Was bedeutet Gewährleistung?

Bereits seit 2002 haben Verbraucher in ganz Europa umfassende Rechte, wenn ein gekauftes Produkt mangelhaft ist.

Stand der Informationen: Oktober 2015

Die gesetzliche Gewährleistung gilt bei allen Kaufverträgen zwischen einer Privatperson und einem beruflichen oder gewerblichen Verkäufer. Laut Richtlinie haftet der Verkäufer gegenüber dem Verbraucher für jeden Mangel an der Ware, der zum Zeitpunkt der Lieferung besteht.

Bei neuen Produkten haben Sie zwei Jahre lang Gewährleistungsrechte, beginnend mit dem Erhalt der Ware. Für gebrauchte Waren kann eine kürzere Haftungsdauer vereinbart werden, aber sie darf ein Jahr nicht unterschreiten.

Liegt ein Mangel vor, können Sie vom Verkäufer entweder die Reparatur der Ware oder eine Ersatzlieferung verlangen. Geht beides nicht, weil der Aufwand oder die Kosten zu hoch sind, oder weil es schlicht unmöglich ist, dann haben Sie das Recht, den Kaufpreis zu mindern oder vom gesamten Vertrag zurücktreten.

Dies gilt auch, wenn sich der Verkäufer von Anfang an weigert, die mangelhafte Ware zu reparieren oder auszutauschen oder wenn er zweimal erfolglos versucht hat, das Problem durch Reparatur oder Austausch zu lösen. Bei Bagatellschäden können Sie den Kaufpreis übrigens nur mindern, sich nicht aber vom Vertrag lösen.

Eine Ware ist mangelhaft, wenn sie nicht der Beschreibung entspricht oder sich nicht für die übliche oder vereinbarte Verwendung eignet.

  • Beispiel: Sie kaufen ein Navigationsgerät, von dem Ihnen im Laden gesagt wird, dass es Karten aller europäischen Länder hat. Nachdem Sie es installiert haben, stellen Sie jedoch fest, dass die Karten nur für Westeuropa verfügbar sind. Somit können Sie das Navigationsgerät nicht wie vereinbart verwenden.

Das Produkt ist ebenso fehlerhaft, wenn es nicht die handelsübliche Qualität aufweist oder nicht so funktioniert, wie ein Käufer es von der Ware erwarten darf.

Auch für eine fehlerhafte Montageanleitung muss der Verkäufer haften, wenn der Fehler dazu führt, dass das Produkt nicht aufgebaut werden kann (sogenannte IKEA-Klausel).

Ihnen gegenüber haftet in der Regel der Verkäufer, von dem Sie die Ware gekauft haben. Das gilt auch dann, wenn der Verkäufer selbst die Ware schon mangelhaft von seinem Lieferanten oder dem Hersteller erhalten hat.

Der Verkäufer kann dann seinerseits, entsprechend der Vertragskette, von seinem Lieferanten Ersatz verlangen. Sie müssen sich also nicht an Dritte verweisen lassen. Bestehen Sie darauf, dass der Verkäufer sich um die Mängelbeseitigung kümmert, denn er ist Ihr Vertragspartner.

Zugunsten des Verbrauchers wird vermutet, dass Mängel, die sich binnen sechs Monaten nach Lieferung der Ware zeigen, schon zum Zeitpunkt der Lieferung vorhanden waren. In diesen sechs Monaten muss Ihnen der Verkäufer nachweisen, dass Sie den Mangel verursacht haben. Nach diesem Zeitpunkt liegt die Beweislast dafür, dass der Mangel bereits bei der Übergabe bestand, allerdings bei Ihnen.

Für viele Produkte erhalten Verbraucher heute automatisch eine kostenlose Garantie des Herstellers. Doch gerade bei teuren Elektronikgeräten schließen viele Käufer eine zusätzliche kostenpflichtige Garantie ab, um sich im Schadensfall abzusichern. Allerdings sollte jede Garantie einen wirklichen Zusatznutzen gegenüber den gesetzlichen Gewährleistungsrechten haben, damit sie sich lohnt. Hier gilt es zu vergleichen.

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