Forex-Handel und Binäre Optionen

Bei einigen ausländischen Kapitalanlagen droht der Totalverlust. Worauf Sie achten sollten.

Stand der Informationen : Oktober 2016

Tagesgeldkonten und klassische Sparbriefe bringen heutzutage kaum noch Zinsen. Doch wie kann man für sein Alter vorsorgen und Erspartes gewinnbringend anlegen? Hilfe versprechen reißerische Werbeanzeigen im Internet. In diesen wird beispielsweise von einem glücklichen Rentner berichtet, der über ein Anlageprodukt in kürzester Zeit zum Millionär wurde. Beworben werden gerne hochspekulative Anlagen wie binäre Optionen, Finanzderivate oder Forex-Produkte. Zusätzlich wird mit Bonuszahlungen gelockt. Untermauert wird das Ganze von vermeintlich professionellen Vermittlern, die hohe Gewinne versprechen. Viele der Anbieter haben ihren Sitz im EU-Ausland, z. B. in Zypern oder Malta.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtbehörde (ESMA) stellte fest, dass auf einigen Webseiten nur unzureichend über die Verlustrisiken aufgeklärt wird. Es solle sogar vorkommen, so die ESMA, das die Bezahlung der Mitarbeiter von der Zahl der Kunden abhänge und die Anbieter mit den Verlusten der Kunden Gewinne machen.

Verbraucher, die sich an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland wandten, investierten teilweise fünfstellige Summen und berichteten u. a. von folgenden Problemen:

  • Verluste über 20.000 €
  • Die Empfehlung eines Kundenberaters, die größtmögliche Summe zu investieren. Nur dann würde sich Investition verdoppeln. Tatsächlich sank der Betrag im Folgenden auf einen Bruchteil. Von ursprünglich 2.800 € blieben nur noch 50 € übrig.
  • Es waren nur Einzahlungen auf das Broker-Konto möglich, jedoch keine Abbuchungen. Kunden konnten folglich nur zusehen, wie der investierte Betrag stetig schrumpfte, ohne etwas tun zu können.
  • Die Internetseite des Anbieters war plötzlich offline, so dass der Verbraucher keinen Zugriff mehr auf sein Broker-Konto hatte.
  • Einem Verbraucher wurde die Nutzung seines Broker-Kontos mit der Begründung verwehrt, dass der Roboter (eine Software, die an Ihrer Stelle automatisch handelt) abgeschaltet worden ist.

Solche Erfahrungen mussten auch Verbraucher in Frankreich machen. Die französische Generaldirektion Wettbewerb und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) hat daher eine Informationskampagne über die Risiken dieser Anlageprodukte gestartet.

In Deutschland veröffentlichte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Meldungen und Warnungen zu Anbietern von Finanzdienstleistungen, die ohne Erlaubnis in Deutschland tätig sind.

 

Was Sie tun sollten, bevor Sie Ihr Geld in unkonventionelle Anlagen investieren:

  • Seien Sei misstrauisch bei Angeboten, die zu schön sind, um wahr zu sein
  • Erkundigen Sie sich bei der BaFin, ob der Anbieter über eine Zulassung verfügt. Das Gesetz verlangt, dass ein Unternehmen, das in Deutschland Finanzdienstleistungen anbietet, eine schriftliche Erlaubnis der BaFin benötigt. Wird der Anbieter in Deutschland ohne Erlaubnis tätig, macht er sich strafbar (§§ 32, 54 KWG). Aber Achtung: Die Erlaubnis der BaFin ist nicht notwendig, wenn das Unternehmen über eine Erlaubnis eines anderen EU-Staats verfügt. Erkundigen Sie sich bei der BaFin.
  • Beachten Sie, dass Produkte wie Finanzderivate, binäre Optionen, das Indizes Anleihen-Trading sowie Rolling Spot Forex auch wenn sie seriös gehandelt werden, immer hoch spekulativ, riskant und komplex sind. Die Produkte sind nicht standardisiert. Ihre Eigenschaften können sich daher von Anbieter zu Anbieter unterscheiden.


Was Sie tun sollten, wenn Sie bereits Geld investiert haben und eine Beschwerde gegen den Anbieter haben:

 Fall 1: Der Anbieter verfügt über eine Zulassung:

  • Melden Sie Ihren Fall der BaFin. Die BaFin beaufsichtigt und überwacht Institute und Unternehmen im Finanzsektor und hat die Möglichkeit, Maßnahmen im Allgemeininteresse gegenüber Anbietern einzuleiten, deren Geschäftspraktiken gegen geltendes Recht verstoßen.
  • Zur Durchsetzung Ihrer individuellen Rechte können Sie sich an eine Schlichtungsstelle wenden: Wenn der Anbieter im EU-Ausland bzw. Norwegen oder Island seinen Sitz hat, können Sie sich an uns, das EVZ Deutschland, wenden.

Fall 2: Der Anbieter verfügt über keine Zulassung:

  • Melden Sie den Fall der BaFin. Die BaFin beaufsichtigt und überwacht Institute und Unternehmen im Finanzsektor und hat die Möglichkeit, Maßnahmen im Allgemeininteresse gegenüber Anbietern einzuleiten, deren Geschäftspraktiken gegen geltendes Recht verstoßen.
  • Wenden Sie sich an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft, damit eine strafrechtliche Prüfung durchgeführt werden kann.


Binäre Optionen

Der Begriff stammt aus der Computerwelt: 0 oder 1. Verlust oder Gewinn. Anleger spekulieren darauf, ob z. B. der Preis von Aktien, Währungen oder Rohstoffen in einem bestimmten Zeitraum steigt oder fällt. Liegt der Anleger mit seiner Spekulation richtig, macht er einen Gewinn. Liegt er falsch, kann das eingesetzte Geld komplett verloren gehen.

 

Forex

Ist die Abkürzung für Foreign Exchange Market, auf Deutsch: Devisenmarkt. Auf dem Devisenmarkt werden ausländische Währungen an- und verkauft.

 

Finanzderivate

Derivare ist lateinisch und bedeutet ableiten oder abhängen. Preis und Wertentwicklung eines Derivats hängen von der Entwicklung eines anderen Finanzproduktes, dem sogenannten Basiswert ab. Basiswerte können z. B. Aktien, Rohstoffe oder Wertpapiere sein. Die Anleger spekulieren darauf, ob der Preis des Basiswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums steigt oder fällt.

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