Studieren und Leben in Großbritannien nach dem Brexit

Rund 3 Millionen Europäerinnen und Europäer leben und arbeiten in Großbritannien. Darunter circa 44.000 Studierende. Doch was ist nach dem Brexit? Wie sieht es mit Studiengebühren, finanziellen Förderungen und vor allem mit dem Bleiberecht aus?

Stand der Informationen : Februar 2019

Studieren in Großbritannien: Was passiert nach dem Brexit?


Dürfen EU-Studierende nach dem Brexit noch in Großbritannien studieren?

Ja. Studierende, die im Studienjahr 2019/2020 (September 2019 bis Juli 2020), 2020/2021 (September 2020 bis Juli 2021) in Großbritannien studieren, brauchen bei einem Brexit mit Austrittsabkommen bis Ende der Übergangsphase (31.12.2020) kein Visum.

Bleiben sie länger als 31.12.2020 müssen sie eine Aufenthaltsgenehmigung gemäß des EU Settlement Scheme beantragen.

Wer das Studium im Studienjahr 2021/2022 (September 2021 bis Juli 2022) aufnehmen möchte, muss sich an die neuen Einwanderungsregelungen (immigration rules) halten. Wie diese konkret aussehen, ist noch nicht bekannt. Auch nicht, was im Falle eines ungeregelten Bexits passiert.

Weitere Informationen gibt es beim UK Council for International Students Affairs (UKCISA).

Was ist mit den Studiengebühren für Studierende aus der EU?

In den meisten Ländern Großbritanniens gibt es Studiengebühren (tuition fees). Auch für Studierende aus der EU. Daran ändert sich bis zum Austritt Großbritanniens erst einmal nichts. Für einen undergraduate Studiengang (ähnlich dem Bachelor) können diese in England bis zu 9.250 GBP pro Jahr betragen, in Wales bis zu 9.000 GBP und in Nordirland maximal 4.160 GBP. Nur Schottland verlangt für undergraduates aus der EU keine Studiengebühren. Für postgraduate Studiengänge (ähnlich dem Master) können die Universitäten die Gebühren frei festlegen.

Studierende, die im Studienjahr 2018/2019 und 2019/2020 (September bis Juli) in Großbritannien studieren, behalten auch nach dem Brexit ihren home fee Status. Das heißt, sie zahlen die gleichen Studiengebühren wie britische Studierende. Auch wenn das Studium erst nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU endet.

Welche Gebühren für Studierende fällig werden, die im Studienjahr 2020/2021 oder 2021/2022 (September bis Juli) in Großbritannien studieren, steht bislang noch nicht fest.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite Universities UK und beim UKCISA.

Was ist mit den finanziellen Förderungen der britischen Regierung (government student support)?

Für Studierende aus der EU, die im Studienjahr 2019/2020 (September bis Juli) in England, Schottland und Wales studieren, bleiben die bisherigen finanziellen Förderungen bestehen. Wie es ab dem Studienjahr 2020/2021 aussieht, bleibt abzuwarten. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der UKCISA.

Was ist mit dem BAföG?

Bei einem geregelten Brexit würde das BAföG bis Ende der Übergangsphase (31.12.2020) weiter bezahlt. Bei einem ungeregelten Brexit wird Großbritannien zum Drittland. Das BAföG wird dann nur noch bis zu einem Jahr lang bezahlt, nicht mehr für die komplette Ausbildung. Wer aber bis zum 29. März 2019 eine Ausbildung in Großbritannien beginnt oder sich bereits in einer befindet, erhält sein BAföG weiterhin.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite BAföG.

Was ist mit dem Erasmus+ Programm?

Deutsche Studierende, die im Rahmen des Erasmus+ Programmes nach Großbritannien gehen, zahlen normalerweise keine Studiengebühren. Das wird im Fall eines Brexits mit Austrittsabkommen voraussichtlich auch bis Ende des Studienjahres 2020/2021 (September bis Juli) so bleiben. Denn: Der Budget-Zeitraum des Erasmus+ Programmes läuft bis 2020. Wie es bei einem ungeregelten Brexit bzw. nach Ablauf der Budget-Periode weiter geht, bleibt abzuwarten.

Weitere Infos gibt es beim British Council.

Leben und arbeiten in Großbritannien nach dem Brexit: Bleiberecht


So lange Großbritannien Mitglied der EU ist, ist zur Arbeitsaufnahme in Großbritannien keine Aufenthaltsgenehmigung und keine Arbeitserlaubnis erforderlich. Dennoch empfiehlt die Deutsche Botschaft in London eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, wenn man länger als 6 Monate bleiben möchte.

Doch damit ist nach dem Brexit Schluss. Wer länger als bis zum 30. Juni 2021 in Großbritannien leben und arbeiten möchte, muss einen Antrag stellen. Wird diesem stattgegeben, erhält man den Status „settled“ oder „pre-settled“. Der Antrag kann ab 30. März 2019 gestellt werden. Wer an der Testphase teilnehmen möchte, kann sich bereits seit Februar 2019 bewerben.

Achtung: Bei einem Brexit mit Austrittsabkommen endet die Antragsfrist am 30. Juni 2021. Bei einem ungeregelten Brexit am 31. Dezember 2020.

Wer kann den Antrag stellen?

Beispiele:

  • alle EU-Bürger und -Bürgerinnen und deren Familienangehörige,

  • Bürgerinnen und Bürger, die in Großbritannien geboren wurden, aber keine britische Staatsbürgerschaft haben.

  • EU-Bürgerinnen und Bürger, die einen britischen Ehepartner haben.

Settled status wird normalerweise vergeben, wenn:

  • man vor dem 31. Dezember 2020 in Großbritannien zu leben begonnen hat

  • man 5 Jahre lang dauerhaft in Großbritannien gelebt hat (mind. 6 Monate innerhalb von 12 Monaten über einen Zeitraum von 5 Jahren)


Wer diesen Status besitzt kann sich so lange in Großbritannien aufhalten wie er möchte, dort arbeiten, studieren und auch das nationale Gesundheitssystem (NHS) nutzen.

Pre-settled status

Der Status wird normalerweise vergeben, wenn man nicht 5 Jahre lang dauerhaft in Großbritannien gelebt hat.

Wer diesen Status besitzt, kann weitere 5 Jahre in Großbritannien bleiben und dort arbeiten, studieren und das nationale Gesundheitssystem nutzen. Wer länger bleiben möchte, muss danach den settled status beantragen.

Wo kann man den Antrag stellen?

Die Antragsstellung kann ab 30. März 2019 online erfolgen. Weitere Informationen werden noch bekannt gegeben.

Detaillierte Erklärungen gibt es auf der Internetseite der britischen Regierung.

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