit dem 21. März 2016 gelten EU-weit aber folgende einheitliche Regelungen:

  • Das Europäische standardisierte Merkblatt (ESIS). Es enthält unter anderem Informationen zu den Hauptmerkmalen des Kredits, wie den Kreditbetrag, Laufzeit, Kreditart, Art der Verzinsung, Zinsfestschreibung und Sicherheiten. Zudem steht darin der Zinssatz, die Höhe der einzelnen Raten.
  • Berechnung des effektiven Jahreszinses.

Verbraucher sollen so in die Lage versetzt werden, die Produkte EU-weit besser vergleichen zu können.

Zudem gelten jetzt in vielen Bereichen EU-Mindeststandards:

  • Eine mindestens siebentägige Bedenkzeit bzw. ein Widerrufsrecht von mindestens sieben Tagen.
  • Informationen, beispielsweise zu den Kosten, zur Tilgungs- und Zinslast. Die Informationen müssen zudem anhand eines repräsentativen Beispiels erläutert werden.
  • Zwingende Prüfung der Kreditwürdigkeit.
  • Verbot von sog. Koppelungsgeschäften (Bislang haben Banken die Kreditverträge oft zwingend mit Produkten verbunden, welche die Verbraucher gar nicht benötigten, wie zum Beispiel Girokonten, Lebens- oder Restschuldversicherungen. Achtung: Banken können die Kredite nach wie vor mit anderen Produkten „bündeln“, wenn das für Verbraucher sinnvoller und günstiger ist als Produkte einzeln zu erwerben.
  • Erleichterte Regeln zu vorzeitigen Kreditrückzahlungen.
  • Strengere Aufsicht über die Anbieter von Baukrediten.

Fremdwährungskredite

Kredite in Schweizer Franken waren zeitweise sehr lukrativ. Deutsche Verbraucher, die einen Kredit benötigten und von deutschen Banken keinen erhielten, versuchten Ihr Glück im Ausland. Günstige Angebote gab es von österreichischen Banken. Deutsche Verbraucher hatten die Hoffnung, von einem steigenden Eurokurs zu profitieren. Denn wenn der Euro gestiegen wäre, wäre die Kreditsumme günstiger gewesen. Tatsächlich kam es genau andersherum und Verbraucher waren plötzlich mit zahlreichen Problemen konfrontiert.

Die Risiken von Fremdwährungskrediten:

  • Der Verbraucher trägt das Wechsel- und das Währungsrisiko: Der Verbraucher muss einen höheren Betrag zurückzahlen, wenn die Währung, in welcher der Kredit geführt wird, an Wert gewinnt.
  • Zudem besteht ein Zinsrisiko, weil sich die Zinsen der Währung, in welcher der Kredit geführt wird, anders entwickeln können als die Zinsen des Euro.
  • Der Kredit muss oft am Ende der Vertragslaufzeit zurückgezahlt werden. Man spricht von der Endfälligkeit des Kredits. Währungs- und Wechselrisiken wirken sich deswegen umso gravierender aus.
  • Vor der Endfälligkeit zahlt der Verbraucher in einen Sparplan (sog. Tilgungsträger). Infolge der Finanzkrise haben viele dieser Tilgungsträger an Wert verloren.
  • Insbesondere durch die Aufwertung des Franken in den letzten Jahren haben sich Fremdwährungskredite erheblich verteuert.

Für Fremdwährungskredite gelten seit dem 21. März 2016 neue Regeln:

  • Verbraucher haben das Recht, den Kredit in eine andere Währung zu wechseln. Das gilt, wenn der Wert der noch zu zahlenden Raten durch eine Kurserhöhung steigt (in Deutschland 20%).
  • Die Bank muss den Verbraucher warnen, wenn durch Kursschwankungen der Wert der noch zu zahlenden Raten um mindestens 20% steigt.

Bedenken Sie: Fremdwährungsprodukte waren und sind nach wie vor Risikoprodukte.

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