Von unseren Nachbarn lernen: Französische Besonderheiten

Stand der Informationen : Juni 2019

Bestimmte Dienstleistungen sind in Frankreich und Deutschland unterschiedlich geregelt. Dies ist zum Beispiel der Fall bei der Beauftragung eines Handwerkers oder dem Reparaturauftrag Ihres Fahrzeug. Ein weitere Unterschied: Frankreich hat im Gegensatz zu Deutschland bereits eine öffentlich einsehbare Hygieneampel eingeführt. In französischen Restaurants haben Sie sogar einen rechtlichen Anspruch auf Leitungswasser, Brot und Gewürze. Nachfolgend finden Sie ausführliche Informationen zu diesen und weiteren französischen Besonderheiten.

Das Bauunternehmen macht grobe Fehler, für die es nicht haften will. Und geht dann auch noch insolvent... In Frankreich sind Bauherren in solchen Fällen abgesichert. Denn hier verpflichtet die „garantie décennale“ Bauunternehmer und Handwerker, zehn Jahre lang für Schäden an den von ihnen erstellten Gebäuden zu haften. Darüber hinaus ist diese Versicherung verschuldensunabhängig. Es spielt daher keine Rolle, welcher Unternehmer oder Handwerker in den ersten zehn Jahren die auftretenden Schäden verursacht hat.

Beachten sollten Sie jedoch, dass die in Frankreich obligatorische Versicherung in der Regel nur französischen Unternehmen und Handwerkern zur Verfügung steht. Ausländische Bauunternehmer und Handwerker haben lediglich auf dem Papier das Anrecht die „garantie décennale“ abzuschließen, aber in der Praxis finden ausländischen Bauunternehmen oder Handwerkern oft keine Versicherung, die mit Ihnen einen solchen Versicherungsvertrag abschließt. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen vor Beauftragung des Bauunternehmers oder des Handwerkers stets zu prüfen, ob dieser eine „garantie décennale" abgeschlossen hat.

Weitere Informationen zu Dienstleistungen in Frankreich finden Sie in englischer Sprache auf der Internetseite des EVZ Frankreich.

Für Ihren Zweitwohnsitz in Südfrankreich möchten Sie einen Handwerker beauftragen? Vergessen Sie nicht, Preise zu vergleichen und sich unterschiedliche Kostenvoranschläge einzuholen. Darauf sollten Sie in der Regel beim sog. „devis“ achten:

In Frankreich muss der Kostenvoranschlag die Art der durchzuführenden Arbeiten und ihren endgültigen Preis klar definieren. Er muss die folgenden Informationen beinhalten:

  • Namen und Adresse des Kunden
  • Name und Anschrift des Dienstleisters, Adresse, Telefonnummer
  • Registerangaben (Handelsregister, Mehrwertsteuer….)
  • Datum des Anfangs der Arbeiten und ihre geschätzte Dauer
  • Berechnung jeder durchzuführenden Arbeitseinheit (Anzahl und Einzelpreis)
  • Arbeits-/Lohnkosten (Stundenlohn oder Pauschale)
  • (An)fahrtskosten
  • Gesamtbetrag ohne Steuern (sog. „prix hors taxes (HT)“) und mit Steuern („Prix TTC- toutes taxes comprises (TTC)“ )
  • Zahlungsmodalitäten
  • Beschwerdemöglichkeiten und Garantiebedingungen
  • Ggf. Versicherungen
  • Datum und Geltungsdauer des Kostenvoranschlags (ansonsten ist der Kostenvoranschlag für eine angemessene Frist i.d.R 3 Monate gültg)
  • Ggf. Kosten für den Kostenvoranschlag

Bei allgemeinen Dienstleistungen ein Kostenvoranschlag ab 150 € auszustellen (Kosten für den Kostenvoranschlag inbegriffen), oder auf Anfrage des Kunden.

