Finanzen

Folgendes müssen Sie beim Umzug ins EU-Ausland bei alten Girokonten, Krediten, Bausparvertrag, Spareinlagen oder der Riester-Rente beachten.

Stand der Informationen: Dezember 2014

Solange Sie kein neues Girokonto haben, empfiehlt es sich nicht, das bestehende Girokonto zu kündigen. Denn dieses ist für den täglichen Geldverkehr nahezu unverzichtbar. Wenn Sie ein entsprechendes Konto bei einer ausländischen Bank einrichten, so beansprucht dies viel Zeit. Deshalb sollten Sie das im Heimatland bestehende Konto zumindest für eine Übergangszeit beibehalten.

Bequem im Ausland überweisen dank SEPA

SEPA (Single Euro Payments Area) ist ein einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dank diesem kann man auch vom Ausland aus bequem Überweisungen durchführen und Lastschriften verwalten. Für grenzüberschreitende Euro-Zahlungen bis zu einem Betrag von 50.000 Euro dürfen nicht mehr Gebühren erhoben werden als für entsprechende inländische Euro-Zahlungen.

Kündigung

Ein Vertrag über ein Girokonto kann grundsätzlich jederzeit gekündigt werden, es sei denn, dass vertraglich eine entsprechende Kündigungsfrist vereinbart wurde. Eine solche Kündigungsfrist von länger als einem Monat ist allerdings unwirksam. Die Kündigung kann daher formlos ohne Angabe von Gründen erfolgen.

Ein Verbraucherdarlehensvertrag ist ein Vertrag, bei dem Sie ein Darlehen aufgenommen haben. Die Kündigungsfristen hängen stets von Ihren Vertragsbedingungen ab. Haben Sie jährlich variable Zinsen vereinbart, können Sie jederzeit unter der Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist kündigen. Bei „gebundenen“ Zinsen (auch Festzinsen genannt) müssen Sie dagegen bestimmte vertragliche Fristen beachten.

Tipp: Prüfen Sie im Falle der Kündigung eines solchen Vertrages, ob Sie noch ein Widerrufsrecht haben. Dieses beträgt in der Regel zwei Wochen. Die Widerrufsfrist beginnt zudem erst, wenn Sie die Vertragsurkunde erhalten haben. Ist diese unvollständig, beginnt die Frist wiederum erst dann, wenn sie über die Vertragsbedingungen richtig belehrt wurden.

Bei Spareinlagen (z.B. dem „traditionellen“ Sparbuch) mit einer vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist von drei Monaten räumen Kreditinstitute Ihren Kunden in der Regel besondere Verfügungsmöglichkeiten ein. Sie können dann je Sparkonto einmal pro Kalendermonat bis zu 2000 Euro sofort und ohne Kündigung der Spareinlage zurückfordern.

Sie können Ihr Sparbuch also auch nach einem Umzug ins EU-Ausland weiterhin wie gewohnt nutzen.

Ihre Riester-Rente (staatlich subventionierte private Altervorsorge) können Sie mit einem formlosen Schreiben innerhalb der Kündigungsfrist kündigen.

Prüfen Sie zuvor, ob sich dies für Sie auch lohnt. Denn Zulagen und Steuervorteile müssen in diesem Fall zurückgezahlt werden. Je nach Anbieter können auch noch Bearbeitungsgebühren hinzukommen. Die bis zum Kündigungstermin angesammelten Zinserträge müssen Sie außerdem ordnungsgemäß versteuern. Möglicherweise ist ein Anbieterwechsel, die Herabsetzung der Raten oder ein bloßes Ruhen des Vertrags günstiger für Sie.

Der Bausparvertrag selbst ist ein Dauerschuldverhältnis, das unter Beachtung der Kündigungsfrist gekündigt werden kann. Einzelheiten zur Kündigung können Sie den Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge (ABB) entnehmen, die Ihre Bausparkasse für Sie bereithält.

Kündigung während der Ansparphase

Befinden Sie sich noch in der Ansparphase, können Sie den Sparvertrag regelmäßig mit einer Kündigungsfrist von meist drei Monaten (zum Monatsende hin) kündigen. Die genaue Frist entnehmen Sie Ihrem Bausparvertrag.

Eine vorzeitige Vertragsbeendigung ist in der Regel nur gegen Zahlung einer sog. „Vorfälligkeitsentschädigung“ möglich. Das heißt, die Bausparkasse behält einen bestimmten Anteil aus der Bausparsumme ein. Wie hoch diese Entschädigung ist, steht in Ihrem Vertrag.

Staatliche Vergünstigungen, wie zum Beispiel die Wohnungsbauprämie, verlieren Sie, wenn Sie den Bausparvertrag während der Ansparphase vor Ablauf der gesetzlichen Bindungsfrist von sieben Jahren kündigen.

Außerdem haben Sie keinen Anspruch mehr auf das Bauspardarlehen und Ihnen wird – je nach Bausparkasse – die Abschlussgebühr (regelmäßig 1% der Bausparsumme), die Sie bei Zustandekommen des Vertrags gezahlt haben, nicht zurückerstattet.

Kündigung während der Darlehensphase

Wenn Sie Ihren Bausparvertrag während der Darlehensphase „kündigen“ wollen, so ist dies eine vorzeitige Ablösung des Darlehens. Durch Tilgung der Restschuld können Sie daher – in der Regel ohne weitere Kosten – aus dem Vertrag „aussteigen“. Eine andere Frage ist, ob sich die vorzeitige Ablösung auch wirtschaftlich lohnt.

Widerruf

Das Bauspardarlehen, das oftmals im Rahmen eines Bausparvertrags mitvereinbart wird, ist gegenüber einem Verbraucher als Verbraucherdarlehensvertrag einzuordnen. Deshalb ist mitunter noch ein Widerruf möglich, wenn die Bausparkasse bestimmte Belehrungspflichten nicht einhält. Sonst gilt das gleiche wie bei einem „normalen“ Kredit- bzw. Darlehensvertrag.

Was Sie außerdem beachten sollten:

  • Wenn Sie einen Vertrag kündigen, sollten Sie dies immer schriftlich und per Einschreiben tun. Das erleichtert später die Beweisführung. Es kommt nicht darauf an, dass Sie die Kündigung rechtzeitig abschicken, sondern darauf, dass diese rechtzeitig beim Anbieter eingeht.
  • Eine vorzeitige Kündigung könnte für Sie finanzielle Nachteile mit sich bringen. Fragen Sie deshalb bei Ihrem Kreditinstitut nach, ob Sie für die Dauer Ihres Auslandaufenthalts eine Reduzierung des Beitrags erhalten oder ob das Ruhen des Vertrages möglich ist.
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