So hilft die Gewährleistung konkret

In der EU gilt die Vermutung, dass Mängel innerhalb der ersten sechs Monate schon bei Kauf oder Lieferung vorlagen.

Stand der Informationen: Oktober 2015

Beispiel: Die Achse Ihres Kinderwagens bricht, weil beim Kauf schon ein Verarbeitungsfehler vorlag, der jetzt durch ganz normale Belastung zutage getreten ist. Hier muss der Verkäufer beweisen, dass Sie den Kinderwagen nicht ordnungsgemäß benutzt haben und deshalb die Achse gebrochen ist.

Anders liegt der Fall z. B. bei Feinstrumpfhosen. Hier muss der Käufer damit rechnen, dass innerhalb der ersten sechs Monate eine Laufmasche auftritt. Der Verkäufer muss dann nicht beweisen, dass das Produkt beim Kauf ohne Mängel war. Die Bewertung hängt deshalb stark von der Art der Ware und des Mangels ab.

Verkäufer will Gewährleistungsansprüche wegen Garantie nicht anerkennen

Beispiel: Der Hersteller Ihres Smartphones gibt ein Jahr Garantie, das Gerät geht nach anderthalb Jahren kaputt. Es handelt sich dabei offensichtlich um einen Produktionsfehler. Nun weigert sich der Verkäufer, das Gerät zu reparieren oder auszutauschen, weil die Garantie abgelaufen ist. Hier greift jedoch die zweijährige Gewährleistung.

Die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche haben nichts mit der freiwilligen Garantieerklärung des Herstellers zu tun, sie bestehen neben dieser fort. Der Verkäufer kann daher durch eine einjährige Garantie des Herstellers nicht etwa die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche umgehen, die normalerweise zwei Jahre gültig sind.

Auch während der Garantiezeit können Sie Ihre Gewährleistungsrechte also gegenüber dem Verkäufer geltend machen, ohne dass dieser Sie wegen der Garantie an den Hersteller verweisen könnte.

Der Verkäufer eines Gebrauchtwagens will nicht für den Mangel haften

Gerade bei Gebrauchtwagen wird oft versucht, die Gewährleistung komplett auszuschließen. Doch der Verkäufer haftet mindestens ein Jahr lang für Mängel an dem Fahrzeug. Dadurch ist der Verbraucher auch in diesem Bereich besser geschützt.

Diese Regelung gilt jedoch nur bei einem Kauf zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer und nicht zwischen zwei Privatpersonen. Viele Händler nutzen diese Ausnahme und verkaufen gebrauchte Fahrzeuge nur als Vermittler im Namen des privaten Eigentümers.

Die Montageanleitung ist fehlerhaft

Wenn Sie zum Beispiel bei einem Möbelhaus einen Schrank kaufen und ihn nicht aufbauen können, weil die mitgelieferte Montageanleitung Fehler hat, dann wird auch dies dem Verkäufer als Mangel angelastet (sogenannte IKEA-Klausel). In diesem Fall stehen Ihnen also auch Gewährleistungsansprüche zu.

Der Verkäufer ist zum Austausch der Ware bereit, weigert sich aber, die Versandkosten zu tragen

Der Unternehmer darf Ihnen für die Reparatur oder den Austausch keine Kosten in Rechnung stellen. Er trägt die Versandkosten. Vor Rücksendung der Ware sollten Sie den Händler zur Übersendung eines Retourenlabels auffordern.

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