Für bestimmte Dienstleistungen ist in Frankreich das Erstellen eines Kostenvoranschlags Pflicht. Dies gilt z.B. für Pannendienste und Notfallinterventionen (Schlüsseldienst, Heizung, Wasserrohrbruch etc.), Reparatur und Instandhaltung von Immobilien (z.B. auch Schornsteinfeger) aber auch für Elektrogeräte. In der Regel wird in Frankreich ein solcher Kostenvoranschlag auf Papier ausgestellt. Mit Ihrem Einverständnis kann er aber auch per E-Mail oder auf einem anderen dauerhaften Datenträger ausgestellt werden.

Bei personenbezogenen Dienstleistungen „services à la personne“) ist ein Kostenvoranschlag zu erstellen, wenn der Monatsbetrag höher ist als 100 € inkl. Steuern, oder wenn der Kunde eine Kostenvoranschlag verlangt.

Auch bei der Reparatur eines Mietwagens müssen Sie einen Kostenvoranschlag erhalten. Der Kunde muss bestätigen, dass er den Kostenvoranschlag vor Beginn der Arbeiten erhalten hat („devis reçu avant l'exécution des travaux“) und diesen datieren und unterschreiben. Weitere Informationen, worauf Sie bei der Reparatur Ihres Fahrzeugs in Frankreich achten müssen, finden Sie hier.

In der Regel sind Kostenvoranschläge in Frankreich kostenlos, aber in vielen Fällen verbietet nichts dem Dienstleister diese Kosten zu berechnen, sofern Sie vorher darüber informiert worden sind. Häufig akzeptiert der Dienstleister aber bei Beauftragung die Kosten des Kostenvoranschlags bei der Endabrechnung zu berücksichtigen. Fragen Sie daher immer nach einem sog. „devis gratuit“ (unentgeltlichen Kostenvoranschlag).  Ein Kostenvoranschlag muss z.B. in folgenden Bereichen immer kostenlos sein: Mietwagen, Umzug, „services à la personne“, Bestattungsunternehmen.

Beachten sollten Sie auch, dass der Kostenvoranschlag in erster Linie den Dienstleister bindet. Solange Sie den „devis“ nicht unterschrieben haben, können sie sich entscheiden, den Auftrag an ein anderes Unternehmen zu vergeben.  Sobald Sie aber unterschrieben und wie in Frankreich typisch „bon pour travaux“ auf dem Kostenvoranschlag vermerkt haben, ist der Kostenvoranschlag auch für Sie verbindlich. Haben Sie nichts unterschrieben aber eine Anzahlung geleistet, kommt es darauf an, ob diese als sog. „arrhes“ oder aber als „acompte“ geleistet wurden. Bei sog. „arrhes“ können Sie vom Vertrag zurücktreten, verlieren aber diesen Geldbetrag. Bei einem „acompte“ geht man davon aus, dass dies eine Anzahlung auf den Endpreis ist und der Vertrag somit zustande gekommen ist. Ist aus Ihrem Kostenvoranschlag nicht ersichtlich ob es sich um „arrhes“ oder „acompte“ handelt, wird stets von einem „arrhes-Kostenvoranschlag“ ausgegangen.

Weitere Informationen zu Dienstleistungen in Frankreich finden Sie in englischer Sprache auf der Internetseite des EVZ Frankreich.

Wenn Sie in Frankreich in ein Restaurant gehen, werden Ihnen oft eine Karaffe mit Leitungswasser, Brot und Gewürze angeboten. Diese Leistungen dürfen Ihnen nach französischem Recht (l`arrêté n°25-268 vom 8. Juni 1967) nicht in Rechnung gestellt werden. Damit müssen Dienstleistungen, wie das Tischdecken („Gedeck“), Bereitstellung von Leitungswasser, Brot und Gewürze im Gesamtpreis der einzelnen Gerichte bereits enthalten sein. Diese Dienstleistungen dürfen Ihnen also nicht zusätzlich berechnet werden.

