Studieren und Leben in Großbritannien nach dem Brexit

Rund 3 Millionen Europäerinnen und Europäer leben und arbeiten in Großbritannien. Darunter circa 44.000 Studierende. Doch was ist nach dem Brexit? Wie sieht es mit Studiengebühren, finanziellen Förderungen und vor allem mit dem Bleiberecht aus?

Stand der Informationen : Oktober 2019

Studieren in Großbritannien: Was passiert nach dem Brexit?


Dürfen EU-Studierende nach dem Brexit noch in Großbritannien studieren? Und braucht man dann ein Visum?

Ja. Egal, ob Deal oder No-Deal: EU-Studierende dürfen auch nach dem Brexit in Großbritannien studieren.

Wenn Großbritannien mit einem Abkommen austritt, brauchen Studierende aus EU-Ländern, die vor dem 1. Januar 2021 ihr Studium in Großbritannien aufgenommen haben, kein Visum. Wer länger als bis zum 31. Dezember 2020 bleiben möchte, weil das Studium z. B. noch nicht beendet ist, muss eine Aufenthaltsgenehmigung gemäß des EU Settlement Schemes beantragen.

Wenn Großbritannien ohne Abkommen austritt, gelten neue Einwanderungsregeln für EU-Bürger (European Temporary Leave to Remain). Das bedeutet, dass Studierende nach einem 3-monatigen Aufenthalt in Großbritannien eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen müssen. Diese berechtigt sie dann dazu, 36 Monate lang in Großbritannien zu bleiben. Wie die Regelung für Studierende aussieht, die länger als 36 Monate bleiben möchten ist noch nicht bekannt.

Weitere Informationen gibt es beim UK Council for International Students Affairs (UKCISA) und beim British Council.

Was ist mit den Studiengebühren für Studierende aus der EU?

In den meisten Ländern Großbritanniens gibt es Studiengebühren (tuition fees). Auch für Studierende aus der EU. Daran ändert sich bis zum Austritt Großbritanniens aus der EU erst einmal nichts. Für einen undergraduate Studiengang (ähnlich dem Bachelor) können diese in England zwischen 6.000 und 9.250 GBP pro Jahr betragen, in Wales zwischen 6.000 und 9.000 GBP. In Nordirland liegen die Studiengebühren bei maximal 4.160 GBP. In Schottland würden die Studiengebühren eigentlich bei 1.820 GBP liegen, aber diese werden z. B. von der SAAS (Student Awards Agency for Scotland) übernommen. Somit zahlen Studierende aus der EU für ihr Studium in Schottland keine Studiengebühren.

Für postgraduate Studiengänge (ähnlich dem Master) können die Universitäten die Gebühren frei festlegen.


Egal, ob Brexit mit oder ohne Deal:

Studierende, die im Studienjahr 2019/2020 (September bis Juli) und 2020/2021 in Großbritannien studieren, behalten auch nach dem Brexit ihren home fee status. Das heißt, sie zahlen die gleichen Studiengebühren wie britische Studierende. Auch wenn das Studium erst nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU endet.

Wer das Studium bereits begonnen hat, behält ebenfalls den home fee status. Und zwar bis zum Ende des Studiums, auch wenn dieses erst nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU endet.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite Universities UK, bei der UCAS und beim UKCISA.

Was ist mit den finanziellen Förderungen der britischen Regierung (government student support)?

Egal, ob Deal oder No-Deal:

Für Studierende aus der EU, die im Studienjahr 2019/2020 (September bis Juli) oder im Studienjahr 2020/2021 in England, Schottland, Wales und Nordirland studieren, bleiben die bisherigen finanziellen Förderungen bestehen. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der UKCISA.

Was ist mit dem BAföG?

Bei einem geregelten Brexit (Deal-Brexit) ändert sich bis 31. Dezember 2020 nichts. Es wird also weiterhin BAföG bezahlt.

Bei einem ungeregelten Brexit kommt es darauf an, wann das Studium begonnen wurde. Wurde das Studium vor dem Austrittstag begonnen (ein Tag vorher genügt), dann wird das BAföG bis zum Abschluss des Ausbildungsabschnitts bezahlt. Wurde das Studium nach dem Austrittstag aufgenommen, wird das BAföG nur für die Dauer eines Jahres bezahlt.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite BAföG.

Was ist mit dem Erasmus+ Programm?

Bei einem Deal-Brexit läuft das Erasmus+ Programm bis Ende der Programmlaufzeit (2020) weiter.

Deutsche Studierende, die im Rahmen des Erasmus+ Programmes nach Großbritannien gehen, zahlen normalerweise keine Studiengebühren. Das wird im Fall eines Brexits mit Austrittsabkommen voraussichtlich auch bis Ende des Studienjahres 2020/2021 (September bis Juli) so bleiben. Denn: Der Budget-Zeitraum des Erasmus+ Programmes läuft bis 2020. 

Bei einem No-Deal-Brexit verliert Großbritannien seinen Status als Teilnehmerland des Erasmus+ Projektes. Formal dürfen dann keine Erasmus+ Projekte mit britischer Beteiligung mehr gefördert werden. Der Notfallplan der EU für 2019 sieht aber vor, dass Studierende, die sich zum Zeitpunkt des No-Deal-Brexits im Rahmen des Erasmus+-Stipendiums in Großbritannien aufhalten bis zum Ende ihres Aufenthaltes weiter finanziert werden. Ob der Notfallplan 2020 fortgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Weitere Infos gibt es beim British Council.