Etwas anderes gilt, falls Sie in einem Restaurant lediglich ein Getränk ohne Mahlzeit bestellen. In einem solchen Fall darf Ihnen ein zusätzliches Glas Wasser berechnet werden, wenn Sie der Restaurantbetreiber auf die Kostenpflicht gut erkennbar durch einen Aushang hinweist (siehe: Artikel der DGCCRF).

Wie bereits in einigen europäischen Ländern werden auch die Ergebnisse der französischen Lebensmittelüberwachung in Form einer „Hygieneampel“ im Internet veröffentlicht. Schwerpunkt der Bewertung ist die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen an die Hygiene, Sauberkeit, Eigenkontrollen, Kühlkette. Untersucht werden alle Unternehmen in der Lebensmittelkette; z.B. im Bereich der Dienstleistungen Restaurants, Lebensmittelhändler oder auch Wochenmärkte.

Für den Verbraucher gut erkennbar wird der ermittelte Hygienestatus in vier Kategorien eingeordnet und durch Smileys gekennzeichnet. Es besteht allerdings keine Pflicht für die Unternehmen den „Smiley“ in den eigenen Räumlichkeiten auszuhängen. Jedoch sind die Ergebnisse im Internet für ein Jahr auf Alim’confiance öffentlich einsehbar.

Ein neues Gesetz vereinfacht die seit 2015 in Frankreich bestehenden bürokratischen Hürden für deutsche Dienstleistungserbringer.

So werden nach Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nur kurzzeitig entsenden, von bestimmten Vorschriften befreit, um den Verwaltungsaufwand zu verringern (siehe: Art. 89 LOI n° 2018-771 du 5 septembre 2018 pour la liberté de choisir son avenir professionnel).              

Weiterhin wurde der regionalen französischen Aufsichtsbehörde DIRECCTE die Befugnis eingeräumt Ermessensentscheidungen zu treffen, um in Einzelfällen Unternehmen von den geltenden Vorschriften zu befreien (siehe: Art. 90 LOI n° 2018-771 du 5 septembre 2018 pour la liberté de choisir son avenir professionnel).

Entsendet ein Unternehmen Mitarbeiter aus dem EU-Ausland auf eigenen Auftrag bedarf es zukünftig weder der Vorabmeldung noch der Bestimmung eines gesetzlichen Vertreters vor Ort (siehe: Art. 91 LOI n° 2018-771 du 5 septembre 2018 pour la liberté de choisir son avenir professionnel).

Mit Inkrafttreten des Gesetzes vom 1. August 2018 finden zunächst ausschließlich die Regelungen des Art. 91 Anwendung. Die weiteren Maßnahmen müssen zunächst in konkreten Verordnungen spezifiziert werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des EVZ Deutschland.

Auf der Internetseite www.ciclade.fr haben Sie die Möglichkeit kostenlos nach inaktiven Bankkonten in Frankreich zu suchen, um gegebenenfalls das Ihnen zustehende Bankguthaben wieder zu erlangen.

Ein Bankkonto wird in Frankreich für inaktiv erklärt, wenn innerhalb von 12 Monaten keine Transaktion auf diesem stattgefunden hat (ausgenommen Kontoführungsgebühren) und in diesem Zeitraum kein Kontakt zwischen dem Finanzinstitut und dem Kontoinhaber nachgewiesen werden kann. In diesem Fall wird der Kontoinhaber informiert und das Konto für einen Zeitraum von zehn Jahren bei dem jeweiligen Finanzinstitut verwaltet. Wird das Konto innerhalb dieser zehn Jahre nicht „reaktiviert“, so wird es geschlossen und die verbleibende Summe an die Caisse des Dépôts (CDD) überwiesen. Nach französischem Recht verbleibt dann das Guthaben weitere fünf Jahre bei der CDD.

Ist der Kontoinhaber verstorben, so wird das inaktive Konto bereits nach drei Jahren geschlossen und ebenfalls an die CDD weitergeleitet. Nach 30 Jahren wird ein inaktives Bankkonto automatisch und unwiederbringlich Eigentum des Staates. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Caisse des depots.

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