Werden die Studien-Leistungen anerkannt?

Egal, ob Deal- oder No-Deal Brexit. Die in Großbritannien erworbenen Studienleistungen werden weiterhin in Deutschland anerkannt.


Leben und arbeiten in Großbritannien nach dem Brexit: Aufenthaltsgenehmigung & Bleiberecht


So lange Großbritannien Mitglied der EU ist, ist zur Arbeitsaufnahme in Großbritannien keine Aufenthaltsgenehmigung und keine Arbeitserlaubnis erforderlich. Dennoch empfiehlt die Deutsche Botschaft in London eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, wenn man länger als 6 Monate bleiben möchte.


The European Settlement Scheme

Wer länger als bis zum 30. Juni 2021 in Großbritannien leben und arbeiten möchte, muss einen Antrag im Rahmen des EU Settlement Scheme stellen. Wird diesem stattgegeben, erhält man den Status „settled“ oder „pre-settled“.

Achtung:

  • Bei einem Brexit mit Austrittsabkommen endet die Antragsfrist am 30. Juni 2021.
  • Bei einem ungeregelten Brexit, mmuss man im Vereinigten Königreich gelebt haben, bevor es aus der EU austritt. Die Antragsfrist endet dann am 31. Dezember 2020.


Wer kann den Antrag stellen?

Beispiele:

  • alle EU-Bürger und -Bürgerinnen und deren Familienangehörige,

  • Bürgerinnen und Bürger, die in Großbritannien geboren wurden, aber keine britische Staatsbürgerschaft haben.

  • EU-Bürgerinnen und Bürger, die ein britisches Familienmitglied, z. B. Ehepartner, haben.

  • alle Nicht-EU-Bürger, deren Familienmitglieder EU-Bürger sind

  • alle, die über eine Daueraufenthaltsgenehmigung (permanent residence document) verfügen.


Wer das unbefristete Aufenthaltsrecht (indefinite leave to remain) hat, braucht keinen Antrag zu stellen. Im Reisepass ist normalerweise der entsprechende Stempel zu finden, oder Sie haben ein Schreiben des Innenministeriums (home office) vorliegen, der das bestätigt.

Welcher Status zuerkannt wird, hängt davon ab, wie lange man zum Zeitpunkt der Antragstellung in Großbritannien gelebt hat.


Der settled status wird normalerweise vergeben, wenn:

  • man vor dem 31. Dezember 2020 oder vor dem Datum, an dem Großbritannien ohne Abkommen aus der EU ausgetreten ist, in Großbritannien zu  leben begonnen hat.

  • man 5 Jahre lang ohne Unterbrechung in Großbritannien, auf den Kanalinseln oder auf der Isle of Man gelebt hat. Das heißt: mind. 6 Monate innerhalb von 12 Monaten über einen Zeitraum von 5 Jahren.


Wer diesen Status besitzt kann sich so lange in Großbritannien aufhalten wie er möchte, studieren und das staatliche Gesundheitssystem (NHS) nutzen.

Der pre-settled status wird normalerweise vergeben, wenn:

  • man zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht 5 Jahre lang dauerhaft in Großbritannien gelebt hat. In diesem Fall muss man vor dem 31. Dezember 2020 oder vor dem Zeitpunkt, zu dem Großbritannien ohne Deal aus der EU austritt in Großbritannien gelebt haben.

Wer diesen Status besitzt, kann weitere 5 Jahre in Großbritannien bleiben und dort arbeiten, studieren und das nationale Gesundheitssystem nutzen. Wer länger bleiben möchte, muss danach den settled status beantragen.

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European temporary leave to remain

Bei einem Deal-Brexit beginnt die Übergangsphase bis 31. Dezember 2020 zu laufen. Das heißt, Großbritannien wird weiterhin wie ein EU-Land behandelt. Man braucht folglich bis zum 31. Dezember 2020 kein Visum, um in Großbritannien leben, studieren und arbeiten zu dürfen. Auch nicht, wenn man nach dem Brexit-Stichtag einreist.

Wer als EU-Bürgerin oder EU-Bürger nach dem Brexit nach Großbritannien zieht und sich dort nach dem 31. Dezember 2020 aufhalten möchte, muss einen befristeten Aufenthaltstitel (temporary leave to remain, TLR) beantragen. Die Antragsfrist endet am 31. Dezember 2020. Wer den TLR-Titel erhält, kann sich von diesem Zeitpunkt an 36 Monate lang in Großbritannien aufhalten, darf dort studieren, arbeiten und das staatliche Gesundheitssystem in Anspruch nehmen.

Nahe Familienangehörige von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern, z. B. Ehepartner, Lebenspartner und unterhaltsberechtigte Kinder unter 18 Jahren dürfen ebenfalls einen TRL-Antrag stellen, wenn ein Familienmitglied den TLR-Antrag bereits gestellt hat.

 

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Detaillierte Erklärungen zum EU Settlement Scheme gibt es auf der Internetseite der britischen Regierung.

Die Bundesagentur für Arbeit hat auf ihrer Internetseite Informationen rund ums Thema "Arbeiten in Großbritannien nach dem Brexit" zusammengefasst.


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